Die „Vita Caroli Magni“ Von Einhard zwischen historischem Vorbild und literarischen Neuland

Ein kritisches Zeugnis ihrer Zeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einhards Leben und Zeitumstände

3. Historisches Erbe und literarisches Neuland

4. Einhards Beweggründe und Motivation

5. Die „Vita Caroli Magni“ ein kritisches Zeugnis ihrer Zeit

6. Nachwort

7. Literaturverzeichnis

„Selten genug reflektiert der Historiker über seine Methode. Er hat sie handwerksmäßig erlernt, er wendet sie an.

Erst kritische Auseinandersetzungen über Forschungsergebnisse führen ihn dann doch wieder zur Methodenfrage zurück.“[1]

1. Vorwort

Der Historiker selbst, unabhängig davon wie sehr er sich der Objektivität verschrieben hat, ist seinem eigenen historischen Hintergrund unterworfen. Sein Beobachtungspunkt ist determiniert durch Gesellschaft, Sozialisation, Zeitumstände, etc.

Dies gilt für den modernen Historiker mit seinem heutigen Selbstverständnis, wie auch für historisch schaffende Persönlichkeiten aller vorangegangenen Zeiten. Es ist die Frage nach der ihm umgebenden Welt, dessen er sich in mehr oder weniger starken Maße bewusst sein kann.

Neben diesen Aspekt ist es ein weiterer Bestandteil die das historische Forschen ausmacht. Bezeichnet man den Historiker als das forschende Subjekt ist, so stellt sich die Frage nach dem zu erforschendem Objekt, denn ohne dies wäre der Historiker noch gar kein solcher. Dabei wird dieses, vom Subjekt selbst, durch ein Auswahlverfahren ermittelt, welches selbstverständlich wieder erneut von den Zeitumständen abhängig sein muss- mit der Biografie wählt man selbstverständlich zu erst genanntes Verfahren.

Diesem Objekt kann sich der Historiker wahlweise über eine biographisch-psychologischen Betrachtungsweise nähern oder durch eine Erforschung der historischen Struktur, die nicht auf den zeitlichen und kausalen Zusammenhang des Individuums beschränkt sein muss.

Dieses stark vereinfachte Gedankenmodell folgt der Idee Fitz Fischers und ist in seinem Aufsatz „Aufgaben und Methoden der Geschichtswissenschaft“ wesentlich komplexer nachzulesen.[2]

Der Grund, warum ich diese Gedanken, der Hausarbeit zur „Vita Caroli Magni“ von Einhard voranstelle ist, dass sie eine Erklärung für die Systematik meines wissenschaftlichen Arbeitens liefern sollen.

Zunächst soll eine kurze Biografie Einhards dazu dienen eine genauere Vorstellung von seiner ihn umgebenden Welt als Historiker zu erlangen. Der Anspruch einer alles umfassenden Biografie ist dabei nicht gegeben, würde den Rahmen dieser Arbeit auch überschreiten. Für eine vollständige und umfangreiche Auseinandersetzung mit Einhards Vita Empfehle ich … Berücksichtigt werden sollen hier nur relevanter Zeitumstände und ideengeschichtlicher Strömungen, die für die weitere Arbeit von Relevanz sind.

In einem zweiten Schritt soll dann nämlich, unter Zuhilfenahme dieser gewonnenen Erkenntnisse über das historische Subjekt, in eine Analyse der „Vita Caroli Magni“ übergangen werden. Dem aufmerksamen Leser wird dabei wohlmöglich bewusst werden, dass hierzu immer wieder auf den Prolog der Vita als Referenz genommen wird. Dies erklärt sich daraus, dass der Prolog Ausgangspunkt meiner eigenen Untersuchung war, auf Grund dessen Verweise ich mich selbst den einzelnen Facetten der Vita genähert habe. Ziel ist es eine mehrdimensionale Darstellung der „Vita Caroli Magni“, die sowohl auf inhaltliche als auch auf formale Aspekte eingeht, zu entwickeln.

Die Kapitel zwei, drei und vier sind Bestandteil dieser Analyse und behandeln jeweils unterschiedliche Facetten, die deutlich aus den Kapitelüberschriften hervorgehen sollten. Jeweils den Kapiteln vorangestellte Zitate dürften darüber hinaus dem Leser die jeweilige Grundtendenz erfahrbar machen.

Das abschließende Kapitel „Nachwort“ dient einer kurzen Bündelung des Erarbeiteten und soll zu einer Abschließenden Einschätzung der „Vita Caroli Magni“ als historische Quelle und daraus etwaig resultierenden Schwierigkeiten führen.

Neben diesen systematisierenden Zweck des Fischlerschen Gedankeguts, möchte ich dieses aber zu gleich als Mahnung, für mich selbst, als auch den Leser interpretiert wissen. Schon mehrfach war nun die Rede von Einhard als forschendes Subjekt, nicht außer acht darf aber dabei gelassen werden, dass auch wir nichts weiter sind als forschende Subjekte, gleichwohl durch unseren persönlichen Beobachtungspunkt bestimmt.

Dies sollten wir uns stets während der Untersuchung vor Augen führen, um nicht den Fehler zu begehen in unserer Bewertung der „Vita Caroli Magni“ als historische Quelle oder Einhard als mittelalterlicher Historiker, unseren momentanen, sicherlich noch nicht abgeschlossenen, Geschichtsbegriff auf diese zu übertragen.

„Der unruhige kleine junge Mann, der geschäftig zwischen ihnen hin und her schoß, leicht einen roten Kopf bekam und streitbar auf eine Blöße des Gegners lauerte, reizte ihre Spottlust. Indessen ihr Lachen war nicht böse gemeint. Sie sahen seine Begabung, sein Wissen wie seine Verwendbarkeit und erkannten ihn an.“[3]

2. Einhards Leben und Zeitumstände

Einhards[4] Geburt ist auf das Jahr 770 im ostfränkischen Maingau und damit in die ersten Jahre der Regierungszeit Karl des Großen zu datieren.[5]

Von adeliger Herkunft wurde Einhard im Kloster Fulda erzogen und kam dann als Heranwachsender an den Hof Karl des Großen. Als wichtige Personen für die weitere geistige Entwicklung Einhards und zu gleich enge Vertraute Karls seien die Gelehrten Alchvin, Theodulf, Adalhard, Wala und Angilbert genannt. Sie alle waren deutlich älter als Einhard und trotz ihres gelegentlich gutmütigen Spottes, avancierte der junge Einhard schon bald zur besseren Stellung in ihren Kreisen. In dieser Umgebung wird er vermutlich auch seine ersten, wenn auch noch unbedeutenden, schriftstellerischen Versuche unternommen haben.[6]

Einhard erlangte das volle Vertrauen Karl des Großen, mit dem ihn nach Einhards eigenen Aussagen eine tiefe Freundschaft verband.[7] Karl schätzte ihn wegen seiner kunst-handwerklichen und baumeisterliche Begabung und ernannte ihn zum Aufseher der zur Aachener Pfalz gehörigen kunstgewerblichen Werkstätten und der kaiserlichen Bauten ernannte. Auch politisch war Einhard für Karl den Große tätig. 806 sandte er ihn beispielsweise nach Rom, um die Zustimmung des Papstes zu der vom Kaiser beschlossenen Reichsteilung einzuholen.

Diesen frühen Jahre Einhards sind aber nur in sofern nur von Relevanz, als das sie dazu dienen aufzuzeigen in welcher geistigen Umgebung Einhard alterte. Der Niederschrift der „Vita Caroli Magni“ war der Aufstieg des Karolingerreichs mit seiner absoluten Entfaltung unter Karl dem Großen vorausgegangen. Eine umfangreiche Bildungsreform, die Rede ist unter Ausweitung des Renaissance-Begriffs von der „Karolingischen Renaissance“. Als weniger angefochtene und zeitgenössische Stichwörter sind die Begriffe der „Renovation“ und „Correctio“. Nachhaltige Wirkung auf diese Bewegung hatte die Gründung der Aachener Hofschule und die systematische Einrichtung von Dom- und Klosterschulen, deren Lehrkanon die „septem artes liberales“ waren.[8]

Aus heutiger Sicht lässt sich im direkten Zusammenhang mit dieser Reformbewegung eine Epochengrenze der lateinischen Sprach-, Stil-, und Literaturgeschichte um 800 verorten. Sie bringt eine Erneuerung des grammatischen Lateinstudiums, eine Wiederbelebung antiker literarischer Techniken und eine deutliche Hebung des Ausdrucksniveaus.[9] Eine systematische Geschichtsschreibung wurde, ins besondere im volkssprachlichen Bereich, gefördert.[10]

Einhards Lebzeit reichte aber von einer Generation in die nächste hinüber und so blieb es ihm nicht vergönnt oder erspart nach den Ränken um die Nachfolge Karl des Großen, dessen Sohn Ludwig den Fromme auf den Thron zu sehen.

Der Regierungswechsel hatte einen völligen Wechsel der bisherigen Politik und der bis dato leitenden Männer herbeigeführt. Man kann furch aus von einem Umsturz aller alten Zustände reden.[11] Denn es waren auch neue geistige Tendenzen, einer asketisch geprägten Herrschaftsperiode unter Ludwig den Frommen, die sich durchzusetzen begannen. Das Leben des Kaisers sollte für die Gesellschaft generellen Vorbildcharakter haben. Die moralischen Anforderungen an das Amt konnten aber nur durch die Frömmigkeit des Kaisers erfüllt werden könnte. Eine Sichtweise die durch die so genannte Herrscherspiegelliteratur propagiert wurde und davon ausging, dass durch dieses Herrscherverständnis eine Reformierung der gesellschaftlichen Zustände erreicht werden könnte.[12]

Einhard war einer der wenigen Männer, der es unter diesen Umständen verstand, seine ehemalig gute Position aus der Regierungszeit Karls, auch unter Ludwig zu sichern. Dies setzte Eigenschaften voraus, die nicht immer durch weg positiv gewertet wurden, da sie sicherlich auch von einem gehörigem Maß an Opportunismus zeugen, wie zum Beispiel Hellmann oder Lintzel betonen.[13] Wie auch immer, Einhard war es gelungen am Hofe des Kaisers hoch angesehen, zumal er sich 813 für dessen Kaiserkrönung eingesetzt hatte. 817 wurde er zum Berater und Erzieher Lothars Ludwigs Sohn bestellt und auch schriftliche Zeugnisse beweisen, dass Einhard eine vorzügliche Stellung am Hof genossen haben muss. Und auch wenn Einhard noch 830 diese vorteilhafte Stellung innezuhaben schien, war das Verhältnis zu Ludwig von Anbeginn nicht von der gleichen Intensität wie zu Karl geprägt.

Im Jahr 830 hatte Einhard dann den Hof verlassen, alle dort bekleideten Ämter aufgegeben und sich auf seine Stiftung nach Seligenstadt zurückgezogen, wo er auch am 31. 3. 840 verstarb. Mit diesem Rückzug aus den politischen Ränken, war Einhard dann zwar Privatmann, aber noch immer Untertan Ludwig des Frommen, was sich dann aber auch 833 änderte, nachdem der gesamte Osten, inklusive Seligenstadt, des Reiches Ludwig den Deutschen zu viel. Vieles, unter anderem das Einhards Freund und Vertrauter Ratleik später Kanzler Ludwig des Deutschen wurde, spricht dafür, dass Einhard sich von nun an dessen Partei verpflichtet fühlte.[14]

Dies sind also die Zeitumstände bzw. die Ereignisse die der Entstehung der „Vita Caroli Magni“ vorausgegangen sind. Ihre Datierung wurde unter den Historikern sehr kontrovers diskutiert, was die unterschiedlichsten Einschätzungen hervorbrachte. Eine sehr umfangreiche Zusammenstellung dieser Forschungskontroverse unter Einbeziehung fast aller Sekundärliteratur bis hin zu den aktuellsten Forschungsergebnissen, lässt sich bei Tischler finden. Er selbst verortet die Entstehung der Vita auf das 828.[15] Folgt man Lintzel sehr ähnlichen Einschätzung sei sogar davon auszugehen, dass die Vita erst nach 830 oder gar 833 entstanden sein muss.[16]

[...]


[1] J. SCHESCHKEWITZ 1968/ Aufsatz F. Fischer S. 7

[2] Vgl. ebd./ S. 7-29

[3] S. HELLMANN 1961/ S. 160

[4] Wie bereits im Vorwort erwähnt, bin ich mir darüber bewusst, dass es sich hierbei nur um eine skizzenhafte Darstellung handelt. Für eine intensive Auseinandersetzung empfehle ich die angegebene Sekundärliteratur.

[5] G. PERTZ 1829/ S. 443-463

[6] S. HELLMANN 1961/ S. 41

[7] Vgl. Prolog der „Vita Caroli Magni“

[8] E. BÜSSEN & M. NEHER 2003/ S. 55

[9] W. BERSCHIN 1991/ Vorwort (steht außerhalb der Seitennummerierung)

[10] E. BÜSSEN & M. NEHER 2003/ S. 55

[11] H. BEUMANN 1974/ Aufsatz M. Lintzel „ Die Zeit der Entstehung von Eihards Vita Karoli“ S. 34

[12] M. TISCHLER 2001/ S. 205-210

[13] H. BEUMANN 1974/ Aufsatz M. Lintzel „ Die Zeit der Entstehung von Eihards Vita Karoli“ S. 39 & S. HELLMANN 1961/ S. 163

[14] H. BEUMANN 1974/ Aufsatz M. Lintzel „ Die Zeit der Entstehung von Eihards Vita Karoli“ S. 40

[15] M. TISCHLER 2001/ Kapitel C III. „Die Entstehung der Vita Karoli“ S. 151-240

[16] H. BEUMANN 1974/ Aufsatz M. Lintzel „ Die Zeit der Entstehung von Eihards Vita Karoli“ S. 41

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die „Vita Caroli Magni“ Von Einhard zwischen historischem Vorbild und literarischen Neuland
Untertitel
Ein kritisches Zeugnis ihrer Zeit
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Fachbereich Geisteswissenschaften/ Geschichte)
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V149673
ISBN (eBook)
9783640604203
ISBN (Buch)
9783640604241
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biografie Einhard, Vita Caroli Magni
Arbeit zitieren
Magistra Artium Catrin Altzschner (Autor), 2008, Die „Vita Caroli Magni“ Von Einhard zwischen historischem Vorbild und literarischen Neuland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149673

Kommentare

  • Gast am 14.6.2010

    Extrem viele formale Fehler, der Ausdrucksweise der Autorin ist teilweise nicht zu folgen. Unmöglich das diese Arbeit von einem Dozenten angenommen wurde.

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