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Das Sexualitätsdispositiv. Foucaults Machtbegriff zwischen Lust und Wissen

Title: Das Sexualitätsdispositiv. Foucaults Machtbegriff zwischen Lust und Wissen

Term Paper , 2022 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thorsten Schmidt (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Wie ist Sexualität geworden, was sie heute ist? Und wenn sie ist, was ist sie dann eigentlich? Welche Determinanten formieren das Wissen über sie? Was hat es mit der Lust auf sich? Welche Kräfte walten um sie herum? Inwiefern gilt Begehren als etwas Verborgenes, als Aufzudeckendes. Und welche Macht geht aus dem hervor, was über den Sex gesagt und nicht gesagt werden soll?

Die vorliegende Arbeit untersucht Foucaults Begriff des Sexualitätsdispositivs und rekonstruiert die epistemologische Herangehensweise seiner Machtanalytik. Dreh- und Angelpunkt ist Foucaults produktives Machtkonzept, das sich von negativen, souveränen Machtkonzeptionen unterscheidet.
Neben historischen Analysen, wie sie im ersten Band (Der Wille zum Wissen) seiner vierbändigen Studien zur Geschichte der Sexualität zu finden sind, wird Foucaults Machtbegriff definiert, entfaltet und diskutiert - so findet sich auch der Widerstand als eine Facette derselben Macht wider. Darüber hinaus macht die Arbeit den Unterschied zwischen Biomacht und Biopolitik deutlich und zeigt damit, dass Foucaults Denken nichts an Aktualität und Relevanz für gegenwärtige Gesellschaftsbetrachtungen eingebüßt hat.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von der Lust zur Sexualität

2.1 Sex, Geschlecht und Sexualität

2.2 Das Geständnis als Methode der Wahrheitsproduktion

2.3 Wissenschaftliche Erpressung

3. Das Sexualitätsdispositiv

3.1 Diskurs vs. Dispositiv

3.2 Macht

3.2.1 Juridische und repressive Macht

3.2.2 Repression und Psychoanalyse

3.2.3 Strategische Macht

3.2.4 Widerstand und Machtumsturz

3.3 Komplexe und Strategien zur Sexualitätsproduktion

3.4 Biomacht vs. Biopolitik

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Michel Foucaults machtanalytische Perspektive auf die Entstehung und Formierung von Sexualität in der Moderne. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie nicht eine unterdrückte Triebkraft, sondern ein Wissenswille („Willen zum Wissen“) und Machtdispositive die moderne Auffassung von Sexualität und Wahrheit konstituieren.

  • Foucaults Machtbegriff zwischen juridischer Repression und strategischer Produktivität
  • Die Rolle des „geständnisbasierten“ Wissens in der Sexualwissenschaft
  • Differenzierung von Diskurs und Dispositiv als analytische Werkzeuge
  • Die Bedeutung der Biomacht und die Steuerung über den „Gattungskörper“
  • Strategische Komplexe zur Sexualitätsproduktion (z.B. Psychopathologisierung)

Auszug aus dem Buch

3.2.4 Widerstand und Machtumsturz

Nun könnte man meinen, die strategische Macht als subjekt-enthobene und quasi-metaphysische determiniere die vielfältigen Verhältnisse, ein Zugang bliebe dem Subjekt verwehrt und damit auch jegliche Möglichkeit der Einflussnahme. Dieser deterministischen Befürchtung ist mit Foucault zu entgegnen: „Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand.“ Dabei ist der Widerstand nichts von der Macht Getrenntes, sondern etwas der Macht Integrales – der Widerstand gehört zur Macht, ist sozusagen eine Facette der Macht. Unterstellt man den polymorphen Kraftverhältnissen richtungsweisenden Charakter, könnte man sich den Widerstand als einen gegenläufigen Vektor zur referentiellen, eben derjenigen Kraft vorstellen, der gegenüber sie widerstehen bzw. Widerstand leisten will. Die Macht spannt ein modales Feld multipler und variabler Kraftverhältnisse, die in potenziell unendlich vielen verschiedenen Formen in Erscheinung treten können.

Widerstand ist also ebenso wenig negativ zu denken als ein Nein-zur-Macht, er ist so positiv wie die strategische Formel der Kraftverhältnisse. Widerstand als Überbegriff subsumiert viele Einzel-Widerstände. Die Vielheit des Widerstandes korrespondiert mit der Vielfalt der Kraftverhältnisse. Dabei lässt Foucault die Frage nach der Funktion bzw. nach einer möglichen Realisierung von Widerstand und Machtumsturz innerhalb des Dispositivs unbeantwortet. In der Diskussion fordert Jürgen Link die Berücksichtigung folgender Aspekte: a) Eine Kopplungstendenz von disponierenden (Experten) bzw. disponierten (Laien) Subjektivitäten untereinander. Die Subjektivitäten können innerhalb des Dispositivs unterschiedliche „Subjekt-Stellen“ besetzen – Kraft der Kopplung bilden die Subjektivitäten klassenbildendes und damit machtveränderndes Potenzial.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach der historischen Kontingenz der Sexualität und führt in Foucaults machtanalytischen Ansatz ein.

2. Von der Lust zur Sexualität: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Sex und Sexualität und erörtert das Geständnis als instrumentelle Wahrheitsproduktion.

3. Das Sexualitätsdispositiv: Das Hauptkapitel analysiert das Gefüge aus Diskursen, Machtmementen und Wissensstrategien, die den modernen Sexualitätsbegriff konstruieren.

4. Fazit: Der Schlussteil reflektiert die Relevanz von Foucaults machttheoretischen Beobachtungen für eine kritische Sexualitätsforschung und die heutige Lebensoptimierung.

Schlüsselwörter

Michel Foucault, Machtanalyse, Sexualität, Sexualitätsdispositiv, Wissen, Wahrheit, Geständnis, Diskurs, Macht, Widerstand, Biomacht, Biopolitik, Psychopathologisierung, Subjektivierung, Scientia sexualis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Sie beleuchtet Michel Foucaults Analyse der Sexualität, insbesondere wie gesellschaftliche Wissenssysteme und Machtstrukturen unser Verständnis von Begehren und Identität formen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Geschichte der Sexualitätsdiskurse, die Funktion von Machtbeziehungen abseits von Verboten sowie das Verhältnis von biologischem Leben und politischer Steuerung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Foucaultschen Machtbegriff – speziell das Sexualitätsdispositiv – theoretisch durchdrungen auf die historischen und methodischen Bedingungen der Sexualwissenschaft anzuwenden.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit verfolgt einen historisch-deskriptiven und kulturwissenschaftlichen Ansatz, der Foucaults machttheoretische Konzepte auf ihren epistemologischen Gehalt hin analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Dort werden zentrale Begriffe wie Diskurs, Dispositiv, juridische versus strategische Macht sowie konkrete Steuerungsstrategien (z.B. Psychiatrisierung) erläutert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Sexualitätsdispositiv, Macht-Wissen-Komplex, Biomacht, Wahrheitsproduktion und Widerstand.

Inwiefern ist das „Geständnis“ als Machtinstrument zu verstehen?

Bei Foucault bezeichnet das Geständnis nicht eine bloße Offenbarung, sondern einen interaktiven Prozess, in dem Wissen erzeugt und Macht auf den Sprechenden ausgeübt wird.

Wie unterscheidet Foucault zwischen „Biomacht“ und „Biopolitik“?

Während Biomacht die historischen Machtpole beschreibt (Disziplinierung der Körper und Kontrolle der Bevölkerung), bezeichnet Biopolitik die aktive Handlungskomponente, die darauf zielt, Lebensbedingungen bewusst zu optimieren.

Was bedeutet das Zitat „Das Blut der Bourgeoisie war ihr Sex“?

Es verdeutlicht, wie das Bürgertum über gesundheitsorientierte Regulierung der Sexualität (Eugenik) soziale Distinktion und Vorherrschaft gegenüber dem Proletariat sicherte.

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Details

Title
Das Sexualitätsdispositiv. Foucaults Machtbegriff zwischen Lust und Wissen
College
University of Hagen  (Institut für Philosophie)
Grade
1,0
Author
Thorsten Schmidt (Author)
Publication Year
2022
Pages
22
Catalog Number
V1496081
ISBN (PDF)
9783389055007
ISBN (Book)
9783389055014
Language
German
Tags
Der Wille zum Wissen Sozialphilosophie Praktische Kulturphilosophie Sexualitätsdispositiv Macht Produktivität der Macht Biomacht Biopolitik Wahrheitsregime Geständniszwang Geschichte der Sexualität Foucault
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thorsten Schmidt (Author), 2022, Das Sexualitätsdispositiv. Foucaults Machtbegriff zwischen Lust und Wissen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1496081
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