Diese Masterarbeit zieht eine erschreckende – wenn auch nicht völlig unerwartete – (Zwischen-)Bilanz über den Stand der digitalen Souveränität der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Anhand der Stadtverwaltung Bad Langensalza sowie der Landkreisbehörde Anhalt-Bitterfeld wurden zwei Behörden als Fallbeispiele herausgegriffen, welche bereits unfreiwillig mit Cyberangriffen konfrontiert waren. Vertreter – primär aus dem IT-Bereich – dieser Behörden wurden qualitativ interviewt, anschließend wurde das Material mit Hilfe der Durchführung einer qualitativen Inhaltsanalyse anhand des zuvor erarbeiteten Analyserahmens detailliert ausgewertet.
Das beigefügte Interviewmaterial ist hierbei sehr reichhaltig und lädt zur Vertiefung und Fortführung der Forschung ein.
Abschließende Bewertung des Erstgutachtens: "Felix Mentele hat eine gute Abschlussarbeit vorgelegt. Die Arbeit überzeugt sowohl inhaltlich als auch formal und wurde zudem mit einem hohen Maß an Eigenständigkeit erstellt. Herr Mentele hat mit seiner Masterarbeit demonstriert, dass er ein wesentliches Qualifikationsziel des Studiengangs Politikwissenschaft, empirisch und theoriegeleitet politisches Handeln zu analysieren, erreicht hat."
Als Kritikpunkte an der Arbeit wurden neben der vergleichsweise freien Anwendung von Mayrings Ansatz der Qualitativen Inhaltsanalyse im Rahmen der Bewertung herausgestellt, dass einerseits sehr weit ausgeholt wurde, um auf die Kernthematik hinzuleiten, andererseits hätten die gewonnenen Erkenntnisse noch stärker an die Literaturbasis rückgekoppelt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyserahmen
2.1 Konzeptuelle Grundlagen
2.2 Theoretische Einbettung
2.2.1 Kernaspekte der Verwaltungsanalyse
2.2.2 Organisationssoziologische Ergänzung
2.3 Methodisches Vorgehen
2.3.1 Qualitative Interviews
2.3.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring
2.4 Fallauswahl
3. Empirische Analyse
4. Diskussion der Ergebnisse
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
7. Anhang
Anhang I: Aufkommen des Konzepts in einer exempl. Literaturdatenbank
Anhang II: Interviewleitfaden
Anhang III: Transkript Interview Stadtverwaltung Bad Langensalza
Anhang IV: Transkript Interview Landkreisbehörde Anhalt-Bitterfeld
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die digitale Souveränität in der deutschen öffentlichen Verwaltung, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit ausgewählte, von Cyberangriffen betroffene Kommunalbehörden diesem Anspruch gerecht werden und welche Maßnahmen sie hierfür ergreifen. Das Ziel ist es, durch eine vergleichende Analyse ein fundiertes Verständnis über die praktische Umsetzung digitaler Anforderungen in einem komplexen bürokratischen und föderalen Umfeld zu gewinnen.
- Digitale Souveränität als zentrales Strategiekonzept
- IT-Sicherheit und Resilienz in öffentlichen Verwaltungen
- Herausforderungen der Digitalisierung im Rahmen des Föderalismus
- Analyse der Organisationsstrukturen kommunaler IT-Bereiche
- Praxiserfahrungen bei der Bewältigung von Cyber-Krisensituationen
Auszug aus dem Buch
2.1 Konzeptuelle Grundlagen
Dieses Kapitel bildet aus gutem Grund den ersten Baustein zur Schaffung des Analyserahmens, auf den schließlich die empirische Analyse selbst begründet werden kann. Das Argument hierfür liegt auf der Hand – bevor das Erkenntnisinteresse und die damit verknüpften Variablen einer wissenschaftlichen Arbeit untersucht werden können, ist es elementar, zunächst eine konzeptuell eindeutige Grundlage zu schaffen. Mit anderen Worten: es muss sichergestellt sein, dass Autor und Leserschaft die gleiche Sprache sprechen.
Kernaufgabe dieses Kapitels ist es also, eindeutige und wissenschaftlich fundierte Definitionen für Schlüsselbegriffe zu formulieren, auf denen das theoretische Verständnis dieser Arbeit basiert. Hier betritt man unweigerlich das Terrain der Semantik, also „die Wissenschaft, die sich mit den Bedeutungen von sprachlichen Ausdrücken beschäftigt“ (Chur 2004: 15). Bereits an dieser Stelle wird durch den in der Definition verwendeten Plural deutlich, dass Begriffe und Konzepte nicht nur eine Bedeutung haben müssen.
Aus der Perspektive einer wissenschaftlichen Arbeit ist das allerdings unter Umständen ein Problem, da so einerseits die Reliabilität der Forschungserkenntnisse gefährdet ist, andererseits aber auch bei einem zu vorschnellen und somit unreflektierten Festlegen auf eine spezifische Definition auch die Validität des weiteren Vorgehens in Frage zu stellen wäre. Zu guter Letzt kann ein solches Vorgehen auch als nicht hinreichend objektiv beschrieben werden. Somit wäre es nicht möglich, mit der Forschungsarbeit bei einer zu oberflächlichen Konzeptualisierung noch etablierten wissenschaftlichen Gütekriterien gerecht zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die strategische Relevanz der digitalen Souveränität vor dem Hintergrund aktueller Cyberbedrohungen für Behörden und stellt das Forschungsinteresse sowie die Hypothesen der Arbeit vor.
2. Analyserahmen: Dieses Kapitel erarbeitet das theoretische Fundament, bestehend aus begrifflichen Grundlagen der digitalen Souveränität sowie verwaltungswissenschaftlichen und organisationssoziologischen Perspektiven für die Analyse.
3. Empirische Analyse: Die empirische Analyse führt die Auswertung der durchgeführten Experteninterviews mit den beiden Fallbeispielen anhand des zuvor definierten Kategoriensystems durch.
4. Diskussion der Ergebnisse: Im Diskussionsteil werden die gewonnenen Erkenntnisse kontextualisiert und kritisch im Hinblick auf wissenschaftliche Gütekriterien reflektiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Kernaussagen der Studie zusammen, bewertet die Erfüllung der Forschungsfrage und gibt Anregungen für zukünftige Forschungsansätze.
6. Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis aller zitierten Quellen und verwendeten wissenschaftlichen Grundlagen der Arbeit.
7. Anhang: Der Anhang enthält ergänzende Daten, den detaillierten Interviewleitfaden sowie die für die Auswertung transkribierten Interviewdaten.
Schlüsselwörter
Digitale Souveränität, Öffentliche Verwaltung, Cyber-Sicherheit, Kommunalbehörden, Digitalisierung, IT-Resilienz, Verwaltungsanalyse, Organisationssoziologie, New Public Management, E-Government, Krisenmanagement, Datenschutz, Föderalismus, IT-Infrastruktur, Experteninterviews.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der digitalen Souveränität der öffentlichen Verwaltung in Deutschland, wobei der Fokus auf der Leistungsfähigkeit und Sicherheit kommunaler IT-Strukturen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Resilienz von Behörden gegenüber Cyberangriffen, die IT-Sicherheit als hoheitliche Aufgabe und die strukturellen Herausforderungen der Digitalisierung im föderalen System.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Stand der digitalen Souveränität in kommunalen Behörden zu evaluieren und aufzuzeigen, inwieweit diese ihren eigenen Anforderungen in der Praxis nachkommen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine qualitative Methode, konkret Experteninterviews, deren Material mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Analyserahmen, eine empirische Auswertung zweier Fallbeispiele sowie eine anschließende Diskussion der Ergebnisse im Kontext bestehender Theorie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem digitale Souveränität, IT-Sicherheit, Cyber-Resilienz, Kommunalverwaltung und Organisationssoziologie.
Warum wurden genau diese beiden Behörden als Fallbeispiele gewählt?
Die Behörden wurden aufgrund ihrer realen, einschneidenden Erfahrungen mit erfolgreichen Cyberangriffen ausgewählt, um als „influential cases“ wertvolle Einblicke in Krisenbewältigung und Sicherheitsanpassungen zu ermöglichen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur IT-Sicherheit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass IT-Sicherheit in der öffentlichen Verwaltung aktuell oft noch stiefmütterlich behandelt wird und häufig hinter kurzfristige Digitalisierungsziele zurückfällt.
Wie bewerten die untersuchten Behörden ihre Koordination mit übergeordneten Stellen?
Die Behörden äußern sich kritisch und bemängeln, dass die Kommunikation und Koordination mit übergeordneten Instanzen wie Bund und Ländern oft unstrukturiert verläuft und sie bei Digitalisierungsvorhaben weitgehend auf sich allein gestellt sind.
- Arbeit zitieren
- Felix Mentele (Autor:in), 2023, Digitale Souveränität in der öffentlichen Verwaltung. Eine vergleichende Analyse am Beispiel ausgewählter deutscher Behörden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1493354