Die vorliegende Arbeit stellt einen Versuch dar, das Marmorbild hinsichtlich seiner Frauenfiguren und ihrer Bedeutung für die Entwicklung des jungen Dichters Florio zu analysieren. Der Argumentationsstrang der Arbeit richtet sich dabei nach der These, dass die beiden Frauenfiguren nicht nur in einem dualistischen Verhältnis zueinander, sondern vielmehr in einer Wechselbeziehung miteinander stehen. Dabei wird in einem ersten Schritt der mythische und motivische Hintergrund der Venusfigur erarbeitet, um dann in einem zweiten Schritt die zahlreichen venerischen Motive zu erläutern. Durch die Erkenntnisse dieser Erarbeitung lässt sich der Bereich der Venus als einen von der christlichen Welt getrennten Raum verstehen.
In einem zweiten Schritt wird die Figur der Bianka anhand ihrer Motive und Darstellung untersucht. Daraus entwickelt sich ein Bereich, der christlich geprägt und damit in einem oppositionellen Verhältnis zum heidnischen Bereich der Venus steht. Dieser Dualismus bildet die Ausgangslage dafür, die Figuren anschließend gegenüberzustellen und ihren Einfluss auf die Entwicklung des Jünglings Florio zu einem reifen Mann zu untersuchen. In einem Fazit werden die gesammelten Erkenntnisse abschließend zusammengefasst, um die Ausgangsthese entweder zu bestätigen oder zu falsifizieren. Die Textvariante, auf die sich diese Arbeit stützt, stammt aus der Gesamtausgabe „Joseph von Eichendorff, Sämtliche Erzählungen“, herausgegeben von Hartwig Schultz.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die charakteristische Darstellung der Frauenfiguren
2.1 Venus, „das Bild aller Jugendträume“.
2.2 Bianka, „die reizende Kleine mit dem Blumenkranze.“
3. Die Bedeutung der beiden Frauenfiguren für die Entwicklung Florios
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frauenfiguren „Venus“ und „Bianka“ in Joseph von Eichendorffs „Das Marmorbild“ und analysiert deren Einfluss auf die persönliche Reifung des Protagonisten Florio, wobei die Arbeit die These vertritt, dass die Figuren in einer komplexen Wechselbeziehung zueinander stehen, statt rein dualistisch aufzutreten.
- Mythologische und motivische Analyse der Venusfigur
- Untersuchung der christlich geprägten Charakterisierung Biankas
- Analyse des Dualismus zwischen heidnischer Triebhaftigkeit und christlicher Moral
- Untersuchung der psychologischen Reifung Florios im Spannungsfeld dieser beiden Pole
Auszug aus dem Buch
2.1 Venus, „das Bild aller Jugendträume“
Das Marmorbild der römischen Göttin der Schönheit „Venus“ bildet nicht nur den Titel der Novelle, sondern steht auch im Zentrum der Handlung. Die Figur der Venus ist Teil der antiken Mythologie. Diese wurde in ihrer Rolle als Göttin der Liebe und Schönheit verehrt. Den Namen „Venus“ trägt sie ausschließlich in der römischen Mythologie, in der griechischen Mythologie entspricht ihr die Göttin „Aphrodite“.
Ursprünglich ist die Sage von der Statue der Venus in der antiken Überlieferung frei von allem Dämonischen und Phantastischen. Laut den Erzählungen verliebt sich Pygmalion, der König von Zypern, in die steinerne Statue der Göttin Aphrodite. Diese ist gerührt von der leidenschaftlichen Liebe und belebt ihr Ebenbildnis, woraufhin die beiden Liebenden miteinander vereint sind. Die Liebe des Mannes wird mit der weiblichen Schönheit belohnt, wodurch Gefühl, Sinnlichkeit, Seele und Körper zu einer Einheit verschmelzen. Dieser Kern der Aussage wird jedoch in späteren Adaptionen christlicher Überlieferungen verändert. So wird die ursprüngliche Einheit zwischen Körper und Geist durch die Dämonisierung in Form der Liebesgöttin entzweit. Dieser Auffassung von heidnischer Erotik schließt sich Eichendorff an. Das Erotische und Dämonische entwickelt bei Eichendorff ein dramatisches Eigenleben, wie es im Marmorbild durch die Belebung der Marmorstatue durch die Figur der Venus geschieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Eichendorffs „Marmorbild“ dar und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Wechselbeziehung der Frauenfiguren für Florios Entwicklung.
2. Die charakteristische Darstellung der Frauenfiguren: Dieses Kapitel analysiert die Symbolik und die spezifischen Motive der beiden Frauenfiguren im Detail.
2.1 Venus, „das Bild aller Jugendträume“.: Das Unterkapitel erarbeitet den mythischen Hintergrund der Venus und ihre dämonisierte Darstellung als Verkörperung heidnischer Begierden.
2.2 Bianka, „die reizende Kleine mit dem Blumenkranze.“: Dieses Unterkapitel beleuchtet Biankas Rolle als christliches Gegenbild zur Venus, die Reinheit und sittliche Ordnung repräsentiert.
3. Die Bedeutung der beiden Frauenfiguren für die Entwicklung Florios: Der Hauptteil untersucht, wie Florio durch die Kontrastierung der beiden Frauenfiguren seinen Weg aus der phantastischen Verwirrung zur persönlichen Reife findet.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und bestätigt die zentrale Bedeutung des dualistischen Verhältnisses der Frauenfiguren für die Entwicklung des Jünglings.
Schlüsselwörter
Joseph von Eichendorff, Das Marmorbild, Venus, Bianka, Florio, Dualismus, Romantik, heidnisch, christlich, Phantastik, Liebe, Charakterentwicklung, Triebwunsch, Motivik, Erzählanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die oppositionellen Frauenfiguren Venus und Bianka in Eichendorffs Novelle „Das Marmorbild“ und deren dualistische Funktion für die Entwicklung des Protagonisten Florio.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themenfelder umfassen den Konflikt zwischen heidnischer Erotik und christlicher Moral, die phantastische Raumdarstellung sowie die psychologische Wandlung Florios.
Was ist das primäre Forschungsziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die These zu untermauern, dass die beiden Frauenfiguren nicht isoliert als starre Gegensätze existieren, sondern in einer dynamischen Wechselbeziehung zueinander stehen, die den Reifeprozess Florios maßgeblich steuert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur romantischen Liebeskonzeption und der Symbolik bei Eichendorff.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Charakterisierung von Venus und Bianka durch ihre jeweilige Motivik sowie der Analyse von Florios Identitätsfindung im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Frauen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Dualismus“, „Phantastik“, „Marmorbild“, „Eichendorff“, „Sinnlichkeit“ und „christliche Moral“ charakterisiert.
Warum wird Venus im Zusammenhang mit Pygmalion erwähnt?
Der Pygmalion-Mythos dient als Referenzpunkt, um die Belebung des Marmorbildes durch die Fantasie Florios und die anschließende Dämonisierung durch christliche Überlieferungen zu verdeutlichen.
Was genau bedeutet das „Mailand“-Wortspiel in der Schlussphase?
Das Wortspiel deutet „Mailand“ als „Mai-land“ um, wodurch ein direkter Bezug zum Monat Mai als Monat der Muttergottes Maria hergestellt wird, was wiederum Florios Rückkehr in die christliche Ordnung untermauert.
- Arbeit zitieren
- N. Pulpanek (Autor:in), 2019, Oppositionelle Frauenfiguren in Eichendorffs "Marmorbild", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1496850