Kunsttherapie mit Jugendlichen


Hausarbeit, 2009

26 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Begriff der Jugend

3. Identität
3.1. Identität als Entwicklungsaufgabe der Jugendzeit nach Erikson
3.2. Entwicklung der Identität bei Jugendlichen
3.3. Identitätssuche in der heutigen Gesellschaft

4. Die Entwicklung des Denkens und Fühlens in der Adoleszenz

5. Die sexuelle Entwicklung in der Adoleszenz

6. Das Körperbild in der Adoleszenz
6.1. Körperinszenierung von Jugendlichen

7. Die Rolle der Peer-Gruppen in der Adoleszenz

8. Die Ablösung von den Eltern

9. Die Kreativität
9.1 Die Bedeutung der Kreativität in der Adoleszenz
9.2. Kreativität und Individuation

10. Kunsttherapie mit Jugendlichen

11. Literatur

1. Einleitung

Wie kaum eine andere Phase des Lebens lässt sich die Adoleszenz als turbulent und bisweilen belastend, aber auch als besonders anregend und voller neuer Perspektiven beschreiben. Es ist die Lebensphase der intensiven Auseinandersetzung mit sich, also mit inneren, psychischen und physischen Aspekten, und mit der umgebenden äußeren und sozialen Umwelt.

Eines der zentralen Themen dieser Zeit ist die Frage „Wer bin ich?“. Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit möchte ich daher besonders auf die Entwicklung der Identität in der Adoleszenz eingehen. Um die Entwicklung der Identität nachzuvollziehen, erscheint es mir jedoch sinnvoll auch die Veränderungen in der Entwicklung des Denkens und Fühlens, das Zurechtkommen mit körperlichen Veränderungen und das neu entstehende Körperbild, die Übernahme der Geschlechterrolle als Mann oder Frau, der Beziehungsaufbau mit Gleichaltrigen und damit verbunden die Ablösung von den Eltern, sowie die heutigen Lebensumstände der Jugendlichen kurz zu beleuchten.

Im zweiten Teil des Arbeitsbuches möchte ich die besondere Bedeutung der Kreativität in der Adoleszenz aufzeigen, und die Möglichkeiten der Kunsttherapie in dieser Lebensphase darstellen.

2. Der Begriff der Jugend

Den Begriff der Jugend auf eine bestimmte Zeitspanne festzulegen ist schwierig, zwar beginnt der Abschnitt der Jugend durchschnittlich im Alter von 13 Jahren, die Geschlechtsreife und die physiologisch-geschlechtliche Entwicklung sind meistens mit 17 oder 18 Jahren abgeschlossen, jedoch werden häufig auch noch 18- bis 25-jährige als Jugendliche angesehen.(Baacke, 2003) Zudem verlagert sich der Beginn der Geschlechtsreife immer weiter nach vorne, wodurch der Abschnitt der Jugend immer früher beginnt. Im Gegensatz dazu wird „der Übergang in das Erwachsenenleben und die Gründung einer eigenen Familie weit aufgeschoben oder sogar ganz ausgelassen“ (Hurrelmann, 2004, S. 8), dies hängt auch mit einer längeren Verweildauer im Bildungssystem zusammen. Demzufolge verzögert sich auch das Ende der Jugend und somit ist Jugend, in der „postindustriellen Gesellschaft als eindeutig markierte Phase nicht mehr fassbar". (Gaugele, Reiss, 2003, S. 23) Pubertät und Adoleszenz prägen die Jugendzeit. Pubertät wird als die körperliche Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale im Sinne von biologischer Reifung, Adoleszenz als die seelische Auseinandersetzung mit den körperlichen und psychosozialen Veränderungen an der Schwelle zum Erwachsenwerden definiert.

Mit einsetzender Pubertät und den damit bedingten hormonellen Veränderungen, gerät das körperliche Gefüge vieler Jugendlicher vollkommen durcheinander. Zwar ist die körperliche Reife meist schon früher als mit 18 Jahren beendet, häufig sind jedoch die sozialen und emotionalen Folgen noch nicht vollständig bewältigt. Deshalb spricht man auch von der Adoleszenz, ein Begriff, der nicht nur die Pubertät als solche, sondern eine längere Phase der Veränderung bezeichnet. Diese Altersgruppe wird umgangssprachlich unter dem Terminus Jugendliche zusammengefasst. (Baacke, 2003)

3. Identität

3.1 Identität als Entwicklungsaufgabe der Jugendzeit nach Erikson

„...denn der junge Mensch muß lernen, dort am meisten er selbst zu sein, wo er auch in den Augen der anderen am meisten bedeutet - jener anderen natürlich, die wieder für ihn die höchste Bedeutung erlangt haben. Der Begriff 'Identität' drückt also insofern eine wechselseitige Beziehung aus,…." (Erikson, 1991, S. 124)

Erikson geht davon aus, dass der Mensch im Lauf seines Lebens acht Entwicklungsphasen durchläuft. Jede Entwicklungsphase endet mit der Lösung einer Krise, die sich jeweils aus zwei möglichen, sich jedoch als positiver und negativer Pol widersprechenden Entwicklungsrichtungen ergeben. Die Krise wird dabei von Erikson als notwendiger Entwicklungsschritt betrachtet, "wo Hilfsquellen des Wachstums, der Wiederherstellung und weiteren Differenzierung sich eröffnen" (Erikson, 1988, S. 12) Alle Phasen sind miteinander verbunden, indem einerseits jedes Problem in früheren Stadien bereits existiert, bevor es in seine kritische Phase eintritt, andererseits, indem der Verlauf eines späteren Stadiums von der erfolgreichen Lösung vorangegangener abhängt. Die Phase der Adoleszenz beschäftigt sich mit dem Hauptkonflikt Identität versus Identitäts- oder Rollendiffusion. Die Jugendphase ist für Erikson die Phase, in der der Mensch seine soziale Rolle festigen muss, somit stellt die Identitätsfindung hier eine der herausragenden Aufgaben dar. Dafür wird dem Jugendlichen zumindest in der westlichen Gesellschaft eine Zeit des Rollenexperimentierens und ein Aufschub von erwachsenen Verpflichtungen, ein so genanntes "psychosoziales Moratorium" zur Verfügung gestellt, um in ihr seinen Platz zu finden. (Baacke, 2003, S. 276) Zudem begleiten körperliche Veränderungen die Suche nach der eigenen Identität. Auch die psychisch und physisch belastende körperliche Umbruchphase, die mit der Adoleszenz zeitlich zusammenfällt, ließ Erikson die Schaffung eines "psychosozialen Moratoriums" fordern, das die Krisen bei der Suche und Entfaltung von Identität für den Adoleszenten abschwächt. (Erikson, 1991)

Die Adoleszenzphase ist gekennzeichnet durch gesellschaftliche Zwänge, welche den heranwachsenden zur endgültigen Selbstdefinition der sozialen Position, der sozialen Ansprüche und der Lebenserwartungen bewegen. Der Heranwachsende sucht nach der Antwort zu der Frage: Wer bin ich?

Nach Erikson kann sich eine dauernde und stabile Ich-Identität nur dann ausbilden, wenn die Krisen der früheren Phasen konstruktiv und auch für die Person befriedigend gelöst wurden. (Oerter/ Montada (Hrsg.) 1995) Ein Gefühl von Identität entsteht dadurch, dass sich eine Person trotz ständigen Veränderungen in Übereinstimmung mit früheren Formen des Selbst erlebt und auch das Bild der sozialen Umwelt von der eigenen Person damit in Übereinstimmung gebracht werden kann. Die Adoleszenz ist eine Zeit, in der junge Menschen verschiedene soziale Rollen ausprobieren, um ihre Identität zu finden und häufig auch dadurch Grenzen überschreiten, um auch ihre eigenen Grenzen auszuloten. Das Ich setzt sich dabei aktiv mit der Umwelt auseinander. Die Beziehungen zu der Peer-Gruppe ist „ ... in weitgehendem Maß ein Versuch, zu einer Definition der eigenen Identität zu gelangen, indem man sein undeutliches Selbst-Bild auf einen anderen projiziert und es so zurückgeworfen und allmählich geklärt sieht“. (Erikson, 1966, S. 135)

Für Erikson vollzieht sich die Identitätsentwicklung auf zwei Seiten: Einerseits durch das Individuum, das Ich, auf der anderen Seite durch die soziale Umwelt. Nicht durch das Individuum allein entsteht die Identität sondern durch die Reflexion und den Abgleich mit der Außenwelt, also der Gesellschaft. Somit handelt es sich bei der Entwicklung der Identität um die „soziale Einbindung innerpsychischer Kräfte“ Identität als eine Integrationsleistung des Jugendlichen, die erreicht werden muss. (Oerter/Montada (Hrsg.), 1995, S: 322)

Die Jugendlichen entwickeln eigenständige Interessen und soziale Einstellungen gegenüber Gleichaltrigen und Erwachsenen und ein Wissen und Gefühl für die historische Kontinuität ihres Ich. Ihre Ich-Struktur legt sich fest und muss akzeptiert werden. Diese Zeit ist zudem ein Höhepunkt im Phantasieleben und in schöpferischen Tätigkeiten. (Erikson, 1988)

Ein wichtiger Mechanismus zum Identitätserwerb in der Adoleszenz ist der Mechanismus der Identifikation. Störungen dieses Entscheidungsprozesses einer subjektiv verbindlichen Übernahme einer sozialen Rolle führen zur Identitätsdiffusion. Identitätsdiffusion entsteht, wenn Ansprüche der Umwelt oder Entwicklungsaufgaben gehäuft auftreten, denen sich die Jugendlichen nicht gewachsen fühlen, oder aber auch, wenn sie durch einzelne Entscheidungen überfordert sind. Kann die Krise dieser Stufe nicht befriedigend gelöst werden, entsteht die Identitätsdiffusion. Um sich gegen das Gefühl der Identitätsdiffusion zu schützen, kommt es vor, dass sich Jugendliche mit selbst gewählten Vorbildern überidentifizieren und Intoleranz gegenüber anderen zeigen. Diese Intoleranz kann sich auch in Aspekten wie Kleidung, die als willkürliches Zeichen für Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Gruppe gedeutet werden kann, zeigen. Dies kann aber auch kurzzeitig auftreten und sollte nicht überbewertet werden. (Erikson, 1988) Für Erikson stellen die Identität und die Identitätsdiffusion jedoch keinen gegenseitigen Ausschluss dar. Seiner Meinung nach bedingen sie sich gegenseitig und stehen in Wechselwirkung zueinander. Also relativiert sich die gelungene oder versäumte Identität. Erst Kohärenz und Kontinuität des jugendlichen Selbst schließt die Adoleszenz ab. Diese Kohärenz und Kontinuität ist vor allem im sozialen gesellschaftlichen Ganzen zu betrachten: der Jugendliche hat seinen Platz in der Gesellschaft gefunden. Die Krise wendet sich zur Harmonie: die Werte und Normen gehen in den gesellschaftlichen Anforderungen auf: „so dass der Jugendliche den gesellschaftlichen, wie die Gesellschaft den Erwartungen des Jugendlichen genüge.“ (Helsper, 1983, S. 119)

Das Scheitern der Anpassung und die mangelnde Bedingungen von der Gesellschaft führen zu einer „Negativen Identität“. Die Überwindung der Krise ist aber vorprogrammiert. Die Gesellschaft erhält durch das Rebellieren und Experimentieren der Jugendlichen neue Anstöße, wodurch sich die Gesellschaft verändert und verjüngt. Die Adoleszenz ist damit ein vitaler Regenerator im Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung. Die geklärte Identität ist eine Voraussetzung für Intimität, deren Entwicklung die Aufgabe des nächsten Stadiums ist.

3.2. Entwicklung der Identität bei Jugendlichen

,,Wer Identität besitzt, ist unterscheidbar von anderen und weiß dies auch selbst". (Baacke, 2003, S. 177)

Die Identität des Jugendlichen ist noch nicht klar definiert, sondern kristallisiert sich erst durch die Entwicklung der seelischen Struktur und die Entstehung von Leitbildern und selbstgesetzten Idealen heraus. (Fend, 2005) Wie schon Erikson schreibt, werden in der Jugendphase verschiedene soziale Rollen ausprobieren, um die eigene Identität, das eigene Selbst, unter vielen verschiedenen Ichs zu finden. Der Mensch setzt sich, so Fend, in der Adoleszenz zum ersten Mal bewusst in ein Verhältnis zur Welt und zu sich selbst. Diese weltanschauliche Haltung äußert sich in der Identität, in einem „neuen Verhältnis zu Bezugspersonen, zum eigenen Körper und zur Sexualität, einer neuen Beziehung zu sich selbst, zu Leistung und Beruf sowie in einer neuen Orientierung gegenüber Politik, Beruf, Natur, Religion und Kultur." (Fend, 2005, S. 414) Während das Kind die Welt und sich “lebt", “erlebt" der Jugendliche die Welt und sich. Der Jugendliche nimmt demzufolge eine Haltung ein, die oberflächlich betrachtet einem ,,Sich-zurückziehen" gleicht. Gleichzeitig beginnt er aber auch, neue Formen der Selbstrepräsentation in verschiedenen Rollen experimentell zu entwickeln und zu erproben, wobei das soziale Feedback den Status einer Instanz erlangt, der die Selbstdefinition (Identität) immer neu korrigiert und aufbaut. In dieser Dimension eröffnen sich zwei Perspektiven, zum einen eine Innen-Perspektive mit dem wahren Selbst und der Phantasie des Idealen Selbst. Zum anderen eine Außen-Perspektive mit dem präsentierten Selbst und der Phantasie des sozialen Wunsch-Selbst. Es kommt zu einem intensiven Dialog zwischen der Ich-Findung und der sozialen Selbstdarstellung. (Fend, 2005, S. 415)

Hier wird mit der „Persönlichkeit“ experimentiert, sie wird erprobt und ausgebildet. Der Körper spielt dabei eine zentrale Rolle, da er auch Vermittler von Fremd- und Selbstwahrnehmung ist.

„Nicht nur die biologische Reifung, sondern auch die sich ändernden sozialen Erwartungen stellen an den Heranwachsenden immer neue Anforderungen.“ (Trautner, 1991, S. 81) Denn Identität ist auch eine Beziehungsleistung: durch Intimität, Identifikation und den Vergleich mit anderen entwickelt sie sich. Durch die Beziehung zu anderen Menschen wie der Peer-Gruppe kommt es zu einer Relativierung in der Entwicklung. Der Jugendliche merkt, dass er sich immer in Relation zu anderen Menschen sehen muss, die seine eigenen Kompetenzen ergänzen können. (Baacke, 2003)

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität kann mit Konflikten beladen sein oder unproblematisch verlaufen. Das Jugendalter ist also nicht grundsätzlich eine Krisenphase, sondern sie kann auch relativ ruhig und problemlos ablaufen. Wichtig für die Zufriedenheit mit der eigenen Identität ist die weitestgehende Übereinstimmung zwischen Wunschvorstellungen und deren realen Umsetzung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Kunsttherapie mit Jugendlichen
Hochschule
Fachhochschule für Kunsttherapie Nürtingen
Note
1,3
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V149518
ISBN (eBook)
9783640600540
ISBN (Buch)
9783640600366
Dateigröße
700 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunsttherapie, Adoleszenz, Jugendliche, Identität, Pubertät, Entwicklungspsychologie, Kreativität
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Kunsttherapie mit Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149518

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