In der vorliegenden Bachelorarbeit wird mithilfe einer "Neuen Zeitung" aus Bernburg von 1580 erläutert, wie die Hexen und der Teufel im 16. Jahrhundert dargestellt wurden. Verdeutlicht wird außerdem, wie Christen in ihrem Glauben bestärkt wurden. Die Leserschaft kann sich mit dem religiös-magischen Weltbild vertraut machen, welches in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im mitteleuropäischen Raum vorherrschte. Diese Arbeit ist wissenschaftlich relevant, weil magisches Denken, religiöser Fundamentalismus und Frauenfeindlichkeit im 21. Jahrhundert keineswegs von der Bildfläche verschwunden sind.
Wer die Übel der Gegenwart verstehen will, sollte sich auch mit der Vergangenheit auseinandersetzen.
Das frühneuzeitliche Denken wurde von einem religiösen Dualismus charakterisiert. Auf der einen Seite befanden sich der christliche Gott und diejenigen Akteure, die seine "göttlichen Wahrheiten" verkündeten. Auf der anderen Seite befanden sich der Teufel als "Vater der Lügen" und diejenigen, die mit ihm paktierten, nämlich die Hexen. Theologen, Juristen und Schriftsteller waren damit beschäftigt, die Wirklichkeit in einer streng religiösen Weltsicht darzustellen. Der Teufel schien allgegenwärtig zu sein und seine Gefährlichkeit konnte nicht oft genug betont werden. Es waren vor allem Frauen, die unter dieser "Wahrheitsliebe" zu leiden hatten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Literaturdiskussion
1.2. Gliederung und Methode
2. Formale Beschreibung der Quelle
2.1. Quellentyp und Quellenumfang
2.2. Überlegungen zur Autorenschaft
3. Inhaltliche Analyse der Quelle
3.1. Legitimation der Hexenverfolgung
3.2. Darstellung und Charakterisierung der Hexen
3.3. Darstellung und Charakterisierung des Teufels
3.4. Maßnahmen gegen die Hexen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit analysiert die „Neue Zeitung“ aus Bernburg (1580), um die frühneuzeitliche Darstellung von Hexen sowie des Teufels zu untersuchen und aufzuzeigen, wie diese Schrift dazu beitrug, Christen in ihrem Glauben zu bestärken und die Hexenverfolgung im Fürstentum Anhalt zu legitimieren.
- Darstellung von Hexen als Teufelsdienerinnen in der populären Warnliteratur
- Die Charakterisierung des Teufels als allgegenwärtiger verführerischer Gegenspieler Gottes
- Legitimation der Hexenverfolgung durch religiöse Ideologien und soziale Ängste
- Analyse der sprachlichen und rhetorischen Mittel zur Beeinflussung der Leserschaft
Auszug aus dem Buch
3.2. Darstellung und Charakterisierung der Hexen
Der Autor beschrieb das Treffen einer alten, Curth Koechin genannten Frau mit dem Teufel in Menschengestalt in ihrem Bernburger Haus. Damit verfolgte er bestimmte Absichten: Einerseits wollte er seine Leserschaft darüber informieren, welchen Personentyp der Teufel für seine Zwecke einspannen wollte. In seiner Darstellung hatte es der Teufel auf hochbetagte Frauen abgesehen, die nicht mehr im Vollbesitz ihrer Kräfte waren. Zur Beschreibung von Curth Koechin nutzte der Autor den Begriff „Vettel“, ein Substantiv, welches heute als abwertend betrachtet wird. Dieses Wort konnte für ältere, aber auch für ungepflegte Frauen mit einem schlampigen Erscheinungsbild verwendet werden. Frauen wie Curth Koechin wurden vom Teufel als geeignete Erfüllungsgehilfinnen betrachtet, da sie leicht zu beeinflussen waren.
Die zweite Absicht des Autors bestand darin, seinen christlichen Leserinnen und Lesern zu verdeutlichen, mit welchen Mitteln der Teufel arbeitete, während er sich auf der Suche nach Dienerinnen befand. Es hat den Anschein, als ob Curth Koechin entweder nicht dazu gewillt oder nicht dazu in der Lage war, sich friedlich mit den Menschen zu arrangieren, gegen die sie eine persönliche Abneigung hegte. Vom Autor wurde sie als eine Frau dargestellt, die nicht davor zurückschreckte, unliebsamen Menschen mithilfe der vom Teufel empfangenen Kräuter Schaden zuzufügen. Er beschrieb seiner Leserschaft ebenfalls, auf welche Weise diese Frau die „Teufelskräuter“ verwendete. Diese wurden von ihr in die Häuser anderer Menschen geworfen, woraufhin diese erblindeten. Durch die Wirkung dieser Kräuter sollen ungeborene Kinder in den Leibern ihrer Mütter gestorben sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit erläutert anhand der Quelle aus 1580 die Darstellung von Hexen und Teufelsglauben im 16. Jahrhundert sowie deren Bedeutung für das damalige Weltbild.
2. Formale Beschreibung der Quelle: Das Kapitel ordnet die „Neue Zeitung“ als Traditionsquelle ein und beschreibt ihren Umfang, die verwendete Sprache sowie intendierte Zielgruppen.
3. Inhaltliche Analyse der Quelle: Hier wird untersucht, wie der Autor durch die Darstellung des Teufels und der Hexen die Verfolgung legitimierte und welche Rollenbilder dabei bedient wurden.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Druckerzeugnis bewusst zur sozialen Disziplinierung und Stärkung des obrigkeitlichen Handelns im Fürstentum Anhalt eingesetzt wurde.
Schlüsselwörter
Hexenverfolgung, Bernburg, Teufelsglauben, Frühe Neuzeit, Warnliteratur, Schadenzauber, Religiöser Dualismus, Teufelspakt, Anhalt, Hexenprozess, Soziale Disziplinierung, Hexenmythos, 1580, Reformation, Glaubenswachstum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht eine „Neue Zeitung“ aus dem Jahr 1580, die als historische Warnliteratur dazu diente, die Bevölkerung im Fürstentum Anhalt vor Hexen zu warnen und deren Verfolgung als notwendig darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Konstruktion des Hexenbildes, die Dämonisierung des Teufels, die Legitimation religiöser und weltlicher Gewalt gegen vermeintliche Hexen sowie die soziokulturelle Funktion solcher Schriften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, mit welchen Mitteln und Absichten der Autor der Zeitung die Hexenverfolgung als legitim und notwendig darstellte, um die christliche Bevölkerung hinter der Obrigkeit zu vereinen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, wobei das Schriftstück als Traditionsquelle unter Anwendung von Sekundärliteratur auf seine inhaltliche Intention und strukturelle Wirkung hin untersucht wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Beschreibung der Quelle sowie eine detaillierte inhaltliche Untersuchung, die Fragen nach der Legitimation der Verfolgung, der Charakterisierung von Hexen und dem Wirken des Teufels beantwortet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Hexenverfolgung, Bernburg, Teufelspakt, Frühe Neuzeit, Schadenzauber und religiöser Dualismus.
Warum wurde ausgerechnet die „Neue Zeitung“ aus Bernburg analysiert?
Die Quelle bietet einen einzigartigen Einblick in die regionale Hexenproblematik in Anhalt 1580 und illustriert anschaulich, wie frühneuzeitliche Warnliteratur gezielt Ängste schürte, um bestimmte politische und religiöse Zielsetzungen zu erreichen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf die „Teufelshure“?
Der Autor argumentiert, dass Frauen, die vom Glauben abfielen, zwangsläufig als bloße Werkzeuge des Teufels endeten, was die Notwendigkeit von drastischen Strafen wie der Verbrennung verdeutlichen sollte.
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- Felix Schwenker (Author), 2024, Die Darstellung von Hexen in der "Neuen Zeitung" aus Bernburg (1580), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1493425