Geschichte und Konzept der Waldorfschule – Welche Schwerpunkte, Rahmenbedingungen und Vorstellungen beinhaltet das Konzept der Waldorfpädagogik innerhalb der Schulzeit?


Studienarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie Rudolf Steiner

3. Entstehung und Geschichte der Waldorfschule

4. Das Konzept

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Moduls 1.2 Geschichte und Theorien Sozialer Arbeit wurden uns Kenntnisse und Wissen zu verschiedenen, geschichtlichen Zeitepochen und Themen vermittelt. Dazu zählten neben Mittelalter und Industrialisierung auch ausgewählte Theorieansätze der Sozialen Arbeit. Die Themenwahl für die Hausarbeit wurde den Studenten freigestellt, sollte sich aber mit den Inhalten des Moduls beschäftigen. Meine Wahl fiel auf das Thema dieser Hausarbeit, da ich selber Schülerin der Waldorfschule war und ich mich mit der Pädagogik und dem Konzept dieser Schule auseinandersetzen wollte. „ Das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen “ (www.waldorfkindergarten.de). Dieses Zitat stelle ich der vorliegenden Hausarbeit voran, denn ich möchte mich nachfolgend mit der Entstehungsgeschichte und den konzeptionellen Ansätzen der Waldorfschule auseinandersetzen. Obwohl die Pädagogik von Steiner weit verbreitet ist, haben meiner Ansicht nach viele Menschen, die nicht direkt mit ihr in Berührung gekommen sind, ein unzureichendes bzw. gar kein Bild von der angewandten Pädagogik und den Besonderheiten der Waldorfschule. Zwar scheint sie allseits bekannt, aber es gibt genügend falsche Kenntnisse und Vorurteile, die mir weiterhin den Anstoß gaben mich mit der Thematik auseinandersetzen zu wollen. Meine Arbeit beschreibt einen Teil von Steiners Ansichten und Vorstellungen zur Entwicklung und Erziehung eines Kindes. Um die anthroposophische Lehre samt ihrer Begründungs-zusammenhänge zu beschreiben ist sie zu umfangreich. Ebenso die Beschreibung der kritischen Hinterfragung der Anthroposophie und der aus ihr resultierenden pädagogischen Maßnahmen, würden den Rahmen dieser Themenstellung und Arbeit nicht ermöglichen. Diese Arbeit stellt zu Beginn die Biographie des Begründers, Rudolfs Steiners, dar und geht dann im nächsten Schritt auf die geschichtlichen Hintergründe der Pädagogik ein. Im Anschluss beschreibe ich die die konzeptionellen Ansätze und die Rahmenbedingungen, die bis in der Gegenwart reichen. Die Arbeit endet mit einem zusammenfassenden Resümee.

2. Biografie Rudolf Steiner

Rudolf Josef Lorenz Steiner wurde am 27. Februar 1861 in Kraljevec, Ungarn, als Erstes von vier Kindern geboren. Sein Vater war Bahnangestellter und ernährte mit seinem Gehalt die Familie. Die Mutter war Hausfrau. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen. Steiner ging in die Realschule Wiener Neustadt und bestand dort das Abitur mit Auszeichnung. Anschließend studierte er an der Hochschule in Wien Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, belegte geisteswissenschaftliche Vorlesungen und deutsche Literatur, zu dem Philosophie und Geschichte (vgl. www.paedal.de). Im Herbst des Jahres 1882 erarbeitet Steiner die erkenntnis- theoretische- philosophische Grundlage seiner späteren Anthroposophie. Sie ist eine weltweit vertretene, spirituelle Weltanschauung und bedeutet übersetzt: Weisheit des Menschen (vgl. Kleinau- Metzler, 2000: 10). Steiner schloss sein Studium an der Technischen Hochschule nicht ab und arbeitete von 1884 bis 1890 als Hauslehrer und Erzieher. Er zog 1890 nach Berlin, wo er zunächst eine Zeit arbeitslos war. Er begann dort seine Arbeit als Lehrer an einer Arbeiter-Bildungsschule, jedoch nur unter der Vorrausetzung, dass er seine Anschauung der Anthroposophie dort auch vertreten und verbreiten könne. 1891 erhielt er den Doktor-Titel der Philosophie. In dieser Zeit lernte er Frau Marie von Sievers kennen, die er am 24. Dezember 1914 heiratete. Die Gründung der ersten Waldorfschule in Deutschland erfolgte im Jahre 1919 in Stuttgart. Im Januar 1924 erkrankte Steiner, was ihn zum Jahresende ans Bett fesselte. Am 30. März 1925 erlag Steiner, im Alter von 64 Jahren, seiner Krankheit. (vgl. Steiner, 1928). Es gelang ihm allerdings noch vor seinem Tod, die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft im Jahre 1923 zu gründen. Steiner hielt in den letzen Jahren seines Lebens noch einige pädagogische, theologische, medizinische und landwirtschaftliche Vorträge in Städten Europas wie Prag, Bern, Breslau, London und Oslo (vgl. Loitsch, 1998).

3. Entstehung und Geschichte der Waldorfschule

„Die Waldorfschule ist ein weltweit großes Diskussionsthema, keine andere Schulform bietet so viel Gesprächsstoff, wie diese Schule“ (Zimmermann, 2003: 4).

Ein Vorurteil, welches sich hartnäckig gegenüber der Anthroposophie und besonders den Aussagen Steiners bezieht, ist der Vorwurf von Rassismus und Diskriminierung durch die Waldorfschule und der dort angewandten Pädagogik. ,,Für kurzweiliges Medieninteresse sorgte ein 2007 bei der "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" (BPjM) eingegangener Antrag auf die Indizierung zweier Vortragszyklen Steiners wegen "rassistischer Passagen", dem jedoch nicht stattgegeben wurde“(vgl. www.hagalil.com). In der heutiger Zeit wächst die Zahl der Waldorf-schulen in Deutschland und auch dem Rest der Welt stetig an. 1919 wurde in Stuttgart die erste Freie Waldorfschule gegründet – im Wandel hervorgerufen durch den ersten Weltkrieg. Zielgruppe waren zunächst Kinder, deren Eltern in den Waldorf- Astoria Zigarettenfabriken beschäftigt waren und deren Lebensbedingungen verbessert werden sollten (vlg. Kleinau-Metzler, 2000: 9). ,,Ziel war es ihnen Bildung zum Aufstieg zu einer höheren Kultur anzueignen" (Kayser, 1991). Rudolf Steiner entwickelte mit der Gründung der Waldorfschule eine bisher noch nicht bestehende Alternative zum Regelschulsystem. Erschaffer und Begründer war Emil Molt, 1876-1936. Er war deutscher Unternehmer und Anthroposoph und gleichzeitig auch Ideengeber für die Entstehung der Waldorfschule. Durch den Auftrag an Steiner, eine Werkschule für die Kinder der Beschäftigten einer Zigarettenfirma einzurichten, übertrug er ihm auch gleichzeitig die Leitung. Anfänglich besuchten 250 Schüler in acht Klassen die Schule. 65 Kinder und Jugendliche gehörten zu Eltern, die nicht in der Waldorf- Astoria- Fabrik arbeiteten. Die Schule wurde zu einer privaten, rechtlich selbstständigen Schule, von der Emil Molt bis zu seinem Tod Vorsitzender war. ,,1938 wurden sieben der acht Waldorfschulen in Deutschland von deutschen Faschisten geschlossen“(www.pedocs.de). Im Jahre 2002 gab es in der Bundesrepublik Deutschland bereits 172 Waldorfschulen. Daraus lässt sich schließen, dass bis heute die Waldorfpädagogik einen großen Anklang findet, betrachtet man die wachsenden Zahlen. Unabhängig von sozialer Herkunft und Begabung, erhalten junge Menschen eine gemeinsame, altersgerechte Bildung (vgl. Kleinau- Metzler, 2000: 11). So sind es im Jahre 2006 alleine schon 197 Schulen und weltweit bereits 923 in mehr als 60 Staaten (vgl. Kapol, 2006).

4. Das Konzept

Die Freien Waldorfschulen in der Bundesrepublik folgen als allgemeinbildende Gesamtschulen dem Grundkonzept der anthroposophisch geprägten Pädagogik. Waldorfschulen sind nicht staatlich anerkannt, was heißt dass die staatlichen Lehrpläne nicht übernommen werden müssen, sich aber stark an diese anlehnen. (vgl. www.fh-landshut.de). Die Waldorfpädagogik orientiert sich an den Entwicklungsphasen der Kinder und Jugendlichen auf der Basis eines ganzheitlichen Erziehungsansatzes, sowohl intellektuelle als auch kreative, künstlerische, praktische und soziale Kompetenzen gleichwertig zu vermitteln. Grundlage der Waldorf-pädagogik ist die ursprünglich von Rudolf Steiner formulierte Erkenntnis, dass jedem Menschen unterschiedliche individuelle Anlagen mitgegeben wurden, die es gilt, aus dem Kind heraus zu entwickeln und zu fördern, ohne das es schematisch auf ein starres Bildungsziel hin zu fixieren ist (vgl. www.kindergartenpaedagogik.de). Das Ziel ist es innerhalb der zwölf Schuljahre das individuelle Denken, das Fühlen und das Wollen jedes einzelnen Schülers weiter zu entwickeln. Steiner differenziert in seiner Annahme zwischen drei Lebensabschnitten, die auf der Basis der anthroposophischen Menschenkunde aufgebaut wurden, jeweils sieben Jahre andauern und den Lebensrhythmus des Individuums bestimmen. Die erste Phase (physischer Leib) beschreibt den Zeitraum von der Geburt bis zum Zahnwechsel. Vom 7. Lebensjahr bis zum Alter von 14 Jahren befindet man sich in Phase 2 (Ätherleib), die die Mitte der Kindheit darstellt. Abschließend befindet sich das Individuum in der dritten und letzten Phase (Astralleib), vom Jugendalter bis zum Erreichen der Mündigkeit (vgl. www.anthroposophie.net). So ist es möglich, sich an das entwickelnde Kind anzupassen, wie es in der Waldorfschule gelebt und praktiziert wird. Der wichtigste Grundsatz der von der Waldorfpädagogik verfolgt wird ist ein ganzheitlicher Ansatz. ,, Alles Lehren und sämtliche pädagogischen Handlungen beruhen also auf der Grundlage der Anthroposophie“ (Dumas, 2003). Aufgabe des Lehrers in der Grundschulzeit ist es, den Kindern die Zeit einzuräumen, die sie für ihr individuelles und unterschiedliches Fortschreiten benötigen. Der Unterrichtsalltag verläuft folgendermaßen: Jeden Tag gibt es einen zweistündigen Hauptunterricht, hier wird in Epochen unterrichtet. In den unteren Klassen wird ein bildhaft betonter Unterricht angeboten. Der erste Teil des Unterrichts besteht aus einem Morgenspruch, der täglich gemeinsam von Klasse und Lehrer gesprochen wird. Im Anschluss folgt ein Lied oder auch andere musische Beschäftigungen. Die Epochen, die blockweise über das Jahr verteilt gelehrt werden, sind Lerneinheiten für drei bis vier Wochen. Es werden in diesen zeitlichen Abschnitten alle Fächer unterrichtet außer: Sprachen, Musik, Eurythmie, Religion, Sport, Handarbeiten, Gartenbau und Werken. Es sind also Fächer, die eher das Kognitive fordern und beanspruchen. So gibt es außer Lesen, Schreiben, Rechnen die Natur-wissenschaften: Biologie, Chemie, Physik und Heimatkunde und Geschichte, Formenzeichnen und Kunst (vgl. Iwan, 2007: 34). Epochen sollen zu einer intensiven, gründlichen und vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Inhalt des einzelnen Faches dienen. Nach der jeweiligen Epoche können die Inhalte sich festigen und die Kinder sich auf andere Fachthemen konzentrieren. Wird die Epoche wieder aufgegriffen, dauert es erfahrungsgemäß kurze Zeit, bis alle Schüler wieder auf dem alten Wissensstand sind (vgl. www.akdh.ch). Vorteil des Unterrichtes in Epochen ist, dass der Lehrende die Chance hat, seine Themen und Inhalte kompakt zu vermitteln, ohne dass er zu langen Pausen zwischen den einzelnen Sequenzen gezwungen wird. Nach diesem Block folgt Fachunterricht, bestehend aus Einzel- und Doppelstunden, die von Fachlehrern übernommen werden. Da sind besonders die Fremdsprachen wie Englisch, Russisch und Französisch zu nennen, diese werden in der Regel ab der ersten Klasse unterrichtet. Englisch wird in allen Schulen und in allen Klassen angeboten. Russisch und Französisch werden im Reißverschlussverfahren gelehrt. Der eine Jahrgang wird in Russisch unterrichtet, der Nächste hat als zweite Fremdsprache Französisch. In den ersten Jahren lernen die Kinder durch Nachahmung die Sprache kennen, erst ab der vierten Klasse wird die Sprache auch schriftlich umgesetzt. Grammatik als eigenständigen Unterrichtsinhalt gibt es erst im sechsten Schuljahr. Gelesen werden unterschiedliche Lektüren, angefangen mit einfachen Büchern bis hin zu anspruchsvollen Texten und Romanen. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass sowohl leistungsschwache als auch leistungsstarke Schüler individuell gefördert werden. Dies gilt genauso für alle anderen Fächer, denn es handelt sich um Klassenverbände, die mit der Einschulung zusammenfinden und im Wesentlichen bis zur 12. Klasse zusammenbleiben. Es finden keine Trennungen der Schüler nach Leistungskriterien statt. Für den Fachunterricht werden die Klassen fast immer in Gruppen eingeteilt. In den ersten Klassen ist es üblich, dass die Materialen zum Erüben einfacher Rechenaufgaben in der Natur gesammelt oder selber von Schülern produziert werden, etwa in Form von selbst gefertigten Würfeln aus Ton oder anderen Materialien. In den Schreibepochen werden Buchstaben durch entsprechende Geschichten eingeführt, so dass eine eigene Qualität eines jeden Buchstaben vermittelt werden kann. Die Kinder laufen und kneten Buchstaben, malen anschließend ein Bild zu der Geschichte und verinnerlichen auf diese Weise noch einmal die gelernten Dinge. Auch in der Mittelstufe ist es notwendig, praktisch zu arbeiten und das musische Tun, Werken, Tanzen und Spielen zu fördern, denn dies sorgt für eine Bewusstseinserweiterung und Entfaltung der Persönlichkeit (vgl. Dumas, 2003). Dies geschieht zum einen, in den Arbeitsbereichen, die mit Tischlern und Werken zu tun haben, in der Metallverarbeitung, dem Töpfern, Plastisieren und Weben, und nicht zuletzt im Gartenbau. Die Ausbildung in Eurythmie, eine Form von Ausdruck- und Bewegungstanz, welches die Äußerung von Sprache, Kunst und Musik beinhaltet und bis zum Abschluss der 12. Klasse unterrichtet wird und als hohe Prämisse angesehen wird. (vgl. http://www.eurythmie-info.de/). Alle Kinder an den Schulen lernen im Unterricht die C-Flöte spielen, und zudem gibt es zur Begleitung eine große Anzahl an Instrumenten, die die Kinder kennen lernen. Daraus ergibt sich auch das gemeinsame Musizieren in den Klassenorchestern. Die Schüler, die sich nicht am instrumentalen Musizieren beteiligen, singen in Schulchören. In der Mittelstufe beginnen die Schüler auch mit der Arbeit im Schulgarten. Allgemeine Bodenpflege und die Übernahme eines kleinen Gartenstückes stehen hier zur Pflege im Vordergrund. Generell werden in allen Unterrichtseinheiten Jungen und Mädchen zusammen unterrichtet, außer in seltenen Fällen im Sportunterricht. Der Lehrplan passt sich den Entwicklungsstufen des jeweiligen Kindes an und er macht keinen Unterschied zwischen Stand, Klasse, Geschlecht, Herkunft, Religion, Milieu und Vermögen, so dass die jungen Menschen eine gemeinsame Bildung erhalten. Der Unterricht hat sehr unterschiedliche Phasen, in denen es nicht nur darum geht, bestimmte Inhalte zu vermitteln die dann als abfragbares Wissen vorliegen sollen. (vgl. Kleinau- Metzler, 2000: 10). Vielmehr soll durch die vorgegebenen Unterrichtsinhalte menschliche Entwicklungsarbeit geleistet werden. Aufbau und Ziele des Unterrichtes bleiben prinzipiell bis in die Oberstufe bestehen, auch wenn sich inhaltlich einiges ändert. In den Klassen 9-12, also in der Oberstufe, werden alle Fächer von Fachlehrern unterrichtet und zusätzlich gibt es als Ersatz für den Klassenlehrer aus der Unter- und Mittelstufe einen Klassenbetreuer. „In einer großen Klasse entsteht, durch die Vielzahl der unterschiedlichen Persönlichkeiten, Temperamente und Eigenschaften der Kinder über 12 Jahre eine soziale Gemeinschaft, in der die jungen Heranwachsenden aneinander lernen.“ (www.waldorf-mh.de). Dies bedeutet, dass sich eine Klassengemeinschaft bildet, in der schwächere Schüler von leistungsstärkeren Mitschülern mitgetragen und mitgezogen werden. Die Fächer unterscheiden sich namentlich kaum von denen an staatlichen Schulen. In vielen Fächern spiegeln sich die Inhalte der Unter- und Mittelsstufe wieder, sie werden vertiefend wiederholt – altersgemäß. In der Oberstufe wird teilweise projekthaft unterrichtet. Weiterhin werden verschiedene Praktika angeboten. Dazu gehören unter anderem ein Landwirtschafts-, Forst- und Feldmesspraktikum und ein Sozialpraktikum. Dies ermöglicht den Schülern einen weit gefächerten Einblick in die Arbeitswelt und bietet Möglichkeit, die Gesellschaft konkret erfassen zu können. In der 9. Klasse steht das zweiwöchige Land-wirtschaftspraktikum auf einem Demeterhof auf dem Lehrplan. Bis zum Ende der Pubertät haben die Jugendlichen dann in vielfacher Weise die Chance praktisch mit der Natur arbeiten zu können. Erfahrungen machen die Schüler mit der Umwelt beim Feldmesspraktikum in der 10. Klasse, wo mit Messstange, Kompass und Theodolit (Winkelmessinstrument) in gemeinsamer Arbeit ein Gelände vermessen wird. Zudem gibt es in der 12. Klasse eine Kunstfahrt, die Schüler lernen dort, die Reize der Landschaft einzufangen. Andere gehen in der Zeit der Kunstfahrt der Bildhauerei nach, der Arbeit mit dem Marmor und fertigen dabei Plastiken an. Im weiteren Verlauf gibt es Jahresarbeiten, deren Ziel es ist, dass sich die Schüler über einen längeren Zeitraum mit einem Thema beschäftigen und am Ende der Arbeit ihre Ergebnisse in Schrift, Bild und Wort erläutern und präsentieren. Die Aufgabe mit der Erarbeitung der Jahresarbeit wird den Schülern in der 8. Klasse gestellt und gegen Ende der Oberstufe. Je nach Altersstufe unterscheidet sich die Wahl der Themen. Als Abschluss der Mittelstufen findet man Themen wie Seifenkisten und Modellflugzeuge, aber auch Auseinandersetzungen mit Drogen oder bedeutenden Persönlichkeiten. In der Oberstufe werden die Themen komplexer und vielfältiger und aus diesem Grund von Fachleuten betreut. Die Bandbreite der Themen ist so unerschöpflich wie die Individualitäten, die sich im Laufe der Schulzeit entwickeln und herausbilden. Um die erlernten Sprachen in der Praxis zu erproben, gibt es in der Oberstufe Fahrten ins Ausland, so dass die Klassenfahrten in das entsprechende Land führen. Regelmäßig fahren die Schüler nach Russland, besuchen dort Waldorfschulen, Krankenhäuser und heil-pädagogische Zentren. Die zwei Klassenspiele - in der 8. und 12. Klasse - gehören zu jeder vollständigen Waldorfschülerkarriere, dabei handelt es sich um Theaterstücke, die von der ganzen Klasse in gemeinsamer Arbeit zur Aufführung gebracht werden. In der 8.Klasse dominiert häufig noch der Klassengeist das Stück. Gegen Ende der Oberstufe - in der 11. und 12. Klasse – stehen echte Persönlichkeiten auf der Bühne - wenn es denn überhaupt eine Bühne ist und nicht so gar ein Bunker oder Speicher - die dem Stück eine persönliche Note verleihen. Ein besonderes Highlight ist es, wenn sich Oberstufenklassen für ein Musical entscheiden: Hier treffen verschiedene Bereiche aufeinander die nicht zuletzt auch während der Schulzeit angelegt wurden. Musik, Orchester, Gesang, genauso wie eigenverantwortliches Arbeiten, Organisation von Arbeitsprozessen, Übernahme von Verantwortung, und das alles als gemeinsame Teamarbeit, zeitlich auf den Punkt gebracht. Durch die allgemeine finanzielle Situation wird die Höhe des Schulgeldes berechnet, welche jedoch fast kontinuierlich ist. Die Schule erhebt ein monatliches Schulgeld zwischen 175 und 300 Euro. Eltern, die es aufgrund von finanziellen Engpässen nicht zahlen können, dürfen aus diesem Grund nicht als Schuleltern abgelehnt werden, so dass die Kinder in die Schule aufgenommen werden müssen. Dass heißt, dass hier der soziale Gedanke zählt und eine Schulgeldermäßigung möglich ist. Weiterhin finanzieren sich die Schulen anhand von Spenden durch Einzelpersonen oder Organisationen. Im Allgemeinen werden keine Schulbücher genutzt, mit einzelnen Ausnahmen in Sprachfächern in der Oberstufe. Lehrbücher werden von den Schülern in Form von Epochenheften innerhalb des Unterrichtes bis hin zur 12. Klasse selber erstellt und angefertigt. Man durchläuft 13 Jahre die Schule und es ist nicht möglich, aufgrund schlechter Leistungen eine Klasse wiederholen zu müssen. „Der Lehrplan ist weiterhin auf die in den Kindern liegenden seelischen und geistigen Veranlagungen und Begabungen ausgerichtet“ (www.waldorfschule-rosenheim.de). Waldorfschulen werden selbst-verwaltend organisiert, was sich auf die pädagogische Zielsetzung, die Organisation und die Finanzierung erstreckt. Es gibt mehrere wöchentliche Konferenzen an denen neben Lehrern auch gewählte Eltern teilnehmen. Dort wird über pädagogische, organisatorische und verwaltungs-technische Fragen beraten. Um an einer Schule mit anthroposophischem Hintergrund unterrichten zu dürfen, ist es ist Vorrausetzung für einen Waldorflehrer entweder eine einjährige spezielle Weiter-bildung zu belegen oder eine nebenberufliche Qualifizierung zu absolvieren. ,,Die Lehrerbildung auf der Grundlage der Waldorfpädagogik setzt sich mit den theoretischen und praktischen Grundlagen der allgemeinen Erziehungswissenschaft und der Waldorfpädagogik sowie deren philosophischen, anthropologischen, historischen und wissenschaftstheoretisch- methodischen Hintergründen auseinander“ (www.waldorfschule.info/de). Die Schule steht jedem Kind offen, egal aus welchem sozial-ökonomischem Hintergrund der Schüler kommt. Für die Aufnahme sind keine weltanschaulichen, religiösen oder wirtschaftlichen Gesichtspunkte entscheidend. Sofern Plätze frei sind, ist eine Aufnahme in alle Klassen möglich. Vorraussetzung ist die Bereitschaft der Eltern zu aktiver Mitarbeit und dazu die wesentlichen Anliegen der Waldorfpädagogik, die in der Selbst-verwaltung anfallenden Aufgaben und die finanziellen Lasten jeweils nach ihren Möglichkeiten mitzutragen. Jede Waldorfschule in der Bundesrepublik ist berechtigt die Schulabschlüsse des Sekundarbereiches I (Hauptschulabschluss nach der 10. Klasse, Mittlerer Bildungsabschluss nach der Klasse 11) selbstständig zu vergeben. In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch, sind die Schüler verpflichtet, wie auch in den Regelschulen, seit 2005, in der zweiten Hälfte des Schuljahres eine zentral gestellte schriftliche, staatliche Prüfungsaufgabe zu bearbeiten. Des Weiteren findet eine mündliche Prüfung in einem Fach ihrer Wahl (die Fächer der schriftlichen Prüfung sind ebenso wie die wie mit einer rein praktischen Ausrichtung wie z.B.: Sport ausgeschlossen) durch die Fachlehrer der entsprechenden Schule statt. Die Noten der Prüfungen gehen zu einem Drittel in die Bewertung der Gesamtnote der geprüften Fächer mit ein. Der erweiterte Hauptschulabschluss ist erreicht, wenn die Leistungen ohne Ausgleich zur Versetzung führen. Für den mittleren Bildungsabschluss darf im Zeugnis keine Note sechs und höchstens eine Note fünf enthalten. Für den erweiterten Mittleren Bildungsabschluss ist ein Gesamtnotendurchschnitt von mindestens 3,0 notwendig. Der Notendurchschnitt in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch muss ebenfalls mindestens 3,0 sein. Nach der 12. Klase erwerben die Schüler den Waldorfschulabschluss. Dieser Abschluss, der ein Text- und Notenzeugnis umfasst, stößt erfahrungsgemäß bei Bewerbungen in Betrieben auf eine positive Resonanz, stellt jedoch keinen staatlich anerkannten Abschluss dar. Am Ende der 12. Klasse entscheidet die Oberstufenkonferenz, ob der Schüler in die Vorbereitungsklasse zum Abitur (Klasse 13) aufgenommen wird. Die Schüler müssen zwei Leistungskurse, zwei schriftlich geprüfte Grundkurse und zwei abzuschichtende Grundkurse (d.h., die Kursnote des Schuljahres geht ohne die Prüfung in das Abschlusszeugnis mit ein) belegen. Sie werden durch die Lehrer der entsprechenden Waldorfschule unter Aufsicht einer von der Schulbehörde beauftragten außenstehenden, staatlichen Schule geprüft. Mit dem Bestehen der Prüfung erlangen die Schüler eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Durch die Abschaffung des üblichen Zensurensystems bestehen die Zeugnisse der Waldorfschulen aus möglichst detaillierten Charakterisierungen des Individuums, der erbrachten Leistung, dem Fortschritt, die Begabungslage und das Bemühen in den einzelnen Fächern (vgl. http://waldorfschulen-hamburg.de). Zu den individuell formulierten Beurteilungen, gibt es ab der 10. Klasse ein Zeugnis in dem über den Leistungsstand mit Noten informiert wird. Diese sind für die staatlich anerkannten Abschlüsse von besonderer Wichtigkeit und unumgänglich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Geschichte und Konzept der Waldorfschule – Welche Schwerpunkte, Rahmenbedingungen und Vorstellungen beinhaltet das Konzept der Waldorfpädagogik innerhalb der Schulzeit?
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V149203
ISBN (eBook)
9783640607815
ISBN (Buch)
9783640607709
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Konzept, Waldorfschule, Welche, Schwerpunkte, Rahmenbedingungen, Vorstellungen, Waldorfpädagogik, Schulzeit
Arbeit zitieren
Victoria Vogel (Autor), 2010, Geschichte und Konzept der Waldorfschule – Welche Schwerpunkte, Rahmenbedingungen und Vorstellungen beinhaltet das Konzept der Waldorfpädagogik innerhalb der Schulzeit? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149203

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