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Inter- und intrapersonale Beziehungsmuster und Übertragungsreaktionen - Eine Untersuchung mittels der Strukturalen Analyse Sozialen Verhaltens (SASB)

Eine Betrachtung von Psychosepatienten mit und ohne gleichzeitige Suchterkrankung, Einflüsse der Komorbidität

Title: Inter- und intrapersonale Beziehungsmuster und Übertragungsreaktionen - Eine Untersuchung mittels der Strukturalen Analyse Sozialen Verhaltens (SASB)

Diploma Thesis , 2008 , 147 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dipl.-Päd. Michael Wöste (Author)

Psychology - Clinical Psychology, Psychopathology, Prevention
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„Es war einmal eine Zeit, da war alles schön und herrlich, das aber war, bevor ich etwas mit Menschen zu tun haben mußte“ (Sullivan 1983, S.245).

Ein Zitat, das nachdenklich stimmt, pessimistisch anmutet und dennoch vermutlich den Kernpunkt der interpersonalen Theorie darstellt. Nach dieser Theorie prägen die frühen Erfahrungen zu wichtigen Bezugspersonen die Persönlichkeit eines Menschen, sein Leben lang. Welche Erfahrungen müssen demnach Psychosepatienten in ihrer Kindheit erlebt haben, damit die Entstehung einer Psychose begünstigt wird? Wie erleben sie die Beziehung zu einem Therapeuten, gibt es vielleicht Ähnlichkeiten zu den Erfahrungen in der Kindheit? Kann eine Therapie die frühen Prägungen aufheben und durch neue ersetzen? Diese Fragen sollen in der vorliegenden Arbeit genauer behandelt und untersucht werden.

Die empirische Erhebung wurde mit SASB- Fragebögen durchgeführt und mit dem Programm MakeMapsWin ausgewertet. SASB, die Structural Analysis of Social Behavior, ist, wie auch die interpersonale Theorie an sich, in Deutschland eher unbekannt, bietet aber vielfältige Anwendungsmöglichkeiten und aussagekräftige Ergebnisse. Daher liegt dieser Arbeit ein recht umfangreicher Theorieteil zugrunde, um die Strukturale Analyse Sozialen Verhaltens, wie SASB im deutschen Sprachraum benannt ist, umfassend zu beschreiben und auch die Konzepte und Ideen, aus denen SASB konstruiert wurde, darzustellen. So soll der Leser zunächst einen Einblick in die interpersonale Denkweise erhalten, auch die Idee der Beschreibung von Verhalten durch ein Kreismodell, dem so genannten Zirkumplex, wird vorgestellt. Darauf aufbauend wird SASB als zirkumplexes Modell interpersonalen Verhaltens dargestellt, neben der reinen Beschreibung der Struktur werden auch bisherige Forschungsergebnisse und die Möglichkeiten in der praktischen Anwendung behandelt. Da sich die Theorie hinter SASB recht komplex darstellt, ist ein größerer Theorieteil auch dahingehend notwendig, um dem Modell gerecht zu werden, ohne wichtige Aspekte auszulassen und dem Leser einen adäquaten Einblick zu erlauben.
Der Theorieteil endet mit der Formulierung der Hypothesen, hierbei werden die zu Anfang aufgeworfenen Fragen ausgeführt und präzisiert, um sie im Anschluss überprüfen zu können. Getestet werden die Hypothesen anhand einer Stichprobe von insgesamt 40 Psychosepatienten, wobei ein Teil der Probanden zusätzlich zur Psychose- auch an einer Suchterkrankung leidet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A Theorieteil

1. Einleitung

2. Grundlegende Konzepte

2.1 Zirkumplex Modell

2.2 Interpersonale Theorie

2.3 Beziehungsmodelle nach Leary und Schaefer

3. Die Strukturale Analyse Sozialen Verhaltens (SASB)

3.1 Annahmen

3.2 Modellstruktur

3.3 Beziehungsmuster

3.4 Anwendung

3.5 Gütekriterien

3.6 Empirischer Nutzen

4. Hypothesen

B Methodenteil

5. Beschreibung der Stichproben

5.1 Rehabilitation Psychisch Kranker

5.2 Therapiezentrum Psychose und Sucht

6. Aufbau und Setting

6.1 Verwendetes Instrument

6.2 Ablauf und Zeitplan

7. Darstellung der Ergebnisse

7.1 Exemplarische Darstellung eines Einzelfalles

7.2 Reliabilitätsprüfung

7.3 Hypothesentestung

7.3.1 Komplementarität in der Therapie

7.3.2 Introjekt- Unterschiede

7.3.3 Therapeutenverhalten und Introjekt in besten Zeiten

7.3.4 Übertragungsreaktionen in der Therapeutenbeziehung

7.3.5 Elternverhalten und Introjekt

7.3.6 Unterschiede zwischen den Probandengruppen

8. Diskussion

8.1 Hypothesen

8.2 Auffälligkeiten und kritische Betrachtung

8.3 Ausblick

8.4 Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht inter- und intrapersonale Beziehungsmuster sowie Übertragungsreaktionen bei Psychosepatienten (mit und ohne komorbide Suchterkrankung) unter Verwendung der Strukturalen Analyse Sozialen Verhaltens (SASB). Zentral ist die Forschungsfrage, ob frühe Beziehungserfahrungen mit Bezugspersonen die aktuelle Interaktion mit dem Therapeuten beeinflussen und wie sich diese Prozesse im Selbstbild der Patienten widerspiegeln.

  • Grundlagen der interpersonalen Theorie und Zirkumplex-Modelle
  • Struktur und Anwendung der SASB-Methodik
  • Komplementarität in der therapeutischen Interaktion
  • Übertragungsphänomene zwischen Elternbeziehung und Therapeutenbeziehung
  • Einfluss von Komorbidität auf das intrapsychische Verhalten

Auszug aus dem Buch

3.2 Modellstruktur

Wie im zweiten Kapitel beschrieben, entstand die Konstruktion der SASB nicht aus dem luftleeren Raum heraus, sondern baute auf vorangegangene Theorien und Arbeiten auf, ergänzte und modifizierte sie, fügte jedoch auch gänzlich neue Aspekte ein und verknüpfte unterschiedliche Arbeiten zu einem neuen, ganzheitlichen Analysesystem sozialer Verhaltensweisen: „SASB was not created; it was discovered“ (Benjamin 1984, S.123).

Das Dilemma, welches sich beim Vergleich der Modelle nach Leary (1957) und Schaefer (1965b) ergibt, wurde schon am Ende des zweiten Kapitels beschrieben. Es gab zwei Modelle, beide beschrieben Verhalten in einer Zirkumplex- Struktur mit zwei zugrunde liegenden, orthogonalen Achsen. Nur wurden auf der vertikalen Achse unterschiedliche Bezeichnungen vorgenommen, „Dominanz“ vs. „Unterwerfung“ bei Leary, „Kontrolle“ und „Autonomie gewähren“ bei Schaefer, beide Bezeichnungen wurden in den jeweiligen Arbeiten begründet, ihre Gültigkeit nachgewiesen. Und dennoch: „Both opposites make sense, but both cannot be true“ (Benjamin 1984, S.136). Benjamin vermochte dieses Dilemma zu lösen, indem ihr System auf drei verschiedenen Betrachtungsweisen aufbaut und dort jeweils einen spezifischen Fokus hat. Somit kann „submit as the complement of dominate“ dargestellt werden, während „emancipate (allow autonomy) the opposite of dominate or control“ (Benjamin 1974, S.395) definiert. Durch diese Betrachtung war es möglich, beide Kontrolldimensionen in ein Modell zu integrieren, ohne auf eine der Achsenbezeichnungen zu verzichten. Abbildung 3.1 zeigt die drei möglichen Foci sowie die Grunddimensionen des Modells. Der erste Fokus zeigt ein transitives, aktives Verhalten einem anderen gegenüber, der zweite Fokus ist intransitiv und ist als Reaktion auf eine Aussage bzw. Handlung zu verstehen, also wie diese aufgefasst und umgesetzt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die interpersonale Theorie nach Sullivan ein und begründet die Relevanz der SASB für die Analyse von Beziehungsmustern bei Psychosepatienten.

2. Grundlegende Konzepte: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Fundamente, insbesondere das Zirkumplex-Modell von Guttman sowie die Modelle von Leary und Schaefer als Vorläufer der SASB.

3. Die Strukturale Analyse Sozialen Verhaltens (SASB): Hier erfolgt die detaillierte Darstellung der SASB-Modellstruktur, ihrer 36 Verhaltenskategorien, der Anwendungsbereiche und der methodischen Gütekriterien.

4. Hypothesen: Basierend auf der Theorie werden sechs Hypothesen zur therapeutischen Interaktion, zu Introjekt-Unterschieden und zu Übertragungsprozessen formuliert.

5. Beschreibung der Stichproben: Es werden die klinischen Einrichtungen RPK und das Therapiezentrum Psychose und Sucht sowie die untersuchte Patientengruppe vorgestellt.

6. Aufbau und Setting: Der methodische Ablauf der Datenerhebung unter Verwendung der Software MakeMapsWin wird beschrieben.

7. Darstellung der Ergebnisse: Dieses Hauptkapitel präsentiert die Auswertung der erhobenen Daten, inklusive Einzelfallanalysen, Reliabilitätsprüfungen und der statistischen Testung der Hypothesen.

8. Diskussion: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, kritisch reflektiert und in den klinischen Kontext sowie bisherige Forschungsergebnisse eingeordnet.

Schlüsselwörter

SASB, interpersonale Theorie, Psychose, Komorbidität, Zirkumplex-Modell, Therapieinteraktion, Introjekt, Übertragungsreaktion, Komplementarität, Selbstbild, Beziehungsanalyse, Reliabilität, klinische Psychologie, MakeMapsWin, Bindungstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der Strukturalen Analyse Sozialen Verhaltens (SASB) auf das Beziehungserleben von Psychosepatienten in therapeutischen Settings.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die Studie fokussiert auf die interpersonale Diagnostik, das Konzept der Komplementarität in der Therapie, die Untersuchung von Introjekten (Umgang mit sich selbst) und die Übertragung von frühen Kindheitserfahrungen auf die aktuelle therapeutische Beziehung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist zu erforschen, ob frühe Kindheitserfahrungen mit Bezugspersonen das aktuelle Verhalten der Patienten gegenüber Therapeuten beeinflussen und ob diese Prozesse mithilfe des SASB-Modells empirisch abbildbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es kommt die "Strukturale Analyse Sozialen Verhaltens" (SASB) zum Einsatz. Die Daten werden mittels INTREX-Fragebögen erhoben und mit dem Programm "MakeMapsWin" ausgewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die interpersonale Diagnostik und einen umfangreichen Methodenteil, in dem die Ergebnisse der Patientenbefragungen statistisch analysiert und diskutiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie SASB, Psychose, Komplementarität, Introjekt, Übertragung und Zirkumplex-Modell geprägt.

Wie unterscheiden sich die Patienten des RPK von denen des TPS?

Die RPK-Patienten leiden primär unter einer Psychose, während die TPS-Patienten eine Doppeldiagnose aus Psychose und Suchtmittelabhängigkeit aufweisen.

Was bedeutet die "Antithese" im Kontext der Therapie?

Die Antithese bezeichnet eine therapeutische Interventionstechnik, bei der der Therapeut auf destruktives Verhalten des Patienten nicht komplementär (also nicht nachahmend), sondern gegensätzlich reagiert, um festgefahrene negative Beziehungsmuster zu durchbrechen.

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Details

Title
Inter- und intrapersonale Beziehungsmuster und Übertragungsreaktionen - Eine Untersuchung mittels der Strukturalen Analyse Sozialen Verhaltens (SASB)
Subtitle
Eine Betrachtung von Psychosepatienten mit und ohne gleichzeitige Suchterkrankung, Einflüsse der Komorbidität
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg
Grade
1,0
Author
Dipl.-Päd. Michael Wöste (Author)
Publication Year
2008
Pages
147
Catalog Number
V149241
ISBN (eBook)
9783640603787
ISBN (Book)
9783640603633
Language
German
Tags
SASB Interpersonale Theorie Sullivan Leary Zirkumplex Modell TPS Psychose Introjekt Psychologie Komorbidität Übertragungsreaktion Strukturale Analyse Sozialen Verhaltens Therapie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Päd. Michael Wöste (Author), 2008, Inter- und intrapersonale Beziehungsmuster und Übertragungsreaktionen - Eine Untersuchung mittels der Strukturalen Analyse Sozialen Verhaltens (SASB), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149241
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