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Beschreibung als Zufallsprodukt? Anwendung und Funktion der literarischen Beschreibung in literarischen Texten: Franz Kafka - Die Verwandlung

Title:  Beschreibung als Zufallsprodukt? Anwendung und Funktion der literarischen Beschreibung in literarischen Texten:  Franz Kafka - Die Verwandlung

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 34 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Björn-Christian Schüßler (Author)

German Studies - Literature of History, Eras
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Was bedeutet es, existent zu sein? Diese Frage stellen sich Menschen überall auf der Welt. Der Sinn des Lebens ist genauso unwirklich zu durchdringen wie die Zukunft. Was wäre, wenn man nicht der wäre, der man ist, sondern in die Rolle eines anderen Wesens schlüpfte? Auch diese Vorstellung bewegt den individuellen Philosophen. Doch keiner kann diese Situation abschätzen bzw. erleben.
Franz Kafka hat in seiner „Verwandlung“ eine solche Situation geschaffen, die bildlicher gar nicht vorstellbar ist. Doch zu welchem Zweck schafft ein Dichter eine Szenerie, in der ein Mensch, in ein Tier verwandelt, versucht, seine Existenz zu sichern. Dieser Mensch, von dem die Geschichte erzählt wird, könnte jeder auf der Welt sein, denn das Tier ist nur Symbol für Veränderung. Dieser Mensch in Tiergestalt beobachtet nun seine Umwelt, um seine neue Rolle als Tier einzuordnen. Dabei muss er mit schwierigen Problemen und Konstellationen umgehen.
Die Geschichte ist eine Erzählung. Kafka bezeichnet sie selbst so. Doch beim ersten Lesen hält sich der Blick immer wieder weniger an der raren Handlung als vielmehr an den sozusagen illustrierten Stellen fest und fragt sich: „Was will mir diese Erzählung eigentlich sagen?“ Und mehr noch fragt sich der Leser, warum ihn weniger die Handlung fasziniert als vielmehr die Bilder, die dargestellt werden. Nun könnte man natürlich die Geschichte interpretieren, um eine Vorstellung zu bekommen, was Franz Kafka sagen will, und der Leser beantwortet sich unmittelbar die erste Frage. An dieser Stelle interessiert aber noch mehr, warum er gerade diese Art und Weise wählt, um seine Aussage zu verkünden. Warum erzählt er nicht eine Geschichte wie einen Actionfilm? Warum müssen es diese sprachlichen Bilder sein, warum diese Abbildungen einer Wirklichkeit in Form von bloßer Bildbeschreibung? Der aufmerksame Leser sucht auch nach einer Antwort auf die zweite Frage: Welche Funktion haben eigentlich diese Bilder und Beschreibungen in der Aussageabsicht Kafkas? Oder sind diese Bilder nur unwichtige Spielereien des Dichters oder gar nur Zufall?

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erzählung und Beschreibung

2.1. Allgemeine Grundlagen

2.2. Erzählung und Beschreibung in Franz Kafkas Literaturverständnis

3. Franz Kafka: „Die Verwandlung“

3.1. Inhalt und Struktur der „Verwandlung“

3.2. Die drei Konflikte des Gregor Samsa – Umstände der Verwandlung

3.2.1. Konflikt 1: Gregors Stellung in der Familie Samsa

3.2.2. Konflikt 2: Gregors Rolle in der Arbeitsgesellschaft

3.2.3. Konflikt 3: Gregors Suche nach dem wahren Sein

3.3. Gregor und sein Umfeld – eine Frage der Kommunikation

3.4. Die Innenwelt und die Außenwelt

3.3.2. Die Sprache

3.4. „Die Verwandlung“ – Kafkas Kritik an der Gesellschaft

4. Beschreibung in der „Verwandlung“ Franz Kafkas

4.1. Wo setzt Kafka Beschreibung ein?

4.1.1. Beschreibungsthema 1: Handelnde Personen und Charaktere

4.1.2. Beschreibungsthema 2: Feindbilder

4.1.3. Beschreibungsthema 3: Essen und Nahrung

4.1.4. Beschreibungsthema 4: Der Käfer als Erlebender

4.1.5. Beschreibungsthema 5: Die Verwandlung – Zwischen Mensch und Tier

4.2. Warum beschreibt Kafka? – Von der Funktion der Beschreibung

4.2.1. Funktion der Beschreibung handelnder Personen und Charaktere

4.2.2. Funktion der Beschreibung von Feindbildern

4.2.3. Funktion der Beschreibung von Essen und Nahrung

4.2.4. Funktion der Beschreibung des Käfers als Erlebendem

4.2.5. Funktion der Beschreibung der Verwandlung zwischen Mensch und Tier

4.3. Beschreibungsnotwendigkeit contra Zufallsprodukt

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung und Funktion literarischer Beschreibungen in Franz Kafkas „Die Verwandlung“, um zu klären, ob diese Elemente rein zufällig oder gezielt zur Darstellung einer gesellschaftskritischen Aussage eingesetzt werden. Dabei wird die Forschungshypothese verfolgt, dass die Beschreibung als essentielles Mittel dient, um die Zerrissenheit des Protagonisten und seine Entfremdung innerhalb der Arbeitsgesellschaft und der familiären Strukturen offenzulegen.

  • Die Wechselwirkung zwischen Erzählung und Beschreibung in Kafkas Poetik.
  • Die Analyse der drei zentralen Konflikte des Gregor Samsa.
  • Die Funktion der Beschreibung von Personen, Feindbildern und Nahrungsmitteln.
  • Die Rolle der Sprache und der Innen- sowie Außenweltwahrnehmung bei der Identitätskrise.
  • Die Interpretation der Verwandlung als Epochalkritik und Selbstoffenbarung Kafkas.

Auszug aus dem Buch

3.1. Inhalt und Struktur der „Verwandlung“

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“ So beginnt die Erzählung, die etwas Surreales vorführt. Ein Mensch geht des Abends ins Bett, um am nächsten Morgen um vier Uhr wie jeden Tag aufzustehen und zur Arbeit zu gehen, und plötzlich ist alles anders und er wird zum Tier. Ohne Vorwarnung wird er und durch die auf ihn beschränkte Erzählposition auch der Leser direkt in medias res geworfen. Kurz gefasst durchlebt der Protagonist eine befristete Zeit der Veränderung gegenüber seiner Familie, seiner Arbeitswelt und sich selbst. Er mutiert zum Ungeziefer und muss lernen, damit umzugehen, bis er schließlich an den Konflikten scheitert und ohne die eigentliche Chance zu erkennen und wahrzunehmen, zu Grunde geht.

Der „Sinn der Verwandlung Gregors [wird] nirgends ausdrücklich festgestellt. Über die Ursachen ist der Leser ebenso wie die Hauptgestalt im Unklaren, denn er erhält seine Informationen nur durch das Bewusstsein und die Überlegungen und Beobachtungen des Protagonisten“. Die personale Erzählposition zeigt sich genauer, wenn der Leser „Gregors Blick [...] zum Fenster“ folgen muss und nur seinen Gedanken und seinem Gehörten beiwohnt. Kafka nutzt diese Erzählposition bewusst, um den Leser seiner unberechenbaren Verwirrung zu überlassen und erst später zu durchschauen, was die Verwandlung da überhaupt verwandelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob die Beschreibungselemente in Kafkas Werk Zufallsprodukte sind oder eine bewusste erzählerische Funktion zur Verdeutlichung der existentiellen Not des Protagonisten erfüllen.

2. Erzählung und Beschreibung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der literarischen Beschreibung sowie Kafkas spezifisches Verständnis, welches die Grenzen zwischen Erzählen und Beschreiben zugunsten einer „Befreiung im Akte des Schreibens“ verschwimmen lässt.

3. Franz Kafka: „Die Verwandlung“: Hier werden der Inhalt, die Struktur und die drei zentralen Konflikte des Protagonisten Gregor Samsa analysiert, die seine Transformation vom Menschen zum Tier einleiten und begleiten.

4. Beschreibung in der „Verwandlung“ Franz Kafkas: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Untersuchung, in dem systematisch dargelegt wird, wo Kafka Beschreibung einsetzt und welche Funktionen diese für die Charakterisierung und die gesellschaftskritische Intention des Werkes hat.

5. Schlussbetrachtung: Das Fazit zieht den Schluss, dass die Beschreibungselemente bei Kafka ein bewusst gewähltes Mittel sind, um die Identitätskrise und die soziale Problematik zwischen Gebildeten und Arbeitern zur Jahrhundertwende zu reflektieren.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Die Verwandlung, Literarische Beschreibung, Gregor Samsa, Erzähltheorie, Entfremdung, Arbeitsgesellschaft, Epochalkritik, Identitätskrise, Personale Erzählposition, Symbolik, Literaturwissenschaft, Gesellschaftskritik, Existentialismus, Innere Monologe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Funktion der literarischen Beschreibung in Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ und analysiert, ob diese Beschreibungen gezielt eingesetzt werden, um die Identitätskrise und die gesellschaftliche Entfremdung des Protagonisten zu verdeutlichen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind das Verhältnis von Erzählung und Beschreibung, die drei Konflikte von Gregor Samsa (Familie, Arbeit, Selbstfindung), die Trennung von Innen- und Außenwelt sowie Kafkas Gesellschaftskritik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die beschreibenden Elemente bei Kafka kein Zufall sind, sondern ein bewusstes rhetorisches und ästhetisches Mittel, um die Problematik einer entfremdeten Existenz darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die auf literaturwissenschaftlicher Interpretation basiert und durch den Rückgriff auf Forschungsliteratur gestützt wird, um Kafkas Poetik zu erschließen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Beschreibungsthemen (wie Handelnde Personen, Feindbilder, Nahrung) und deren jeweilige Funktion bei der Darstellung von Gregors Entwicklung und seiner Zerrissenheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Entfremdung, Arbeitsgesellschaft, Erzähltheorie, Identitätskrise, Kafka, Die Verwandlung und Literarische Beschreibung.

Inwiefern beeinflusst die Zimmeranordnung Gregors psychische Situation?

Die Zimmeranordnung spiegelt laut der Analyse direkt Gregors psychischen Zustand wider, wobei die räumliche Isolation von der Außenwelt seinen Ausschluss aus der Gemeinschaft und die Unmöglichkeit der Identitätsfindung symbolisiert.

Warum ist der Tod von Gregor Samsa für den Verfasser kein rein negatives Ende?

Der Verfasser interpretiert den Tod als ein „Erlösungsmoment“ seiner alten, entfremdeten Existenz, da Gregor auf geistiger Ebene eine höhere Stufe erreichen konnte, bevor er an der Unvereinbarkeit seiner Ansprüche mit der Realität scheiterte.

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Details

Title
Beschreibung als Zufallsprodukt? Anwendung und Funktion der literarischen Beschreibung in literarischen Texten: Franz Kafka - Die Verwandlung
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Course
Theorie der literarischen Beschreibung
Grade
2,0
Author
Björn-Christian Schüßler (Author)
Publication Year
2000
Pages
34
Catalog Number
V14931
ISBN (eBook)
9783638202039
ISBN (Book)
9783656536482
Language
German
Tags
Beschreibung Zufallsprodukt Anwendung Funktion Beschreibung Texten Franz Kafka Verwandlung Theorie Beschreibung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Björn-Christian Schüßler (Author), 2000, Beschreibung als Zufallsprodukt? Anwendung und Funktion der literarischen Beschreibung in literarischen Texten: Franz Kafka - Die Verwandlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14931
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