Wie kaum eine andere Phase des Lebens lässt sich die Adoleszenz als turbulent und bisweilen belastend, aber auch als besonders anregend und voller neuer Perspektiven beschreiben. Es ist die Lebensphase der intensiven Auseinandersetzung mit sich, also mit inneren, psychischen und physischen Aspekten, und mit der umgebenden äußeren und sozialen Umwelt.
Eines der zentralen Themen dieser Zeit ist die Frage „Wer bin ich?“. Der erste Teil der vorliegenden Arbeit geht daher besonders auf die Entwicklung der Identität in der Adoleszenz ein. Um die Entwicklung der Identität nachzuvollziehen, werden auch die Veränderungen in der Entwicklung des Denkens und Fühlens, das Zurechtkommen mit körperlichen Veränderungen und das neu entstehende Körperbild, die Übernahme der Geschlechterrolle als Mann oder Frau, der Beziehungsaufbau mit Gleichaltrigen und damit verbunden die Ablösung von den Eltern, sowie die heutigen Lebensumstände der Jugendlichen beleuchtet.
Im zweiten Teil der Hausarbeit wird die Bedeutung der Kreativität in der Adoleszenz augezeigt, und die Möglichkeiten der Kunsttherapie in dieser Lebensphase dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Jugend
3. Identität
3.1. Identität als Entwicklungsaufgabe der Jugendzeit nach Erikson
3.2. Entwicklung der Identität bei Jugendlichen
3.3. Identitätssuche in der heutigen Gesellschaft
4. Die Entwicklung des Denkens und Fühlens in der Adoleszenz
5. Die sexuelle Entwicklung in der Adoleszenz
6. Das Körperbild in der Adoleszenz
6.1. Körperinszenierung von Jugendlichen
7. Die Rolle der Peer-Gruppen in der Adoleszenz
8. Die Ablösung von den Eltern
9. Die Kreativität
9.1 Die Bedeutung der Kreativität in der Adoleszenz
9.2. Kreativität und Individuation
10. Kunsttherapie mit Jugendlichen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz, insbesondere den Prozess der Identitätsfindung, und beleuchtet die Rolle der Kunsttherapie als wirkungsvolles Mittel, um Jugendliche in dieser turbulenten Lebensphase bei der Bewältigung innerer Konflikte und der Stabilisierung ihres Selbstbildes zu unterstützen.
- Entwicklungsprozesse von Identität und Körperbild in der Pubertät
- Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen auf das Jugendalter
- Die Bedeutung von Kreativität für den Aufbau eines autonomen Selbst
- Möglichkeiten der Kunsttherapie als nonverbales Ausdrucksmedium
- Die therapeutische Nutzung bildnerischer Gestaltungen zur Krisenbewältigung
Auszug aus dem Buch
3.1 Identität als Entwicklungsaufgabe der Jugendzeit nach Erikson
„...denn der junge Mensch muß lernen, dort am meisten er selbst zu sein, wo er auch in den Augen der anderen am meisten bedeutet - jener anderen natürlich, die wieder für ihn die höchste Bedeutung erlangt haben. Der Begriff 'Identität' drückt also insofern eine wechselseitige Beziehung aus,…." (Erikson, 1991, S. 124)
Erikson geht davon aus, dass der Mensch im Lauf seines Lebens acht Entwicklungsphasen durchläuft. Jede Entwicklungsphase endet mit der Lösung einer Krise, die sich jeweils aus zwei möglichen, sich jedoch als positiver und negativer Pol widersprechenden Entwicklungsrichtungen ergeben. Die Krise wird dabei von Erikson als notwendiger Entwicklungsschritt betrachtet, "wo Hilfsquellen des Wachstums, der Wiederherstellung und weiteren Differenzierung sich eröffnen" (Erikson, 1988, S. 12) Alle Phasen sind miteinander verbunden, indem einerseits jedes Problem in früheren Stadien bereits existiert, bevor es in seine kritische Phase eintritt, andererseits, indem der Verlauf eines späteren Stadiums von der erfolgreichen Lösung vorangegangener abhängt. Die Phase der Adoleszenz beschäftigt sich mit dem Hauptkonflikt Identität versus Identitäts- oder Rollendiffusion. Die Jugendphase ist für Erikson die Phase, in der der Mensch seine soziale Rolle festigen muss, somit stellt die Identitätsfindung hier eine der herausragenden Aufgaben dar. Dafür wird dem Jugendlichen zumindest in der westlichen Gesellschaft eine Zeit des Rollenexperimentierens und ein Aufschub von erwachsenen Verpflichtungen, ein so genanntes "psychosoziales Moratorium" zur Verfügung gestellt, um in ihr seinen Platz zu finden. (Baacke, 2003, S. 276)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Adoleszenz als turbulente Phase ein und formuliert das Ziel, die Identitätsentwicklung sowie die Bedeutung der Kreativität und Kunsttherapie für Jugendliche zu beleuchten.
2. Der Begriff der Jugend: Dieses Kapitel erläutert die Schwierigkeit einer zeitlichen Festlegung des Jugendbegriffs, der sich durch gesellschaftliche Faktoren wie längere Bildungszeiten stetig verschiebt.
3. Identität: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Identitätsentwicklung beleuchtet, wobei Ericksons Krisenmodell, die Herausforderungen in der modernen Gesellschaft und das Bedürfnis nach Autonomie im Zentrum stehen.
4. Die Entwicklung des Denkens und Fühlens in der Adoleszenz: Der Fokus liegt auf der kognitiven Entwicklung hin zum formalen, hypothetisch-deduktiven Denken nach Piaget als Voraussetzung für die Selbstreflexion.
5. Die sexuelle Entwicklung in der Adoleszenz: Dieses Kapitel behandelt die Bewältigung der Geschlechtsreife und die Notwendigkeit, sexuelle Impulse in die persönliche und soziale Identität zu integrieren.
6. Das Körperbild in der Adoleszenz: Hier wird der Körper als zentraler Ort der Selbsterfahrung und Identitätsbildung analysiert, wobei auch gesellschaftliche Schönheitsideale und die Körperinszenierung betrachtet werden.
7. Die Rolle der Peer-Gruppen in der Adoleszenz: Es wird die Bedeutung von Gleichaltrigengruppen für den Sozialisationsprozess, die Ablösung vom Elternhaus und die Suche nach Anerkennung hervorgehoben.
8. Die Ablösung von den Eltern: Dieses Kapitel beschreibt den innerpsychischen Prozess der Loslösung von primären Bezugspersonen als notwendige, wenn auch krisenhafte Phase für die eigene Identitätsfindung.
9. Die Kreativität: Der Fokus liegt auf der kreativen Wahrnehmung als Fähigkeit zur Selbstfindung und als wesentliche Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung im intermediären Erfahrungsbereich.
10. Kunsttherapie mit Jugendlichen: Dieses Kapitel erläutert, wie Kunsttherapie als nonverbales Medium Jugendlichen hilft, innere Konflikte auszudrücken und Selbstheilungskräfte durch Gestaltungsprozesse zu aktivieren.
Schlüsselwörter
Adoleszenz, Identität, Jugend, Identitätsdiffusion, Körperbild, Selbstdarstellung, Peer-Gruppen, Ablösung, Kreativität, Selbstwerdung, Kunsttherapie, nonverbale Kommunikation, Individuation, Selbstkonzept, Psychodynamik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den entwicklungspsychologischen Herausforderungen der Adoleszenz und untersucht, wie Kunsttherapie Jugendliche bei der Identitätsfindung unterstützt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die Identitätsentwicklung, die Bedeutung des Körperbildes, die Rolle der Peer-Gruppen sowie die kreative Ausdrucksfähigkeit als Schlüssel für den therapeutischen Prozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen den adoleszenten Entwicklungskrisen und den Gestaltungsmöglichkeiten der Kunsttherapie aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden verwendet?
Es werden vor allem psychoanalytische Ansätze (u.a. nach Erikson und Winnicott) sowie entwicklungspsychologische Theorien (Piaget, Fend) zur Analyse herangezogen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die zentralen Entwicklungsaufgaben der Jugend – wie die Ablösung vom Elternhaus, die Suche nach Identität, die Entwicklung eines Körperbildes und die Bedeutung von Kreativität – detailliert theoretisch fundiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Adoleszenz, Identitätsbildung, Psychodynamik, Körperbild, Selbstkonzept und das therapeutische Potenzial der Kreativität geprägt.
Warum ist das Körperbild für Jugendliche so bedeutsam?
Das Körperbild dient als Basis für das Selbstwertgefühl und als Medium der Selbstdarstellung; es ist in der Adoleszenz aufgrund biologischer Veränderungen besonders instabil und damit ein zentraler Punkt für die Identitätsarbeit.
Welchen Stellenwert hat die Kreativität in der Therapie?
Kreativität ist laut Arbeit eine Grundvoraussetzung für die menschliche Entwicklung. In der Kunsttherapie ermöglicht sie den nonverbalen Ausdruck verdrängter Affekte, fördert die Selbstheilungskräfte und unterstützt die Umstrukturierung der Psyche.
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- Anonym (Author), 2009, Kunsttherapie mit Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149518