Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - National Socialism, World War II

Welchen Stellenwert besaß der Naturschutz während des Baues der Reichsautobahn 1933–1941?

Title: Welchen Stellenwert besaß der Naturschutz während des Baues der Reichsautobahn 1933–1941?

Seminar Paper , 2010 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Heiko Neumann (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Begriff Reichsautobahn (RAB) als Produkt der Technik des 20. Jahrhunderts beinhaltet unterschiedlichste Blickwinkel und Herangehensweisen. Die Forschung der letzten zwanzig Jahre wies im überwiegenden Maße auf die Legenden- und Mythenbildung der „Straßen des Führers“ hin. In breiten Kreisen der deutschen Bevölkerung soll bis zum heutigen Tage noch daran geglaubt werden, dass sowohl die Idee der „Nur-Autostraßen“ von Hitler stamme, als auch die Mär von 300.000 Beschäftigten der Wahrheit entspräche. Die vorliegende Arbeit wird diese Tatsache zwar nicht unbeachtet lassen, sich aber nur peripher damit beschäftigen.
Der Untersuchungsschwerpunkt wird die nationalsozialistische Technik, in Form der RAB, in Verbindung mit der Natur sein. Joachim Radkau weist im Zuge dieser Fragestellung auf das Paradox hin, dass eine als deutlich negativ bewertete Epoche deutscher Geschichte eventuell auch positive Merkmale, in Form eines praktizierten Naturschutzes mit sich bringen könnte.
Die Analyse dieser Annahme soll das Kernstück der vorliegenden Arbeit ausmachen, gerade unter dem Hintergrund, dass ein totalitärer Staat erheblich schneller und ungehinderter Naturschutzmaßnahmen durchsetzen könnte, als konfliktimmanente Demokratien.
Die Frage nach der Verbindung von Naturschutz und Nationalsozialismus beschäftigte schon den wissenschaftlichen Fachkongress im Juli 2002, zu dem der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin und die Stiftung Naturschutzgeschichte einlud. Die Ergebnisse des Kongresses wurden in dem Band „Naturschutz und Nationalsozialismus“ zusammengefasst. Der Fachkongress erarbeitete durch vielfältige Gastbeiträge erstmals ein umfassendes Bild, dieses noch recht jungen Forschungsfeldes der Geschichtswissenschaft, welches sich erst in den 1990er Jahren etablieren konnte. In diesem Werk erklärt Albert Schmidt, dass erst Anfang der 1980er Jahre Gert Gröning und Joachim Wolschke-Buhlmahn die ersten Forschungsbeiträge zum Themenfeld veröffentlichten. Dadurch kommt es, dass das Thema Naturschutz nicht so stark überladen ist, wie andere Themen der nationalsozialistischen Geschichtsaufarbeitung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Unheilvoller Nationalsozialismus als heilbringender Naturschutzdespot ?

2. Zeitliche Einordnung und Hintergründe zum Bau der Reichsautobahn

3. Die nationalsozialistische Bedeutung von Natur und Naturschutz

4. Die Reichsautobahn im ideologischen Spannungsfeld

4.1 Die Sinnfrage der Reichsautobahn

4.2 Harmonieästhetik- und Landschaftsschutzgedanke der Reichsautobahn

5. Landschaftsanwälte – das lückenhafte Gewissen der deutschen Landschaft?

6. Bedeutung des Reichsnaturschutzgesetz von 1935

7. Nationalsozialisten als bedeutende Naturschützer?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den ideologischen Stellenwert des Naturschutzes während des Baues der Reichsautobahn in den Jahren 1933 bis 1941 und analysiert, ob eine Harmonisierung zwischen dem totalitären Projekt der Technik und dem damaligen Naturschutzanspruch tatsächlich stattfand oder lediglich propagandistisch instrumentalisiert wurde.

  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen nationalsozialistischer Technikideologie und Naturschutz.
  • Untersuchung der Sinnfrage und Wirtschaftlichkeit des Baues der Reichsautobahn.
  • Evaluation der Rolle und des tatsächlichen Einflusses der sogenannten "Landschaftsanwälte".
  • Kritische Würdigung des Reichsnaturschutzgesetzes von 1935 in der Praxis.
  • Beurteilung der nationalsozialistischen Naturschutzauffassung im Kontext der Rassen- und Expansionspolitik.

Auszug aus dem Buch

4.2 Harmonieästhetik- und Landschaftsschutzgedanke der Reichsautobahn

Die Grundlage des Baues der RAB wurde durch gewisse Prämissen vorbestimmt. Da die „Deutsche Technik“ nach Meinung der Nationalsozialisten nur einen positiven Landschaftseffekt aufwies, schien es auf der Hand zu liegen, dass die RAB die Landschaft noch schöner mache als sie vorher war. Dies geschah durch die Abkehr von der liberalistischen Technik aus der demokratischen Zeit, durch die Einführung der erwähnten „Deutschen Technik“. Diese „Deutsche Technik“ verschrieb sich dem Organismus der Landschaft, passte somit die RAB, im Gegensatz zu der landschaftlich brutal zerschneidenden Eisenbahntrasse, der Landschaft an. Als Sinnbild dafür stand die Einführung der „Geschwungenen Linie“ bei der Autobahntrasse. Diese Linie galt daher „Adern vergleichbar, durch die Lebenssäfte strömen“.38 Im Gegensatz zur Eisenbahn nivellierten die Ingenieure für die RAB keine Höhenzüge, sondern ließen den „autowandernden“ Volksgenossen über anschauliche Bergkämme schreiten, der dafür ausschweifende Panoramablicke genießen durfte, welche einem Filmerlebnis gleichkommen sollten. Hierbei wurde ebenfalls bewusst auf den geringen Eingriff in die Natur geachtet, den eine an die Landschaft angepasste Trassierung mit sich brachte.39 Die Einbettung und Verbindung der Trasse mit der Landschaft diente dem Gewinn von Ganzheitlichkeit zwischen Natur und Technik.40 Somit gestaltete sich die RAB als Gegenpol zur „Kunstbahn“ der Eisenbahntrasse und hatte mit den Worten von Reichsschulungsverwalter Emil Maier-Dorn das Ziel, „nicht die kürzeste, sondern die edelste Verbindung zweier Punkte […] zu schaffen“41.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung – Unheilvoller Nationalsozialismus als heilbringender Naturschutzdespot ?: Die Einleitung beleuchtet den Forschungsstand zur Reichsautobahn und führt in die zentrale Fragestellung ein, ob ein totalitäres Regime Naturschutzmaßnahmen effektiver umsetzen konnte als eine Demokratie.

2. Zeitliche Einordnung und Hintergründe zum Bau der Reichsautobahn: Dieses Kapitel ordnet den Bau historisch ein und entlarvt den propagandistischen Mythos der Autobahn als bloße Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zugunsten einer militärischen und ideologischen Instrumentalisierung.

3. Die nationalsozialistische Bedeutung von Natur und Naturschutz: Hier werden die rassenideologischen Grundlagen des nationalsozialistischen Naturschutzverständnisses analysiert, das Natur und Landschaft eng mit dem "nordisch-arischen" Menschen verknüpfte.

4. Die Reichsautobahn im ideologischen Spannungsfeld: Dieses Kapitel hinterfragt die Notwendigkeit des Bauvorhabens und untersucht das ästhetische Konzept der Harmonisierung von Technik und Natur mittels der sogenannten "Geschwungenen Linie".

5. Landschaftsanwälte – das lückenhafte Gewissen der deutschen Landschaft?: Es wird die Rolle der Landschaftsarchitekten als Berater der Bauleitung beleuchtet, deren Einfluss jedoch aufgrund des Primats der Technik meist frustrierend blieb.

6. Bedeutung des Reichsnaturschutzgesetz von 1935: Das Kapitel analysiert die gesetzliche Verankerung des Naturschutzes und zeigt auf, dass dieses Gesetz durch Ausnahmeregelungen für Großprojekte wie die Autobahn in der Praxis weitgehend wirkungslos blieb.

7. Nationalsozialisten als bedeutende Naturschützer?: Das Fazit stellt fest, dass Naturschutz im Nationalsozialismus stets den autarken und militärischen Zielen untergeordnet war und somit als eigenständiges ökologisches Anliegen nicht existierte.

Schlüsselwörter

Reichsautobahn, Naturschutz, Nationalsozialismus, Technikgeschichte, Landschaftsgestaltung, Ideologie, Propaganda, Alwin Seifert, Reichsnaturschutzgesetz, Landschaftsanwälte, Autarkie, Rassenhygiene, Fritz Todt, Umweltgeschichte, Harmonieästhetik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Naturschutz und Technik unter dem Nationalsozialismus am Beispiel des Baus der Reichsautobahnen zwischen 1933 und 1941.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die ideologische Instrumentalisierung von Natur, die Ästhetisierung von Infrastrukturprojekten sowie die Rolle von Landschaftsarchitekten in einem totalitären System.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob die Nationalsozialisten tatsächlich als Naturschützer agierten oder ob Naturschutz lediglich ein propagandistisches Mittel zur Kaschierung von Rüstungs- und Infrastrukturinteressen war.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Fachliteratur und der Analyse des damaligen ideologischen Diskurses basiert.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil besonders im Fokus?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Sinnfrage des Autobahnbaus, der Rolle der Landschaftsanwälte und dem tatsächlichen Stellenwert des Reichsnaturschutzgesetzes von 1935.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Reichsautobahn, nationalsozialistische Ideologie, Landschaftsgestaltung, Autarkiebestreben und das Spannungsfeld zwischen Naturzerstörung und Technikmythos.

Was waren die sogenannten Landschaftsanwälte?

Dies waren Garten- und Landschaftsarchitekten, die offiziell die Bauabschnitte ästhetisch gestalten sollten, jedoch aufgrund des politischen Vorrangs der Technik meist nur begrenzten Einfluss auf den tatsächlichen Naturschutz hatten.

Warum war das Reichsnaturschutzgesetz von 1935 für den Autobahnbau kaum relevant?

Durch spezielle Erlasse wurde die Reichsautobahn faktisch aus dem Geltungsbereich des Naturschutzgesetzes ausgeklammert, um den Baufortschritt nicht durch ökologische Bedenken zu behindern.

Excerpt out of 19 pages  - scroll top

Details

Title
Welchen Stellenwert besaß der Naturschutz während des Baues der Reichsautobahn 1933–1941?
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte, Lehrstuhl für Technik- und Technikwissenschaftsgeschichte )
Course
Technik, Macht, Natur: Wechselwirkungen im 19. und 20. Jahrhundert
Grade
1,3
Author
Heiko Neumann (Author)
Publication Year
2010
Pages
19
Catalog Number
V149594
ISBN (eBook)
9783640602933
ISBN (Book)
9783640602124
Language
German
Tags
Reichsautobahn RAB Naturschutz Landschaftsschutz Nationalsozialismus Alwin Seifert Landschaftsanwälte Reichslandschaftsanwalt Reichsnaturschutzgesetz Motorisierung Umweltschutz Landschaft Landschaftsästhetik Fritz Todt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heiko Neumann (Author), 2010, Welchen Stellenwert besaß der Naturschutz während des Baues der Reichsautobahn 1933–1941?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149594
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  19  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint