In der vorliegenden Arbeit wird die Thematik der Sozialisation anhand persönlicher Erfahrungen an der Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaften im Studiengang Soziale Arbeit erläutert.
Aus der Definition der Begrifflichkeiten „Sozialisation“ und „Persönlichkeit“ ergibt sich im weiteren Verlauf eine Veranschaulichung der Sichtweisen Albert Scherrs und damit einhergehend die Einführung des Begriffs der „Prägung“.
Darauf folgend wird dann die Rollentheorie exemplarisch durch meine Gewöhnung an das Leben einer Studentin untersucht. Mithilfe der Eindrücke, die ich während des Bildungsstreiks 2009 gewonnen habe, erläutere ich anschließend die Ausbildung meiner politischen Interessen.
Abgerundet wird die Arbeit durch ein Fazit zu meinem Sozialisationsstand, der durch den Beginn des Studiums entstehen konnte, und eine Perspektivenbetrachtung zu späteren Sozialisationsprozessen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Theorien zur Sozialisation
2.1 Was ist Sozialisation?
2.2 Sozialisation nach Albert Scherr
3. Das Studium - ein neuer Lebensabschnitt
3.1 Rollenwechsel – von der FSJlerin zur Studentin
3.2 Bildungsstreik – na und?
4. Zwischenbilanz – Die Hochschule als Sozialisationsfaktor?
5. Ausblicke
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Sozialisationsprozesse, die mit dem Beginn eines Studiums der Sozialen Arbeit einhergehen, und analysiert diese anhand persönlicher Erfahrungen sowie soziologischer Theorien.
- Definition von Sozialisation und Persönlichkeitsentwicklung
- Analyse von Rollenveränderungen durch den Übergang ins Studium
- Einfluss politischer Ereignisse (Bildungsstreik 2009) auf die individuelle Sozialisation
- Die Rolle der Hochschule als Sozialisationsinstanz
- Wechselwirkungen zwischen sozialem Umfeld und individueller Identitätsbildung
Auszug aus dem Buch
3.1 Rollenwechsel – von der FSJlerin zur Studentin
Um meinen Rollenwechsel verdeutlichen zu können, unterscheide ich zunächst die Begriffe „Soziale Rolle“ und „Soziale Position“, wie sie in der Soziologie verwendet werden. Mit letzterem wird jene Position beschrieben, die ein jeder in sozialen Beziehungen oder Gruppen inne hat. Beispiele sind, dass ich Studentin gegenüber meinen Dozenten, Tochter gegenüber meinen Eltern sowie Partnerin gegenüber meinem Freund bin. „Soziale Rollen [hingegen] sind Bündel von Erwartungen, die sich in einer gegebenen Gesellschaft an das Verhalten der Träger von Positionen knüpfen“, beschreibt Ralf Dahrendorf treffend. Befinde ich mich also in der Position der Studentin, werden andere Erwartungen an mich gestellt, als wenn ich als Tochter oder Freundin auftrete. Wie haben sich nun also meine Positionen und die damit verbundenen Rollen seit Beginn meines Studiums verändert, bzw. welche sind hinzugekommen?
Wie bereits angedeutet, befinde ich mich seitdem in einer neuen Wohnsituation, nämlich in einer WG. Die Ansprüche an diese Rolle sind im Wesentlichen, dass ich mich in das bestehende System integriere und in der Position als neue Mitbewohnerin Rücksicht auf die anderen nehme. Ich sollte also die Musik nicht zu laut schalten und mich an den Putzplan halten. Diese Anforderungen ähneln jenen, die ich hatte, als ich noch in meinem Elternhaus lebte, nur dass ich mich nun anderen Personen gegenüber verantworten müsste, sollte ich die Rollenerwartungen nicht erfüllen. Sollte ich dies nicht tun, wäre das Funktionieren der WG-Gemeinschaft gefährdet.
Eine weitere neue Position ist die der Studentin, charakterisiert durch die neuen Beziehungen zu Kommilitonen und Dozenten. Will ich meine Rolle erfüllen, muss ich selbstverantwortlich handeln, empfänglich sein für den Lernstoff, den die Dozenten zu vermitteln versuchen und Kontakte zu den Mitstudierenden unterhalten. Diese Anforderungen sind mit denen an meine ehemalige Position als Schülerin im Gymnasium vergleichbar. Unterschiede ergeben sich jedoch aus dem Grad der Selbstständigkeit, welcher nun ungleich höher liegt, und der Zielorientierung. Die unmittelbare Zukunft, das Berufsleben, ist nun greifbarer und somit fällt es mir wesentlich leichter, Motivation aufzubauen, um die Erwartungen an diese Rolle zu erfüllen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Ziel der Arbeit, die eigene Sozialisation während des Einstiegs in das Studium der Sozialen Arbeit mithilfe soziologischer Theorien zu reflektieren.
2. Allgemeine Theorien zur Sozialisation: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begriffe wie Sozialisation und Persönlichkeit und diskutiert kritisch die Ansätze von Albert Scherr im Kontext der Identitätsentwicklung.
3. Das Studium - ein neuer Lebensabschnitt: Der Hauptteil beschreibt die konkreten Veränderungen der sozialen Rollen durch den Studienbeginn, den Umzug in eine WG sowie die politische Teilhabe am Bildungsstreik 2009.
4. Zwischenbilanz – Die Hochschule als Sozialisationsfaktor?: Hier wird reflektiert, wie die akademische Ausbildung und die Auseinandersetzung mit theoretischen Inhalten zur beruflichen Orientierung und Selbstfestigung beitragen.
5. Ausblicke: Das abschließende Kapitel blickt auf kommende Lernphasen, insbesondere das anstehende Orientierungspraktikum, und deren erwartete Bedeutung für die weitere Persönlichkeitsentwicklung.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Soziale Arbeit, Rollentheorie, Identitätsentwicklung, Hochschulstudium, Persönlichkeit, Soziale Rolle, Soziale Position, Bildungsstreik, Sozialisationsinstanz, Peergroup, Selbstständigkeit, Lebensabschnitt, Identität, Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der persönlichen Sozialisation einer Studentin der Sozialen Arbeit während ihres ersten Semesters an der Hochschule.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Sozialisationstheorien, Rollenwandel, Identitätsbildung, politisches Engagement und die reflektierte Auseinandersetzung mit neuen Lebensanforderungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die exemplarische Darstellung und theoretische Einordnung, wie der Übergang ins Studium und die damit verbundenen neuen sozialen Rollen die Persönlichkeit eines jungen Menschen prägen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt einen reflexiven Ansatz, indem sie soziologische Konzepte (z. B. von Scherr, Goffman, Mead) auf ihre eigenen Erfahrungen anwendet und analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Rollenwechsel (z. B. von der FSJlerin zur Studentin/Mitbewohnerin), der politischen Aktivierung durch den Bildungsstreik und der Entwicklung beruflicher Zukunftsperspektiven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sozialisation, Identitätsentwicklung, Rollentheorie, Studium der Sozialen Arbeit und der Einfluss sozialer Instanzen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Bildungsstreiks 2009 für ihre persönliche Entwicklung?
Sie beschreibt den Streik als wesentlichen Anlass für ihre politische Aktivierung und den Übergang von einer passiven Haltung hin zu einer interessierten und aktiven Mitgestalterin.
Inwieweit beeinflusst das Studium die familiären Beziehungen?
Die Autorin stellt fest, dass durch den Beginn des Studiums eine höhere Selbstständigkeit gefordert ist, was gleichzeitig zu einer neuen Aushandlung von Erwartungen gegenüber den Eltern führt.
- Quote paper
- Kim Christin Humann (Author), 2010, Sozialisationsprozesse an der Hochschule – eine exemplarische Studie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149631