Es gibt nur wenige Menschen die absolut polarisieren, bei denen es sehr schwer ist neutral zu bleiben, doch Margaret Thatcher gehört mit Sicherheit zu dieser Kategorie. Entweder man liebte ihre kompromisslose durchsetzungsstarke Art oder man verdammte sie als intolerant. Nicht umsonst wurde sie schließlich die „Eiserne Lady“ genannt, ein Name übrigens, den sie selbst sehr mochte. Die Diskussionen zu ihrer Person halten bis heute an und erhitzen noch immer die Gemüter, in Internetforen genauso wie im alltäglichen Leben. Und ebenso wie es mit der Person an sich ausschaut, schaut es auch mit der Bewertung ihrer Wirtschaftspolitik aus. Dass in den achtziger Jahren ein Boom in Großbritannien stattfand ist unstrittig, strittig ist nur die Frage, wie viel davon Mrs. Thatcher zu verdanken ist oder ob er gar trotz ihr stattfand. Der Direktor des Political Economy Research Centre der Universität Sheffields bewertet ihre Wirtschaftspolitik zwar als Erfolg, aber mehr durch Glück, als durch gezielte Planung: Die Thatcher-Regierung „rode its luck" . Im Gegensatz dazu veröffentliche der Daily Telegraph 1990, kurz nach „Maggys“ Abtritt, die Schlagzeile „Britain, walking tall in the world after rescue from labour’ “. Obgleich diese Schlagzeile sich in erster Linie auf Aussagen der ehemaligen Premierministerin berief, ist sie doch exemplarisch für das Denken weiter Teile der Bevölkerung.
Inhaltsverzeichnis
1. Margaret Thatcher
1.1 Sozialer Aufstieg und beruflicher Werdegang
1.2 Der Weg in die Downing Street 10
2. Die wirtschaftliche Situation Großbritanniens im Vorfeld des Jahres 1979
3. Wirtschaftspolitik Margaret Thatchers
3.1 Grundlagen und Ziele der Thatcherschen Wirtschaftspolitik
3.2 Wirtschaftspolitische Praxis
3.2.1 Geldpolitik der Regierung Thatcher
3.2.1.1 Geldpolitische Maßnahmen
3.2.1.2 Fazit der Geldpolitik
3.2.2 Finanzpolitik der Regierung Thatcher
3.2.2.1 Finanzpolitische Maßnahmen
3.2.2.2 Fazit der Finanzpolitik
3.2.3 Privatisierungs- und Deregulierungspolitik der Regierung Thatcher
3.2.3.1 Maßnahmen der Privatisierungs- und Deregulierungspolitik
3.2.3.2 Fazit der Privatisierungs- und Deregulierungspolitik
3.2.4 Gewerkschaftspolitik der Regierung Thatcher
3.2.4.1 Gewerkschaftspolitische Maßnahmen
3.2.4.2 Fazit der Gewerkschaftspolitik
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirtschaftspolitik von Margaret Thatcher unter der Leitfrage, inwieweit diese als Erfolgsgeschichte zu bewerten ist. Dabei wird der Fokus auf den Übergang von einer keynesianisch geprägten Wirtschaftspolitik hin zum Monetarismus gelegt, um die Auswirkungen auf die britische Ökonomie kritisch zu analysieren.
- Biografische Hintergründe und politischer Aufstieg Margaret Thatchers
- Wirtschaftliche Ausgangslage Großbritanniens vor 1979
- Analyse der monetaristischen Grundlagen und Ziele
- Evaluation der Geld-, Finanz-, Privatisierungs- und Gewerkschaftspolitik
- Kritische Würdigung der wirtschaftlichen Ergebnisse und Schlussfolgerung
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundlagen und Ziele der Thatcherschen Wirtschaftspolitik
Bevor wir uns die einzelnen Aspekte der Thatcherschen Wirtschaftspolitik anschauen, ist es von großer Bedeutung die Grundlagen und Ziele näher zu behandeln. Während die Grundlagen dazu dienen, die späteren ökonomischen Entscheidungen der „Eisernen Lady“ einzuordnen, sind die vorher herausgegebenen Ziele für einen späteren Vergleich mit dem tatsächlich Erreichten höchst interessant.
Zunächst einmal gilt es zu sagen, dass alle britischen Nachkriegsregierungen vor Margaret Thatcher eine keynesianische Wirtschaftspolitik verfolgt hatten. Überhaupt war dieses wirtschaftspolitische Konzept international jahrzehntelang unbestritten und vorherrschend.
Aber was bedeutet Keynesianismus überhaupt? Der Grundgedanke des Keynesianismus besagt, dass der Markt an sich instabil ist, das heißt der Staat durch Eingriffe dessen Stabilität künstlich herstellen muss. Das ganze sieht folgendermaßen aus: Das Gesamteinkommen einer Volkswirtschaft wird kurzfristig vor allem durch die Ausgabenwünsche der Haushalte und Unternehmen sowie der des Staates bestimmt. Logischerweise ist es so, dass mit Anwachsen der geplanten Ausgaben auch mehr Waren und Dienstleistungen verkaufbar sind. Daraus wiederum folgt eine höhere Produktion, die mehr Arbeiter benötigt. Dieser Logik folgend hat der Staat in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Investitionen zu tätigen, um Rezessionen entgegen zu wirken. Man redet in diesem Zusammenhang auch von „deficit spending“. Um nun genügend Kapital für diese staatliche Intervention zur Verfügung zu haben, sollte der Staat in Zeiten des ökonomischen Aufschwungs Rücklagen tätigen. Die Verfolgung sozialer Ziele spielt beim Keynesianismus darüber hinaus eine zentrale Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Margaret Thatcher: Dieses Kapitel zeichnet den sozialen Aufstieg der Politikerin sowie ihren Weg an die Spitze der Conservative Party nach, um die persönlichen und ideologischen Hintergründe ihrer Politik verständlich zu machen.
2. Die wirtschaftliche Situation Großbritanniens im Vorfeld des Jahres 1979: Hier wird der ökonomische Niedergang Großbritanniens in der Nachkriegszeit beleuchtet, geprägt durch niedrige Produktivität, hohe Inflation und starke gewerkschaftliche Konflikte.
3. Wirtschaftspolitik Margaret Thatchers: Das Kernkapitel analysiert den Paradigmenwechsel vom Keynesianismus zum Monetarismus und untersucht detailliert die Praxis der Geld-, Finanz-, Privatisierungs- und Gewerkschaftspolitik.
4. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die ökonomischen Ergebnisse der Ära Thatcher zusammen und bewertet die Erfolge und Misserfolge unter Berücksichtigung der unterschiedlichen politischen Sichtweisen.
Schlüsselwörter
Margaret Thatcher, Monetarismus, Keynesianismus, Wirtschaftspolitik, Großbritannien, Inflation, Privatisierung, Deregulierung, Gewerkschaften, Arbeitslosigkeit, Haushaltskonsolidierung, Steuersystem, Eiserne Lady, Wirtschaftsreform, Staatsverschuldung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der britischen Regierung unter Margaret Thatcher in den 1980er Jahren und deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Bereichen zählen die Geldpolitik, die Finanzpolitik, der Prozess der Privatisierung und Deregulierung sowie die Neugestaltung der Gewerkschaftsgesetzgebung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob die Wirtschaftspolitik Thatchers als eine Erfolgsgeschichte bezeichnet werden kann oder ob die Erfolge von erheblichen Fehltritten und sozialen Härten überschattet wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analytischen Untersuchung der wirtschaftspolitischen Konzepte, basierend auf einer fundierten Literatur- und Quellenrecherche zur Ära Thatcher.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des Monetarismus im Gegensatz zum Keynesianismus erläutert und deren praktische Umsetzung durch Reformen in den Bereichen Steuern, Staatsbetriebe und Tarifverhandlungen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Monetarismus, Privatisierung, Inflationsbekämpfung, Gewerkschaftsschwächung und den Strukturwandel der britischen Wirtschaft geprägt.
Was war der "Winter des Unmuts" und warum ist er für die Arbeit relevant?
Der "Winter des Unmuts" (1978/79) war eine Phase massiver Streiks, die die Unfähigkeit der Labour-Regierung zur Kontrolle der Wirtschaft und Gewerkschaften aufzeigte und den politischen Boden für den Amtsantritt Margaret Thatchers bereitete.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Privatisierungspolitik?
Der Autor bewertet die Privatisierung als eines der Markenzeichen der Regierung Thatcher, die zur Effizienzsteigerung und zur breiteren Streuung von Aktienbesitz beitrug, auch wenn die kurzfristige Umsetzung teils kritisch hinterfragt wird.
Wie veränderte sich die Rolle der Gewerkschaften unter Thatcher?
Unter Thatcher wurden die Gewerkschaften durch verschiedene Gesetze (Employment Acts) demokratisiert, in ihrer rechtlichen Immunität eingeschränkt und in ihrer Macht, Tarifverhandlungen zu dominieren, geschwächt.
Was ist die abschließende Schlussfolgerung zur "Erfolgsgeschichte" Thatchers?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Begriff "Erfolgsgeschichte" vermessen ist, da signifikante Fehltritte, insbesondere in der Geldpolitik, auftraten, man jedoch objektiv von einer insgesamt erfolgreicheren Wirtschaftspolitik als zu Beginn sprechen kann.
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- Tim Diehl (Author), 2010, Die Wirtschaftspolitik Margaret Thatchers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149520