Die Nutzung des öffentlichen Raums, im Sinne der Stadt, verliert scheinbar gerade bei Jugendlichen immer mehr an Bedeutung. Im Zeitalter von Internet und Computerspielen, die als neue Medien verstanden werden können, weckt die Option etwas außerhalb der eigenen Wohnung zu unternehmen, was nicht in Verbindung mit Technik steht und nichts mit Technik zu tun hat, nicht immer das Interesse der Jugendlichen.
Aus diesem Grund soll in der folgenden Arbeit eine Auseinandersetzung mit diesem Thema erfolgen, da gerade außerhalb des privaten Bereiches soziale Kontakte zu anderen Personen und vor allem Personengruppen geknüpft werden können. Würde sich die allgemeine Aussage bestätigen, dass sich die Jugendlichen zunehmend aus der realen Welt in eine unreale Welt zurückziehen, könnte dies weit reichende Folgen haben. Sie würden immer weniger soziale Kontakte außerhalb des Cyberspace knüpfen. (Vgl. Solms-Laubach 2007)
Die folgende Arbeit wird sich mit der Frage: Welche Funktion und Bedeutung übernehmen die (öffentlichen) Räume in der Lebenswelt der Jugendlichen und wie nutzen sie die ihnen zur Verfügung stehenden räumlichen Gelegenheiten aus?, auseinandersetzen.
Diese zentrale Fragestellung wurde so gewählt, um einen Eindruck dafür zu vermittelt, welche räumlichen Möglichkeiten den Jugendlichen zur Verfügung stehen und wie sie diese für ihre persönliche Entwicklung nutzen können.
Damit dieser Eindruck innerhalb dieser Arbeit vermittelt werden kann, wird folgende Gliederung verfolgt.
Am Anfang steht die Klärung von zentralen Begriffen die im Verlauf der Arbeit gehäuft auftreten. Zu diesen Begriffen gehörten der (öffentliche) Raum, die Stadt, die Jugendlichen, die Lebenswelt und der Sozialraum. Damit soll von Anfang an ein Grundverständnis gegeben werden, wie die Begriffe im Kontext der Arbeit zu verstehen sind.
Im zweiten Punkt werden die (öffentlichen) Räume, zu diesen zählen: Räume im Wohnumfeld; Grünbestimmter Freiraum; Infrastruktur für Jugendliche; (Fußgänger)strasse; Zentrale Stadtplätze; Brachen, beschrieben. Hierbei geht es darum, einen Einblick zu erhalten, wie die Räume, als Nutzungsraum für alle Mitglieder einer Gesellschaft (in diesem Fall sind vor allem die Jugendlichen gemeint) untergliedert und wie diese Bereiche von den Individuen genutzt werden können.
Gliederung
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Öffentlichkeit
2.2 Stadt
2.3 Jugendlicher
2.4 Lebenswelt
2.5 Sozialraum
3. Typen (öffentlicher) Räume
3.1 Raumtyp 1: Räume im Wohnumfeld
3.2 Raumtyp 2: Grünbestimmer Freiraum
3.3 Raumtyp 3: Infrastruktureinrichtungen für Jugendliche
3.4 Raumtyp 4: (Fußgänger)Strasse
3.5 Raumtyp 5: Zentrale Stadtplätze
3.6 Raumtyp 6: Brachen
4. Freizeitverhalten
4.1 Freizeitverhalten im privaten Wohnbereich
4.2 Freizeitverhalten außerhalb der Stadt
4.3 Freizeitverhalten in (öffentlichen) Räumen der Stadt
5. Aneignung von (öffentlichen) Stadträumen durch Jugendliche
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutung öffentlicher Räume für die Lebenswelt von Jugendlichen und analysiert, wie diese räumlichen Gelegenheiten für die persönliche Entwicklung und zur Freizeitgestaltung genutzt werden. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen jugendlichen Bedürfnissen nach Freiraum und den strukturellen Anforderungen der Erwachsenenwelt.
- Bedeutung von (öffentlichen) Räumen im Lebensalltag von Jugendlichen
- Differenzierung verschiedener Raumtypen und deren Nutzungspotenziale
- Einfluss des Freizeitverhaltens im privaten vs. öffentlichen Sektor
- Konfliktpotenziale und Aneignungsprozesse in der Stadt
- Die Rolle von Mobilität und Mediennutzung
Auszug aus dem Buch
3.1 Raumtyp 1: Räume im Wohnumfeld
Unter dem ersten Raumtyp der Stadt als Lebensraum ist zu verstehen, dass hier Menschen in einem stark abgrenzbaren Raum leben. Dieser Bereich umfasst die private Wohnung und das nahe Wohnumfeld, welches sich unmittelbar anschließt. Unter dem äußeren Wohnumfeld ist Folgendes zu verstehen: die Spielplätze die zur Wohneinheit gehören und/oder Grünflächen vor der Wohnung. (Vgl. Herlyn 2003, S. 22)
In diesem Bereich ist es häufig so, dass zwischen den einzelnen Mitbewohnern ein hohes Kollektivbewusstsein besteht. Dieser Geist hat zur Folge, dass ein so genannter Kontrollkreis entsteht und das bedeutet, jeder achtet auf jeden. Dabei entsteht ein hohes Vertrauensverhältnis zwischen den BewohnerInnen. Für die Kinder und Jugendlichen bedeutet das wiederum, dass sie nie ohne eine Kontrolle, d.h. ohne unter Beobachtung zu stehen, in diesem Raum interagieren. Gleiches gilt ebenso für die Erwachsenen.
Die beiden Gruppen sind außerhalb ihrer eigenen Wohnung dem (öffentlichen) Raum ausgesetzt, ob sie wollen oder nicht. Diese Kontrolle sollte nicht in jedem Fall als etwas Negatives aufgefasst werden. Ganz im Gegenteil, die Kontrolle kann einstückweit als etwas Positives angesehen werden. Die Eltern können ihre Kinder und Jugendlichen durchaus auch draußen spielen lassen, ohne ständig ein Auge auf sie zu haben, was für die Eltern eine Entlastung und auch für die Jugendlichen ein kleines Stück Freiheit bedeutet.
Die Funktionen des privaten Bereichs sind so zu fassen, dass sich die Personen in den eigenen vier Wänden vom äußeren Umfeld erholen können, ohne in der Wohnung einer ständigen Kontrolle ausgesetzt zu sein und immer nach den Normen und Werten der Gesellschaft zu handeln. Die Kontrolle setzt sofort wieder ein, wenn die eigene Wohnung verlassen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach der Funktion öffentlicher Räume für Jugendliche in einer zunehmend durch Medien geprägten Lebenswelt.
2. Begriffsklärung: Hier werden die zentralen theoretischen Begriffe wie Öffentlichkeit, Stadt, Jugendlicher, Lebenswelt und Sozialraum definiert.
3. Typen (öffentlicher) Räume: Dieser Abschnitt klassifiziert verschiedene städtische Räume, von Wohnumfeldern bis hin zu Brachen, hinsichtlich ihrer Nutzbarkeit für Jugendliche.
4. Freizeitverhalten: Das Kapitel analysiert, wie Jugendliche ihre Freizeit im privaten Bereich, außerhalb der Stadt und in öffentlichen Stadträumen gestalten.
5. Aneignung von (öffentlichen) Stadträumen durch Jugendliche: Dieser Teil befasst sich mit den Mechanismen, durch die sich Jugendliche städtische Räume aktiv erschließen und aneignen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und plädiert für die Schaffung jugendgerechter Räume in der Stadtplanung.
Schlüsselwörter
Jugendliche, öffentlicher Raum, Lebenswelt, Stadtsoziologie, Sozialraum, Aneignung, Freizeitverhalten, Mediennutzung, Kontrollkreis, Identitätsentwicklung, Stadtraum, Infrastruktur, Jugendliche Lebenswelt, Urbanität, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle und Bedeutung, die öffentliche Räume in der heutigen Lebenswelt von Jugendlichen einnehmen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit beleuchtet die Definition von Lebensraum, verschiedene Raumtypen in der Stadt, das Freizeitverhalten Jugendlicher und den Prozess der Raumaneignung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu verstehen, welche räumlichen Möglichkeiten Jugendlichen zur Verfügung stehen und wie diese für ihre persönliche Entwicklung genutzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Jugendstudien, um soziologische Konzepte auf das Verhalten Jugendlicher im Stadtraum anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, eine Typologisierung öffentlicher Räume und eine detaillierte Betrachtung des Freizeitverhaltens und der Aneignungsprozesse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialraum, Aneignungsprozess, Lebenswelt, Medialisierung, Kontrollmechanismen und jugendspezifische Raumbedürfnisse.
Welche Rolle spielt die elterliche Kontrolle im Wohnumfeld?
Die Arbeit beschreibt, dass im Wohnumfeld oft ein Kontrollkreis herrscht, der einerseits Sicherheit bietet, die Jugendlichen aber andererseits in ihrer Freiheit einschränkt.
Warum ziehen sich viele Jugendliche in den privaten Bereich zurück?
Der Rückzug erfolgt häufig, da sie sich in öffentlichen Räumen durch die Anforderungen der Erwachsenenwelt missverstanden fühlen oder dort aufgrund von Normkonflikten verdrängt werden.
Was bedeutet der Begriff der Aneignung in diesem Kontext?
Aneignung ist ein aktiver, schöpferischer Prozess, durch den Jugendliche sich Räume erschließen, um in ihnen zu agieren und ihre eigene Identität zu entwickeln.
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- Sandra Rust (Author), 2010, Funktion und Bedeutung (öffentlicher) Räume in der Lebenswelt von Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149293