Berge waren in der Frühzeit Plätze der Verehrung der archäologisch belegten Muttergöttin. Die Untersuchung möchte zeigen, dass sowohl weltweit als auch hier im Odenwald matriarchale Berge existieren und welchen kulturgeschichtlichen Reichtum sie beinhalten. Auf drei Touren im Heidelberger Odenwald geht es zum Heiligenberg, zum Königstuhl und zum Weißen Stein. Dabei ist der Blick ein besonderer: der einer wissenschaftsbasierten Landschaftsmythologie, die Urgeschichte, Archäologie, Astronomie, Geographie, Namenkunde, Sagenwelt, Literatur der Goethezeit und Religionswissenschaft zu einem Ganzen verbindet.
Die Forschungsarbeit beginnt mit einer Darlegung des Zusammenhangs von Wissenschaft und Muttergöttin sowie einem Überblick über die einschlägige Forschung.
Im 1. Kapitel werden matriarchale Berge in Asien und Amerika, die dreifaltige Muttergöttin und mitteleuropäische Berge in Dreiergesellschaften untersucht.
Im 2. Kapitel geht es um die Namen der Berggöttinnen im Nahen Osten und Südeuropa, nämlich Erd-, Himmels- und Mondgöttinnen; dann um die drei Heiligen Frauen in Mitteleuropa und die christliche Fortführung ihrer alten Kultplätze.
Es folgen im 3. Kapitel Exkursionen zu den drei Bergen bei Heidelberg, die astronomisch aufeinander bezogen sind und gemeinsam die Berggöttin des Odenwaldes symbolisieren.
Im 4. Kapitel wird der Heiligenberg mit keltischem Heidenloch und Michaelskloster als Festplatz der Erdgöttin erfahren.
Im 5. Kapitel zeigt sich der Königstuhl mit seiner Himmelsleiter und dem Königstein als Thron der Himmelskönigin.
Und im 6. Kapitel spiegeln sich zunächst im Handschuhsheimer Mühltal der Quellenreichtum des Odenwaldes und dann im Weißen Stein die Mystik der Weißen Frau und auch der Gottesmutter Maria, ihrer Nachfolgerin.
Die Forschungsarbeit umfasst 158 Seiten mit 34 Abbildungen und Skizzen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Wissenschaft und Muttergöttin
Darin: Überblick über die matriarchale Forschung
1. Kapitel: Matriarchale Berge weltweit
1.1 Die Bergmutter in Asien und Amerika
1.1.1 Mount Everest oder Chomolungma
1.1.2 West Virginia, Mountain Mama
1.1.3 Sierra Madre del Sur
1.2 Die dreifaltige Muttergöttin in Europa
1.2.1 Matriarchale Werte heute
Mutter Maria und das Meer
Shine on me woman
1.3 Mitteleuropäische Berge in Dreiergesellschaften
1.3.1 Drei Berge im Oberpfälzer Wald
1.3.2 Drei Berge im Bayerischen Böhmerwald
1.3.3 Drei Flurnamen im Süden Wiens
1.3.4 Dreisamtal bei Freiburg
1.3.5 Drei Berggöttinnen der Schweizer Alpen
2. Kapitel: Die Namen der Berggöttinnen
2.1 Göttinnen im Nahen Osten und Südeuropa
2.1.1 Erdgöttinnen
2.1.2 Himmels- und Liebesgöttinmen
2.1.3 Mondgöttinnen
2.2 Die Drei Heiligen Frauen in Mitteleuropa
2.3 Christliche Fortführung alter Kultplätze
3. Kapitel: Drei Berge bei Heidelberg
3.1 Exkursionen zu den drei Odenwaldbergen
3.2 Ihre astronomischen Sichtlinien
3.3 Die Bergmutter des Odenwalds
4. Kapitel: Der Heiligenberg - Festplatz der Erdgöttin
4.1 Die Wanderung beginnt
4.2 Das Heidenloch, Fakten und Legenden
4.3 Ein Ort der alten Kulturstufe
4.4 Die mythische Blickachse vom Stephanskloster
4.5 Thingstätte ohne Thing
4.6 Keltisches Oppidum
4.7 Michaelskloster, Merkur und Wodan
4.8 Der Genius loci der Erdgöttin
4.9 Der Heiligenberg von der Seite
4.10 Am Busen der Landschaft
5. Kapitel: Der Königstuhl - Thron der Himmelskönigin
5.1 Von der Altstadt zur Molkenkur
5.2 Heidelberg am Berge und Obere Burg
5.3 Zum Namen Heidelbergs
5.4 Die Himmelsleiter und ihr Sinn
5.5 Auf der Hauptkuppe des Königstuhls
5.6 Benennung nach einem Stein?
5.7 Hieß er im Frühmittelalter Gauberg?
5.8 Zusammenkünfte zu Spiel und Tanz
5.9 Astronomische Sichtlinien
5.10 Der Königstuhl ist der Thron der Himmelskönigin
6. Kapitel: Der Weiße Stein - Mystik der Weißen Frau
6.1 Wanderung durch Raum und Zeit
6.2 Zum Namen des Odenwalds
6.3 Mühltal oder Siebenmühlental?
6.4 Vorschlag Strangwasental
6.5 Quellenreichtum und Einzugsgebiet
6.6 Talprofil und Geologie
6.7 Auf dem Weißen Stein
6.8 Deutungsversuche seines Namens
6.9 Der Weiße Stein ist die Weiße Frau
6.10 Von der Weißen Frau zu Maria
Schluss: Matriarchale Deutung der drei Odenwaldberge
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die landschaftsmythologischen Zusammenhänge matriarchaler Verehrungskulturen in Gebirgsregionen weltweit, mit einem speziellen Fokus auf drei Odenwaldbergen bei Heidelberg. Ziel ist es, das steinzeitliche Erbe der Verehrung der Muttergöttin in ihrer dreifachen Gestalt in der heutigen Landschaft wiederzuentdecken, neu zu interpretieren und die spirituelle Dimension historischer Stätten als "Wandern mit der Göttin" erfahrbar zu machen.
- Matriarchale Kulturgeschichte und moderne Matriarchatsforschung
- Dreifaltige Muttergöttin: Weißer, roter und schwarzer Aspekt
- Landschaftsmythologie als Verbindung von Geologie, Astronomie und Sagen
- Heiligenberg, Königstuhl und Weißer Stein als matriarchale Kultplätze
- Kritische Auseinandersetzung mit der Christianisierung alter Kultplätze
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Wanderung beginnt
Im Mai beginnen die prächtigen Monate des Jahres, und so war es eigentlich ganz naheliegend, einmal eine Wanderung auf den berühmten Heiligenberg bei Heidelberg zu unternehmen. Gestartet wurde am 24. Mai des Jahres 2023 am Heidelberger Hauptbahnhof. Nach dem letzten Haus Handschuhsheims hält der Bus am Turnerbrunnen, und das kuriose Wort klärt sich rasch auf. Ist die Brunnenanlage doch vom Handschuhsheimer Turnverein geschaffen worden, der hier ehrende Gedenkplatten für die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege schuf. Der Wanderer wendet sich nach rechts auf eine breite, befestigte Fahrstraße, den sogenannten Chaisenweg. Er ist zum Glück nicht asphaltiert, hat aber sonst alle Qualitäten einer Fahrstraße, und die ersten hinaufstrebenden und herabkommenden Autos lassen auch nicht lange auf sich warten. Vor der Auto-Zeit sind hier tatsächlich Chaisen, also von Pferden gezogene Kutschen unterwegs gewesen, und das Ziel war heute wie damals dasselbe: der Heiligenberg.
Der Weg folgt mit einer weiten Linkskurve der Ausbuchtung des Heiligenbergs, von dem hier freilich außer Wald links und rechts noch gar nichts zu sehen ist. Bald kreuzen Wanderwege von links hinauf und rechts hinab in die Studentenstadt. Wir gehen in der weitgezogenen, flachen Rechtskurve weiter und sind nun schon deutlich höher hinaufgestiegen. Das Gelände wird steiler und man ahnt, dass sich bald etwas ändern wird. Tatsächlich taucht am Steilhang oberhalb des Weges ein altes Hinweisschild aus dem 19. Jahrhundert auf, das man leicht übersehen kann. Mit ein paar Kletterschritten ist es erreicht. Es weist auf den „inneren Ringwall“ einer „vorgeschichtlichen befestigten Siedlung“ hin, die etwa 400 Jahre vor Christus angelegt worden sein soll. Das Datum der Anlage mag stimmen, es könnte aber auch schon früher gewesen sein.
Kapitel-Zusammenfassungen
Einleitung: Wissenschaft und Muttergöttin: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit einer Abkehr von rein technokratischen Wissenschaftsansätzen hin zu einer Ethik der Verantwortung und der Achtung vor dem Heiligen, inspiriert durch die Wiederentdeckung der matriarchalen Kulturgeschichte.
1. Kapitel: Matriarchale Berge weltweit: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand globaler Beispiele wie dem Mount Everest oder den Appalachen die universelle Verehrung des Weiblich-Göttlichen in Berggestalten.
2. Kapitel: Die Namen der Berggöttinnen: Es wird dargelegt, wie die verschiedenen Aspekte der Muttergöttin (Erde, Himmels- und Liebesgöttin, Mondgöttin) in antiken Kulturen benannt und verehrt wurden und wie sich diese in christlichen Heiligenfiguren fortsetzen.
3. Kapitel: Drei Berge bei Heidelberg: Hier erfolgt die Einführung in das spezifische Untersuchungsgebiet um Heidelberg, wobei der Autor die drei Odenwaldberge als Fokus seiner landschaftsmythologischen Exkursionen benennt.
4. Kapitel: Der Heiligenberg - Festplatz der Erdgöttin: Eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen historischen Schichten des Heiligenbergs, vom keltischen Oppidum über den römischen Merkurtempel bis zur christlichen Überformung.
5. Kapitel: Der Königstuhl - Thron der Himmelskönigin: Dieses Kapitel widmet sich dem Königstuhl als Ort der Himmelskönigin und deutet seine Geographie und historischen Spuren als "Königinnenstuhl" um.
6. Kapitel: Der Weiße Stein - Mystik der Weißen Frau: Die Untersuchung des Weißen Steins schließt die Exkursionen ab, wobei der Fokus auf dem "Quellenwald" und dem Mythos der Weißen Frau liegt.
Schluss: Matriarchale Deutung der drei Odenwaldberge: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung des matriarchalen Wiedergeburtsglaubens als Spiegelung der natürlichen Lebenszyklen.
Schlüsselwörter
Matriarchat, Muttergöttin, Landschaftsmythologie, Heiligenberg, Königstuhl, Weißer Stein, Odenwald, Erdgöttin, Himmelskönigin, Archäoastronomie, Bethen, Vorchristliche Kultplätze, Weibliche Spiritualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit erforscht die Verbindung zwischen matriarchalen Verehrungskulturen der Steinzeit und der geografischen Gestaltung unserer heutigen Mittelgebirgslandschaften, illustriert am Beispiel von Heidelberg und dem Odenwald.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Matriarchatsforschung, der landschaftsbezogenen Mythologie, der astronomischen Deutung von Bergheiligtümern und der Entschlüsselung historischer Ortsnamen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass Berge in der Frühzeit als Verkörperung der Muttergöttin verehrt wurden und dass diese spirituelle Bedeutung bis heute, wenn auch verschleiert, in unseren Landschaften und Traditionen fortwirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Methode der Landschaftsmythologie, die archäologische Funde, astronomische Sichtlinien, Etymologie sowie Sagen- und Mythenforschung miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine weltweite Übersicht matriarchaler Bergverehrung und eine detaillierte, erlebnisorientierte Untersuchung der drei Heidelberger Berge Heiligenberg, Königstuhl und Weißer Stein.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Matriarchat, Muttergöttin, Landschaftsmythologie, Heiligenberg, Königstuhl, Weißer Stein, Odenwald, Erdgöttin, Himmelskönigin, Archäoastronomie.
Wie wird das "Heidenloch" auf dem Heiligenberg gedeutet?
Der Autor interpretiert das Heidenloch entgegen gängiger christlicher Legenden als ursprünglichen, urweiblichen Kultschacht, der mit der Verehrung der Erdgöttin und der Regeneration des Lebens verbunden war.
Was verbirgt sich hinter dem Namen "Königstuhl"?
Die Arbeit leitet den Namen vom "Königinnenstuhl" ab und deutet ihn als Thronsitz der Himmelskönigin, wobei sie steinzeitliche Strukturen in der Natur als Grundlage für diese Deutung heranzieht.
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- Gert Heinz Kumpf (Autor:in), 2024, Bergmutter des Odenwalds, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1491556