Supervision, Coaching und Psychotherapie

Ein Vergleich der systemischen Ansätze


Hausarbeit, 2009
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Supervision, Coaching & Psychotherapie
2.1 Was ist Supervision?
2.1.1 Was zeichnet systemische Supervision aus?
2.2 Was ist Coaching?
2.2.1 Was zeichnet systemisches Coaching aus?
2.3 Was ist Psychotherapie?
2.3.1 Was zeichnet systemische Psychotherapie aus?
2.4 Die Grundlage der systemischen Ansätze: die Systemtheorie

3. Vergleich der systemischen Ansätze
3.1 Supervision vs. Coaching
3.2 Psychotherapie vs. Supervision
3.3 Coaching vs. Psychotherapie
3.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Supervision, Coaching und Psychotherapie – drei Begriffe, von denen im Alltag oft gesprochen wird, ohne die genaue Bedeutung zu kennen. Supervision wird häufig nur von denjenigen gekannt, die in ihrem beruflichen Alltag damit konfrontiert werden und an ihr teilnehmen. Mit Psychotherapie kennt sich nur derjenige aus, der selbst oder durch Verwandte, Bekannte oder Freunde damit konfrontiert wurde, weil Probleme so unlösbar erschienen, dass sie sich durch Störungen oder gar Krankheiten äußerten. Coaching dagegen ist ein Begriff, den wohl jeder schon einmal gehört hat. Denn es werden nicht nur im Business-Bereich Coachings angeboten. Auch im Alltag begegnet man dem Begriff des Coachings mittlerweile sehr oft. So werden beispielsweise Finanzcoachings angeboten, ein Wellnesscoach steht einem zur Seite, während man in der Sauna schwitzt und nicht zu vergessen der Gesundheitscoach, der uns dabei helfen soll, ein gesünderes Leben zu führen. Diese „Alltagsdefinition“ von Coaching soll in dieser Arbeit allerdings keine Berücksichtigung finden, sondern der Fokus wird auf das Business-Coaching gelegt.

In der vorliegenden Arbeit soll der Fragestellung nachgegangen werden, was Supervision, Coaching und Psychotherapie sind, was sie gemeinsam haben und worin sie sich unterscheiden. Da es aber im Umfang dieser Hausarbeit undenkbar ist, einen solch umfassenden Vergleich herzustellen, werden hier allein die systemischen Ansätze der drei Interventionsformen gegenübergestellt. Hierzu muss allerdings auch angemerkt werden, dass dieser Vergleich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, da es der Umfang dieser Arbeit nicht anders erlaubt. Außerdem wäre es unzureichend, nur auf die systemischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede einzugehen. Auch die allgemeinen Inhalte der Supervision, des Coachings und der Psychotherapie müssen kurz aufgezeigt werden, denn aus ihnen haben sich die systemischen Formen erst entwickelt und ohne sie wäre diese Arbeit schwer verständlich.

Bevor also in dieser Arbeit die systemische Supervision, das systemische Coaching und die systemische Psychotherapie jeweils einzeln miteinander verglichen werden, wird erst in einem kurzen Kapitel beschrieben, was überhaupt unter ihnen zu verstehen ist und woran man erkennt, dass es sich um die systemischen Ansätze handelt. Schließlich werden die Ergebnisse der Vergleiche noch einmal kurz zusammengefasst und diese Arbeit endet dann mit einem abschließenden Fazit.

Es sollte noch erwähnt werden, dass nicht immer „systemische Supervision“ oder „systemisches Coaching“, sondern auch einfach nur mal Supervision oder Coaching geschrieben wird, um den Lesefluss nicht zu behindern. Es wird auch der Einfachheit halber nicht immer die männliche und weibliche Form gebraucht. Außerdem stellt die Reihenfolge der vorgestellten und verglichenen Interventionsformen keinerlei Wertung dar.

2. Supervision, Coaching & Psychotherapie

2.1 Was ist Supervision?

Unter Supervision (aus dem lateinischen von supra = „oben, von oben“ und videre = „sehen, betrachten“) versteht man ein Weiterbildungs-, Beratungs- und Reflexionsverfahren für berufliche Kontexte. Hierbei begegnen sich SupervisorInnen (professionelle BeraterInnen) und SupervisandInnen (professionelle Ratsuchende).

Jedoch gibt es für die Supervision nicht die eine „richtige“ Definition. Folgende Bedeutungsvarianten kommen unter anderen in Betracht:

- Inspektion
- Garantie
- Kontrolle
- Wissensvermittlung
- Hilfestellung
- Anpassungsleistung usw.

Zu den Zielen der Supervision gehört einerseits die Erweiterung bzw. Vertiefung der persönlichen Erkenntnisse über die eigenen Möglichkeiten, Grenzen, Einstellungen und Werthaltungen und die Veränderung des eigenen Verhaltens. Andererseits geht es um die Verbesserung des Wissens über soziale und institutionelle Rahmenbedingungen für das berufliche Handeln und um die Erweiterung der sozialen Handlungskompetenzen.[1]

An dieser Stelle auf alle Ziele und weitere Merkmale der Supervision im Allgemeinen einzugehen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und nicht zu ihrer Verständlichkeit beitragen. Es sollte in diesem Abschnitt – sowie auch in den nächsten beiden – lediglich ein sehr kurzer Einblick gegeben werden.

2.1.1 Was zeichnet systemische Supervision aus?

In erster Linie zeichnet sich die systemische Supervision dadurch als systemisch aus, dass ihre konzeptionellen Grundlagen aus der Systemtheorie abgeleitet wurden. Da aber auch das systemische Coaching und die systemische Psychotherapie sich dieser Grundlagen bedienen, sollen sie in Punkt 2.4 (Die Grundlage der systemischen Ansätze: die Systemtheorie) dieser Arbeit näher beschrieben werden.

Die systemische Supervision ist eine spezielle Ausrichtung der Supervision. Sie ist eine Beratungsform für Personen und Institutionen, in der ressourcenorientiert professionelle Zusammenhänge thematisiert werden. Dabei werden Erklärungen verwendet, die sich aus der Systemtheorie ableiten. Auch theoretische Begründungen und die handwerkliche Ausstattung werden aus derselben abgeleitet. Des Weiteren gibt es eine Vielzahl von Aspekten, die die systemische Supervision charakterisieren. Sie ist ein institutionalisierter Perspektivenwechsel bei der Betrachtung von Interaktionsprozessen im Berufsleben sowie eine Reflexionshilfe für das Berufsleben, die Ressourcen aktivieren, die Effektivität erhöhen und neue Lösungen ermöglichen kann. Außerdem eröffnet die systemische Supervision eine ressourcenorientierte Sichtweise, die den beruflichen Kontext mit einbezieht und neue Wahlmöglichkeiten zum Vorschein bringen kann. Sie ist eine Methode, die Arbeitszusammenhänge beleuchtet und Eigenverantwortung stärkt. Zu guter Letzt ist die systemische Supervision Hilfe zur Selbsthilfe, die Neugier weckt und dabei das Ziel verfolgt, professionelle Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.[2]

2.2 Was ist Coaching?

Coaching (aus dem englischen von to coach = „trainieren, betreuen, fördern“) wird beschrieben als eine Beratung ohne Ratschlag, in der eine Beziehung zwischen einem Coach (professionelle/r BeraterIn) und einem Coachee (professionellen Ratsuchenden) besteht. In dieser Beziehung übernimmt der Coach die Verantwortung für die Gestaltung des Coachingprozesses, der Coachee wiederum für die inhaltlichen Aspekte, also die Verantwortung, an seinem Problem arbeiten zu wollen. Es geht beim Coaching darum, mit Menschen – und für den einzelnen Menschen maßgeschneidert – an ihren Problemen zu arbeiten und diese möglichst zeiteffektiv zu lösen.[3]

Backhausen (2006) definiert Coaching als eine professionelle Form der individuellen Prozessberatung im beruflichen Kontext, die sich an Führungskräfte richtet und eine kontinuierliche, zeitlich begrenzte Abfolge von Beratungsgesprächen beinhaltet. Dabei ist Coaching situativ und zielorientiert ausgerichtet.[4]

Doch auch, wenn es sich beim Coaching um eine Beratungsform für Führungskräfte und zusätzlich im beruflichen Kontext handelt, betont Radatz (2009), dass die Inhalte der Coaching-Settings nicht nur aus dem Berufsleben stammen können. Auch Probleme aus Organisationen oder dem Privatleben des Coachees werden besprochen und lösungsorientiert begleitet. Dabei soll der Coachee seine persönlichen Handlungsmuster nachhaltig weiterentwickeln und somit eine geeignete Grundlage schaffen, um auch zukünftige Probleme bewältigen zu können.[5]

2.2.1 Was zeichnet systemisches Coaching aus?

Wie bereits bei der systemischen Supervision erwähnt, bezieht sich auch das systemische Coaching auf die Systemtheorie, auf die später noch eingegangen wird.

Im systemischen Coaching geht es darum, mit Coachees an konkret anstehenden Problemen zu arbeiten. Dabei geht es jedoch keinesfalls darum, den Coachee zu irgendetwas zu drängen, ihm etwas „zu verkaufen“ oder ihn zu höheren Leistungen anzutreiben. Im systemischen Coaching soll Menschen geholfen werden, in dem man sich ihrer eigenen Problemlösungstechniken bedient. Diese Hilfe erhalten sie in den unterschiedlichsten Kontexten, beispielsweise in Führungs-, Beratungs- oder Verkaufskontexten, aber auch in anderen Bereichen wie Therapie und Partnerschaft.[6] Dabei geht es auch immer um persönliche Veränderungen. Folgende Veränderungen könnten im systemischen Coaching in Betracht gezogen werden:

- Verlassen des sozialen Systems, in das der Coachee eingebunden ist.
- Veränderung des sozialen Systems, in das der Coachee eingebunden ist.
- Infragestellen bzw. Verändern der eigenen Werte, Ziele und Kernkompetenzen, um Verhaltensabläufe zu ändern.
- Veränderung von persönlichen Handlungsmustern und –prozessen.
- Veränderung von Entscheidungsstrukturen oder Treffen einer konkreten Entscheidung.
- Veränderung von persönlichen Kommunikationsmustern.
- Veränderung von Spielregeln für das eigene Handeln.[7]

2.3 Was ist Psychotherapie?

Eine allgemeine Definition von Psychotherapie zu finden, gestaltet sich schwierig, da sich im Laufe der Zeit unzählige Psychotherapieverfahren entwickelt und herauskristallisiert haben. Grimmer und Neukom (2009) benutzen eine in der Schweiz gesetzlich verankerte Definition:

„Unter Psychotherapie wird eine Form der Therapie psychischer und psychosomatischer Erkrankungen verstanden, die vorwiegend auf der sprachlichen Kommunikation beruht und auf einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens sowie einer ätiologisch orientierten Diagnostik aufbaut. Sie beinhaltet die systematische Reflexion und kontinuierliche Gestaltung der therapeutischen Beziehung, zeichnet sich durch regelmäßige und vorausgeplante Therapiesitzungen aus und strebt mittels lehrbarer Techniken ein definiertes therapeutisches Ziel an.“[8]

Des Weiteren soll Psychotherapie dabei helfen, subjektive Leiden im Bereich des Fühlens, des Erlebens und der Beziehungen zu beheben.[9]

2.3.1 Was zeichnet systemische Psychotherapie aus?

Die systemische Psychotherapie zeichnet sich dadurch aus, dass sie den KlientInnen einen Rahmen zur Verfügung stellt, in welchem sie die Außenperspektive einnehmen und somit neue Aspekte ihres Problems wahrnehmen können. Dabei werden andere bzw. neue Erlebens-, Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten sichtbar, die die KlientInnen in ihre Problemlösungstaktiken integrieren können.[10] Demnach ist in der systemischen Psychotherapie – wie auch in der Psychotherapie allgemein – ein sichtbar gewordenes Problem der Ausgangspunkt der Therapie.[11] Während der Therapie soll dieser negative – oder nicht mehr passende – Zustand (also das Problem) durch einen anderen bzw. positiveren Zustand ersetzt werden.[12]

Da sich die systemische Psychotherapie wie bereits erwähnt auch an der Systemtheorie orientiert, auf die im nächsten Abschnitt genauer eingegangen wird, leitet sie ihre Definition von einem Problem folglich auch von dort ab. In der systemischen Psychotherapie wird davon ausgegangen, dass Probleme im sozialen System ausschließlich als Kommunikation existieren. Zwar kann ein Mensch ein Problem haben, aber dieses Problem wird systemtheoretisch erst dann zum Problem, wenn offen – beispielsweise in einer Psychotherapie oder mit Angehörigen/Freunden – darüber gesprochen wird. Vor dieser Kommunikation gilt ein Problem als ein sogenanntes Lebensproblem.[13]

Schiepek (1999) definiert die systemische Psychotherapie als eine professionelle Form der Behandlung, Linderung, Verbesserung und Aufhebung von Beeinträchtigungen und Erkrankungen. So soll es Aufgabe der systemischen Psychotherapie sein, bio-psycho-soziale Zustände und Prozesse – also seelische Krankheiten bzw. Störungen – zu behandeln, seelische Beeinträchtigungen – vor allem chronisch verlaufende – zu lindern und dadurch die Lebensqualität der KlientInnen zu verbessern. Außerdem sollen in der Therapie weitere Beeinträchtigungen der Gesundheit und der Lebensführung aufgehoben werden.[14]

2.4 Die Grundlage der systemischen Ansätze: die Systemtheorie

Die zahlreichen Ansätze und Theorieausrichtungen der Systemtheorie sind sehr umfangreich und aus diesem Grund sollen hier nur kurz die Aspekte herausgegriffen werden, auf die sich die systemische Supervision, das systemische Coaching und die systemische Psychotherapie beziehen und die für den hierauf folgenden Vergleich der drei Beratungsformen hilfreich sind.

Bei der Betrachtung lebender Systeme geht man in der Systemtheorie davon aus, dass sie in biologische, psychische und soziale Systeme unterschieden werden. Jeder Mensch hat drei Systemebenen. Jedes dieser Systeme wiederum hat seine eigene Arbeits- und Vorgehensweisen. Das biologische System verwirklicht sich durch chemikalisch-physikalische Prozesse, welche zum Aufbau biologischer Strukturen dienen. Diese wiederum dienen dem biologischen Leben und Überleben. Das psychische System lässt kognitiv-emotionale Prozesse entstehen und entwickelt dadurch kognitiv-emotionale Sinn- und Erlebensstrukturen. Diese geben Orientierung, aber begrenzen auch die eigenen Möglichkeiten. Das soziale System bildet kommunikative Prozesse heraus, die bestimmte Kommunikationsabläufe wahrscheinlicher machen als andere. Dadurch ermöglicht es den Aufbau von Kommunikationsmustern.

[...]


[1] Vgl. Ebbecke-Nohlen, 2009, S. 12 f

[2] Vgl. ebd., S. 24 ff

[3] Vgl. Radatz, 2009, S. 16

[4] Vgl. Backhausen, 2006, S. 313 f

[5] Vgl. Radatz, 2009, S. 16 f

[6] Vgl. Radatz, 2009, S. 16f

[7] Vgl. ebd., S. 29 f

[8] Grimmer / Neukom, 2009, S. 149

[9] Vgl. ebd., S. 8

[10] Vgl. Klein / Kannicht, 2009, S. 23

[11] Vgl. ebd., S. 9

[12] Vgl. ebd., S. 20

[13] Vgl. ebd., S. 13 f

[14] Vgl. Schiepek, 1999, S. 29

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Supervision, Coaching und Psychotherapie
Untertitel
Ein Vergleich der systemischen Ansätze
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V149665
ISBN (eBook)
9783640606450
ISBN (Buch)
9783640606764
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Supervision, Coaching, Psychotherapie, systemisch, Vergleich
Arbeit zitieren
Josephine Rost (Autor), 2009, Supervision, Coaching und Psychotherapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149665

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Titel: Supervision, Coaching und Psychotherapie


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