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Die Entstehung der schwäbischen Tugenden im Zusammenhang mit dem Einfluss des Pietismus in Württemberg (16. bis 18. Jahrhundert)

Title: Die Entstehung der schwäbischen Tugenden im Zusammenhang mit dem Einfluss des Pietismus in Württemberg (16. bis 18. Jahrhundert)

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 26 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Simon Gonser (Author)

Cultural Studies - European Studies
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Wie kaum ein anderer Faktor hat die Religion die verschiedenen Kultur- und Gesellschaftsformen der Menschheit in allen Teilen der Welt und zu allen Zeiten beeinflusst und geprägt. Ein besonderes Beispiel dafür stellt das Begriffspaar „Pietismus“ und „Württemberg“ dar, um das es in dieser Arbeit geht. Der Pietismus, eine aus der neuzeitlichen Geschichte des Protestantismus nicht mehr wegzudenkende theologische Ausrichtung, hat in besonderem Maße auf das geistige Leben, aber auch auf soziale und politische Aspekte Einfluss genommen. In Deutschland gilt dies neben Westfalen vor allem für Württemberg. Gerade dort wird diese Bewegung aber allzu oft überbewertet. Alle spezifischen Eigenschaften der Schwaben und deren Tugenden wie Fleiß, Sparsamkeit, Genügsamkeit und Reinlichkeit (Stichwort Kehrwoche) werden dem Pietismus zugeschrieben. Diese Ansicht beruht auf dem pietistischen Prinzip der Verbesserung der Sünder durch die planmäßige Vermeidung von Sünden mittels praktischer Heiligung des Lebens. Entsprechende Konsequenzen über den Bereich von Religion und Kirche hinaus waren die Folge. Eine Umgestaltung des traditionellen Alltagslebens und eine neue Einstellung zu Arbeit und Besitz führten letztendlich zum Entstehen der schwäbischen Produktivkräfte „Schaffen-Sparen-putzen“. Doch lassen sich diese verinnerlichten Handlungsmuster der württembergischen Bevölkerung tatsächlich nur auf den Pietismus zurückführen? An dieser Stelle will diese Arbeit einhaken und nach anderen möglichen Einflüssen auf diese Tugenden suchen und dabei die Ursache „Pietismus“ differenziert betrachten. Die zeitliche Einordnung der Arbeit konzentriert sich dabei auf den Zeitraum von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Einbettung in den historischen Kontext

2.1 Altwürttemberg

2.2 Der Pietismus

3. Pietistische Einflüsse

3.1 Pietistische Weltanschauung

3.2 Sauberkeit und Reinigung

3.3 Pietisten und öffentliche Ordnung

3.4 Arbeit und Beruf im Pietismus

3.5 Einfluss durch pietistische Literatur

3.6 Einfluss durch das Konsistorium

3.7 Verstärkende Wirkung des Pietismus in Württemberg

4. Andere Einflüsse auf die schwäbischen Tugenden

4.1 Historische Gegebenheiten

4.2 Die Minderheit der Pietisten

4.3 Weltliche Gesetzgebung in Württemberg

4.4 Der Pietismus und die württembergischen Herzöge

4.5 Der Einfluss des württembergischen Protestantismus

5. Ergebnisse

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der pietistischen Bewegung in Württemberg und der Entstehung der sogenannten schwäbischen Tugenden wie Fleiß, Sparsamkeit und Reinlichkeit. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob diese verinnerlichten Handlungsmuster ausschließlich auf den Pietismus zurückzuführen sind oder ob auch andere historische, soziale und ordnungspolitische Faktoren, wie die staatliche Kirchenzucht, eine prägende Rolle gespielt haben.

  • Einfluss der pietistischen Weltanschauung auf das tägliche Leben
  • Rolle der württembergischen Kirchenkonvente als Disziplinierungsinstrument
  • Kritische Differenzierung zwischen pietistischer Ethik und anderen sozialen Einflüssen
  • Untersuchung der historischen Voraussetzungen in Altwürttemberg

Auszug aus dem Buch

3.2 Sauberkeit und Reinigung

Einen Zusammenhang zwischen der seelischen Reinigung des Pietismus und dem materiellen Sauberkeitsempfinden der Schwaben herzustellen, ist nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen. Der Pietismus des 17. Jahrhunderts hoffte auf eine konkrete Eschatologie, also ein baldiges Kommen Gottes, auf das die Welt vorbereitet sein musste. Die Sünden als seelischer Schmutz mussten daher genauso einer Reinigung unterzogen werden wie die sozialen Missstände in der Welt. Dies findet sich etwa in Johann Arndts (1555-1621) „Paradieß-Gärtlein“, in dem Jesus als Liebhaber der Reinheit bezeichnet wird und zu dem um die Abwendung von dem giftigen Gestank der Sünden gebetet wird. Zur Bekämpfung der sozialen Missstände ist erneut die Missionierung und die karitative Arbeit zu nennen, mit der die Welt gesäubert werden sollte.

Konkrete Bezüge des Pietismus zur Reinigung im Zusammenhang mit hygienischen Vorstellungen sind allerdings nur schwer nachzuweisen. Ein Beispiel außerhalb Württembergs lässt sich im Waisenhaus der pietistischen Herrnhuter Brüdergemeine finden, welche 1727 von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760) gegründet wurde. Hier waren tägliches Waschen und Baden der Kinder sowie eine dreifache Ausstattung mit Wäschestücken für jedes Kind an der Tagesordnung. Dieser Idealfall der pietistischen Erziehung im Herrnhuter Waisenhaus scheint also ein Gleichgewicht zwischen reinem Körper und reiner Seele anzustreben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Ursache der schwäbischen Tugenden und hinterfragt die oft pauschale Zuschreibung dieser Eigenschaften zum Pietismus.

2. Die Einbettung in den historischen Kontext: Dieses Kapitel definiert Altwürttemberg als Untersuchungsraum und führt in die Grundlagen des Pietismus sowie dessen Einordnung in den Protestantismus ein.

3. Pietistische Einflüsse: Hier werden verschiedene Wirkungsmechanismen des Pietismus, wie Literatur, Weltanschauung und die Rolle der Konventikel, detailliert analysiert.

4. Andere Einflüsse auf die schwäbischen Tugenden: Das Kapitel beleuchtet alternative Ursachen wie die historische Eigensituation, die Bedeutung der Kirchenkonvente und weltliche Gesetzgebungen.

5. Ergebnisse: Die Ergebnisse fassen zusammen, dass die schwäbischen Tugenden ein Zusammenspiel aus pietistischer Ethik und tiefer verwurzelten staatskirchlichen Ordnungssystemen sind.

Schlüsselwörter

Pietismus, Württemberg, schwäbische Tugenden, Kirchenkonvente, Protestantismus, Reinlichkeit, Fleiß, Sparsamkeit, Sozialgeschichte, Kirchenzucht, Altwürttemberg, Mentalitätsgeschichte, Johann Valentin Andreae, Philipp Jakob Spener.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, inwieweit der Pietismus die typischen schwäbischen Tugenden wie Fleiß und Reinlichkeit beeinflusst hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die pietistische Frömmigkeit, das historische Herzogtum Württemberg, soziale Normen und staatliche Disziplinierung durch Kirchenkonvente.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Ursachen für die schwäbischen Tugenden differenziert zu betrachten und den Anteil des Pietismus gegenüber anderen historischen Einflüssen abzuwägen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf zeitgenössischen Quellen, Kirchenordnungen und sozialgeschichtlicher Fachliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil behandelt die pietistischen Einflüsse auf das Alltagsleben sowie die ordnungspolitische Bedeutung der Kirchenkonvente und weltlicher Reskripte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Pietismus, Altwürttemberg, Kirchenzucht, Fleiß, Sparsamkeit, soziale Identität und schwäbische Mentalität.

Welche Rolle spielen die Kirchenkonvente für die Entstehung der Tugenden?

Die Kirchenkonvente fungierten als Überwachungs- und Disziplinierungsinstitutionen, die ein methodisches Verhalten einforderten und so den Grundstein für die verinnerlichten Tugenden legten.

Warum wird der Pietismus in der Arbeit als "Minderheit" bezeichnet?

Die Arbeit stellt fest, dass der Anteil der bekennenden Pietisten an der Gesamtbevölkerung Württembergs auch in ihrer Blütezeit bei nur etwa 8 % lag.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Kehrwoche und dem Pietismus?

Die Arbeit legt dar, dass die Kehrwoche eher auf die staatliche Reglementierung der Kirchenkonvente und städtische Gassenordnungen als auf rein pietistische Überzeugungen zurückzuführen ist.

Was ist das Fazit der Arbeit bezüglich der Tugenden?

Das Fazit lautet, dass die schwäbischen Tugenden durch das Zusammenspiel von pietistischer Ethik und den bereits existierenden strengen staatskirchlichen Strukturen Württembergs entstanden sind.

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Details

Title
Die Entstehung der schwäbischen Tugenden im Zusammenhang mit dem Einfluss des Pietismus in Württemberg (16. bis 18. Jahrhundert)
College
University of Freiburg  (Historisches Seminar)
Course
Über Reste. Zur Technik- und Kulturgeschichte des Abfalls
Grade
1,3
Author
Simon Gonser (Author)
Publication Year
2005
Pages
26
Catalog Number
V149173
ISBN (eBook)
9783640596454
ISBN (Book)
9783640596072
Language
German
Tags
Herzogtum Württemberg Württemberg Pietismus Religionsgeschichte Alltagsgeschichte Sozialgeschichte Protestantismus Moral Tugend Kehrwoche Schwaben Schwäbisch Theologie Kultur Gesellschaft Neuzeit Sparsamkeit Fleiß Genügsamkeit Strebsamkeit Arbeit Evangelisch Kirche Reformation Kirchengeschichte Sozialstruktur Martin Luther Puritanismus Puritaner Konventikel Altwürttermberg Süddeutschland Landesgeschichte Baden-Württemberg Max Weber Herrnhuter Brüdergemeinde Altpietistische Gemeinschaft Christentum Konsistorium Württembergische Landeskirche Johann Albrecht Bengel Konvent Kirchenkonvent
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Simon Gonser (Author), 2005, Die Entstehung der schwäbischen Tugenden im Zusammenhang mit dem Einfluss des Pietismus in Württemberg (16. bis 18. Jahrhundert), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149173
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