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Pronominale Personenreferenz auf Neutra. Kongruenzverhalten in Abhängigkeit vom natürlichen Geschlecht

Title: Pronominale Personenreferenz auf Neutra. Kongruenzverhalten in Abhängigkeit vom natürlichen Geschlecht

Term Paper , 2024 , 28 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anastasiia Stulen (Author)

German Studies - Linguistics
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Das Forschungsinteresse der vorliegenden Hausarbeit ist es, folgende Forschungsfrage zu beantworten: Wie beeinflusst die Verwendung von weiblichen Eigennamen die Auswahl des Possessivpronomens bei der Kongruenzform das Model?

Im Deutschen stimmt das biologische Geschlecht (Sexus) mit dem grammatischen Genus nicht überein, obwohl das “sogenannte natürliche und grammatische Geschlecht” häufig "im metasprachlichen Bewußtsein" gleichgesetzt werden.
Generell konvergieren Genus und Sexus in der Verwendung von Nomina. Bei manchen Nomina oder Verwendungen, z.B. das Mädchen, das Fräulein, stimmen Genus und Sexus nicht überein. Man spricht dann von Genus-Sexus-Divergenz. Außerdem gibt es Epikoina – Nomina, die ohne Genuswechsel auf jeden Sexus bezogen werden können, – wie das Model, das Opfer, der Teenager. In der Textproduktion wird das Problem der Genus-Sexus-Divergenz beim Auftreten von Kongruenzformen besonders sichtbar. Dann muss sich der/die ProduzentIn für ein Genus, solange es nicht um ambige Formen von maskulin – neutrum geht, entscheiden.

Bei den Epikoina entsteht die Frage, wofür man sich entscheidet, das grammatische Genus oder den biologischen Sexus im pronominalen Bezug zu verwenden. Einen anderen Blick darauf bringt die Tatsache, dass manche Personenbezeichnungen mit dem Eigennamen verwendet werden, der das Geschlecht der Person offenbar macht. Es gilt an den Korpusbelegen aus dem deutschsprachigen Raum zu untersuchen, ob und wie die Verwendung von weiblichen Eigennamen die Verwendung des Possessivpronomens (sein oder ihr) bei dem Epikoinon das Model beeinflusst. Dabei muss festgestellt werden, ob das Vorkommen der Eigennamen in der mittleren/fernen Kongruenz für die Auswahl des Possessivpronomens entscheidend ist.
Dafür müssen zunächst theoretische Grundlagen und Definitionen zu den Begriffen Kongruenz, Genus-Sexus- Konvergenz/Divergenz bestimmt, der Forschungsstand beschrieben und das methodische Vorgehen vorgestellt werden.

Für den empirischen Teil sind die Daten mithilfe von DWDS-Korpora aus dem DACH-Raum aus den letzten 30 Jahren in der maximalen Ansicht zu erheben, um die korpuslinguistische Analyse repräsentativ gestalten zu können. Klaus-Michael Köpcke ist dabei uüberzeugt, dass “Ausgangspunkt der Analyse der tatsächliche Sprachgebrauch sein [soll]”. Die gewonnenen Daten sind zu kategorisieren und sowohl quantitativ als auch qualitativ auszuwerten.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kongruenzverhalten

2.1. Genus vs. Sexus

2.2. Das Model ist immer weiblich

3. Korpuslinguistik als Methode für linguistische Forschung

3.1. Korpora

3.2. DWDS-Tool, Forschungskorpus und Suchanfrage

4. Kongruenzform mit Possessivpronomen

4.1. Kongruenzverhalten zwischen Genus-Sexus-divergenten Nomen und Possessivpronomen

4.2. Model im Kontext

5. Zusammenfassung

6. Quellenverzeichnis

Anhang

Zielsetzung & Forschungsthemen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss weiblicher Eigennamen auf das Kongruenzverhalten bei der pronominalen Referenz auf das Epikoinon "das Model". Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern die Verwendung von Eigennamen in der Referenzkette die Wahl zwischen einem genus-konformen (neutralen) und einem sexus-konformen (femininem) Possessivpronomen beeinflusst.

  • Analyse des Kongruenzverhaltens von Genus-Sexus-divergenten Nomina
  • Einsatz korpuslinguistischer Methoden zur Auswertung aktueller Sprachdaten
  • Untersuchung der Abhängigkeit zwischen Eigennamen und Pronominalwahl
  • Auswertung von Referenzketten in deutschsprachigen Medien (DACH-Region)

Auszug aus dem Buch

4.2. Model im Kontext

In diesem Kapitel wird auf die Kongruenz im Kontext geschaut. Zur Analyse wird nicht nur das Possessivpronomen, das sich auf das Model bezieht, sondern auf die ganzen Referenzketten geachtet. Maria Thurmair 2006 hat in ihrem Artikel die Typen der Kongruenzketten bestimmt und in der vorliegenden Analyse wird darauf Bezug genommen. Vom besonderen Interesse sind die Belege der Kategorie Model – Name – sein, in denen der sexuskonvergente Nomen (Eigenname) zwischen dem Genus-Sexus-divergenten Nomen (Model) und dem genuskongruenten Possessivpronomen auftritt und die darauffolgende Verwendung der Pronomina nicht beeinflusst.

Im Beleg (28) steht das kataphorische sexuskonvergente Pronomen vor dem Genus-Sexus-divergenten Nomen. Dann findet ein Genuswechsel zum Genus-Sexus-divergenten Bezugsnomen statt und der weibliche Eigenname beeinflusst in diesem Fall die Auswahl der Referenz nicht. Im folgenden Satz wird nach dem sexuskonvergenten Nomen mit der Sexuskonvergenz vollzogen: (28) Nach ihrer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung trat das israelische Model Bar Refaeli gestern früh seinen Sozialdienst in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen an. Ein Gericht hatte Refaeli und ihre Mutter Zipi [...] (Oberösterreichische Nachrichten, 22.09.2020).

Der Beleg (86) sieht ähnlich wie (28) aus, aber anstatt eines Pronomens wird die Referenzkette mit einem sexuskonvergenten Nomen (Frau) eingeführt, darauffolgend geschieht eine Renominalisierung mit einem sexusdivergenten Nomen, auf das genuskongruente Referenz im Relativ- und Possessivpronomen genommen wird. Weiter greift der/die ProduzentIn auf den sexuskonvergenten Nomen zurück, referiert mit dem sexuskonvergenten Relativpronomen und kommt auf Genus-Sexus-kongruenten Nomen (Königin) zu: (86) Eine Frau wie das deutsche Model Micaela Schäfer, das bei seinen Auftritten im TV (Dschungelcamp, Germany’s Next Topmodel) oder als DJane in Diskotheken durch äußerst freizügige Outfits für Aufsehen sorgt, müsste man einmal ganz anders inszenieren, dachte sich der Grazer Fotokünstler Garfield Trummer – und verwandelte Schäfer (die sich übrigens selbst per Facebook beworben hatte) genau in das Gegenteil: eine „extrem verhüllte, hochgeschlossene, dunkle viktorianische Königin“, so Trummer. (Kleine Zeitung, 19.02.2015)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung begründet die Relevanz der Untersuchung von Genus-Sexus-Divergenzen bei Personenbezeichnungen und formuliert die Forschungsfrage zum Einfluss von Eigennamen auf die Pronominalwahl bei dem Epikoinon "das Model".

2. Kongruenzverhalten: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen zwischen grammatischem Genus und natürlichem Sexus, definiert Begriffe wie Epikoinon und stellt das Konzept der Agreement-Hierarchie nach Corbett vor.

3. Korpuslinguistik als Methode für linguistische Forschung: Hier werden die methodischen Voraussetzungen geklärt, indem die Begriffe Korpus und Korpuslinguistik definiert sowie die Funktionsweise des DWDS-Tools für die empirische Datenerhebung beschrieben werden.

4. Kongruenzform mit Possessivpronomen: Dieses Kapitel präsentiert die quantitative und qualitative Auswertung der erhobenen Korpusbelege und analysiert das Kongruenzverhalten unter Einbeziehung von Eigennamen und textuellen Kontextfaktoren.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Ergebnisse, die den starken Einfluss von weiblichen Eigennamen auf eine sexuskonvergente Referenz bei dem Substantiv "das Model" belegt.

Schlüsselwörter

Kongruenz, Genus, Sexus, Epikoinon, Model, Korpuslinguistik, DWDS, Possessivpronomen, Referenzkette, Agreement-Hierarchie, Sprachgebrauch, Eigennamen, Sexuskonvergenz, Genuskongruenz, Medienlinguistik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit befasst sich mit dem Kongruenzverhalten bei Personenbezeichnungen, die ein sächliches grammatisches Genus haben, sich aber auf Personen beziehen, deren biologisches Geschlecht meist weiblich ist (Beispiel: "das Model").

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Genus und Sexus, die Verwendung von Epikoina im Deutschen, korpuslinguistische Analysemethoden und die Auswirkung von Eigennamen auf Pronominalentscheidungen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage untersucht, wie die Nennung eines weiblichen Eigennamens die Wahl des Possessivpronomens (sein vs. ihr) bei einer Referenz auf das Wort "das Model" beeinflusst.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine korpuslinguistische Methode verwendet. Hierfür wurden Daten aus dem ZDL-Regionalkorpus über einen Zeitraum von 30 Jahren mithilfe des DWDS-Portals erhoben und quantitativ sowie qualitativ ausgewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Genus-Sexus-Divergenzen, die Beschreibung der korpuslinguistischen Methodik sowie eine detaillierte Analyse der Belege inklusive der Kategorisierung nach Pronominalverwendung und Kontextmerkmalen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Kongruenz, Genus-Sexus-Divergenz, Epikoinon, Korpuslinguistik, pronominale Referenz und Agreement-Hierarchie.

Welchen Einfluss haben Eigennamen statistisch gesehen auf die Pronominalwahl?

Die Daten zeigen eine deutliche Tendenz: Sobald ein weiblicher Eigenname in der Referenzkette auftaucht, sinkt der Anteil der rein genuskongruenten (neutralen) Pronomina massiv, und es wird in 92 % der untersuchten Fälle eine sexuskonvergente (feminine) Form gewählt.

Warum ist das Ergebnis für die linguistische Forschung relevant?

Die Studie zeigt, dass der Einfluss von Eigennamen bei der Pronominalwahl bisher unterschätzt wurde und dass bei solchen textuellen Kontexten die semantische Kongruenz ("auf das biologische Geschlecht bezogen") die grammatische Kongruenz weitgehend verdrängt.

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Details

Title
Pronominale Personenreferenz auf Neutra. Kongruenzverhalten in Abhängigkeit vom natürlichen Geschlecht
College
University of Hamburg  (Germanistische Linguistik)
Course
Entstehung der deutschen Standardsprache
Grade
1,7
Author
Anastasiia Stulen (Author)
Publication Year
2024
Pages
28
Catalog Number
V1495538
ISBN (PDF)
9783389053843
ISBN (Book)
9783389053850
Language
German
Tags
Personenreferenz auf Neutra Kongruenz. Kongruenzverhalten auf Neutra das Model Genus Sexus Korpuslinguistik quantitativ-qualitative Analyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anastasiia Stulen (Author), 2024, Pronominale Personenreferenz auf Neutra. Kongruenzverhalten in Abhängigkeit vom natürlichen Geschlecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1495538
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