Ungleichheit beginnt in der Familie: Wieso sind leibliche Geschwister - erzogen von denselben Eltern, aufgewachsen in derselben Umgebung - so verschieden?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Motivation und Ziel der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Die Geschwisterforschung

3. Einflussfaktoren
3.1. Geburtsrangplatz der Geschwister
3.2. Altersabstand der Geschwister
3.3. Geschlecht der Geschwister
3.4. Familiengröße bzw. Anzahl der Geschwister
3.5. Personenverluste
3.6. Weitere Einflussfaktoren

4. Zusammenfassung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Motivation und Ziel der Arbeit

Das eine Kind ist schüchtern und ängstlich, das andere extrovertiert und abenteuerlustig. Ist es nicht verwunderlich, dass Geschwister in ihrem Wesen häufig so unterschiedlich sind, obwohl etwa die Hälfte ihrer Gene identisch ist? Woher kommen diese Unterschiede? Wieso sind leibliche Geschwister, obwohl sie von denselben Eltern erzogen wurden und in derselben Umgebung aufwuchsen, häufig so verschieden? Das Ziel dieser Arbeit ist einerseits die Bedeutsamkeit verschiedener Faktoren hinsichtlich der Persönlichkeitsentwicklung von Geschwistern zu diskutieren und aufzeigen, wie dadurch individuelle Charakterzüge geformt und geprägt werden. Andererseits soll versucht werden eine Antwort auf die Frage, wieso leibliche Geschwister, trotz Erziehung durch dieselben Eltern und dem Aufwachsen in derselben Umgebung, häufig so verschieden sind. Anlass für die Wahl dieser Thematik war einerseits die Auseinandersetzung mit dieser und das dadurch steigende Interesse während des Seminars Soziologie und andererseits meine persönliche Situation als Erstgeborenes von drei Geschwistern.

1.2. Aufbau der Arbeit

Zunächst möchte ich einen kurzen Einblick in den Stand der Geschwisterforschung geben und dabei aufzeigen wie diese sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Daraufhin soll auf den Geburtsrangplatz, der in den Anfängen der Geschwisterforschung als wichtigster Faktor für die Persönlichkeitsbildung eines Kindes angesehen wurde, eingegangen werden. Es wird gezeigt, wie sich die Situation des Erstgeborenen, des Einzelkindes, des Zweitgeborenen, des Mittelkindes und des Letztgeborenen gestaltet, sowie welche Charaktereigenschaften diesen Geschwisterpositionen zugeordnet werden. Dem folgend werden weitere Faktoren, wie Altersabstand, Geschlecht und Anzahl der Geschwister, Personenverluste etc. beleuchtet, die nach neueren Forschungsansätzen eine sehr wichtige, wenn nicht sogar übergeordnete Rolle bei der individuellen Entwicklung und Lebensgestaltung spielen.

2. Die Geschwisterforschung

Leibliche Geschwister teilen etwa die Hälfte ihrer Gene und meistens auch eine gemeinsames Elternhaus. Beide Faktoren nehmen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dementsprechend lässt sich vermuten, dass Geschwister in ihren Eigenschaften, ihrem Verhalten und Empfinden einander sehr ähnlich sind. Entgegen dieser Erwartung und trotz vieler gemeinsamer Einflüsse (Erziehung durch dieselben Eltern, Aufwachsen in derselben Umgebung, Besuchen derselben Schule etc.) zeigt sich jedoch, dass sich leibliche Geschwister in ihren individuellen Eigenschaften unterscheiden. Seit einigen Jahren beschäftigen sich Forscher mit der Frage, wie diese Unterschiede zu erklären sind und führen jene auf nicht geteilte Einflüsse zurück, das heißt auf Faktoren, die zwischen Geschwistern innerhalb der Familie variieren. Obwohl gegenwärtig die Bedeutsamkeit von Geschwistern, im Speziellen von Geschwisterbeziehungen, für die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation bekannt ist, gibt es bisher nur sehr wenig empirische Daten zu dieser Thematik. Bereits im Jahr 1991 wies der Psychologe Klaus Schneewind auf den erhöhten Forschungsbedarf des Geschwisterthemas hin. Während sich die Individual- und Entwicklungspsychologie mit Geschwistern aus Sicht der Geburtenreihenfolge und im Zusammenhang der damit verbundenen Effekte im Bereich der Kognition, des sozialen Verhaltens und der Persönlichkeitseigenschaften beschäftigt, führt die Geschwisterbeziehung in der Soziologie ein Schattendasein.

Zunächst war es der Individualpsychologe Alfred Adler, der in den 1920iger Jahren Geschwistern eine beträchtliche Bedeutung zumaß und dadurch zum Pionier auf diesem Wissensgebiet wurde. Er sah den Geburtsrangplatz, sprich die Position in Rahmen der Familie, in die ein Kind hineingeboren wird, gemeinsam mit dem Altersabstand, dem Geschlecht und der Anzahl der Geschwister, als die bedeutendsten Variablen für die individuelle Entwicklung an. Die Schweizer Psychiater Cecile Ernst und Jules Angst kritisierten in ihrem Buch mit dem Titel „Birth order“ die Geschwisterforschung jedoch dahingehend, dass diesen Variablen eine zu hohe Bedeutung zukommt und das andere Faktoren, wie der Verlust oder die Trennung von Familienmitgliedern, die genetische Veranlagung, die Schichtzugehörigkeit etc. vernachlässigt werden.[1] Damit wurde ein Richtungswechsel in der Geschwisterforschung eingeleitet. Mittlerweile sind sich Forscher bewusst, dass in der heutigen Zeit, in der familiäre Verhältnisse wesentlich vielschichtiger, vielfältiger und veränderlicher sind als früher und möglicherweise in derselben Familie unterschiedliche Wertorientierungen, Einstellungen und Verhaltensmuster vorhanden sind, eine Forschung, welche lediglich Rückschlüsse auf die Persönlichkeit durch die Stellung in der Geschwisterreihe zieht, zu holzschnittartig ist.[2] Neuere Forschungsansätze, wie beispielsweise der vom amerikanischen Soziologen Dalton Conley, sehen den Geburtsrangplatz, den Altersabstand und das Geschlecht der Geschwister lediglich als Einzelfaktoren, welche bei der Persönlichkeitsentwicklung untergeordnete Rollen spielen und stets im Zusammenhang mit den Gesamtrahmenbedingungen der Familie zu betrachten sind. Für Conley ist die Entwicklung eines Kindes von Familie zu Familie sehr unterschiedlich und von zahlreichen komplexen Faktoren abhängig. Zu diesen Faktoren zählen beispielsweise die Position der Familie im sozialen Gefüge, Scheidung oder Trennung der Eltern, Tod eines Familienmitgliedes, Arbeitslosigkeit eines Familienmitgliedes oder auch die Familiengröße bzw. die Anzahl der Kinder.[3] Im Folgenden gilt es nun die einzelnen Faktoren zu beleuchten und aufzuzeigen, inwiefern sie zur Persönlichkeitsentwicklung und Individualität von Kindern und Jugendlichen beitragen.

3. Einflussfaktoren

3.1. Geburtsrangplatz der Geschwister

Die Basis der Geburtsrangplatzforschung bildet die Grundannahme, dass mit einer bestimmten Position in der Geschwisterreihe typische Erziehungs- und Sozialisationseinflüsse verbunden sind, welche die Individualität des Kindes entscheidend formen. Dementsprechend durchleben Kinder des gleichen Geburtsrangplatzes vergleichbare Erfahrungen und weisen somit ähnliche Charaktereigenschaften auf. Die Stellung in der Geschwisterreihe ist für jedes Kind eine einmalige Erfahrung, die dazu beiträgt soziale Kompetenzen auszubilden und zu verfeinern. Darüber hinaus beeinflusst die Geschwisterposition ebenfalls Status- und Machtunterschiede in der Geschwisterbeziehung. Die verschiedenen Erlebnisse, welche die Kinder erfahren, prägen nach Ansicht der Forscher deren weiteren Lebensverlauf und nehmen beispielsweise Einfluss auf die spätere Partner- und Berufswahl. Die Situation des erstgeborenen Kindes wird in der Geburtsrangplatzforschung wie folgt dargestellt: Von klein an steht das Erstgeborene im Mittelpunkt der Familie. Dabei erhält es automatisch das Maximum an elterlichen Ressourcen, es bekommt die ungeteilte Liebe, Aufmerksamkeit und Zuwendung der Eltern. Alle Lebensstationen des Kindes werden durch Fotos dokumentiert, Ereignisse und Leistungen des Kindes werden zu einer großen, bedeutsamen Angelegenheit gemacht, die durch Lob und Anerkennung gefeiert wird. Die Eltern ermuntern und spornen das Erstgeborene zu weiteren Leistungen an. Daher überrascht es nicht, dass es wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse gibt, welche belegen, dass Erstgeborene eher laufen und sprechen können als spätere Geschwister und einen Hang zum Perfektionismus haben. Eine Studie der Pädagogischen Akademie Feldkirch, bei der 278 Studierende befragt wurden, ergab dass 87% der Erstgeborenen einen starke Tendenz zum Perfektionismus besitzen und 64% es nach eigenen Aussagen „hassen“ Fehler zu machen. Der Umgang und die Erziehung des ersten Kindes stellt für die Eltern eine vollkommen neue Erfahrung dar, bei der sie sich häufig paradox verhalten. Der eine Elternteil ist überbeschützend, zaghaft, ängstlich und unbeständig bei der Erziehung des Kindes, während der andere Teil eher strikte Disziplin fordert, hohe Ansprüche an das Kind stellt und es ständig zu mehr und besseren Leistungen antreibt. Besonders prägend für ein erstgeborenes Kind ist die „Entthronung“[4], durch die Geburt eines Geschwisterkindes. Plötzlich steht es nicht mehr im Mittelpunkt und muss die Ressourcen seiner Eltern teilen. Das Erstgeborene reagiert in der Regel eifersüchtig, neidisch, aggressiv und ablehnend dem neuen Geschwisterkind gegenüber. Hat sich das erste Kind an seinen Nebenbuhler gewöhnt, übernimmt es oft die Beschützerrolle und kümmert sich sehr gewissenhaft und zuverlässig um das kleine Geschwisterkind. Hinzu kommt, dass das Erstgeborene plötzlich sehr ehrgeizig ist und sich durch gute Leistungen auszeichnet. Dadurch will es die Eltern beeindrucken, Anerkennung bekommen, in den Mittelpunkt und auf den Thron zurück gelangen. Hier könnte der Grund zu sehen sein, dass sich in der Feldkircher Studie die Mehrzahl der Erstgeborenen als leistungsorientiert eingeschätzt hat. Häufig führt dieses ständige auf Leistung bedacht sein dazu, dass das erste Kind nervös, angespannt und gehetzt wirkt. Mit der Geburt des zweiten Kindes erwarteten die Eltern plötzlich von ihrem Ältesten, dass es sich stets korrekt verhält und dem Geschwisterkind somit ein gutes Vorbild ist. Sie sagen dem Erstgeborenen, dass es doch schon erwachsen sei und sie deshalb von ihm erwarten, dass es sich dementsprechend verhält. Es bekommt die Aufsicht und Verantwortung für das jüngere Kind übertragen und darf sich keinen Fehler leisten.[5] Auch dem Einzelkind werden typische Persönlichkeitsmerkmale zugewiesen: Das einzelne Kind weißt häufig dieselben Charakterzüge wie das Erstgeborene auf, allerdings steigern sich diese hier bis ins Extreme. Es ist sehr verantwortungsbewusst, verlässlich, gewissenhaft und oft extrem perfektionistisch. Dies bestätigen auch die Forschungsergebnisse der Pädagogischen Akademie Feldkirch, bei der 81% der Einzelkinder sich als perfektionistisch beschreiben. Von Geburt an steht es im Mittelpunkt der Familie und wächst ohne geschwisterlichen Rivalen auf, mit dem es die Ressourcen der Eltern teilen muss. Es genießt die alleinige Liebe, Aufmerksamkeit und Zuwendung dieser. Im Gegensatz zum Erstgeborenen muss das Einzelkind nicht die Erfahrung der sogenannten Entthronung durchleben. Es gibt kein weiteres Geschwister, das mit ihm um den Platz und die Position in der Familie kämpft. Ganz ohne Konkurrenz darf es allein die Gunst der ganzen Familie genießen. Demzufolge finden keine Machtkämpfe und Konflikte mit einem Nebenbuhler statt, wodurch dem Einzelkind andere Kapazitäten zur Verfügung stehen. So setzt sich das einzelne Kind beispielsweise intensiv mit Dingen auseinander, welche es besonders interessieren.[6] Im Wesentlichen beschränken sich die Kontakte des Einzelkindes in jungen Jahren auf seine Eltern, welche seine wichtigsten Ansprechpartner und Bezugspersonen darstellen. Dies zeigt Auswirkung auf die Kommunikation mit anderen Erwachsenen und Kindern. Auf Grund dessen kann das Einzelkind sehr gut auf Erwachsene eingehen und deren Aufmerksamkeit für sich gewinnen. Im Gegensatz dazu hat es jedoch Schwierigkeiten im Umgang mit Angehörigen seiner Altersgruppe. Da das einzelne Kind in seiner Jugend die meiste Zeit mit den Eltern verbringt, dienen diese ihm als Rollenvorbilder und es wird in seinem späteren Leben mit großer Wahrscheinlichkeit die Familientradition fortsetzen und die Ansichten der Eltern beibehalten. Wird nach den Ursachen für die Anschaffung eines einzigen Kindes geforscht, lassen sich zwei essentielle Gründe feststellen. Einer davon wäre, dass die Eltern gern mehrere Kinder haben wollten, aber nur eins bekommen konnten. In diesem Fall bedeutet es, dass die elterliche Fürsorge, Energie und Liebe, die für mehrere Kinder bestimmt war, sich nun auf ein einziges Kind konzentriert und dieses von den Eltern wie ein Juwel behandelt wird. Diese Kinder sind meist überbehütet, überumsorgt, verwöhnt, verhätschelt und stehen das ganze Leben hindurch im Mittelpunkt ihrer Eltern. Nach den aktuellen Forschungsergebnissen der Feldkircher Studie ist für Einzelkinder das Gefühl einer überbehüteten Kindheit typisch. Mehr als zwei Drittel der Befragten geben an, dass sie in ihrer Kindheit verschiedene Dinge erst später tun durften als ihre Alterskollegen. Der zweite Grund wäre, dass die Eltern ihr Leben straff durchgeplant haben und in dieser Planung nur ein Kind vorkommt oder es kann auch gesagt werden nur ein Kind hineinpasst. Die Eltern achten bei ihrer Erziehung in der Regel auf straffe Strukturen und Disziplin und fordern darüber hinaus von ihrem Kind sich erwachsen zu benehmen.[7] Dies könnte in Zusammenhang damit gebracht werden, dass 93% der befragten Einzelkinder Recht und Ordnung für sehr wichtig halten. Typisch für das zweite Kind ist, dass es im Gegensatz zum ersten von Anfang an daran gewöhnt ist, die Ressourcen der Eltern mit einem Geschwister zu teilen. Forscher haben festgestellt, dass sich das Zweitgeborene mit großer Wahrscheinlichkeit zum Gegenteil des Geschwisterkindes entwickelt. Ist zum Beispiel das erste Kind in der Schule gut, entwickelt sich das zweite zu einer Sportskanone. Dadurch versucht es sich vom Geschwister abzugrenzen und die Zuneigung und Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen. In Familien mit mehr als zwei Kindern gehört das Zweitgeborene zu den Mittelkindern. Das mittlere Kind wird auch als Sandwich-Kind bezeichnet und hat oft einen schwierigen Stand. Es ist zu spät geboren um die Überlegenheit und Privilegien des Erstgeborenen zu genießen und zu früh geboren um die Aufmerksamkeit eines Jüngsten zu erfahren. Ein Mittelgeborenes fühlt sich häufig wie ein fünftes Rad am Wagen. Es hat einen überlegenen Erstgeborenen und hinter ihm folgt das süße Nesthäkchen. Da ist es gar nicht einfach aufzufallen und richtig wahrgenommen zu werden. Dementsprechend fühlt es sich oft nicht dazugehörend, unverstanden, überflüssig und von seinen Geschwistern überholt. Von seinen Eltern wird das mittlere Kind weniger gefördert und bekommt weniger Aufmerksamkeit, da der Reiz des Neuen bereits vorbei ist und vieles als selbstverständlich hingenommen wird. In Folge dessen entwickelt das Mittelkind nicht denselben Leistungsehrgeiz wie die Erstgeborenen. Deutlich wird dies wieder in den Feldkircher Forschungsergebnissen. Hier haben die Mittelkinder mit nur 49% (Vergleich Erstgeborene 64%) geantwortet, dass sie es „hassen“ Fehler zu machen. Da das mittlere Kind in der Familie nicht die Zuneigung und Anerkennung bekommt, die es sich wünscht, sucht es die persönliche Bestätigung außerhalb dieser. Deshalb wendet es sich von der Familie ab und tut sich mit Gleichgesinnten zusammen. Das Mittelkind besitzt in der Regel einen großen Freundeskreis, der ihm sehr wichtig ist und für ihn eine Art Ersatzfamilie darstellt. Es orientiert sich nicht an den Eltern, sondern übernimmt die Werte und Einstellungen des Freundeskreises. Das mittlere Kind hat stets das Gefühl ein Außenseiter in seiner eigenen Familie zu sein. Um dieses Gefühl zu vermeiden und unabhängig zu werden, verlässt es meist als Erstes der Geschwister das Eltern haus.[8] Dementsprechend bejahen 93% der Mittelkinder die Frage nach dem expliziten Streben nach Unabhängigkeit. Die Geburtsrangplatzforschung hat festgestellt, dass die meisten Eltern „müde“ sind, wenn das letzte Kind geboren wird. Sie haben oft keine rechte Lust mehr dem Kind etwas Neues beizubringen und überlassen es sich selbst. Meist übernehmen dann die älteren Geschwister die Aufgabe sich um das Kleine zu kümmern. Ist das Letztgeborene ein Nachzügler und hat bereits erheblich ältere Geschwister wächst es in der Familie meist wie ein kleiner Prinz auf. Nicht selten bleibt es dann sein ganzes Leben lang das „Baby“ der Familie, um das sich alle kümmern und sorgen. Das Nesthäkchen, wie das jüngste Kind auch genannt wird, profitiert von den Erfahrungen, die seine Eltern mit den älteren Geschwistern gesammelt haben. So bekommt es in der Regel mehr Freiheiten und Privilegien eingeräumt. Mit dem Letztgeborenen wird in der Familie oft sehr ambivalent umgegangen. Einerseits bekommt es durch die Eltern Aufmerksamkeit, es wird verwöhnt, verhätschelt und liebkost, andererseits wird es von seinen Geschwistern dafür beneidet. Diese können dem Nesthäkchen das Leben dann recht schwer machen und es muss sich Strategien überlegen, wie es den Neid der Geschwister abwehren und die Anerkennung dieser gewinnen kann. Gewöhnlich entwickelt es sich zum Clown oder unterhaltsamen Charmeur und versucht dadurch die Beachtung seiner Geschwister und Eltern zu gewinnen. Auch in der Feldkircher Studie schätzen sich die letztgeborenen Kinder als äußerst charmant ein. Nach eigener Einschätzung fällt es ihnen leicht andere Menschen zu beeinflussen, so vertrauen 33% der befragten Letztgeborenen auf ihr gewinnendes Wesen. Weiterhin geben 41% der Letztgeborenen an, dass sie gern im Mittelpunkt stehen.

[...]


[1] Vgl. Onnen-Isemann/Rösch 2005, S. 23f

[2] Vgl. Kasten 2004, S. 43

[3] Vgl. Conley in Interview in Psychologie heute compact 2005, S. 54f

[4] Adler zit. nach Schmidt-Denter 2005, S. 53

[5] Vgl. Lemann 2009, S. 50f

[6] Vgl. URL: http://www.ipsis.de/themen/pdf/thema_kinder1.pdf [Stand: 02.03.2010] Autor: Richter

[7] Vgl. Leman 2009, S. 53f

[8] Vgl. Leman 2009, S. 80f

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ungleichheit beginnt in der Familie: Wieso sind leibliche Geschwister - erzogen von denselben Eltern, aufgewachsen in derselben Umgebung - so verschieden?
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V149473
ISBN (eBook)
9783640601097
ISBN (Buch)
9783640601363
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschwisterforschung, Geburtsrangplatz-erstgeborenes zweitgeborenes drittgeborenes Einzelkind, Alter der Geschwister, Geschlecht der Geschwister, Familiengröße-Anzahl der Geschwister, Personenverluste, wohngegend geschwister, finanzielle situation der familie, an Dalton Conley orientiert
Arbeit zitieren
Kathleen Pickert (Autor:in), 2010, Ungleichheit beginnt in der Familie: Wieso sind leibliche Geschwister - erzogen von denselben Eltern, aufgewachsen in derselben Umgebung - so verschieden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149473

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