Das übergeordnete Thema dieser Arbeit ist der Zusammenhang zwischen der elterlichen Beziehungsqualität und der kindlichen sozioemotionalen Kompetenz sowie die Frage, welcher Mechanismus diesen Zusammenhang bedingt. Die ‚Emotional Security Hypothesis‘
und die sozial-kognitive Theorie des Modelllernens gelangen dabei in den Blickpunkt des Interesses, da sie im Gegensatz zu anderen Theorien die direkten Auswirkungen auf das Kind thematisieren. Die Daten für die Analyse stammen aus einer Längsschnittstudie zur
Evaluation der Wirksamkeit des Elterntrainings Familienteam® und umfassen 85 Kinder im Alter zwischen 2 und 12 Jahren, sowie deren Mütter und Väter. In einem Emotionsinterview wurde die emotionale Kompetenz der Kinder erhoben und die Eltern gaben in einem
Fragebogen unter anderem Auskunft über die kindliche soziale Kompetenz sowie die elterliche Beziehungsqualität. Mithilfe von moderierten linearen Regressionsanalysen konnte zunächst gezeigt werden, dass der Zusammenhang zwischen Beziehungsqualität und
sozioemotionaler Kompetenz tendenziell durch Stresseffekte im Sinne der ‚Emotional Security Hypothesis‘ zu erklären ist. Zusätzliche korrelative Analysen konnten diesen Befund jedoch nicht bekräftigen. Es wird das Fazit gezogen, dass kein einzelner Mechanismus den Zusammenhang vollkommen erklären kann, sondern dass beide Theorien jeweils unterschiedliche Aspekte des Zusammenhangs beleuchten.
1. Einleitung
2. Emotionen in der Forschung
2.1 Strukturelle Ebene
2.2 Emotionen, Gefühle und Stimmungen
2.3 Funktionelle Ebene
2.3.1 Motivationale Funktion
2.3.2 Kognitive Funktion
2.3.3 Soziale Funktion
2.4 Zusammenfassung
3. Konzepte emotionaler und sozialer Kompetenz
3.1 Konzept der emotionalen Intelligenz nach Salovey und Mayer
3.2 Fertigkeiten emotionaler Kompetenz nach Saarni
3.3 Konzept der sozialen Kompetenz nach Rose-Krasnor
3.4 Konzept der Affektiven Sozialen Kompetenz von Halberstadt et al.
3.5 Modellvergleich
3.6 Zusammenfassung
4. Die emotionale Entwicklung in den ersten 12 Lebensjahren
4.1 Die Entwicklung des Emotionsverständnis
4.1.1 Emotionswortschatz und verbaler Emotionsausdruck
4.1.2 Bewusstheit über den eigenen emotionalen Zustand
4.1.3 Erkennen und empathisches Verstehen von Emotionen anderer Menschen
4.2 Die Entwicklung der Emotionsregulation
4.2.1 Internale und externale Emotionsregulation
4.2.2 Coping
4.3 Die emotionale Entwicklung im Schatten der elterlichen Paarbeziehung
4.3.1 Elterliche Paarkonflikte als Stressoren („Emotional Security Hypothesis“)
4.3.2 Elterliche Paarkonflikte als Interaktionsmodell (Modelllernen)
4.3.3 „Emotional Security“ versus Modelllernen
4.3.4 Elterliche Paarkonflikte und die Geschwisterkonstellation
4.4 Zusammenfassung
5. Fragestellung und Methode
5.1 Hypothesen
5.2 Untersuchungskontext und Stichprobe
5.2.1 Untersuchungskontext Familienteam®
5.2.2 Beschreibung der Stichprobe
5.3 Variablen und Erhebungsinstrumente
5.3.1 Beziehungsqualität (unabhängige Variable)
5.3.2 Elterliche Emotionsregulation
5.3.3 Kindliche emotionale Kompetenz (abhängige Variable)
5.3.4 Verhalten des Kindes (abhängige Variable)
5.3.5 Moderatorvariablen
5.4 Statistische Datenauswertung
5.4.1 Datenauswertung der Haupteffekthypothese (H1)
5.4.2 Datenauswertung der Alternativhypothesen (H2)
6. Ergebnisse
6.1 Haupteffekthypothese (H1)
6.1.1 Kindliche soziale Kompetenz und elterliche Beziehungsqualität (H1.1)
6.1.2 Kindliches Emotionsverständnis und elterliche Beziehungsqualität (H1.2)
6.1.3 Kindliche Emotionsregulation und elterliche Beziehungsqualität (H1.3)
6.2 Alternativhypothesen (H2.1 und H2.2)
6.2.1 Moderatorhypothese
6.2.2 Zusatzhypothesen
7. Diskussion
7.1 Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse
7.2 Methodische Diskussion
7.3 Anregungen für weitere Forschung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der elterlichen Beziehungsqualität und der kindlichen sozioemotionalen Kompetenz. Ziel ist es zu analysieren, welche Mechanismen – insbesondere im Hinblick auf die „Emotional Security Hypothesis“ und die sozial-kognitive Theorie des Modelllernens – diesen Zusammenhang beeinflussen und moderieren.
- Analyse des Einflusses elterlicher Paarkonflikte auf die kindliche Entwicklung.
- Untersuchung verschiedener Komponenten emotionaler und sozialer Kompetenz bei Kindern im Alter von 2 bis 12 Jahren.
- Erforschung von Mediatoren und Moderatoren (z.B. Geschwisterkonstellation, Emotionsregulation der Eltern).
- Empirische Evaluation anhand einer Längsschnittstudie (Familienteam®-Daten).
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Freude und Wut, Überraschung und Angst, Stolz und Enttäuschung: Emotionen beeinflussen das (menschliche) Denken und Handeln und sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Sie machen es abwechslungsreich, intensiv, lebendig und bisweilen auch kompliziert und beschwerlich. Jüngere Kinder haben dabei ihre eigene Art Emotionen unvermittelt und lebhaft auszudrücken. Wer jemals intensiver mit ihnen zu tun hatte, kennt die Begeisterung, mit der sie ihre positiven Emotionen zeigen. Er weiß aber auch, wie anstrengend das spontane und impulsive Ausleben ihrer negativen Emotionen sein kann. Schulkinder und Erwachsene können ebenfalls in außergewöhnlichen Situationen besonders starke Gefühle erleben. Sie sind manchmal hingerissen vor Freude, werden von rasender Wut gepackt oder geraten in panische Angst. In der Regel leben sie ihre Emotionen aber nicht mehr so häufig und intensiv aus, wie jüngere Kinder es tun. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Emotionen im Alltag nur noch eine unbedeutende Rolle spielen und Menschen ausschließlich vom Verstand regiert werden.
In der Vergangenheit wurde die Bedeutung von Emotionen in Folge der Dominanzannahme des Intellekts zurückgewiesen; moderne Verfahren der Hirnforschung entlarvten dies jedoch als Irrtum und belegen, dass es so etwas wie reine, emotionslose Kognitionen nicht gibt und dass selbst banale Ereignisse vielfältige Emotionen auslösen können (Forgas, 2008). Was sich jedoch im Laufe der Entwicklung ändert, ist der Umgang mit Emotionen. Mit zunehmendem Alter sind Menschen in der Lage, sich nicht mehr ausschließlich von ihren Gefühlen leiten zu lassen, sondern das eigene Handeln willentlich zu kontrollieren und auf Erreichung bestimmter Ziele auszurichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der emotionalen Entwicklung ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Einflüsse elterlicher Paarbeziehungen auf die kindliche sozioemotionale Kompetenz zu untersuchen.
2. Emotionen in der Forschung: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen von Emotionen, Gefühlen und Stimmungen sowie deren strukturelle und funktionelle Ebenen erläutert.
3. Konzepte emotionaler und sozialer Kompetenz: Hier werden theoretische Ansätze zur emotionalen Intelligenz und sozialen Kompetenz gegenübergestellt, insbesondere die Modelle von Salovey & Mayer sowie Saarni.
4. Die emotionale Entwicklung in den ersten 12 Lebensjahren: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung von Emotionsverständnis und -regulation und untersucht den Einfluss von Paarkonflikten und Geschwisterkonstellationen.
5. Fragestellung und Methode: Hier werden die Hypothesen, der Untersuchungskontext (Familienteam®), die Stichprobe sowie die verwendeten psychometrischen Erhebungsinstrumente und statistischen Analysemethoden dargelegt.
6. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Befunde der Arbeit, unterteilt in die Prüfung der Haupteffekte und der verschiedenen Moderatoreffekte.
7. Diskussion: Das abschließende Kapitel interpretiert die Ergebnisse im Kontext der theoretischen Modelle, reflektiert die methodischen Stärken und Grenzen der Studie und gibt Anregungen für zukünftige Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Emotionale Entwicklung, sozioemotionale Kompetenz, elterliche Beziehungsqualität, Paarkonflikte, Emotional Security Hypothesis, Modelllernen, Geschwisterkonstellation, Emotionsregulation, Emotionsverständnis, soziale Kompetenz, Erziehungsforschung, Längsschnittstudie, Kindheitsforschung, Copingstrategien, Eltern-Kind-Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Qualität der elterlichen Paarbeziehung und der Entwicklung der sozioemotionalen Kompetenz bei Kindern im Alter von 2 bis 12 Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Erforschung emotionaler Kompetenzen, der Auswirkungen elterlicher Konflikte auf die kindliche Stressverarbeitung sowie der Rolle von Geschwistern innerhalb dieses Entwicklungsprozesses.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die empirische Überprüfung, ob und über welche Mechanismen – namentlich Stressübertragung oder Modelllernen – die elterliche Beziehungsqualität die kindliche Entwicklung beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Auswertung von Längsschnittdaten aus der Evaluation des Elterntrainings „Familienteam®“. Die Analyse basiert auf Korrelationsrechnungen sowie multiplen linearen Regressionsanalysen zur Moderatorprüfung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung der Emotionspsychologie und sozialer Kompetenzmodelle sowie den empirischen Teil, der die Untersuchungshypothesen an den erhobenen Daten testet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind sozioemotionale Kompetenz, elterliche Beziehungsqualität, Emotional Security Hypothesis, Modelllernen, Geschwisterkonstellation und Emotionsregulation.
Wie beeinflussen elterliche Konflikte die Kinder laut den Ergebnissen?
Die Ergebnisse zeigen, dass destruktive Konfliktbewältigung der Eltern negative Auswirkungen auf die soziale Kompetenz und Emotionsregulation der Kinder haben kann, wobei die genauen Effekte durch individuelle kindliche Merkmale und die Familiensituation moderiert werden.
Welche Rolle spielen Geschwister bei der emotionalen Entwicklung?
Geschwister fungieren in der Arbeit als Moderatorvariablen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Geschwisterkonstellation (z.B. Altersabstand, Anzahl, Geschlecht) die Art und Weise beeinflusst, wie Kinder mit elterlichen Konflikten umgehen und wie sich ihre sozioemotionale Kompetenz entwickelt.
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- MA Jasmin Rödig (Author), 2009, Sozioemotionale Entwicklung im Schatten der elterlichen Beziehungsqualität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149238