Schmerzen sind der häufigste Anlaß dafür, daß Patienten einen Arzt aufsuchen.
Schmerz ist nach der Definition der International Association for the Study of Pain (IASP) ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.1 Während ein akuter Schmerz im Rahmen eines akuten Ereignisses auftritt und wesentliche biologische Warn- und Schutzfunktionen zu erfüllen hat, sind diese Funktionen zur Wahrung der äußeren und inneren Integrität des Organismus beim chronischen Schmerz aufgehoben. Die protektive Bedeutung der
Schmerzmechanismen und –komponenten wandelt sich im Verlauf von Chronifizierungsprozessen.
Das Symptom „Schmerz“ löst sich von seiner ursprünglichen Ursache. Mit dem Begriff „chronischer Schmerz“ wird versucht, einen Schmerzzustand zu beschreiben, der -je nach Betrachter- 3 bis 6
Monate besteht und folgende Beeinträchtigungen aufweist:
- auf der physiologisch-organischen Ebene Verlust von Mobilität und Funktionsbeeinträchtigungen ;
- auf kognitiv-emotionaler Ebene Störungen von Befindlichkeit, Stimmung und Denken;
- auf der Verhaltensebene schmerzbezogenes Verhalten;
- auf der sozialen Ebene Störungen der sozialen Interaktionen und Beeinträchtigung der Arbeit.2
Schmerzen haben einen selbständigen Krankheitswert angenommen, welcher alle Lebensbereiche beeinflußt und zum beherrschenden Problem wird. Es entsteht eine Schmerzkrankheit.
1 Merskey, H. (ed.): Classification of chronic pain: description of chronic pain syndroms and definition of pain terms Pain (Suppl 3) (1986)S. 1
2 Diener, H. C.: Schmerzbegriffe. In: Das Schmerztherapiebuch, S. 4. Diener, H. C., Maier, C. (Hrsg.). Urban & Schwarzenberg, München, Wien 1997
Inhaltsverzeichnis
CHRONISCHE SCHMERZEN
PROBLEMATIK DER MEDIZINISCHEN VERSORGUNG CHRONISCH SCHMERZKRANKER PATIENTEN
Schmerzbehandlungseinrichtungen
Schmerzambulanzen
AUFGABEN UND ORGANISATION VON SCHMERZAMBULANZEN
Aufgaben einer interdisziplinären Schmerzambulanz
Strukturelle Voraussetzungen
Personelle Voraussetzungen
Räumliche Voraussetzungen
Materielle Voraussetzungen
EINRICHTUNG EINER SCHMERZAMBULANZ AN DER KLINIK LEEZEN
Strukturelle Situation in Leezen
Personal
Räumlichkeiten
Materialien
Vorteile der Klinik Leezen
PERSPEKTIVEN?
Tagesstation, Schmerzstation, Schmerzklinik
Palliativstaion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Ziel dieses Konzepts ist die detaillierte Planung und der Aufbau einer multidisziplinär arbeitenden Schmerzambulanz an der Klinik für Neurochirurgische und Neurologische Rehabilitation in Leezen, um die medizinische Versorgung von chronisch schmerzkranken Patienten durch spezialisierte, interdisziplinäre Ansätze maßgeblich zu verbessern.
- Analyse der aktuellen Defizite in der Versorgung chronisch Schmerzkranker
- Definition struktureller, personeller und materieller Anforderungen an eine moderne Schmerzambulanz
- Evaluation der standortspezifischen Vorteile der Klinik Leezen für eine multidisziplinäre Schmerztherapie
- Darstellung der notwendigen Kooperationsstrukturen zwischen verschiedenen Fachrichtungen
- Perspektivische Ausrichtung auf stationäre Behandlungsformen und Palliativmedizin
Auszug aus dem Buch
Vorteile der Klinik Leezen
Mit der Einrichtung einer Schmerzambulanz in der Klinik Leezen ist eine der seltenen Möglichkeiten gegeben, eine schmerztherapeutische Einrichtung nicht nur interdisziplinär anzubinden, sondern diese von vornherein multidisziplinär zu betreiben. Durch die Möglichkeit der Nutzung vieler hochspezialisierter Verfahren der Diagnostik für Schmerzerkrankungen mit Ursachen im Bereich des Nervensystems sowie des Bewegungs- und Halteapparates kann eine neue Stufe der Qualität in der Schmerzbehandlung erreicht werden. Der enge Kontakt zu Vertretern der verschiedenen Fachrichtungen und die vorhandene Organisationsstruktur der Klinik bieten günstige Voraussetzungen dafür. Gleichzeitig könnte hiermit ein neuer Informations- und Kooperationspartner für alle schmerztherapeutisch interessierten Ärzte der Region geschaffen werden. Der Bedarf hierfür bei niedergelassenen, praktischen Ärzten ist erfahrungsgemäß sehr hoch. Eventuell bestehende Ängste der Niedergelassenen und ihrer Interessenvertreter sind unberechtigt. Es soll keine Praxis entstehen, welche die einfachen schmerztherapeutischen Behandlungen in die ambulante Tätigkeit einer Klinik integriert. Ziel ist es, chronisch schmerzkranke Patienten auf ein Therapieregime einzustellen, welches nach einer gewissen Zeit durch den jeweiligen Hausarzt und niedergelassene Therapeuten fortgeführt werden kann. Einen enormen Vorteil stellt bei der Verwirklichung dieser Zielstellung die Möglichkeit dar, Diagnostik und Therapie mit diffizilen, modernen Verfahren durchzuführen, welche sonst meist nur an universitären Einrichtungen zur Verfügung stehen.
Eine gewisse Sicherheitszone bei den therapeutischen Verfahren wird durch die Anbindung an den stationären Klinikbereich gebildet. Vielfältige Möglichkeiten der Akutintervention bis zur stationären und intensivmedizinischen Betreuung werden bereitgehalten.
Die landschaftliche Lage der Klinik Leezen und die Nähe zur Landeshauptstadt Schwerin bieten Vorteile für diesen Standort. Infrastrukturelle und günstige verkehrstechnische Anbindungen sind vorhanden.
Eine weitere Profilierung der Leezener Klinik bedeutet auch die Stabilisierung der Klinik als wichtigen Arbeitgeber in der Region.
Zusammenfassung der Kapitel
CHRONISCHE SCHMERZEN: Dieses Kapitel definiert den Begriff des chronischen Schmerzes als eigenständige Krankheit, die physiologische, kognitive, soziale und verhaltensbezogene Ebenen des Patienten beeinträchtigt.
PROBLEMATIK DER MEDIZINISCHEN VERSORGUNG CHRONISCH SCHMERZKRANKER PATIENTEN: Hier wird die massive Unterversorgung von Schmerzpatienten in Deutschland aufgezeigt und die Notwendigkeit einer fachübergreifenden Schmerztherapie betont.
AUFGABEN UND ORGANISATION VON SCHMERZAMBULANZEN: Das Kapitel erläutert die Kernaufgaben einer Schmerzambulanz und beschreibt die notwendigen strukturellen, personellen sowie räumlichen Voraussetzungen für einen qualifizierten Betrieb.
EINRICHTUNG EINER SCHMERZAMBULANZ AN DER KLINIK LEEZEN: Basierend auf den vorherigen Anforderungen wird die spezifische Eignung der Klinik Leezen dargelegt, wobei besonderer Wert auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit gelegt wird.
PERSPEKTIVEN?: Dieser abschließende Teil skizziert den Ausbau hin zur Schmerzstation sowie die Erweiterung des Leistungsspektrums um eine Palliativstation für neurologische Patienten.
Schlüsselwörter
Schmerzambulanz, Chronische Schmerzen, Schmerztherapie, Interdisziplinär, Multidisziplinär, Klinik Leezen, Patientenversorgung, Schmerzdiagnostik, Schmerzmanagement, Palliativstation, Neurochirurgische Rehabilitation, Schmerzpatienten, Versorgungsdefizit, Qualitätsstandards, Anästhesiologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Konzept grundsätzlich?
Das Konzept beschreibt die theoretischen Grundlagen und die praktische Planung für die Etablierung einer spezialisierten Schmerzambulanz an der Klinik Leezen am Schweriner See.
Was sind die zentralen Themenfelder des Dokuments?
Die zentralen Themen umfassen die Definition chronischer Schmerzen, die Analyse des Versorgungsdefizits in Deutschland und die Anforderungen an eine moderne, multidisziplinäre Schmerzbehandlung.
Was ist das primäre Ziel des Aufbaus der Ambulanz?
Ziel ist es, chronisch schmerzkranke Patienten mittels spezialisierter Diagnostik und Therapie auf ein Therapieregime einzustellen, das anschließend in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten weitergeführt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Konzeption verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche zu den IASP-Standards, der Analyse der ärztlichen Schmerztherapie-Vereinbarungen und der Evaluation der lokalen Ressourcen der Klinik Leezen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Anforderungen an Schmerzambulanzen und die detaillierte Übertragung dieser Anforderungen auf die spezifische infrastrukturelle und personelle Situation in Leezen.
Welche Schlagworte charakterisieren das Konzept?
Die Kernbegriffe sind multidisziplinäre Versorgung, Schmerztherapie, interdisziplinäre Kooperation und standortbezogene Qualitätssteigerung.
Warum wird gerade die Klinik Leezen als Standort hervorgehoben?
Die Klinik profitiert von ihrer neurochirurgischen und neurologischen Fachstruktur, die eine ideale Basis für die Diagnose und Therapie von Schmerzen bietet, die ihren Ursprung im Nervensystem haben.
Welche Rolle spielt die Palliativmedizin in diesem Konzept?
Die Palliativmedizin wird als notwendige perspektivische Erweiterung gesehen, insbesondere um die aktuelle Versorgungslücke bei der Betreuung von Patienten mit neurologischen Grundleiden zu schließen.
Wie soll das Problem der fachlichen Spezialisierung gelöst werden?
Durch den Aufbau eines multidisziplinären Teams, das über die Grenzen einzelner Fachrichtungen hinaus kooperiert, sollen die verschiedenen Dimensionen des chronischen Schmerzes ganzheitlich abgedeckt werden.
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- Dr. Eric Hempel (Author), 1999, Konzept zum Aufbau einer Schmerzambulanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149401