Funktion und Bedeutung (öffentlicher) Räume in der Lebenswelt von Jugendlichen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Begriffsklarung
2.1 Offentlichkeit
2.2 Stadt
2.3 Jugendlicher
2.4 Lebenswelt
2.5 Sozialraum

3. Typen (offentlicher) Raume
3.1 Raumtyp 1: Raume im Wohnumfeld
3.2 Raumtyp 2: Grunbestimmer Freiraum
3.3 Raumtyp 3: Infrastruktureinrichtungen fur Jugendliche
3.4 Raumtyp 4: (FuBganger)Strasse
3.5 Raumtyp 5: Zentrale Stadtplatze
3.6 Raumtyp 6: Brachen

4. Freizeitverhalten
4.1 Freizeitverhalten im privaten Wohnbereich
4.2 Freizeitverhalten auBerhalb der Stadt
4.3 Freizeitverhalten in (offentlichen) Raumen der Stadt

5. Aneignung von (offentlichen) Stadtraumen durch Jugendliche

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Die Nutzung des offentlichen Raums, im Sinne der Stadt, verliert scheinbar gerade bei Jugendlichen immer mehr an Bedeutung. Im Zeitalter von Internet und Computerspielen, die als neue Medien verstanden werden konnen, weckt die Option etwas auBerhalb der eigenen Wohnung zu unternehmen, was nicht in Verbindung mit Technik steht und nichts mit Technik zu tun hat, nicht immer das Interesse der Jugendlichen.

Aus diesem Grund soll in der folgenden Arbeit eine Auseinandersetzung mit diesem Thema erfolgen, da gerade auBerhalb des privaten Bereiches soziale Kontakte zu anderen Personen und vor allem Personengruppen geknupft werden konnen. Wurde sich die allgemeine Aussage bestatigen, dass sich die Jugendlichen zunehmend aus der realen Welt in eine unreale Welt zuruckziehen, konnte dies weit reichende Folgen haben. Sie wurden immer weniger soziale Kontakte auBerhalb des Cyberspace knupfen. (Vgl. Solms-Laubach 2007)

Die folgende Arbeit wird sich mit der Frage: Welche Funktion und Bedeutung Ubernehmen die (offentlichen) Raume in der Lebenswelt der Jugendlichen und wie nutzen sie die ihnen zur VerfUgung stehenden raumlichen Gelegenheiten aus?, auseinandersetzen.

Diese zentrale Fragestellung wurde so gewahlt, um einen Eindruck dafur zu vermittelt, welche raumlichen Moglichkeiten den Jugendlichen zur Verfugung stehen und wie sie diese fur ihre personliche Entwicklung nutzen konnen.

Damit dieser Eindruck innerhalb dieser Arbeit vermittelt werden kann, wird folgende Gliederung verfolgt.

Am Anfang steht die Klarung von zentralen Begriffen die im Verlauf der Arbeit gehauft auftreten. Zu diesen Begriffen gehorten der (offentliche) Raum, die Stadt, die Jugendlichen, die Lebenswelt und der Sozialraum. Damit soll von Anfang an ein Grundverstandnis gegeben werden, wie die Begriffe im Kontext der Arbeit zu verstehen sind.

Im zweiten Punkt werden die (offentlichen) Raume, zu diesen zahlen: Raume im Wohnumfeld; Grunbestimmter Freiraum; Infrastruktur fur Jugendliche; (FuBganger)strasse; Zentrale Stadtplatze; Brachen, beschrieben. Hierbei geht es darum, einen Einblick zu erhalten, wie die Raume, als Nutzungsraum fur alle Mitglieder einer Gesellschaft (in diesem Fall sind vor allem die Jugendlichen gemeint) untergliedert und wie diese Bereiche von den Individuen genutzt werden konnen.

Im Anschluss daran wird direkt auf das Freizeitverhalten der Jugendlichen in den drei Bereichen, die wie folgt untergliedert sind: im privaten Wohnbereich; auBerhalb der Stadt; im offentlichen Raum der Stadt, eingegangen. Insgesamt soll dieser Aufbau der Arbeit dazu dienen, einen Uberblick uber das Thema Jugendliche im (offentlichen) Raum der Stadt und im privaten Bereich zu bekommen.

In dem letzten Abschnitt der Arbeit wird die Aneignung von (offentlichen) Raumen thematisiert. Dabei geht es darum zu verdeutlichen, dass die Jugendlichen sich Raume aneignen, um in diesen zu agieren. Zu Beginn wird der Begriff der Aneignung beschrieben und welche Auswirkungen diese Aneignung fur die Jugendlichen haben.

Im Fazit wird erneut die zu Beginn gestellte Fragestellung aufgegriffen und dabei versucht, die wesentlichen Aussagen der Arbeit zusammenzufassen, um einen Ausblick fur die Zukunft zu erstellen.

2. Begriffsklarung

Im nachfolgenden Abschnitt werden zunachst vier zentrale Begriffe (Offentlichkeit, Stadt, Jugendlicher, Lebenswelt, Sozialraum) erklart, die haufig auftreten. Damit soll die Moglichkeit gegeben werden, einen besseren Uberblick zu erhalten, in welchen Kontexten die Begrifflichkeiten gebraucht werden.

2.1 Offentlichkeit

„Offentlichkeit stellt den Lebensnerv der verstadterten burgerlichen Gesellschaft dar insofern, als die freie Zuganglichkeit zu Informationen eine notwendige Vorrausetzung von Demokratie darstellt (Herlyn 2003, S. 15).“

2.2 Stadt

„ Stadt ist ein Siedlungsgebilde, das erstmalig in der Jungsteinzeit (Neolitikum) vor ca. sechs- bis achttausend Jahren auftaucht und gegenuber bisherigen Siedlungsformen, zumal dem Dorf in seinen vielfaltigen Auspragungen, vollig neue Charakteristika aufweist:

- Relativ dichte Bebauung und hohere Gebaude als im Umland fuhren zu hoherer Bevolkerungsdichte als bei bisherigen Siedlungen;
- Die Bebauung ist durch spezifische Gebaude und Platze charakterisiert, die die Stadt zum religiosen, militarisch-herrschaftlichen, kulturellen und okonomischen Zentrum, auch fur ein weiteres Umland, machen;
- In der Stadt finden und entwickeln sich die fur die jeweilige Gesellschaft differenziertesten Formen der Arbeitsteilung und des Guteraustausches uber einen oder mehrere Markte“ (Schafers 2006, S. 14)

2.3 Jugendlicher

„Jugend ist eine gesellschaftlich institutionalisierte, intern differenzierte Lebensphase deren Verlauf, Ausdehnung und Auspragungen wesentlich durch soziale Bindungen und Einflusse (soziookonomische Lebensbedingungen, Strukturen des Bildungssystems, rechtliche Vorgaben, Normen und Erwartungen) bestimmt sind. Jugend ist keine homogene Sozialgruppe, sondern umfasst unterschiedliche Jugenden“ (Schafers 2005, S. 23)

2.4 Lebenswelt

,,Die Lebenswelt lasst sich zunachst primar als eine individuelle verstehen: Gefragt ist die Lebenswelt des Einzelnen, analysiert werden seine raumlichen und sozialen Bezuge. Lebenswelt ist dadurch eine psychosoziale Kategorie, die die Lebendbezuge des Individuums in den Blick nimmt. Angesichts der Individualitat von Lebenswelten sind diese auch raumlich flexibel zu fassen. Die individuelle Lebenswelt kann sich raumlich ausdifferenzieren in unterschiedliche Regionen, je nach Mobilitat eines Individuums. Die Wohnregion kann dabei lediglich zeitlich und sozial geringen Anteil an der Lebenswelt eines Individuums einnehmen. Bei geringer Mobilitat konnen Lebenswelten und Sozialraum tendenziell in Ubereinstimmung stehen.“

(Merchel 2001, S. 373)

2.5 Sozialraum

,,Der Begriff Sozialraum bezieht sich zunachst auf einen sozialgeographisch abgrenzbaren Lebensraum - ein Stadtteil, ein Viertel, ein Dorf - einen Lebensraum von Menschen, der durch strukturelle oder soziale Merkmale abgrenzbar ist.“

(Deinet/ Krisch 2006, S. 31)

3. Typen (offentlicher) Raume

Zunachst gilt die Stadt fur ihre EinwohnerInnen sowie fur Fremde als ein (offentlicher) Raum. Dieser Raum besitzt vor allem einen hoheren Stellenwert, da er fur die einzelnen Individuen, die in ihm interagieren, sich durch diesen identifizieren konnen. Die unverwechselbaren Orte der Stadt und deren symbolischer Werte ist ein auBerst wichtiger Baustein der Identifikation der Personen (Vgl.: Lynch 2001, S.35). Dabei konnen die Stadtraume in verschiedene Bereiche gegliedert werden. Dies spielt fur die Arbeit insofern eine Rolle, da hier verdeutlicht werden soll, in welche verschiedenen Kategorien die Stadt als Lebenswelt und Sozialraum strukturiert werden kann und wie die Individuen diesen fur sich nutzen. Bereits hier soll bei der Beschreibung die Rolle der Jugendlichen in den jeweiligen Raumen naher betrachtet werden. Dabei werden auch Konflikte aufgezeigt, die zwischen der Erwachsenengruppe und Jugendlichengruppe auftreten konnen.

3.1 Raumtyp 1: Raume im Wohnumfeld

Unter dem ersten Raumtyp der Stadt als Lebensraum ist zu verstehen, dass hier Menschen in einem stark abgrenzbaren Raum leben. Dieser Bereich umfasst die private Wohnung und das nahe Wohnumfeld, welches sich unmittelbar anschlieBt. Unter dem auBeren Wohnumfeld ist Folgendes zu verstehen: die Spielplatze die zur Wohneinheit gehoren und/oder Grunflachen vor der Wohnung. (Vgl. Herlyn 2003, S. 22)

In diesem Bereich ist es haufig so, dass zwischen den einzelnen Mitbewohnern ein hohes Kollektivbewusstsein besteht. Dieser Geist hat zur Folge, dass ein so genannter Kontrollkreis entsteht und das bedeutet, jeder achtet auf jeden. Dabei entsteht ein hohes Vertrauensverhaltnis zwischen den BewohnerInnen. Fur die Kinder und Jugendlichen bedeutet das wiederum, dass sie nie ohne eine Kontrolle, d.h. ohne unter Beobachtung zu stehen, in diesem Raum interagieren. Gleiches gilt ebenso fur die Erwachsenen.

Die beiden Gruppen sind auBerhalb ihrer eigenen Wohnung dem (offentlichen) Raum ausgesetzt, ob sie wollen oder nicht. Diese Kontrolle sollte nicht in jedem Fall als etwas Negatives aufgefasst werden. Ganz im Gegenteil, die Kontrolle kann einstuckweit als etwas Positives angesehen werden. Die Eltern konnen ihre Kinder und Jugendlichen durchaus auch drauBen spielen lassen, ohne standig ein Auge auf sie zu haben, was fur die Eltern eine Entlastung und auch fur die Jugendlichen ein kleines Stuck Freiheit bedeutet.

Die Funktionen des privaten Bereichs sind so zu fassen, dass sich die Personen in den eigenen vier Wanden vom auBeren Umfeld erholen konnen, ohne in der Wohnung einer standigen Kontrolle ausgesetzt zu sein und immer nach den Normen und Werten der Gesellschaft zu handeln.[1] „ Die Wohnung ist unverletzlich“ (Grundgesetzt 2007, S. 19) Die Kontrolle setzt sofort wieder ein, wenn die eigene Wohnung verlassen wird.

3.2 Raumtyp 2: Grunbestimmter Freiraum

Die grunbestimmten Freiraume implizieren, dass die Umgebung dort einen betrachtlichen Anteil an Begrunung aufweisen muss[2], um zu dieser Kategorie zu zahlen. Meist befinden sich diese Raume in der Nahe von Flussen oder Gewassern. In diesem Bereich wird den Jugendlichen die Moglichkeit gegeben, sich raumgreifenden Freizeitaktivitaten hinzugeben[3], ohne einer standigen Kontrolle von Erwachsenen zu unterliegen. Jedoch ist dies in nah gelegenen Parkanlagen nicht immer der Fall, da diese starker nach den Vorstellungen der Erwachsenen ausgerichtet sind. (Vgl. Herlyn 2003, S. 22) Sie sehen diese Parks als eine Einrichtung an, in denen sie sich ohne einen hohen Larmpegel erholen konnen. Wenn die Jugendlichen diese Parkanlagen fur ihre Freizeitaktivitaten nutzen, kann ein Konflikt zwischen den zwei Parteien entstehen. Wem ist die Situation nicht bekannt, das Kinder oder Jugendliche als storend und larmend empfunden und sie von Erwachsenen ermahnt werden, sich ruhiger und der Situation angepasster zu verhalten.

Die Funktion ist hier klar bestimmt, die Jugendlichen sollen ihre Kreativitat und Phantasie frei entfalten, ohne immer kontrolliert zu werden.

[...]


[1] Verankert im Grundgesetz Artikel 13 Absatz 1 Unverletzlichkeit der Wohnung.

[2] viele Baume, Gras, Straucher usw.

[3] Zu diesen Aktivitaten gehoren Beispielsweise Ballsportarten, laufintensive Spiele, klettern usw.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Funktion und Bedeutung (öffentlicher) Räume in der Lebenswelt von Jugendlichen
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V149293
ISBN (eBook)
9783640604753
ISBN (Buch)
9783640605019
Dateigröße
842 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktion, Bedeutung, Räume, Lebenswelt, Jugendlichen
Arbeit zitieren
Sandra Rust (Autor), 2010, Funktion und Bedeutung (öffentlicher) Räume in der Lebenswelt von Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149293

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