In dieser Hausarbeit wird zum besseren Verständnis kurz der Begriff Schwankroman erläutert, grob auf den historischen Kontext eingegangen und allgemein vergleichend die beiden Werke einander gegenübergestellt. Danach werden an ausgewählten Schwänken exemplarisch die folgenden Fragestellungen geklärt: Was übernimmt Bote in seinen Historien aus denen des Strickers? Was und wie verändert Bote diese? Musste das Schwankmaterial an das veränderte Publikum angepasst werden? Welche Intention verfolgt Bote? Was zeichnet die aus dem "Pfaffen Amîs" übernommen Episoden aus?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Schwankroman
3. Historischer Kontext
4. Vergleich zwischen dem Pfaffen Amîs und Dil Ulenspiegel
4.1 Die unsichtbaren Bilder
4.2 Die Heilung der Kranken
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss des ersten deutschen Schwankromans "Der Pfaffe Amîs" des Strickers auf das spätere Werk "Dil Ulenspiegel" von Hermann Bote. Ziel ist es, durch einen exemplarischen Vergleich der Episoden herauszuarbeiten, welche Motive Bote übernommen, wie er sie modifiziert und an das veränderte frühneuzeitliche Publikum angepasst hat.
- Entwicklung und Wandel der Gattung des Schwankromans.
- Einfluss des historischen Kontextes auf die literarische Rezeption.
- Vergleich der zentralen Charaktere und ihrer Motivationsstruktur.
- Analyse der Übernahme und Veränderung spezifischer Schwank-Episoden.
- Untersuchung der gesellschaftskritischen Dimensionen beider Werke.
Auszug aus dem Buch
Die unsichtbaren Bilder
In dieser Episode nutzt Amîs die gesellschaftlichen Zwänge aus und spielt indirekt mit der Angst seiner Opfer. Er kommt nach Frankreich und sucht in Paris den König auf. Diesem bietet er seine Dienste an. Erst auf dessen Nachfrage preist der Protagonist sein besonderes Können als Maler an.
[S]o ist niman so gut, so wise noch so wol gemut, die daz gemelde kunnen sehen, wan den so wol ist geschen, daz si rehte ekint von vater und von muter sint. Die sehent ez und nieman me. Die niht sint kumen von rehter e, die sehent sin einen strich niht.
In Folge dieser Rede sieht der König sofort seine Vorteile – nämlich die Möglichkeit sich an seinen Untertanen zu bereichern und sein Ansehen zu steigern. So möchte er mit Hilfe der Kunst seinen Reichtum, seinen Machtanspruch und seine Schöngeistigkeit herausstellen. In seiner naiven Gutgläubigkeit verlangt er keinerlei Beweis für das angebliche Können des Malers und wägt sich selbst in Sicherheit. Daher erteilt er Amîs den Auftrag, einen Saal auszumalen, ohne jedoch ein konkretes Thema vorzugeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt "Der Pfaffe Amîs" und "Dil Ulenspiegel" als literarische Schwankromane vor und definiert das Ziel, deren inhaltliche und motivische Zusammenhänge zu vergleichen.
2. Der Schwankroman: Dieses Kapitel erläutert die gattungstheoretischen Grundlagen des Schwankromans als verkettete Erzählform mit einem listigen Protagonisten und parodistischen Elementen.
3. Historischer Kontext: Es wird der Wandel des mittelalterlichen Weltbildes hin zur Frühen Neuzeit und der damit einhergehende gesellschaftliche Umbruch sowie die Bedeutung des Buchdrucks dargestellt.
4. Vergleich zwischen dem Pfaffen Amîs und Dil Ulenspiegel: Der Hauptteil analysiert die Unterschiede in der biographischen Anlage der Helden, deren Motivierung sowie die Verschiebung von höfischen Idealen hin zu frühneuzeitlichem Bürgertum.
4.1 Die unsichtbaren Bilder: Die Analyse dieser Episode zeigt, wie die Furcht vor der Entlarvung unehelicher Herkunft bei Hofe als Instrument der Täuschung dient und wie Bote diesen Stoff für sein Publikum modifiziert.
4.2 Die Heilung der Kranken: Dieses Kapitel vergleicht die Episode der fingierten Heilung, bei der die Protagonisten die Angst der Kranken vor dem Tod ausnutzen, um deren Stillschweigen zu erzwingen.
5. Fazit: Das Fazit bestätigt die Rolle von "Dil Ulenspiegel" als Nachfolger des "Pfaffen Amîs" und betont die unterschiedlichen Funktionsweisen der Schwankromane in Bezug auf Unterhaltung und gesellschaftliche Reflexion.
Schlüsselwörter
Schwankroman, Der Pfaffe Amis, Dil Ulenspiegel, Der Stricker, Hermann Bote, Literaturvergleich, Mittelalter, Frühe Neuzeit, List, Schelm, Gesellschaftskritik, Parodie, Rezeptionsgeschichte, Motivwandel, Schein und Sein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die literarischen Bezüge und motivischen Kontinuitäten zwischen dem mittelhochdeutschen Werk "Der Pfaffe Amîs" und dem frühneuzeitlichen "Dil Ulenspiegel".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der Wandel der Schwank-Gattung, die veränderte Motivation der Protagonisten sowie der Einfluss des historischen Kontextes auf die literarische Darstellung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Es soll exemplarisch aufgezeigt werden, wie Motive aus "Paffen Amîs" in das spätere Werk übernommen und an ein verändertes, bürgerlich geprägtes Publikum angepasst wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Untersuchung nutzt den komparatistischen Vergleich ausgewählter Episoden, um strukturelle, motivische und rezeptionsgeschichtliche Unterschiede beider Werke herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Gattungsbeschreibung und den konkreten Vergleich zweier zentraler Episoden: "Die unsichtbaren Bilder" und "Die Heilung der Kranken".
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schwankroman, Gattungstransformation, Gesellschaftskritik, List-Handlungsmodelle und Intertextualität beschreiben.
Inwiefern unterscheidet sich die Motivation der beiden Helden grundlegend?
Während Amîs aus einer definierten, biographischen Notwendigkeit heraus handelt (Erwerb von "guot"), agiert Ulenspiegel als Schalk primär aus einem destruktiven Impuls heraus, ohne dass der Reichtum sein Hauptziel darstellt.
Wie variiert die Darstellung der Angst in den "Heilung der Kranken"-Episoden?
Bei Amîs werden die Kranken durch einen Eid zur Lüge gezwungen, um ihr soziales Ansehen zu wahren, während bei Ulenspiegel die kollektive Angst vor dem sofortigen physischen Tod der Schwächsten die Krankenhausinsassen zum Stillschweigen bewegt.
- Quote paper
- Karin Frank (Author), 2017, Der Schwankroman im Wandel der Zeit. Exemplarischer Vergleich zwischen dem "Pfaffen Amis" und "Dil Ulenspiegel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1491614