Aus der Vielzahl der bedeutenden Generäle aller Kriegsparteien des 30jährigen Kriegs ragen die Namen Tilly und Wallenstein zunächst durch ihren hohen Bekanntheitsgrad hervor. Auf den ersten Blick scheint ein Vergleich ihres Aufstiegs zum Heerführer, ihrer Persönlichkeit sowie ihrer Lebensläufe nur Gegensätzliches hervorbringen zu können. Bei näherer Betrachtung verblüfft die Fülle von Parallelen in beiden Biographien und Lebensumständen; aber er gibt selbstverständlich auch Unterschiedliches in reicher Fülle zu berichten. Beiden gemeinsam ist zunächst, neben der gemeinsamen Seite, für die sie kämpften, der kaiserlich-katholischen, dass ihr in der deutschen Geschichtsschreibung gezeichnetes Bild eher negative Züge aufweist. Vor allem in populären Geschichtsschreibungen erhalten sie ein miserables Image, ihr Ruf als Soldat wird demoliert oder kommt erst gar nicht zustande. Schillers Wallenstein-Trilogie und seine sehr einseitige Geschichte des 30jährigen Krieges mag das Ihre dazu beigetragen haben. Während allerdings oftmals Tilly als der fanatische und grausame militärische Führer gesehen wird, der Würger von Magdeburg, der „zu Recht“ glücklose Verlierer – nicht so in spezifisch bayerischen Darstellungen - ist Wallenstein der Verräter an Kaiser und Reich, der charakterlose Kriegsgewinnler, der geldgierige Kriegsunternehmer und „Unsoldat“ . Ferner ist ihnen gemeinsam der gewaltsame Tod, etwa in der Mitte des langen Krieges. Tilly stirbt an den Folgen einer schweren Verletzung auf dem Schlachtfeld. Wallenstein dagegen wird von gedungenen und später hochbelohnten Tätern der eigenen Kriegspartei getötet. Ein Denkmal und eine Beisetzung haben beide erhalten; während Tillys Denkmal jedoch an vielbesuchter Stelle, in der Münchener Feldherrnhalle, steht und seine sterblichen Überreste in einer Kapelle zu Altötting ruhen, steht Wallensteins Denkmal fast versteckt in der Ehrenhalle des Wiener Arsenals, des Kriegsmuseums, und seine Gebeine ruhen, eher unbekannt, in der St. Annen-Kapelle des Schlosses Münchengrätz an der Iser.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Vom Elternhaus bis zum Beginn der militärischen Laufbahn
1. Herkunft und Elternhaus
2. Erziehung und Ausbildung
3. Körperliche Verfassung
4. Glaubensrichtung
5. Familienstand
III. Vom einfachen Soldat zum General
1. Entscheidung zum Soldatenberuf
2. Persönliche Bindung an den Kriegsherrn
3. Vom Pikenier zum General
IV. Tilly und Wallenstein als Generale
1. Kriegswesen und Politik
2. Das Verständnis beider Feldherrn von Kriegführung
3. Der Schlachterfolg beider Generale in der Bilanz
V. Schlussbetrachtung
1. Das Ende
2. Der Nachruf
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt auf einen vergleichenden historischen Diskurs über die Biografien und militärischen Karrieren von Johann Tserklaes von Tilly und Albrecht von Wallenstein ab. Dabei wird untersucht, inwiefern sich trotz ihrer gemeinsamen kaiserlich-katholischen Gesinnung und ihrer Rolle als prägende Heerführer des Dreißigjährigen Krieges fundamentale Unterschiede in Herkunft, Persönlichkeit, Kriegsphilosophie und politischem Denken feststellen lassen.
- Biografischer Vergleich von Tilly und Wallenstein
- Einfluss von Erziehung, Bildung und sozialer Herkunft
- Analyse der militärischen Laufbahn vom Soldaten zum General
- Gegenüberstellung von Strategien und Führungsverständnis
- Bewertung des Einflusses politischer Ambitionen im Kontext der Kriegsführung
Auszug aus dem Buch
1. Entscheidung zum Soldatenberuf
Die Frage der Motivation, Soldat zu werden, lässt sich für Tilly relativ leicht beantworten. Für einen jungen Mann aus niedrigem Adel, ohne besondere Bildungsvoraussetzungen und unter schwierigen materiellen Bedingungen lebend, blieb eigentlich nur der Weg in die militärische Laufbahn als Karriereleiter. Als Alternative hätte sich noch eine geistliche Laufbahn angeboten. Tilly hat allerdings den Soldatenberuf gewählt. Bei Wallenstein stellte sich die Lage völlig anders dar. Ebenfalls aus niedrigem Adel, aber wohlhabend und mit akademischer Vorbildung, hatte er alle nur denkbaren Möglichkeiten einer Berufswahl. Dass er es dennoch vorzog als 21jähriger, zunächst als einfacher Pikenier, die militärische Laufbahn einzuschlagen, lässt nur den Schluss zu, dass er sich da hingezogen gefühlt haben musste. Nicht eben das Wunschziel seiner gleichaltrigen Standesgenossen. Der 17jährige Tilly und der 21jährige Wallenstein begannen ihre Karriere „ganz unten“. Tilly verbleibt bis zu seinem Tode ununterbrochen Soldat; bei Wallenstein gibt es verschieden bedingte Unterbrechungen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt die beiden Heerführer vor und beleuchtet die in der Geschichtsschreibung oft verzerrten und konträren Bilder, die von ihnen gezeichnet wurden.
II. Vom Elternhaus bis zum Beginn der militärischen Laufbahn: Dieses Kapitel vergleicht die sozialen Hintergründe, die Ausbildung, die physische Konstitution sowie die religiösen und familiären Hintergründe der beiden Akteure.
III. Vom einfachen Soldat zum General: Der Fokus liegt hier auf den Beweggründen für die Soldatenlaufbahn und der unterschiedlichen persönlichen Bindung an ihre jeweiligen Kriegsherren.
IV. Tilly und Wallenstein als Generale: Hier wird das strategische Denken, die politische Dimension ihres Handelns und ihre jeweilige Erfolgsbilanz auf dem Schlachtfeld gegenübergestellt.
V. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert das Ende der beiden Feldherren und ordnet sie in die deutsche Militärgeschichte ein.
Schlüsselwörter
Dreißigjähriger Krieg, Tilly, Wallenstein, Heerführer, Militärgeschichte, Kriegführung, Söldner, Kaiserliche Armee, Schlacht bei Breitenfeld, Schlacht bei Lützen, Katholizismus, Kriegsschauplatz, Biografien, Feldherren, XVII. Jahrhundert
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt einen biografischen und militärhistorischen Vergleich der beiden berühmten Heerführer Tilly und Wallenstein während des Dreißigjährigen Krieges.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Aufstieg vom Pikenier zum General, die Bedeutung von Herkunft und Ausbildung sowie die unterschiedlichen Strategien und politischen Überzeugungen beider Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die oft einseitig wahrgenommenen Persönlichkeiten Tillys und Wallensteins durch einen direkten Vergleich zu differenzieren und ihre Rolle im Kontext der kaiserlich-katholischen Kriegsführung zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die historische Analyse und den biografischen Vergleich unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen und historischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die Lebenswege, die militärische Sozialisation, die Bindungen an die Kriegsherren sowie die taktischen Unterschiede zwischen dem „Soldaten“ Tilly und dem „politischen Denker“ Wallenstein analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Dreißigjähriger Krieg, Militärgeschichte, Feldherren, Taktik und Biografik zusammenfassen.
Warum wird Wallenstein im Vergleich als moderner angesehen als Tilly?
Der Autor führt aus, dass Tilly eher den Typus des Soldaten des 16. Jahrhunderts verkörperte, während Wallenstein durch sein politisches Denken und seine strategische Weitsicht eher in das 18. oder 19. Jahrhundert gepasst hätte.
Wie unterscheidet sich die Loyalität der beiden Heerführer?
Während Tilly sein Leben lang der katholischen Seite treu blieb, diente Wallenstein konsequent der Casa d’Austria, wobei sein komplexes Verhältnis zum Kaiser eine der zentralen Spannungsfelder der Arbeit bildet.
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- Stefan Erminger (Autor), 2010, Tilly und Wallenstein – ein Vergleich zweier Heerführer, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149266