In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, anhand der Betrachtung der Geschichte
Entwicklungslinien aufzuzeigen, die für bestimmte Epochen kennzeichnend sind. In Ermangelung
einer besseren Alternative werden die festgestellten großen Blöcke historischer
Entwicklung in den recht unglücklichen Begriffen der Vormoderne und der Moderne
zusammengefaßt.
Zur Beschreibung der Äußerungen des Konfliktes, der zwischen den Funktionen von
Vormoderne und Moderne bestanden zu haben scheint, ist es nötig, die Entwicklung einer
Politik zu beschreiben, die auf den ersten Blick keine direkte Relevanz für die französisch-
deutsche Grenze zu haben scheint. Die Entstehung der nationalen Identität in
Deutschland, die Reaktion des Wiener Kongreß sowie die Politik Bismarcks werden aus
diesem Grunde etwas genauer betrachtet, obwohl all diese Phänomene ihre Bedeutung für
die Grenze nur auf indirektem Wege erhalten.
Schwerpunkt der Arbeit soll ebendiese Beschreibung der Spannung zwischen Vormoderne
und Moderne sein. Anlaß der hierzu angestellten Überlegungen ist das Problem der
Grenze. Doch ähnliche Ansätze sind auch für Betrachtungen der Kulturgeschichte oder
der Entwicklung des Charakters von Staatlichkeit denkbar. Mag die vorliegende Arbeit
auch zu keinem befriedigenden Ergebnis kommen, so sollte doch diese weitreichende
Relevanz der Grenzproblematik bei Studierenden und Wissenschaftlern das Interesse an
einer erfolgreicheren Beschäftigung mit diesem Themenkreis wecken.
Inhaltsverzeichnis
2. Vorwort
3. Historische Entwicklung in der Vormoderne
3.1 Der 30jährige Krieg
3.2 Die Streitigkeiten nach der Westfälischen Neuordnung
3.3 Die Reunion
3.4 Die Zurücknahme der Reunion
3.5 Der spanische Erbfolgekrieg
3.6 Der polnische Erbfolgekrieg
3.7 Der Siebenjährige Krieg
4. Vormoderner Charakter der Grenzen im Allgemeinen
5. Historische Entwicklung in der Moderne
5.1 Die Modernisierung des Absolutismus
5.2 Die Idee von der natürlichen Grenze als Stifter nationaler Identität Frankreichs
5.3 Die Rheingrenze und der Franzosenhaß als Stifter deutsch-nationaler Identität
5.4 Der Widerstreit zwischen Funktionen der Vormoderne und der Moderne
5.4.1 Die Reaktion des Wiener Kongreß
5.4.2 Die Revolution von 1848
5.5 Die Grenzdebatte als Stifter deutsch-nationaler Identität und als Instrument der Machtpolitik
5.6 Die Annexion Elsaß-Lothringens in ihrer Bedeutung für den Ersten Weltkrieg
5.7 Die Grenze vor und nach dem Zweiten Weltkrieg
5.8 Die Staatsgrenze mit „schwachem Grenzcharakter“
6. Moderner Charakter der Grenzen im Allgemeinen
6.1 Die Entstehung des Nationalstaates
6.2 Der Staatscharakter in der Moderne
6.3 Die Relevanz des Staatscharakters der Moderne für die Staatsgrenzen
7. Grenzen in der Gegenwart und in der Zukunft
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung der französisch-deutschen Grenze vom Westfälischen Frieden bis zum Zweiten Weltkrieg. Im Zentrum steht dabei die Analyse des Spannungsfeldes zwischen vormodernen und modernen Vorstellungen von Staatlichkeit, Territorium und nationaler Identität sowie deren Auswirkungen auf die Grenzgestaltung.
- Historische Entwicklung der Grenze in Vormoderne und Moderne
- Die Entstehung nationaler Identitäten und ihr Einfluss auf Grenzdebatten
- Der Übergang von dynastischer Territorialpolitik zu machtpolitisch motivierten Staatsgrenzen
- Die Rolle der Grenzproblematik als Instrument nationaler Machtpolitik
- Die Funktion der Grenze im modernen Nationalstaat und deren Auswirkungen auf zwischenstaatliche Konflikte
Auszug aus dem Buch
3.1 Der 30jährige Krieg
Ludwig XII. (1610-1643) baute das System des Absolutismus weiter aus. Als leitender Minister bekämpfte Richelieu (1624-1642) die Opposition. Das außenpolitische Ziel war unterdessen „die Lösung aus der Umklammerung“ durch Habsburg und die Wiederherstellung der natürlichen Grenzen des Rheins und der Pyrenäen. So wurde Frankreich im 30jährigen Krieg also zur treibenden Kraft im Kampf gegen Habsburg. 1635 trat Frankreich offen in den Krieg ein.
Seit Dezember 1633 hatten französische Truppen nach und nach das Elsaß besetzt. Rechtlich wurde dies durch einzelne Verträge mit den jeweiligen Territorialherren abgesichert. Innerhalb von drei Jahren wurde auf diese Weise fast das gesamte Elsaß außer Straßburg französisches Schutzgebiet.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Vorwort: Der Autor erläutert den Ansatz der Arbeit, anhand der Geschichte die Entwicklungslinien zwischen den Epochen der Vormoderne und Moderne im Kontext der französisch-deutschen Grenze zu untersuchen.
3. Historische Entwicklung in der Vormoderne: Dieser Abschnitt behandelt die territorialen Verschiebungen und machtpolitischen Strategien im Kontext der großen Konflikte vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Siebenjährigen Krieg.
4. Vormoderner Charakter der Grenzen im Allgemeinen: Hier wird analysiert, wie Grenzen in der Vormoderne primär durch Besitzstände definiert waren und eine flexible Anpassung an Machtverhältnisse erlaubten.
5. Historische Entwicklung in der Moderne: Das Kapitel widmet sich der Transformation der Grenzauffassung im Zuge der Modernisierung, der Entstehung von Nationalstaaten und der Instrumentalisierung der Grenze zur Stiftung nationaler Identität.
6. Moderner Charakter der Grenzen im Allgemeinen: Der Fokus liegt auf der theoretischen Einordnung der modernen Grenze als Instrument des Nationalstaates zur Erzeugung von Homogenität und Abgrenzung gegenüber dem Fremden.
7. Grenzen in der Gegenwart und in der Zukunft: Das Fazit reflektiert über den Wandel des Grenzbegriffs in der heutigen Realpolitik und die Herausforderungen für eine künftige Grenzpolitik angesichts der Postmoderne.
Schlüsselwörter
Frankreich, Deutschland, Grenze, Geschichte, Vormoderne, Moderne, Nationalstaat, Identität, Machtpolitik, Westfälischer Frieden, Absolutismus, Territorialpolitik, Elsaß, Krieg, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung der französisch-deutschen Grenze und analysiert, wie sich der Charakter dieser Grenze von der Vormoderne bis zur Moderne gewandelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Grenzziehung, der Einfluss von Nationalismus auf die Grenzdebatte, die Rolle des Absolutismus sowie die Bedeutung staatlicher Identitätsstiftung durch Grenzpolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Entwicklungslinien aufzuzeigen und die Spannung zwischen vormodernen und modernen Funktionen der Grenze zu beschreiben, um deren Einfluss auf die Geschichte der französisch-deutschen Beziehungen zu erhellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen historisch-analytischen Ansatz, der historische Ereignisse und Entwicklungslinien im Rahmen politikwissenschaftlicher Theorien über Staatlichkeit und Grenzcharaktere betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die vormoderne Geschichte von den Erbfolgekriegen bis zum Absolutismus als auch die moderne Entwicklung beleuchtet, einschließlich der Zeit von der Französischen Revolution bis zum Zweiten Weltkrieg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Machtpolitik, territoriale Homogenität, nationale Identität, Rheinpolitik und das Spannungsfeld zwischen Staat und Nation geprägt.
Welche Rolle spielt die „natürliche Grenze“ in der Argumentation des Autors?
Der Autor zeigt auf, wie die Idee der „natürlichen Grenze“ besonders während der Französischen Revolution ideologisch instrumentalisiert wurde, um territoriale Ansprüche zu rechtfertigen und eine nationale Identität zu stiften.
Warum wird Elsaß-Lothringen als Fallbeispiel für die Grenzproblematik hervorgehoben?
Das Gebiet wird als Beispiel angeführt, wie durch die Annexion und die darauf folgende ideologische Aufladung der Grenzkonflikt zwischen beiden Ländern dauerhaft verschärft und die deutsche Außenpolitik bis zum Ersten Weltkrieg belastet wurde.
- Quote paper
- Matthias Franke (Author), 1998, Die französisch-deutsche Grenze - Versuch einer Betrachtung der Geschichte vom Westfälischen Frieden bis zum Zweiten Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14953