Wenn an Gustav Moritz Wustmann (1844-1910) gedacht wird, denkt man insbesondere im Zusammenhang mit Leipzig an den Philologen, Historiker und Archivar des Ratsarchivs Leipzigs. Auch dass er Vorsitzender des Vereines für die Geschichte Leipzigs ab 1882 neun Jahre lang war findet seine Würdigung. Doch niemand würde erahnen, dass er bereits in einer gesellschaftlichen Stellung als Lehrer am Nicolaigymnasium tätig, in die Verlegenheit kommen würde eine Forderung zum Duell auf Pistolen zu erhalten. Doch war dem so. Nachfolgendes ist nur auf der Basis des Aktenbestandes des Universitätsarchivs Leipzig rekonstruierbar.
Ziel dieses Essays ist es, dieses bemerkenswerte Ereignis, das Teil der Kuriosa der Leipziger Universitätsgeschichte ist, einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und die kulturellen und sozialen Hintergründe des Duellwesens im 19. Jahrhundert zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgang
3. Schluß
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert basierend auf historischen Akten des Universitätsarchivs Leipzig einen bisher unpublizierten Fall einer Pistolenduell-Forderung aus dem Jahr 1869 zwischen dem Gymnasiallehrer Dr. Gustav Moritz Wustmann und einem cand. jur. namens Pulvermacher, um Einblicke in die damalige studentische Ehrkultur und universitäre Gerichtsbarkeit zu gewähren.
- Rekonstruktion des Duallfalls von 1869
- Die Rolle der studentischen Ehrbegriffe und des Zweikampfwesens
- Universitäre Disziplinargerichtsbarkeit im 19. Jahrhundert
- Vergleichende Einordnung in die Leipziger Universitätsgeschichte
Auszug aus dem Buch
2. Vorgang
Eine Akte des Universitätsarchivs Leipzigs3 aus dem Jahr 1869 enthält einen Vorgang über ein beabsichtigtes Duell zwischen Dr. Gustav Moritz Wustmann, der bereits Lehrer an der Leipziger Nicolaischule war, und einem cand. jur. [Benno] Pulvermacher, gebürtig in Kurnik (dt. Kornitz)4 in der Provinz Posen 24 Jahre alt. (Bl. 3)5 Ein Benno Pulvermacher sollte einmal als Komponist des Kaiserliedes bekannt werden, dessen Text von Carl Biberfeld stammt.6 Es ist sicher nicht der spätere Dirigent in Breslau, der auch ein Buch über die Gesangsregister schrieb.7 Biberfeld als auch Pulvermacher waren jüdischer Abstammung. Der spätere Dirigent und Komponist bzw. Musikschriftsteller Benno Pulvermacher (1862-1942) wiederum hatte seinen Geburtsort in Berlin. Dieser sollte in der Nazizeit ein tragisches Ende finden. So wurde er als Jude aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen.8 Der kommt schon allein wegen seines Alters von sieben oder acht Jahren zum fraglichen Zeitpunkt nicht infrage.
Der hier zu Debatte stehende cand. jur. Pulvermacher ist in der Matrikel der Universität Leipzig nicht zu finden, nicht ohne Grund, wie sich später zeigen wird. Laut Akte steht er mit „z. Z. in Leipzig“ wohnhaft, was darauf hindeutet, dass er nicht seinen Hauptwohnsitz in Leipzig hatte. (Bl. 3) Der Aktentitel auf dem Deckblatt verweist auf einen weiteren Beteiligten, den stud. jur. Johann Philipp Fischer aus Baltimore, der „als Cartellträger bei einem beabsichtigten Pistolenduell“ fungierte. Um es abzukürzen: Die an Wustmann gerichtete Forderung Pulvermachers nach einem Pistolenduell, die von Fischer überbracht wurde, hatte Wustmann abgelehnt. Das fand nicht statt. Fischer bekam aber Karzerstrafe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Person Gustav Moritz Wustmann ein und erläutert den Anlass sowie die Quellenbasis der Untersuchung dieses historischen Kuriosums.
2. Vorgang: Dieses Kapitel rekonstruiert den konkreten Konfliktverlauf zwischen Wustmann und Pulvermacher, inklusive der Rolle des Kartellträgers Fischer und der juristischen Auseinandersetzung vor dem Universitätsgericht.
3. Schluß: Das Schlusskapitel ordnet den Fall in den Kontext der studentischen Ehrbegriffe ein und zieht ein Fazit über die Bedeutung der Affäre für die beteiligten Personen.
Schlüsselwörter
Gustav Moritz Wustmann, Benno Pulvermacher, Pistolenduell, Universitätsarchiv Leipzig, Studentengeschichte, Ehrbegriff, Disziplinargerichtsbarkeit, Karzer, Johann Philipp Fischer, Zweikampfwesen, 19. Jahrhundert, Bildungsgeschichte, Rechtsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Fall einer Duellforderung an den Philologen und Gymnasiallehrer Dr. Gustav Moritz Wustmann im Jahr 1869 in Leipzig.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die studentische Ehrkultur, das Duellwesen an Hochschulen und die Mechanismen der universitären Disziplinargewalt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die historische Aufarbeitung eines bislang unpublizierten Vorfalls, der als "Kuriosum" der Universitätsgeschichte betrachtet wird.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt der Autor?
Die Untersuchung basiert primär auf einer aktenkundigen Analyse von Primärquellen aus dem Universitätsarchiv Leipzig.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Ablauf der Duellforderung, der Rolle der beteiligten Personen – inklusive des Vermittlers Fischer – sowie der juristischen Aufarbeitung durch das Universitätsgericht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Duellwesen, Universitätsgeschichte, historische Aktenanalyse und studentische Ehrbegriffe.
Warum wurde Dr. Wustmann überhaupt zu einem Duell herausgefordert?
Der Auslöser war eine Beleidigung bezüglich einer Äußerung Wustmanns über den Tod, die Pulvermacher als Vorwurf der Feigheit auffasste.
Welche Konsequenzen hatte der Vorfall für den Vermittler Johann Philipp Fischer?
Fischer, der als Kartellträger fungierte, wurde vom Universitätsgericht zu einer Karzerstrafe verurteilt.
Inwiefern unterscheidet sich dieser Fall von späteren Pistolenduellen?
Im Gegensatz zu späteren Fällen mit tödlichem Ausgang blieb dieser Konflikt unblutig, da Wustmann die Forderung ablehnte und kein Strafantrag folgte.
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- Mario Todte (Author), 2024, Die Duellsache Gustav Moritz Wustmann 1869. Ein unbekanntes Kapitel der Leipziger Universitätsgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1493718