Der ländliche Raum in Europa - Entwicklungen und Trends im primären Sektor


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
35 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Vorwort

2. Der ländliche Raum in Europa
2.1. Charakterisierung der ländlichen Räume in Mitteleuropa
2.2. Definitionsansätze zu den ländlichen Räumen der EU
2.2.1. Die strukturell – analytische Definition
2.2.2. Die Funktional – analytische Definition
2.3. Die ländliche Raumentwicklung in Europa

3. Die Landwirtschaft innerhalb der Europäischen Union
3.1. Die historische Entwicklung der Landwirtschaft
3.2. Die Geschichte der Europäischen Union
3.3. Die aktuellen landwirtschaftlichen und strukturellen Entwicklungen
3.3.1. Bedeutung der Landwirtschaft in den EU – Staaten
3.3.2. Betriebe und unterschiedliche Flächengrößen
3.3.3. Produktspezialisierungen der EU – Staaten

4. Agrarpolitische Entwicklungen innerhalb der EU und deren Rolle auf den Weltagrarmärkten
4.1. Die EU – Marktordnungen
4.2. Die Beschlüsse der Welthandelsorganisation WTO) und die damit verbundenen Auswirkungen auf die EU
4.3. Die Zukunft der europäischen Landwirtschaft auf den globalen Märkten

5. Nachwort

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1.: Ländliche Räume in der EU nach OECD – Klassifikationen (verändert vom Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaft 2004);

Abbildung 2.: 6 regionale Typen von Stadt – Land - Raumstrukturen (verändert nach Europäischer Kommission 2001);

Abbildung 3.: Einflussfaktoren in der Entwicklung ländlicher Räume, dargestellt in Form von Problemkreisen;

Abbildung 4.: Zusammenschlüsse und Bündnisse innerhalb Europas nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs;

Abbildung 5.: Expansion der Europäischen Union; S. 18.

Abbildung 6.: Auszug aus dem EWG – Vertrag von 1958; S. 19.

Abbildung 7.: Die Bedeutung der Landwirtschaft in den Ländern der EU – 27 (2004);

Abbildung 8.: Das dominierende Agrarprodukt in den Staaten der EU –27;

Abbildung 9.: Wichtigste landwirtschaftliche Erzeugnisse nach ihrem Verkaufswert innerhalb der EU (2007);

Abbildung 10.: Erzeugung und Verbrauch von ausgewählten Milchprodukten in der EU (2007), Angaben in 1000t;

Abbildung 11.: Entwicklung und Umschichtung der EU – Agrarausgaben (1991 – 2013);

1. Vorwort

In Zeiten der Globalisierung veränderten sich nicht nur die Gesellschaften einzelner Staaten, sowie der Lebensalltag der Menschen, sondern in erster Linie die gesamte Wirtschaft. Stellvertretend für diesen Bereich erhebt die folgende wissenschaftliche Arbeit den Anspruch, dem Leser einen tieferen Einblick in die Strukturen und Entwicklungen des primären Sektors zu gewähren.

Es würde hierbei zu weit führen sich mit der kompletten agrarpolitischen Entwicklung, die sich weltweit vollzieht, zu beschäftigen. Deshalb sollen stellvertretend die landwirtschaftlichen Prozesse innerhalb der Europäischen Union (EU) in den Vordergrund gerückt werden, ohne jedoch deren globale Position, sowie die Abhängigkeit zu den Weltmärkten, vernachlässigen zu wollen. Zudem soll sich die Betrachtung des primären Sektors rein auf den agrarwirtschaftlichen Bereich beziehen. Die ebenfalls zugehörigen Prozesse, die innerhalb der Forstwirtschaft sowie der Fischerei ablaufen, werden hierbei keine intensivere Untersuchung erfahren. Aufgrund des, an Mitgliedsstaaten und Flächenanteil, immer größer werdenden europäischen Staatenbündnisses und den gemeinsam erstellten und gültigen Verordnungen bezüglich landwirtschaftlicher Aktivitäten, würde es sich als wenig sinnvoll gestalten, die deutsche Landwirtschaft separat zu betrachten. Deshalb soll im weiteren Verlauf der Ausarbeitung der gesamte europäische Markt, mit seinen Veränderungen, den entstehenden Vor - und Nachteilen, sowie den zu erwartenden Entwicklungen, im Gesamtkontext erläutert werden. Zunächst widmen wir uns dem ländlichen europäischen Raum, mit dessen Ausprägungen, seinen Charakteristiken, sowie den zugehörigen Definitionsansätzen.

Danach geht der Text auf die historische Entwicklung der Landwirtschaft innerhalb der Europäischen Union ein, beschäftigt sich mit der aktuellen Bedeutung des primären Sektors und gibt zudem Aufschluss über die Produktspezialisierungen der einzelnen Mitgliedsstaaten. In Kapitel 4 werden einige Marktordnungen der EU, sowie deren Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Betriebe dargestellt und zudem einige Gedanken und Erkenntnisse bezüglich der Zukunft der europäischen Landwirtschaft, im Kontext zu den Weltmärkten, dargelegt.

Zudem könnte man sich, provokant ausgedrückt, die Frage stellen, ob die Bedeutung des primären Sektors überhaupt noch für unsere westlichen Gesellschaften relevant sei. Fest steht, dass die Landwirtschaft innerhalb der EU insgesamt nur noch für 1,8% der gesamten Bruttowertschöpfung verantwortlich ist und innerhalb der Industrienationen, wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien, weniger als 4% der Menschen im landwirtschaftlichen Bereich beschäftigt[1]. Sollten sich somit die Staaten nicht mit anderen wirtschaftlichen Bereichen intensiver auseinandersetzen und die landwirtschaftliche Produktion ihrerseits zurückschrauben? Müsste der Sektor nicht den Entwicklungs- und Schwellenländern überlassen werden, deren Produkte in der Regel sowieso ein niedrigeres Preisniveau aufweisen und könnte eine führende Technologienation wie Deutschland ihre agrarwirtschaftlichen Subventionszahlungen nicht auf andere Bereiche umleiten und sich bemühen in expandierenden Branchen Arbeitsplätze zu schaffen?

Die folgenden Abschnitte sollten dem Leser bei individueller Klärung dieser Fragen als Hilfsmittel dienen, wobei die Problematik innerhalb des Schlusskapitels noch einmal erneut aufgegriffen wird.

2. Der ländliche Raum in Europa

Innerhalb der Verdichtungsräume sowie der Megastädte dieser Welt scheinen sich die Lebensbedingungen der Menschen immer mehr anzugleichen. Lebensstile, Konsumverhalten, oder der Anspruch an den eigenen Lebensstandard variieren eher minimal zwischen Bevölkerungsgruppen einer Metropolregion, unabhängig von deren geographischem Standort. Werden jedoch ländliche Regionen einer intensiveren Betrachtung unterzogen, so ist festzustellen, dass sich diese in Bezug auf die Lebensbedingungen der Menschen stark von einander unterscheiden können. Seit jeher sind ländliche Räume extrem abhängig von den natürlich vorhandenen Ressourcen, wie Bodenbeschaffenheit, Niederschlagsverteilung oder den dort herrschenden Temperaturen, ebenso von der jeweiligen Gesellschaftsstruktur und deren technologischem Potenzial.

Angesichts dieser Umstände ist es wohl kaum verwunderlich, dass sich die ländlichen Regionen der westlichen Welt von den entsprechenden Gebieten der Erde, beispielsweise denen der Tropen, oder der Trockengebiete, grundlegend unterscheiden. Am Beispiel Europas wird deutlich, dass das äußere Erscheinungsbild der Landschaft immer noch von landwirtschaftlicher Nutzung stark geprägt ist, diese den Menschen jedoch vergleichsweise weitaus weniger Arbeitsplätze bietet, als es in Entwicklungsländern mit äquatorialer Nähe der Fall ist[2]. Obwohl die Industrialisierung auch in den meisten tropischen Staaten rasch voranschreitet und der Dienstleistungssektor expandiert, ist der Großteil der ansässigen Bevölkerungsgruppen innerhalb der Landwirtschaft tätig[3]. Es ist deshalb hervorzuheben, dass sich die weitere Untersuchung sowie die Definition des ländlichen Raumes lediglich auf die Regionen innerhalb der Europäischen Union beschränkt.

2.1. Charakterisierung der ländlichen Räume in Mitteleuropa

Innerhalb der ländlichen Regionen der Europäischen Union findet ein Wechselspiel zwischen Urbanisierung und städtischen Abwanderungsbewegungen statt. Einige Regionen, zum Beispiel großflächige Gebiete in Ostdeutschland, entleeren sich der jungen, oftmals arbeitssuchenden Bevölkerung, während sich an weiteren Standorten Zuwanderungsbewegungen aufgrund unterschiedlichster Motive, wie dem Wunsch nach Natur, ruhigerem stressbefreitem Alltagsleben, oder besserer Wohnqualität, vollziehen[4].

Ohne bereits Im Vorfeld die Gründe zu benennen, so fällt dennoch auf, dass der primäre Sektor trotz seiner allgegenwärtigen Präsenz, den Menschen weit weniger Arbeitsplätze bietet, als es in früheren Zeiten der Fall war. Die traditionellen Vorstellungen und Charakterisierungen des ländlichen Raums und dem daran gekoppelten Lebensstil, treten immer weiter in den Hintergrund. War der Begriff der Ländlichkeit lange Zeit ein Synonym für abgeschottetes, stadtfernes, konservatives und eher rückschrittliches Leben, so vermitteln dieselben Standorte zum Teil nun bewusst Botschaften wie Lifestyle, verbesserte Lebensqualitäten, sowie Freiheit und Romantik, mit dem hintergründigen Ziel, Bevölkerungsgruppen in ihre Regionen zu locken. Auch ist das Landschaftsbild nicht mehr ausschließlich von Agrarnutzung geprägt, sondern enthält ebenso Freizeit - und Erlebnismöglichkeiten, die an Touristen gerichtet sind, die den zumeist als Erholungsgebiet angepriesenen Raum als persönliches Reiseziel wählen[5].

Auch die erwähnte Abschottung der ländlichen Räume von der modernen Welt gehört größtenteils der Vergangenheit an. Zunehmende Mobilität, gewachsene Infrastrukturen und modernste Kommunikationstechniken sorgen dafür, dass Bevölkerungsgruppen dieser Gebiete den Anschluss an Verdichtungsräume erhalten, deren Potenziale ausschöpfen, sowie den eigenen Lebensstil an die globalen, vernetzten Verhältnisse anpassen.

Dadurch treten ländliche Regionen, wie wir sie nach traditionellem Verständnis charakterisiert hätten, immer mehr in den Hintergrund und zudem, zumindest in Bezug auf die westlichen Industrienationen Europas, nur noch vereinzelt auf. Wie bereits dargestellt, erfahren jene Regionen große Abwanderungsströme und werden wohl in näherer Zukunft letztendlich aufgegeben.

2.2. Definitionsansätze zu den ländlichen Räumen der EU

Würde man entlang einer vertikalen Route, ausgehend vom südlichen Teil Spaniens und endend in Skandinavien, die ländlichen Räume Europas betrachten, so würde einem deren Vielfalt und die damit verbundenen unterschiedlichen Ausprägungen bewusst werden. Da die einzelnen Regionen je nach Standortmöglichkeiten, nach naturräumlichen Gegebenheiten, sowie nach Lage und Entfernung zu anschließenden Verdichtungszentren variieren, stellt sich der Begriff des ländlichen Raums als überaus ungenaue Definition dar. Doch wie charakterisiert sich nun ein ländlicher Raum, wie lässt er sich von Ballungsräumen nachvollziehbar abgrenzen? Innerhalb der Forschung wird seit einiger Zeit von „Elementen des Ländlichen“ gesprochen, durch die eine betreffende Region von städtischen Räumen unterschieden werden kann. Hierbei fallen Kriterien wie Bevölkerungsdichte, Siedlungsgröße, Anteil an land - und forstwirtschaftlicher Flächennutzung, sowie fehlender Zentralität, einer übergeordneten Rolle zu[6].

Henkel zieht „landschaftliche, wirtschaftliche, demografische, administrative und baulich – physiognomische Kriterien“ zur genaueren Beschreibung ländlicher Räume heran[7]. Aufgrund des sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts vollziehenden Struktur- und Funktionswandels, der zusätzlich gravierende Unterschiede zwischen Land und Stadt immer weiter abbaut, sind ländliche Räume schwerer durch die eben genannten Elemente zu charakterisieren[8]. Gerade was den sozialen, sowie den kulturellen Bereich betrifft, gleichen sich die Bevölkerungsgruppen unabhängig ihres geographischen Wohnortes immer weiter aneinander an. Nun sollen zwei aktuelle und anwendungsorientierte Definitionsansätze eine intensivere Betrachtung erfahren.

2.2.1. Die strukturell – analytische Definition

Dieser Ansatz der strukturell – analytischen Definition setzt sich das Ziel, den ländlichen Raum zu typisieren und darzustellen. Hierbei werden zunächst demografische Komponenten, beispielsweise die Einwohnerdichte pro Quadratkilometer, sowie siedlungsstrukturelle Kriterien, wie zentralörtliche Funktionen, untersucht. Ebenfalls wird die Auswertung sozioökonomischer Daten zum Gesamtbild hinzugezogen. Nach Beendigung dieses Prozesses kann nicht nur der ländliche Raum von seinem städtischen Gegenpart abgegrenzt werden, sondern es kristallisieren sich innerhalb der Peripherie unterschiedliche Raumtypen heraus. Auf der folgenden Abbildung werden ländliche Räume in der EU, nach Klassifikationen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD genannt, grafisch dargestellt. Wie zu erkennen ist, so wird bei der Betrachtung der ländlichen Gemeinden und deren Bevölkerungsanteil innerhalb ihres abgegrenzten Raumes, zwischen drei unterschiedlichen Raumtypen unterschieden. Zu erwähnen ist die Erkenntnis, dass der Anteil der ländlich wohnenden Bevölkerung in den EU - Staaten, zumindest nach diesem Ansatz, recht hoch ist. Ballungsräume, wie beispielsweise die Pariser Metropolregion, oder das Ruhrgebiet, in deren Sektoren die städtische Bevölkerung vorherrschend ist, sind durchaus vorhanden, stellen jedoch eine Minderheit dar und nehmen vor allem in Richtung Ost – und Nordeuropa zunehmend ab. Dieses Schaubild sollte jedoch nicht als allein gültiger Maßstab zur Abgrenzung von städtischen und ländlichen Räumen herangezogen werden, da andere Beispiele und Definitionsansätze ein variierendes Ergebnis aufzeigen können. Die Charakteristik eines ländlichen Raumes wird hierbei ausschließlich von der Bevölkerungsdichte pro Quadratkilometer abhängig gemacht, was sicherlich als legitim anzusehen ist, jedoch könnten auch andere Faktoren zur Klassifizierung herangezogen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb1.: Ländliche Räume in der EU nach OECD – Klassifikationen (verändert vom Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaft 2004).

Quelle: Grabski – Kieron: Geographie und Planung ländlicher Räume in Mitteleuropa. In: Geographie. Physische Geographie und Humangeographie. Heidelberg 2007. S. 605.

Ungeachtet dessen verdeutlicht uns das Schaubild den Stellenwert, sowie die Präsenz des ländlichen Raums, der bei vorherrschenden Urbanisierungsvorgängen und Metropoldominanz oftmals zu Unrecht in den Hintergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit treten muss.

[...]


[1] Klohn 2007, S.5.

[2] Gebhardt 2007, S.601.

[3] Scholz 2007, S.615.

[4] Grabski - Kieron 2007, S.602.

[5] Grabski - Kieron 2007, S.602ff.

[6] Grabski - Kieron 2007, S.604.

[7] Henkel 2004.

[8] Grabski - Kieron 2007, S.604.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Der ländliche Raum in Europa - Entwicklungen und Trends im primären Sektor
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Autor
Jahr
2010
Seiten
35
Katalognummer
V149567
ISBN (eBook)
9783640601745
ISBN (Buch)
9783640601424
Dateigröße
2772 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landwirtschaft, Ländlicher Raum, Primärer Sektor, Landwirtschaft Deutschland, Landwirtschaft der EU
Arbeit zitieren
Julian Hofmann (Autor), 2010, Der ländliche Raum in Europa - Entwicklungen und Trends im primären Sektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149567

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der ländliche Raum in Europa - Entwicklungen und Trends im primären Sektor


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden