Die Welt befindet sich im Wandel. Globalisierung, Klimawandel und Finanzkrise sind dabei nur drei Schlagwörter, die diesen Wandel und die zugehörigen Probleme im globalen Maßstab beschreiben. Auch Europa vollzieht einen Umbruch. Die Europäisierung schreitet voran, die Staatengemeinschaft wächst zusammen, um den neuen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen. Trotz EU müssen die europäischen Staaten den aktuellen Problemen auch individuell entgegen treten. Für die Bundesrepublik Deutschland kommen (auch zwanzig Jahre danach) noch die Umbrüche der Wende hinzu. Gerade in Deutschland sind die räumlichen Disparitäten noch stark ausgeprägt. Hinzu kommt ein wachsender Vertrauensverlust der Politik.
Angesichts der aktuellen Problemlagen (von regionalen bis globalen Ausmaßes) gewinnt paradoxerweise die Region wieder an Bedeutung. Regionalisierung beziehungsweise Regional Governance kursiert seit etwa den Achtziger Jahren in Politik und Wissenschaft; oft als Zauberformel zur Lösung aller Probleme angesehen. Was ist Regionalisierung? Trotz eines nicht mehr ganz jungen Konzepts, gibt es auf diese Frage keine einheitliche Antwort. Regionalisierung wird in jedem Land etwas unterschiedlich definiert. Auch die Perspektive, aus der sie betrachtet wird (beispielsweise Politik oder Wirtschaft), entscheidet über die Definition. Allgemeingültig kann wohl die Aussage gelten, dass Regionalisierung eine neue Form von Politik ist.
Dieses Begriffsverständnis soll im Weiteren noch geschärft werden. Danach soll beschrieben werden, welchem Wandel der Staat ausgesetzt ist und wie es zur Aufwertung der Region in jüngster Vergangenheit gekommen ist. Im Anschluss daran werden die Grenzen von Regionalisierung aufgezeigt. In Überleitung zum zweiten Abschnitt wird die Frage geklärt, was symbolische Regionalpolitik ist und welcher Unterschied zu Imagepolitik besteht. Danach befasst sich diese Arbeit mit der Regionalisierung des Südraums Leipzigs, in der die Frage beantwortet werden soll, ob und wie der Südraum die Transformation von einer politischen Programmregion zu einer Wahrnehmungs- und Identitätsregion vollzog.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Regionalisierung
2.1 Merkmale von Regionalisierung
2.2 Vorteile der Region
2.3 Grenzen der regionalen Selbststeuerung
2.4 Symbolische Regionalpolitik
3 Transformation einer politischen Programmregion in eine Wahrnehmungs- und Identitätsregion am Beispiel des Leipziger Südraums
3.1 Substantialisierung
3.2 Evaluative Auszeichnung
3.3 Mediale (Re-) Präsentation
3.4 Alltagsnahe territoriale Vermessung
3.5 Institutionelle Reorganisation
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Transformationsprozess des Regionalprojekts „Südraum Leipzig“ mit dem Ziel zu analysieren, ob und wie aus einer ursprünglich politischen Programmregion eine in der Wahrnehmung der Bevölkerung verankerte Identitätsregion entstanden ist.
- Grundlagen und theoretische Merkmale von Regionalisierung
- Funktionswandel des Staates und regionale Selbststeuerung
- Symbolische Regionalpolitik und Identitätskonstruktion
- Methodische Untersuchung der Veralltäglichung (Diskurs- und Medienanalyse)
- Fallbeispiel Südraum Leipzig: Transformation und Akteurskonstellationen
Auszug aus dem Buch
3.1 Substantialisierung
Auf der Ebene der Substantialisierung wird die Region als wesenhaft dargestellt. Dem Südraum widerfährt etwas, er tut etwas, kommuniziert, setzt Ziele, leidet und kämpft. Dadurch kommt es zu einer Subjekt-Objekt- Verkehrung. Die Region wird zum Akteur. Damit die Region, der Raum, der Akteur als Einheit wahrgenommen wird, muss sie eingegrenzt werden. Das wird erreicht durch die Beschreibung von Lageeigenschaften (wo befindet sich die Region), territorialer Ausdehnung (wieweit erstreckt sie sich) und inhaltliche Charakteristika (wodurch ist sie gekennzeichnet). Dabei zeigte sich, dass der Südraum flexibel territorial bestimmt wurde, d.h. er wurde mit einem einheitlichen Kern und ausgefransten Rändern wahrgenommen. Diese flexible territoriale Bestimmung wurde stabilisiert durch vergleichend-kontrastive Abhebungen mit anderen Raumeinheiten. Unterscheiden ließen sich generalisierende, kontrastive, einschließende und konfrontative Besonderungen.
Eine weitere Essentialisierung der Region wurde durch einen umfassenden Geschichtsdiskurs erreicht, indem die Existenz der Region in die Vergangenheit verlängert wurde – nach dem Motto „sie war schon immer da“. Es ließen sich fünf Geschichtsdiskurse unterscheiden. Zum einen die gemeinsame DDR-Vergangenheit (die geschundene Region), die reiche Bergbau und Industriegeschichte (technische Innovationen, wirtschaftliche Leistungen), die Geschichte vor der Industrialisierung, die Frühgeschichte (basierend auf archäologischen Funden) und die Geschichte nach der Wiedervereinigung (Wiedergeburt der Region).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des strukturellen Wandels ein und definiert das Forschungsinteresse an der Transformation des Südraums Leipzig.
2 Regionalisierung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Konzepte von Regionalisierung, deren Merkmale, Vorteile und Grenzen sowie die Bedeutung symbolischer Regionalpolitik.
3 Transformation einer politischen Programmregion in eine Wahrnehmungs- und Identitätsregion am Beispiel des Leipziger Südraums: Hier wird der empirische Transformationsprozess anhand von fünf spezifischen Dimensionen diskurs- und medienanalytisch untersucht.
3.1 Substantialisierung: Darstellung der Region als aktives Wesen durch Abgrenzung, Geschichtsdiskurse und wirtschaftliche Verortung.
3.2 Evaluative Auszeichnung: Analyse der Schaffung von Leitbildern und der symbolischen Aufwertung des Südraums als Voraussetzung für affektive Bindung.
3.3 Mediale (Re-) Präsentation: Untersuchung der Rolle der Medien und Namensgebungen bei der Etablierung des Südraums im öffentlichen Bewusstsein.
3.4 Alltagsnahe territoriale Vermessung: Beschreibung der Verankerung der Region im Alltag durch Veranstaltungen und sprachliche Integration.
3.5 Institutionelle Reorganisation: Erläuterung der Rolle von Schlüsselakteuren und neu geschaffenen Institutionen bei der Umsetzung des Regionalprojekts.
4 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass der Südraum Leipzig im untersuchten Zeitraum den Weg zur Wahrnehmungs- und Identitätsregion erfolgreich beschritten hat.
Schlüsselwörter
Regionalisierung, Region, Südraum Leipzig, Identitätspolitik, Programmregion, Wahrnehmungsregion, Regional Governance, Strukturwandel, Veralltäglichung, Leitbild, Akteursnetzwerke, Symbolische Regionalpolitik, Identitätskonstruktion, Regionalentwicklung, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Prozess, in dem eine politisch initiierte Region (Programmregion) durch gezielte Strategien eine eigene Identität gewinnt und als solche in der Lebenswelt der Menschen verankert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Regionalisierung, der Rolle von Identitätspolitik in der Regionalentwicklung und der praktische Wandel einer ehemaligen Bergbauregion hin zu einer Tourismus- und Identitätsregion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie es den Akteuren gelungen ist, den politischen Konstruktcharakter des Südraums Leipzig zu überwinden und ihn in eine Wahrnehmungs- und Identitätsregion zu transformieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor stützt sich primär auf die diskurs- und medienanalytische Untersuchung von Beiträgen, insbesondere der Leipziger Volkszeitung (LVZ), basierend auf den Vorarbeiten von Fach & Luutz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret behandelt?
Der Hauptteil analysiert fünf Dimensionen der „Veralltäglichung“: Substantialisierung, evaluative Auszeichnung, mediale Präsentation, alltagsnahe territoriale Vermessung und institutionelle Reorganisation.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Regionalisierung, Identitätskonstruktion, Veralltäglichung, Regional Governance und Transformation.
Was bedeutet der Begriff „Veralltäglichung“ im Kontext des Südraums?
Veralltäglichung bezeichnet den Prozess, bei dem ein politisch geplantes Regionalprojekt seinen Charakter als künstliches Konstrukt verliert und für die Bewohner zu einer selbstverständlichen, emotional besetzten Realität wird.
Warum war eine „symbolische Regionalpolitik“ für den Südraum wichtig?
Sie diente als spezifische Mobilisierungsstrategie, um die Bewohner einzubinden und systemische Modernisierungsbedürfnisse mit den Lebenswelten der Individuen zu verbinden.
- Arbeit zitieren
- Christian Schebitz (Autor:in), 2009, Regionalisierung und regionale Identitätspolitik am Beispiel „Südraum Leipzig“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149550