Der rote Wolf – Nahtoderfahrung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

16 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNISS

1. Vorwort

2. Visuelle Narrativität
2.1. Bild Denotation und Konnotation
2.2. Bild und Handlung in Zeit und Raum
2.2.1 „Der rote Wolf“: Analepse, Parapsychologisches Lebensresümee

3. Bild-Text-Interpendenz..
3.1.Potenzierung
3.2. Modifikation
3.3. Parallelität
3.4. Divergenz

4. Nachwort

5. Bibliographische Angaben.
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur

1. Vorwort

Das Bild im Medium Bildergeschichte oder –Buch ist mehr als Illustration, Verzierungen oder schöne Begleiterscheinungen der schriftlich fixierten Geschichte. Es besitzt viel mehr eine eigene teils den Text begleitende, teils unabhängige narrative Qualität. Erst durch die Verzahnung von literarischer Erzählstruktur und narrativer Struktur des Bildes, an der Schnittstelle der beiden Ebenen, erschließt sich das ästhetische Potenzial des Bilderbuches.

Dies ist die Kernthese der vorliegenden Arbeit, die es in den folgenden Kapiteln am Beispiel des Bilderbuches „Der rote Wolf“ von Karl Waechter[1] zu erklären und beweisen gilt.

Dazu sollen zunächst, im ersten Kapitel, einige grundsätzliche Aussagen über visuelle Narrativität[2] getätigt werden. Wie funktioniert erzählen in Bildern? Was sind Besonderheiten, Übereinstimmungen und Abweichungen zum poetischen Erzählen? Und welche Rolle hat der Rezipient?

Dann in einem zweiten Schritt soll die Frage noch konkretisiert werden. Was macht überhaupt Bild und was macht Text? Wie ist ihre Wechselwirkung.

Dies ist die Frage der Bild-Text-Interpendenz.

In der Aktuellen Forschung ist das Thema der visuellen Narrativität in den letzten zehn Jahren wieder vermehrt in die Diskussion gerückt. Diese Entwicklung geht auf das wachsende Interesse an einem weiteren Medium, das ebenfalls im Zeichen des Bild-Text-Diskurses steht, zurück: Dem Comic. Autoren und Herausgeber wie Gisela Vetter-Liebenow[3], Michael Hein[4] und Bernd Dolle-Weinkauf[5] sind wichtige Vertreter dieser Debatte.

Aber auch zur Problematik der Erzählform Bilderbuch selbst haben sich in jüngerer Vergangenheit Autoren wie Jens Thiele[6] oder Franziska Herlinger-Fuchs[7] zu Wort gemeldet.

In der vorliegenden Arbeit werden sich Anleihen von Fachtermini aus den Bereich der darstellenden Künste, dem Theater und dem Film, finden lassen, da diese eine gewisse Parallelität zum Illustrierten Buch in der Art des Erzählens und in der Dramaturgie aufweisen, wie sich weiteren Verlauf noch zeigen wird.

2. Visuelle Narrativität

Im Bilderbuch „Der rote Wolf“ wird eine Geschichte erzählt und zwar in Bild und Text.

So banal dies klingen mag, ist es doch der erste und, grundlegende Gedanke, dem sich diese Hausarbeit orientieren wird: Geschichten können nicht nur durch Sprache, bzw. Worte erzählt werden, sondern auch durch Bilder.

Aber wie funktioniert eine solche bildliche Narrativität? Diese Frage zu ergründen, soll zunächst Gegenstand dieses ersten Kapitels sein.

2.1. Bild Denotation und Konnotation

Ähnlich wie bei einem geschriebenen Text, z.B. ganz stark bei überstrukturierten Texten wie Gedichten, besitzen auch Bilder zwei Ebenen. Die der Denotation (Beschreibung) und die der Konnotation (Interpretation).[8] Die symbolische Funktion auf der Ebene der Konnotation erschließt sich erst durch die kommunikative Situation, also durch die Bildwahrnehmung und den vorherrschenden Bedingungen für den wahrnehmenden Rezipienten.

Dies kann direkt an einem Beispiel aus dem „roten Wolf“ belegt werden. Nach der Szene mit dem nach Westen ziehendem Planwagen, sieht man auf der folgenden Doppelseite jeweils zwei unterschiedliche Soldatentrupps.[9] Auf der Ebene der Denotation sind je zwei Gruppen von wandernden Männern abgebildet, Häuser brennen auf dem einen Bild, eine Fahne mit einem Symbol liegt auf dem Boden, die Männer haben warme Kleidung an, beide Gruppen sind in Uniformen gekleidet. Auf Grund unseres historischen Vorwissens ist es uns möglich, die Bilder zu entschlüsseln, zu interpretieren, nämlich auf der Ebene der Konnotation: Die uniformen lassen darauf schließen, dass es sich um Soldaten der Wehrmacht und der Roten Armee handelt. Die Wehrmacht scheint besiegt, ihre Gesichter sind traurig, die Köpfe sind gesenkt, das Symbol auf der zertrampelten Fahne ist das Hakenkreuz. Zeichen der Niederlage. Die Bäume tragen keine Blätter, die Felder sind nicht bestellt und die Männer in warmer Kleidung gehüllt, dass lässt darauf schließen, dass es sich um den Winter 1944/45 handelt. Dieses Hintergrundwissens suggeriert auch in die Reise und den unglücklichen Verlust des Hundes eine weitere Lesebene. Auf dieser ist es nicht nur die Geschichte einer Reise, sondern die Geschichte einer Flucht, einer Vertreibung. Die Geschichte von Flüchtlingen. Der kleine Hund wird zur Metapher für die Kinder die im 2. Weltkrieg, gerade bei solchen Flüchtlingswanderungen, von ihren Familien getrennt wurden und diese nie wieder fanden.

Ein Rezipient ohne dieses Vorwissen, ein Kind zum Beispiel, könnte jedoch auf der Ebene der Konnotation eine völlig diametrale Interpretation erzeugen.

Festzuhalten wäre also bis jetzt, das Bild, wie auch Text, Denotat und Konnotat besitzen. Eine erste Feststellung die der Untermauerung der These, Bilder besäßen eine eigenständige narrative Qualität, dient.

[...]


[1] WAECHTER, 1998

[2] Visuelle Narrativität bezeichnet das Potenzial eines Bildes eine Geschichte erzählen zu können.

[3] VETTER-LIEBENOW, 1994

[4] HEIN (Hrsg.), 2002

[5] DOLLE-WEINKAUF (Hrsg.), 1990

[6] THIELE, 1991

[7] HERLINGER-FUCHS, 2001

[8] vgl. BARTHES, 1990

[9] WAECHTER, 1998; S. 22/23

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der rote Wolf – Nahtoderfahrung
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V149674
ISBN (eBook)
9783640604654
ISBN (Buch)
9783640604388
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nahtod Erfahrung, Bildliches Erzählen, Kinderbuch, Friedrich Karl Waechter
Arbeit zitieren
Magistra Artium Catrin Altzschner (Autor), 2008, Der rote Wolf – Nahtoderfahrung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149674

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