Mergers & Akquisitionen sind in den 90-er Jahren immer häufiger global durchgeführt worden. In seinem `Handbuch´1 zu diesem Thema kritisiert Gerhard Picot implizit das Fehlen wissenschaftlicher Theorien, die Fusionen und Akquisitionen teilweise oder auch ganzheitlich erklären können. Provokativ bedient er sich auf der Suche nach Beweggründen für M&A eines Zitates des Ex-Bundeskanzlers Helmut Schmidt: "Die wahren Motive für die Mega-Fusionen sind häufig nicht ökonomische Notwendigkeiten, sondern Großmannssucht und Habgier der Manager."2
Was sind Beweggründe für Akquisitionen? Gibt es auf der Basis der Management-Theorien brauchbare Hilfestellungen um solche Vorgänge zu erklären? Helmut Schmidt nennt das Streben nach Macht und das Streben nach Profit als mögliche Gründe. Solch opportunistisches Verhalten von Managern, als Teil opportunistischer Organisationsmitglieder, wird auch von den großen Theorien der Institutionenökonomik, dem Transaktionskostenansatz, dem Prinzipal-Agenten Ansatz und dem verfügungsrechtlichen Ansatz als Basisannahme unterstellt. Deshalb möchte ich diesen Aspekt im Rahmen einer theoriegeleiteten Fallstudie aus institutionenökonomischer Perspektive beleuchten.
Die Neue Institutionenökonomik bezieht sich auf den "institutionellen Charakter von Unternehmen"3 , wie Prof. Dr. Georg Schreyögg von der Freien Universität Berlin es formuliert. Ein wichtiger Vorteil dieser Theorien liegt in der Analyse auf Mikroebene. Die institutionenökonomischen Ansätze gehören zu dem Paradigma des methodologischen Individualismus, der auch Phänomene der Makro-Ebene auf die rationale Handlungsweise der Individuen zurückführt und für Vertreter der quantitativen Soziologie und Ökonomen nachvollziehbar erscheint.
Drei Ansätze sind besonders wichtig: der Transaktionskostenansatz, der verfügungsrechtliche Ansatz und der Prinzipal-Agenten Ansatz. Da der Transaktionskostenansatz sich vor allem auf die Minimierung von Transaktionskosten, hinsichtlich Anbahnung, Abschluss, Anpassung und Überwachung von Verträgen, bezieht, also im Prinzip Informations- und Kommunikationskosten, somit also eher auf organisationsexterne Synergie-Effekte durch M&A zielt, möchte ich diesen Ansatz außen vor lassen. Die Notwendigkeit Fusionen und Akquisitionen durch eventuelle Synergieeffekte zu erklären bzw. nur aus diesem Grund zu rechtfertigen wird immer umstrittener.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Kernaussagen des verfügungsrechtlichen Ansatzes und des Prinzipal Agenten Ansatzes
II.1. Gemeinsame Basisannahmen
II.2. Der Ansatz der Verfügungsrechte
II.3. Der Prinzipal Agenten Ansatz
III. Anwendung auf ein empirisches Fallbeispiel: die Akquisition von De Beers durch DBI, bzw. Anglo American
IV. Abschließende Gesamtbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Akquisition des Diamantenmonopolisten De Beers durch Anglo American/DBI aus institutionenökonomischer Perspektive. Ziel ist es, die Beweggründe für diese Transaktion anhand des verfügungsrechtlichen Ansatzes sowie der Prinzipal-Agenten-Theorie kritisch zu analysieren und opportunistisches Verhalten der beteiligten Akteure aufzudecken.
- Institutionenökonomische Analyse von Mergers & Acquisitions
- Anwendung des verfügungsrechtlichen Ansatzes auf Unternehmenskäufe
- Untersuchung von Prinzipal-Agenten-Problemen bei großen Übernahmen
- Fallstudie zur Delistung von De Beers (Management Buyout)
- Analyse der Machtverhältnisse und Informationsasymmetrien
Auszug aus dem Buch
III. Anwendung auf ein empirisches Fallbeispiel: die Akquisition von De Beers durch DBI bzw. Anglo American
„Anglo has always disliked and discouraged, in the politest possible way, any investigation of ist broader activities. Its critics are met with an aloof disdain or, alternatively, with a handsome invitation to correct their `misunderstanding´ about South Africa´s `complex´ society. The group´s sensitivities about South African base and ist grip on the mineral resources of the West are palpable.
Diamond analysts have long remarked and complained about the paucity of information emanating from the secretive De Beers.“
So kommentiert David Pallister die Informationspolitik der südafrikanischen Großkonzerne Anglo American und De Beers.
Am 1. Februar 2001 gab De Beers bekannt, ein Angebot von einem Konsortium unter dem Namen De Beers Investment (DBI), welches sich aus der Central Holdings Limited (der Oppenheimer Familienholding), Anglo American PLC und Debswana (Diamond Company Limited) zusammensetzt, erhalten zu haben. Es ging um ein Angebot zum Kauf sämtlicher De Beers Namensaktien. DBI besteht aus der CHL, also der Familie Oppenheimer (45%), der Anglo American plc (45%) und Debswana (10%), einem Joint Venture der Regierung von Botswana und der Fam. Oppenheimer, zusammen. Den De Beers Anteilseignern wurde angeboten pro Aktie, eine Aktie der Anglo American Corporation, dazu 15,35 US-$, sowie eine Dividende in Höhe von 1,30 US-$, zu erhalten. Am 18.Mai stimmten 95% der De Beers- Aktionäre dem Angebot von insgesamt 43 US-$ pro Aktie zu. Nicky Oppenheimer, der als CEO von De Beers und Anteilseigner den Deal eingefädelt hatte, wurde in seiner Funktion bestätigt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz institutionenökonomischer Ansätze für die Erklärung von Unternehmensübernahmen und führt in die Fragestellung der Fallstudie ein.
II. Kernaussagen des verfügungsrechtlichen Ansatzes und des Prinzipal Agenten Ansatzes: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des verfügungsrechtlichen Ansatzes sowie des Prinzipal-Agenten-Modells und deren Relevanz für das Verständnis opportunistischen Verhaltens.
II.1. Gemeinsame Basisannahmen: Hier werden die grundlegenden Annahmen wie Opportunismus, begrenzte Rationalität und das Verständnis von Institutionen dargelegt.
II.2. Der Ansatz der Verfügungsrechte: Das Kapitel definiert Verfügungsrechte und deren Bedeutung für die effiziente Ressourcenallokation und strategische Unternehmensentscheidungen.
II.3. Der Prinzipal Agenten Ansatz: Es werden zentrale Probleme wie Informationsasymmetrien, Hidden Information, Hidden Action und Hold-up-Szenarien bei Delegationsprozessen thematisiert.
III. Anwendung auf ein empirisches Fallbeispiel: die Akquisition von De Beers durch DBI bzw. Anglo American: Anhand des konkreten Falls der Übernahme von De Beers wird untersucht, inwieweit die theoretischen Ansätze opportunistische Motive und die Umstrukturierung des Unternehmens erklären können.
IV. Abschließende Gesamtbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung der institutionenökonomischen Theorie zur Analyse komplexer M&A-Vorgänge.
Schlüsselwörter
Mergers & Acquisitions, De Beers, Anglo American, Institutionenökonomik, Verfügungsrechte, Prinzipal-Agent-Theorie, Opportunismus, Nicky Oppenheimer, Share-Deal, Informationsasymmetrie, Diamantenmonopol, Unternehmensakquisition, Management Buyout, Due Diligence, Hidden Action.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Unternehmensübernahmen, insbesondere die Akquisition von De Beers, unter Verwendung institutionenökonomischer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Verfügungsrechte in Unternehmen, die Problematik der Prinzipal-Agenten-Beziehung und die Analyse von M&A-Transaktionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob und wie institutionenökonomische Ansätze opportunistisches Verhalten bei der Übernahme von De Beers durch Anglo American/DBI erklären können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Fallstudie, die reale Marktereignisse mit den theoretischen Modellen der Institutionenökonomik abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung und deren Anwendung auf die Akquisition von De Beers, inklusive der Analyse der Machtstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Institutionenökonomik, M&A, Verfügungsrechte, Opportunismus, Prinzipal-Agent, De Beers und Anglo American.
Welche Rolle spielte die Familie Oppenheimer bei der Akquisition?
Die Familie Oppenheimer agierte sowohl als Eigentümer als auch als Teil des Managements, was im Kontext der Prinzipal-Agent-Theorie als Interessenskonflikt analysiert wird.
Warum war das Delisting von De Beers für die Analyse wichtig?
Das Delisting dient als Beispiel für einen Management Buyout, bei dem Verfügungsrechte so neu strukturiert wurden, dass die Kontrolle durch Kleinaktionäre entfiel.
Wie bewertet der Autor den Informationsvorsprung der Manager?
Der Autor führt aus, dass dieser Vorsprung opportunistisch genutzt werden konnte, um den Unternehmenswert aus Sicht der Prinzipale (Aktionäre) möglicherweise suboptimal zu beeinflussen.
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- Andreas Biesinger (Author), 2002, Diamonds are forever? Die Akquisition von De Beers durch Anglo American/DBI, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14940