Regionale Unterschiede der Migration in Deutschland

"Gewinner und Verlierer der Wanderungen"


Seminararbeit, 2009
35 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Vorwort

2. Definition von Migration
2. 1. Die Geschichte der Migration nach Deutschland
2. 2. Zur Geschichte der Migration in Deutschland vor
2.3. Zur Geschichte der Migration in Deutschland nach
2.3.1. Gastarbeiter
2.3.2. Spät-Aussiedler
2.3.3. Asylbewerber
2.3.4. Bürgerkriegsflüchtlinge..
2.3.5. Illegale Migration
2.3.6. EU- Binnenmigration
2.4. Überblick auf die Zuwanderergruppen in Deutschland

3. Deutschland im internationalen Vergleich

4 . Integration von Migranten
4.1. Definition der Integration
4.1.1. Kulturation
4.1.2. Platzierung
4.1.3. Interaktion
4.1.4. Identifikation
4.2. Integrationsziele
4.3. Daten und Fakten zur Integration in Deutschland
4.3.1.Einige Daten zur Integrationsförderung
4.3.2. Bildung
4.3.3. Berufliche Qualifikationen und Erwerbslosigkeit
4.4. Migration und Kriminalität
4.4.1. Entwicklung der Ausländerkriminalität aus Sicht der Bevölkerung
4.4.2. Die begrenzte Aussagekraft von PKS- Daten
zur ausländischen Kriminalität

5. Regionale Unterschiede der Migration in Deutschland
5.1. Binnenwanderungen innerhalb Deutschlands seit
5.2. Der Ausländeranteil in Deutschland
5.3. Die demographische Situation innerhalb der Metropolen
5.4. Der Einfluss wirtschaftlicher Faktoren
5.5. Regionale Integrationspolitik
5.6. Ausblick

6. Nachwort

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ausländer in Deutschland seit 1950

Abbildung 2: Anteil bestimmter Staatsangehöriger an allen Ausländern

Abbildung 3: Asylbewerberzugänge in Deutschland seit 1970

Abbildung 4: Migrationshintergrund der Bevölkerung 2005

Abbildung 5: Anteil der Schulabsolventen nach Nationalität und Geschlecht 2005

Abbildung 6: Der Ausländeranteil in Deutschland 2006Seite 27

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bevölkerung und Ausländeranteil in der EU 2006

Tabelle 2: Tatverdächtigenanteile Nichtdeutscher für verschiedene Deliktgruppen, Deutschland 2002

1.Vorwort

„Man is of all sort of luggage the most difficult to be transported” (SMITH 1776/1993, 74)

In Zeiten der Globalisierung, des technologischen Fortschritts und der zunehmenden Öffnung von Staatsgrenzen, wurde die Mobilität der Bevölkerung nachhaltig erhöht. Weltweit betrachtet besitzen momentan, nach Angaben der Vereinten Nationen, mehr als 190 Millionen Menschen einen Wohnsitz welcher sich außerhalb ihres ursprünglichen Geburtslandes befindet. (BMI 2008, 2) Dies entspricht ungefähr 3% der gesamten Weltbevölkerung. (ZIMMERMANN/ HINTE 2005, 1)

Dieser Prozess gilt jedoch hiermit noch lange nicht als abgeschlossen oder endgültig. Täglich wird die Welt Zeuge tausender Migrationsbewegungen, aus unterschiedlichsten Gründen heraus resultierend und zumeist hinter den Grenzen demokratischer, wirtschaftlich weiter entwickelter Staaten endend. (BMI 2008, 2) Oftmals steht die Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen im Vordergrund. Sei es ein lukrativerer Arbeitsmarkt, eine Steigerung des persönlichen Einkommens oder der Wunsch, Teil der westlichen Wohlstandsgesellschaft zu sein, Luxus zu erlangen, materiell oder ideell, am besten gleich beides, der eine Einzelperson oder ganze Familien zur Wohnsitzänderung im großen Stil bewegt. Häufig sind es jedoch auch Faktoren wie beispielsweise Unterdrückung, Gewalt, Krieg und Verfolgung im Heimatland, die Bevölkerungsgruppen ins Exil verfrachten oder zur Flucht zwingen können. Große internationale, wirtschaftliche Differenzen sowie katastrophale Umweltbedingungen tragen ihren Teil dazu bei.

Aufgrund jener verschiedener Beweggründe, welche besagte Wanderungsprozesse aktivieren, werden Migranten von den Gesellschaften der Aufnahmeländer in unterschiedliche Gruppen unterteilt. So wird mittlerweile im alltäglichen Sprachgebrauch zwischen Arbeitsimmigranten, Aussiedlern, Asylbewerbern, Bürgerkriegsflüchtlingen, Vertriebenen und legalen sowie illegalen Einwanderern unterschieden. (KAWAMURA-REINDL/ KEICHER/ KRELL 2002, 7)

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gründung der Bundesrepublik 1949, entwickelte sich Deutschland zu einem der weltweit wichtigsten Zuwanderungsländer in dem Millionen von Menschen eine neue Heimat erhielten. Jene Einwanderer trugen entscheidend zum Anstieg der deutschen Wirtschaft bei, halfen dem Staat die kriegsbedingten Schäden und Problematiken zu überwinden und legten gemeinsam mit der ansässigen Bevölkerung die Grundlage zur heutigen Wohlstandsgesellschaft sowie zur Etablierung Deutschlands zu einer immer noch führenden Industrienation. (BMI 2008, 2) Derzeit leben ungefähr 7 Millionen ausländische Mitbürger in Deutschland, was einem prozentualen Anteil von mehr als 8%, in Bezug auf die Gesamtbevölkerung, entspricht. (ÖZCAN 2007, 1) Zudem besitzen momentan ungefähr dreißig Prozent aller Kinder und Jugendlichen innerhalb der Bundesrepublik einen Migrationshintergrund, was den Wandel zu einer multikulturellen Gesellschaft, was von Seiten der Politik oftmals bestritten wird, zunehmend beschleunigt. (KAWAMURA- REINDL/ KEICHER/ KRELL 2002, 7)

Anhand dieser Daten wird offensichtlich, dass eine zahlenmäßig so große Menge an Zuwanderern einen Staat nicht ausschließlich bereichert und interne Problematiken lösen kann, sondern ihn ebenfalls vor große Herausvorderungen stellt. Wenn viele Nationalitäten innerhalb eines begrenzten Raumes aufeinander treffen und ohne große Vorbereitungszeit gezwungen sind miteinander zu leben und zwischenmenschlich zu agieren, so kann dies nicht ohne Reibungen und einer mehr oder weniger langen Phase des Kennenlernens und gegenseitigen Verstehens sofort funktionieren. Zu groß sind häufig die kulturellen und sprachlichen Barrieren, die Diskrepanz innerhalb der Tradition, Religion und des Lebensstils zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

So bedarf es ständiger Arbeit und Zeit bis sich Verständnis gegenüber dem jeweiligen Fremden entwickelt und Vorurteile abgebaut oder entkräftet werden können. Somit hängt es nicht nur von der Bereitschaft der Migranten ab, in wiefern sie sich anpassen und Verständnis für neue Gesetzte und Verhaltensweisen innerhalb der neuen Heimat aufbringen können und wollen, sondern auch von der Bereitschaft der einheimischen Bevölkerung sich mit den Fremden auseinander zusetzen und dies mit Offenheit und Toleranz, statt mit Misstrauen und Ablehnung.

Diese unterschiedlichen Faktoren liefern zunächst nur die Grundlage für einen erfolgreichen Integrationsprozess, welcher im Idealfall mit der Einbürgerung des Einwanderers, nach dessen mehrjährigem Aufenthalt im Staat, beendet und abgeschlossen wird. Vorraussetzung für jenen genannten Prozess ist zweifelsohne eine sinnvoll geregelte Steuerung, gegebenenfalls eine Beschränkung der Migration. Die Integrationsfähigkeit einer Gesellschaft, in diesem Fall der deutschen, ist sicherlich abhängig von der Menge der Zuwanderer. Diese Erkenntnis ist seit dem 1.Januar 2005 im Aufenthaltsgesetz in Paragraph 1 festgehalten. (BMI 2008, 2)

Doch wie wirkt sich nun die große Anzahl an Zuwanderern auf die Gesellschaft in Deutschland aus? Kann von einem gelungenen Integrationsprozess gesprochen werden oder eher von einem fehlgeschlagenen Konzept? Die folgende wissenschaftliche Arbeit soll Aufschluss über die verschiedenen Arten der Zuwanderung, deren Entwicklung und die Verteilung der Migranten innerhalb der Bundesrepublik geben, Vorteile und Probleme aufzeigen und gegebenenfalls Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen erörtern. Die Binnenwanderungsprozesse innerhalb Deutschlands werden zusätzlich dargestellt. Des Weiteren wird abschließend die Frage betrachtet, wer als Gewinner und andererseits als Verlierer aus den Wanderungsprozessen hervorgeht.

2. Definition von Migration

„ und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt“ (2.MOSE 3, 8)

Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit betrachten, so ist festzustellen das die Wanderung von Individuen und Bevölkerungsgruppen ein zentrales Motiv einnimmt. Die Motive, welche als Indikatoren dienen sind, wie bereits erwähnt, äußerst unterschiedlich. Aber was bedeutet Migration nun eigentlich? Was ist darunter zu verstehen? Einen Versuch liefern Polachek und Horvath, die behaupten es handele sich bei Migration um „ the flow of people from one given point or set of points in space to another point or set over some finite time interval”. (POLACHEK/ HORVATH 1977, S. 105)

Dem zur Folge beinhaltet Migration eine jeweilige Ortsveränderung, welche an eine bestimmte Distanz und eine zugehörige Dauer gebunden ist. Allerdings wird auch hierbei die Dauer oder die jeweilige Distanz nicht genauer definiert, ebenso wenig der Übergang eines kurzfristigen Ortswechsels zu einem langfristigen. (MÖLLER 2002, 17) Auch andere Definitionen geben keinen vollständigen Aufschluss über den Begriff der Migration.

Fest steht jedoch, dass Migration als Synonym für einen dauerhaften Wohnortwechsel innerhalb eines Raumes verwendet wird, bezogen auf Einzelpersonen, Gruppen oder eine ganze Gesellschaft. Die Faktoren welche einen solchen Vorgang auslösen, sind jeweils verschieden. Des Weiteren sollte zwischen internationaler Migration, welche das Verlassen eines Staates beinhaltet, sowie Wanderungsprozessen innerhalb eines begrenzten Raumes, der Binnenmigration unterschieden werden.

2. 1. Die Geschichte der Migration nach Deutschland

Der folgende Abschnitt 2.1 soll lediglich einen kurzen, groben Überblick über einige ausgewählte Ereignisse mit Migrationsthematik liefern, welche innerhalb Deutschlands seit der Mitte des 17. Jahrhunderts stattfanden. Auf die Geschichte der Zuwanderung nach 1945 wird in Kapitel 2.2. genauer und intensiver eingegangen. Migration im deutschsprachigen Raum beinhaltete nicht ausschließlich friedliche Wanderungsbewegungen mit anschließend unproblematischer Integration sondern war überwiegend geprägt von kriegerischen Grenzübertritten, Eroberungen, Flucht und Zwangsumsiedlungen. Statt Integration wurde Ausgrenzungspolitik betrieben, Minderheiten entwickelten sich, wurden dazu bestimmt, bewusst ausgegrenzt, vertrieben und bekämpft. Grenzen verliefen nicht statisch, sie veränderten sich, gingen mit den Menschen, teils über sie hinweg. Einheimische, fest verwurzelt in der ursprünglichen Heimat, wurden plötzlich zu Fremden innerhalb ihres eigenen Landes. (BADE 2004, 501)

2.2. Zur Geschichte der Migration in Deutschland vor 1945

Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges (1618- 1648) wurde ein Bevölkerungsrückgang von ungefähr 33% festgestellt. Die Gebiete, welche regional am meisten vom Tod der Bewohner betroffen waren, entpuppten sich als ideale Zuwanderungsregionen für Menschen aus überbevölkerten Räumen. (BADE 2004, 503) Ein weiteres Beispiel für Zuwanderung liefert Preußen, welches in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen Ansturm an protestantischen, französischen Flüchtlingen aufzunehmen hatte. Es kamen ungefähr 20.000 Hugenotten nach Brandenburg- Preußen, was in bezug auf die Anzahl der damaligen Bevölkerung eine enorme Menge darstellte. Die Integration verlief nicht ohne Konflikte, führte letztendlich jedoch zu einer Bereicherung sowie zu einem Wachstum der Gesellschaft.

Des weiteren siedelten sich nach Beendigung des deutsch- französischen Krieges (1870/ 1871) zahlreiche polnische Migranten im Ruhrgebiet an (BMI 2008, 12) da jene Region aufgrund ihres wirtschaftlichen Wachstums an Attraktivität gewann. (BADE 2004, 515) Allerdings gab es in der deutschen Geschichte ebenfalls Epochen der Abwanderungen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Abwanderung von hundertausenden von Menschen aufgrund von Armut, Hunger und Elend in Richtung Russland, Kanada, Südamerika oder in die USA. Zur selben Zeit ließen einige Hessen und Pfälzer ihre vertraute Umgebung hinter sich und fungierten im benachbarten Frankreich als Arbeitskräfte, die Anteil am Ausbau des Eisenbahn und Kanalnetzes hatten.

Doch auch Vertreibung von Bevölkerungsgruppen und überlebensnotwendige Flucht ereignete sich auf deutschem Boden. Während des Naziregimes sahen viele Menschen den einzigen Ausweg im Verlassen der Heimat und dem Aufbau einer neuen Existenz in einem fremden Land. (BMI 2008, 12-13)

2.3. Zur Geschichte der Migration in Deutschland nach 1945

Als Folge des Zweiten Weltkrieges war Deutschland im Zeitraum zwischen 1945 und 1950 gezwungen mehr als 12 Millionen Vertriebene und Flüchtlinge als deutsche Staatsbürger in das Gebiet der späteren Bundesrepublik aufzunehmen. (ÖZCAN 2007, 2) 1950 betrug der Anteil der ausländischen Mitbürger nur ungefähr ein Prozent der Gesamtbevölkerung, was einer Anzahl an 500.000 Menschen entsprach.

Erst in der Folgezeit stieg die Aufnahme an Migranten rapide an. Den Großteil der Zuwanderer stellten Gastarbeiter hauptsächlich zwischen 1955 und 1973 dar, ebenso erfolgte ein enormer Zuwachs an Asylbewerbern, welcher ab Ende der achtziger Jahre immer stärker wurde. ( BMI 2008, 13) Nicht zu Vergessen sind die 3,8 Millionen Flüchtlinge aus Ostdeutschland die nach Gründung der DDR 1949 bis zum Bau der Mauer 1961 in den Westen übersiedelten. (ÖZCAN 2007, 2)

Je mehr die Zahl an Zuwanderern in Deutschland anwuchs und sich die Nachzüge der jeweiligen Familien immer weiter ausbauten, desto mehr wuchs zwangsläufig auch die Zahl der ausländischen Bevölkerung in Deutschland zunehmend an. Des Weiteren vervollständigten Kinder der zweiten Generation, geboren in der Bundesrepublik, die Statistik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Ausländer in Deutschland seit 1950

Quelle: BMI (2008): Migration und Integration, S. 27

Die einzelnen Zuwanderungsgruppen sollen nun etwas genauer betrachtet werden.

2.3.1. Gastarbeiter

Durch den deutschen Wirtschaftsaufschwung, dem sogenannten Wirtschaftswunder, wuchs im Laufe der 50er Jahre der Bedarf an Arbeitskräften, da nicht mehr genügend inländische Arbeiter zur Verfügung standen. Dabei mangelte es der Wirtschaft nicht unbedingt an hochqualifizierten Personen, oftmals wurden eher Menschen mit einfacheren Berufsausabschlüssen gesucht, auch Hilfsarbeiter die für viele Arbeitsstellen, welche keine abgeschlossenen Berufsausbildungen voraussetzen, in Frage kamen. Daraufhin entschloss sich die Bundesregierung 1955 erstmals, ein Anwerbeabkommen von Arbeitskräften mit Italien zu vollziehen.

Weitere solcher Vereinbarungen wurden in der Folgezeit mit Spanien und Griechenland (1960), mit der Türkei (1961) und mit Jugoslawien (1968) getroffen. (ÖZCAN 2007, 2) Zu Beginn der Gastarbeiterepoche erhöhte sich die Zuwanderung bis 1961 allerdings nur um ungefähr 200.000 Menschen. Da nach dem Mauerbau die ostdeutschen Flüchtlinge als neue Arbeitskräfte nun schlagartig wegfielen, es zur Verkürzung der Arbeitszeit der deutschen Arbeitnehmer kam und sich die Anzahl an Erwerbstätigen innerhalb der Bundesrepublik um 2,3 Millionen verringerte, fokussierte sich der deutsche Staat zunehmend auf verstärkte Anwerbungen von Gastarbeitern. 1973 kamen knapp 12% aller Erwerbstätigen innerhalb Deutschlands ursprünglich aus dem Ausland, 1960 betrug die Anzahl 1,3%. Die erste Generation der ausländischen Arbeitskräfte bestand weitestgehend aus alleinstehenden Personen, hauptsächlich Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren. Italiener, Spanier und Griechen prägten bis Ende der 60er Jahre das Bild der ausländischen Bevölkerung, ehe ihre zahlenmäßige Vormachtstellung von Jugoslawen und Türken abgelöst wurde. Letztere waren beispielsweise 1973 schon mit 23% an der gesamten ausländischen Bevölkerung vertreten.

Die meisten Gastarbeiter fanden ihren Wohnsitz innerhalb der Bundesländer von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfahlen. (BMI 2008, 14-15) Ursprünglich war ein dauerhafter Aufenthalt in der Bundesrepublik allerdings nicht vorgesehen. Die Gastarbeiter sollten nach Ablauf eines befristeten Arbeitsvertrages wieder die Rückreise in ihre jeweiligen Heimatländer antreten, während bei Bedarf neue Beschäftigte angeworben werden sollten um die freien Stellen auszufüllen. Dieses geplante „Rotationsmodell“ hätte innerhalb der Wirtschaft allerdings zur Folge gehabt, ständig eine Masse an neuen, ungelernten Arbeitskräften aufzufangen und erneut auszubilden.

Viele Arbeitgeber waren nicht bereit dieses Modell zu stützen, sondern hielten an ihren ausgelernten Mitarbeitern fest. Daraufhin wurden 1971 die Aufenthaltsgenehmigungen erleichtert, die Gastarbeiter etablierten sich innerhalb der Gesellschaft und ganze Familien aus den Heimatländern zogen nach. (ÖZCAN 2007, 2) Die Hoffnung auf Wohlstand, besseres Einkommen und positive Zukunftsprognosen erleichterte den Menschen ihre Entscheidung die Heimat zu verlassen. Zudem förderte das Gesetz des Anwerbestopps von 1973 die Entscheidung sich fest innerhalb der Bundesrepublik zu etablieren. Der Beschluss verhinderte die Möglichkeit für einen gewissen Zeitraum wieder in die Heimat zurückzukehren, um später erneut in Deutschland Arbeit zu erhalten. Viele Gastarbeiter standen nun zwangsläufig vor der Entscheidung das Kapitel Deutschland für immer zu beenden, trotz aller Vorzüge und Aufstiegschancen welche die damalige Zeit zu bieten hatte, oder den Lebensmittelpunkt für sich und gegebenenfalls den der Angehörigen vollständig und dauerhaft in den neuen Staat zu verlegen.

Eine größere Menge entschied sich für die letztere Variante und ließ ihre Familien nachkommen. Die Zahl der Ausländer erhöhte sich bis 1988 nur langsam, ausgehend von 4 auf 4,8 Millionen. Allerdings hatte der ab 1985 verstärkte Zuzug von Asylbewerbern sowie die hohe Geburtenrate ausländischer Kinder, nicht zu vergessen der Mauerfall und die damit verbundene Öffnung gegenüber den ehemaligen Sowjetstaaten zur Folge, dass sich 1996 bereits 7,3 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik aufhielten. (BMI 2007, 15-16)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Anteil bestimmter Staatsangehöriger an allen Ausländern

Quelle: BMI (2008): Migration und Integration, S.15

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Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Regionale Unterschiede der Migration in Deutschland
Untertitel
"Gewinner und Verlierer der Wanderungen"
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Karlsruher Institut für Technologie (KIT))
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
35
Katalognummer
V149570
ISBN (eBook)
9783640601752
ISBN (Buch)
9783640601431
Dateigröße
1589 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Migrationsgeschichte, Migration in Deutschland
Arbeit zitieren
Julian Hofmann (Autor), 2009, Regionale Unterschiede der Migration in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149570

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