Die Hamburgische Dramaturgie trägt mit ihrer von Lessing in der Aufklärung geprägten Methodik der Wahrheitssuche (Durch das Erkennen des Falschen zur Erkenntnis des Wahren.) und ihrer nationalpädagogischen Ambition, die der Etablierung eines Nationaltheaters in Deutschland, zu einem erzieherischen Gehalt bei. Diese Aspekte der Erziehung bei Lessing sollen im Referat keine Berücksichtigung finden, weil im Rahmen des Seminars „Theater und Erziehung“ nicht das Pädagogische aus einem Buch herausgezogen oder als ein Pädagogisches befunden werden soll, sondern weil es darum geht, die erzieherische Wirkung des Theaters in der konkret gebliebenen Örtlichkeit des Theaters in Hinblick auf Lessing zu untersuchen. Das ist die Zielstellung des Referats, das über die poetologische Problematik lessingscher Diktion hinausweisen will, indem es immer wieder versucht, zwischen den einzelnen Überlegungen zum Theater bei Lessing auf erzieherische Fragen einzugehen, um Denkanstöße auszuloten, die dann während oder nach dem Vortrag diskutiert werden sollten. Deswegen werden neue Erkenntnisse, die sich durch Diskussion ergeben haben, im hier schriftlich ausformulierten Referat unmittelbar kursiv gekennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Absicht des Theaters, oder: „primitives Theater“ vs. „philosophisches Theater“
1.1 Beschaffenheit der Charaktere und der Handlungen
2. Die Wirkung des Theaters: Komödie und Tragödie
2.1 Die Komödie
2.2 Die Tragödie
3. Das Wesen des Menschen – ein Epilog
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die erzieherische Dimension des Theaters im Kontext von Gotthold Ephraim Lessings „Hamburgischer Dramaturgie“. Ziel ist es, die philosophische Absicht des Theaters und dessen Wirkungspotenzial, insbesondere durch die Mechanismen der Komödie und Tragödie, hinsichtlich einer möglichen moralischen Erziehung des Zuschauers zu hinterfragen.
- Die Abgrenzung von „primitiven“ zu „philosophischem“ Theater nach Lessing.
- Die Funktion von Identifikation durch „gewisse Charaktere“ und „gewisse Umstände“.
- Die Analyse der Wirkungsmächtigkeit von Komödie (Lachen) und Tragödie (Mitleid/Furcht).
- Die kritische Reflexion über die Vereinbarkeit von erzieherischem Erfolg und menschlicher Freiheit.
Auszug aus dem Buch
1. Die Absicht des Theaters, oder: „primitives Theater“ vs. „philosophisches Theater“
Die Hamburgische Dramaturgie trägt mit ihrer von Lessing in der Aufklärung geprägten Methodik der Wahrheitssuche (Durch das Erkennen des Falschen zur Erkenntnis des Wahren.) und ihrer nationalpädagogischen Ambition, die der Etablierung eines Nationaltheaters in Deutschland, zu einem erzieherischen Gehalt bei. Diese Aspekte der Erziehung bei Lessing sollen im Referat keine Berücksichtigung finden, weil im Rahmen des Seminars „Theater und Erziehung“ nicht das Pädagogische aus einem Buch herausgezogen oder als ein Pädagogisches befunden werden soll, sondern weil es darum geht, die erzieherische Wirkung des Theaters in der konkret gebliebenen Örtlichkeit des Theaters in Hinblick auf Lessing zu untersuchen. Das ist die Zielstellung des Referats, das über die poetologische Problematik lessingscher Diktion hinausweisen will, indem es immer wieder versucht, zwischen den einzelnen Überlegungen zum Theater bei Lessing auf erzieherische Fragen einzugehen, um Denkanstöße auszuloten, die dann während oder nach dem Vortrag diskutiert werden sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Absicht des Theaters, oder: „primitives Theater“ vs. „philosophisches Theater“: Dieses Kapitel stellt die Zielsetzung dar, das Theater nicht als Mittel zur simplen Nachahmung von Vorbildern (primitives Theater), sondern als philosophisches Medium zur Erkenntnis menschlicher Wesenszüge zu untersuchen.
1.1 Beschaffenheit der Charaktere und der Handlungen: Hier wird erläutert, wie Lessing konsistente Charaktere als Werkzeug nutzt, um beim Zuschauer durch kausale Handlungsabläufe Identifikation und didaktische Wirkung zu erzielen.
2. Die Wirkung des Theaters: Komödie und Tragödie: Das Kapitel differenziert die spezifische Wirkungsweise beider Gattungen und untersucht, wie Lachen, Mitleid und Furcht zur moralischen Verbesserung beitragen sollen.
2.1 Die Komödie: Es wird analysiert, wie das Lachen als Erkenntnisprozess fungiert, durch den das Lächerliche erkannt und in der Realität vermieden werden kann.
2.2 Die Tragödie: Der Fokus liegt auf der „Wirkungsmächtigkeit“ der Tragödie, insbesondere der Umdeutung von Furcht und Mitleid in ein selbstbezogenes Mitgefühl zur Erziehung der Zuschauer.
3. Das Wesen des Menschen – ein Epilog: Ein abschließendes, poetisches Nachwort, das die Frage nach dem Wesen des Menschen reflektiert und kritisch den erzieherischen Zwang hinterfragt.
Schlüsselwörter
Hamburgische Dramaturgie, Gotthold Ephraim Lessing, Theatererziehung, Aufklärung, Mimesis, Tragödie, Komödie, Identifikation, Mitleid, Furcht, Moralerziehung, Anthropologie, Philosophisches Theater, Poetische Wirklichkeit, Tugendhafte Fertigkeiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das erzieherische Potenzial des Theaters im Denken von Gotthold Ephraim Lessing, speziell basierend auf seiner „Hamburgischen Dramaturgie“.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Analyse konzentriert sich auf die Absichten des Theaters, die psychologische Wirkung auf den Zuschauer und die moralische Dimension des Dramas.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob und wie das Theater als Schule für Moral und Mitmenschlichkeit fungieren kann, ohne die individuelle Freiheit zu untergraben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine wirkungsästhetische Analyse angewandt, die Lessings poetologische Überlegungen mit pädagogischen Fragestellungen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Charaktergestaltung, die Unterscheidung zwischen Komödie und Tragödie sowie die Analyse der Affekte Mitleid und Furcht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind „Hamburgische Dramaturgie“, „Mimesis“, „Identifikation“, „Moralerziehung“ und „Tugendhafte Fertigkeiten“.
Warum unterscheidet Lessing zwischen „lachen“ und „verlachen“?
Das „Lachen“ ist für Lessing ein Erkenntnisprozess über das Lächerliche, während „verlachen“ als abwertendes Auslachen missverstanden wird, das keinen erzieherischen Nutzen hat.
Welche Rolle spielt die Freiheit bei der Theatererziehung?
Die Arbeit stellt kritisch infrage, ob ein erzieherischer Effekt, der durch gezielte Manipulation von Gefühlen erreicht wird, legitim ist, wenn er die Freiheit des Erzogenen gefährdet.
- Quote paper
- Marcus Erben (Author), 2003, Kurzvortrag: Lessing und Theatererziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14943