Im Folgenden wird definiert, was ein Substantiv ist, woran man es erkennen kann und welche Schwierigkeiten sich für SchülerInnen bei der Entscheidung, ob ein Wort groß oder kleingeschrieben wird, ergeben. Es werden das wortartbezogene Konzept und der syntaxbasierte Ansatz sowie das morphosyntaktische Kriterium erläutert, um die verschiedenen Ansätze der Vermittlung der Groß- und Kleinschreibung miteinander zu vergleichen. Darüber hinaus werden die Schwierigkeiten der korrekten Schreibung von Desubstantivierungen dargestellt, um im nächsten Schritt auf die Probleme im Erwerb der Groß- und Kleinschreibung einzugehen, da die Großschreibung für viele SchülerInnen an die Wortart Substantiv gekoppelt ist. Darauf aufbauend wird das Konzept des Treppengedichtes zum spielerischen Erlernen der Groß- und Kleinschreibung vorgestellt und die Vor- und Nachteile herausgearbeitet und erläutert, weshalb dies eine angemessene Grundlage für den erweiterten Erwerb der Groß- und Kleinschreibungskenntnisse darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Geschichte der Großschreibung im Allgemeinen
2 Definition des Substantivs
2.1 Das wortartbezogene Konzept
2.2 Das syntaxbasierte Konzept
2.3 Das morphosyntaktische Kriterium
2.4 Desubstantivierungen
3.1 Der Erwerb der satzinternen Großschreibung
3.2 Treppengedichte als Hilfestellung
3.3 Erweiterung der grundlegenden Großschreibungskenntnisse
4 Fazit
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen beim Erwerb der deutschen Groß- und Kleinschreibung bei Schülerinnen und Schülern. Ziel ist es, verschiedene linguistische und didaktische Erklärungsansätze (wortartbezogen, syntaxbasiert, morphosyntaktisch) zu vergleichen und die Wirksamkeit von Treppengedichten als Methode zur Vermittlung syntaktischer Strukturen zu evaluieren.
- Historische Entwicklung der Großschreibung im Deutschen
- Kritische Analyse des wortartbasierten vs. syntaxbasierten Konzepts
- Problematik der Substantivierung und Desubstantivierung
- Didaktische Bedeutung der "Attributierbarkeit" für den Schriftspracherwerb
- Methode der Treppengedichte zur Förderung der Kompetenzentwicklung
Auszug aus dem Buch
3.2 Treppengedichte als Hilfestellung
„Ein Baum Ein großer Baum Ein großer, starker Baum Ein großer, starker, alter Baum Ein großer, starker, alter, kahler Baum erscheint mir im Traum.“
„Ein Wort ist [..] dann großzuschreiben, wenn es durch (flektierte) vorgestellte Attribute erweiterbar ist und wenn es das rechte Ende einer Nominalgruppe darstellt“ (Röber-Siekmeyer 1999, 70). Um den SchülerInnen diese Regel nahezubringen, werden Treppengedichte wie das oben angeführte in den Unterricht integriert. Ein Treppengedicht besteht aus einfachen Paarreimen, „in denen die erste Nominalgruppe stufenweise durch adjektivische Attribute erweitert wird“ (Müller 2016, 180). Hierdurch werde die Wirkungsweise der Attributionsprobe veranschaulicht. Die leichte Anwendung und die anschauliche Darstellung trügen dazu bei, den SchülerInnen spielerisch den korrekten Umgang mit der Groß- und Kleinschreibung beizubringen. (vgl. ebd.).
Die Grundlage zu Beginn der Lehreinheit bildet eine als „Bausteine“ bezeichnete Satzgliederung. Jeder dieser Bausteine endet mit einem Nomen. Die attributiven Adjektive werden hierbei „Einfüll-Wörter“, dem Ansatz entsprechend, genannt. Das Konzept der Treppengedichte vereint demnach grammatische und orthographische Lerngegenstände mit kreativer Textarbeit (vgl. Müller 2016, 180).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Geschichte der Großschreibung im Allgemeinen: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Majuskelverwendung von der bloßen Textgliederung bis zur modernen generellen Substantivgroßschreibung nach.
2 Definition des Substantivs: Hier werden zentrale Schwierigkeiten diskutiert, die bei der Identifikation von Substantiven entstehen, insbesondere wenn Wörter als Verb oder Nomen fungieren können.
2.1 Das wortartbezogene Konzept: Das Kapitel beleuchtet das verbreitete Problem, dass Schülerinnen Substantive primär über deren „Fassbarkeit“ definieren, was bei abstrakten Begriffen zu Schreibfehlern führt.
2.2 Das syntaxbasierte Konzept: Der Fokus liegt auf der Kritik an semantisch-lexikalischen Ansätzen, wobei die Vorteile eines syntaktischen Verständnisses der Nominalgruppe hervorgehoben werden.
2.3 Das morphosyntaktische Kriterium: Eine Vertiefung der funktionalen Rolle kasusbestimmter Satzglieder und deren Bedeutung für die Etablierung nominaler Gruppen.
2.4 Desubstantivierungen: Untersuchung schwierigerer Fälle, in denen Substantive ihre Rektionsfähigkeit verlieren und dadurch kleingeschrieben werden müssen.
3.1 Der Erwerb der satzinternen Großschreibung: Analyse der lernpsychologischen Hürden und der Kritik an einer unzureichenden didaktischen Aufarbeitung in Schulbüchern.
3.2 Treppengedichte als Hilfestellung: Vorstellung des methodischen Ansatzes nach Röber-Siekmeyer, der durch stufenweise Erweiterung von Nominalgruppen syntaktisches Verständnis schafft.
3.3 Erweiterung der grundlegenden Großschreibungskenntnisse: Erörterung, wie das Modell für komplexere Konstruktionen wie Genitivattribute oder Relativsätze geöffnet werden kann.
4 Fazit: Zusammenführende Bewertung, dass das Modell der Treppengedichte eine sinnvolle Ergänzung des Unterrichts darstellt, sofern es schrittweise mit der Komplexität des Stoffes wächst.
Schlüsselwörter
Großschreibung, Kleinschreibung, Substantivierung, Syntax, Nominalgruppe, Attributierbarkeit, Schriftspracherwerb, Treppengedicht, Orthographiedidaktik, Sprachbewusstsein, Majuskelgebrauch, Wortart, Morphosyntax, Grammatikunterricht, Artikelprobe
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Probleme beim Erlernen der Groß- und Kleinschreibung im Deutschen und bewertet die Effektivität didaktischer Hilfsmittel, insbesondere von Treppengedichten, um Schülerinnen und Schülern ein Verständnis für syntaktische Strukturen zu vermitteln.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit adressiert?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Rechtschreibregeln, linguistischen Ansätzen zur Substantivdefinition (wortartbezogen vs. syntaxbasiert) und den spezifischen Herausforderungen bei Substantivierungen und Desubstantivierungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nutzen verschiedener Vermittlungsansätze zu hinterfragen und zu zeigen, wie Schülerinnen durch spielerische Methoden wie Treppengedichte ein tieferes Verständnis für die funktionale Rolle der Großschreibung gewinnen können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse orthographischer Theorien und didaktischer Konzepte, die linguistische Primärliteratur mit aktuellen Ansätzen zur Schriftsprachvermittlung verknüpft.
Was wird primär im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung verschiedener linguistischer Ansätze sowie eine methodische Diskussion, die insbesondere das Konzept der Attributierbarkeit und die praktische Umsetzung durch Treppengedichte beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk am besten?
Die Kernbegriffe sind Großschreibung, Syntax, Nominalgruppe, Attributierbarkeit, Schriftspracherwerb und der didaktische Ansatz des Treppengedichts.
Warum fällt Schülern die Großschreibung abstrakter Begriffe oft schwer?
Wie im Kapitel zum wortartbezogenen Konzept erläutert, assoziieren Schülerinnen Substantive oft mit „Anfassbarkeit“. Abstrakte Begriffe werden daher häufiger fälschlicherweise kleingeschrieben, da sie dieses Kriterium der Konkretheit nicht erfüllen.
Was genau ist ein Treppengedicht im Kontext der Rechtschreibdidaktik?
Ein Treppengedicht ist ein didaktisches Format, bei dem eine Nominalgruppe stufenweise durch Attribute erweitert wird. Es verdeutlicht den Schülern spielerisch, dass ein Wort dann großgeschrieben werden muss, wenn es den Kern einer Nominalgruppe bildet.
Eignen sich Treppengedichte für alle Arten von Substantive?
Laut der Untersuchung sind sie bei regulierbaren nominalen Gruppen sehr effektiv. Sonderfälle wie Eigennamen oder bestimmte Verwandtschaftsbeziehungen sind jedoch aufgrund ihrer sperrigen Attributierbarkeit schwieriger in dieses Modell zu integrieren und sollten separat behandelt werden.
- Arbeit zitieren
- Sophie Ost (Autor:in), 2022, Syntax. Die Großschreibung im Deutschen. Durch Treppengedichte zur korrekten Groß- und Kleinschreibung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1496090