Führen im Gefecht kann bedeuten: Führen durch Kommando, also mit vorgeschriebenen Wortlaut, das ein bis in die Körperhaltung festgelegtes, langfristig einexerziertes Verhalten auslöst und aufgrund der Einheitlichkeit der Bewegungen leicht kontrollierbar ist.
In seiner reinsten Form wurde dieses Führungsverhalten im Marsch und beim „Chargieren“, dem drillmäßigen Feuerkampf zur Zeit der Lineartaktik angewandt, das Kommando war häufig reduziert auf ein Trommelsignal.
Führen im Gefecht kann bedeuten: Führen durch Befehl, also durch Anweisung mit freiem Wortlaut, aber gerichtet auf exakte Koordinierung von Bewegungen und Feuer.
Wie beim Führen durch Kommando liegt die Verantwortung beim Befehlenden, für Eigeninitiative ist wenig Raum, Ziel und Weg zum Ziel werden dem Ausführenden befohlen. Dieses Verfahren ist unumgänglich, solange Linien gehalten werden müssen, seine hohe Zeit liegt im Stellungskrieg des Ersten Weltkrieges.
Führen im Gefecht kann bedeuten: Führen durch Auftrag. In diesem Fall wird ein Ziel benannt, die Mittel zu seiner Erreichung zugewiesen, der Weg zum Verwirklichen jedoch dem Ausführenden überlassen.
Diese Verfahren verlangt weitgehende Freiheit von Rücksichtnahmen auf Nachbarn, es wird am ehesten bei Handstreichen und im Angriff angewandt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Vorläufer taktischer Vorschriften
II. Probleme der Generalstabschefs
III. Neue Vorschriften
IV. Einheitliches Denken
V. Perfektionierte und zentralisierte Führung
VI. Neuer Begriff: »Auftragstaktik«
VII. »Verteidigung« in der T.F. 1933
VIII. Kriegsgeschichtliche Beispiel aus dem Russlandfeldzug
IX. Wieder zentralisierte Befehlstaktik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der "Auftragstaktik" als militärische Führungskonzeption in Deutschland vom 18. Jahrhundert bis in die heutige Zeit und analysiert das Spannungsfeld zwischen militärischer Eigeninitiative und zentraler Befehlsgewalt.
- Evolution des Führungsverständnisses in preußischen und deutschen Armeen
- Einfluss technischer Fernmeldemittel auf die Dezentralisierung der Führung
- Die Rolle der Kriegsgeschichte bei der operativen Planung
- Wandel von der Auftragstaktik hin zu zentralisierten Befehlsstrukturen in Krisenzeiten
- Bedeutung von Homogenität und Tradition für das militärische Führungskorps
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Führen im Gefecht kann bedeuten: Führen durch Kommando, also mit vorgeschriebenen Wortlaut, das ein bis in die Körperhaltung festgelegtes, langfristig einexerziertes Verhalten auslöst und aufgrund der Einheitlichkeit der Bewegungen leicht kontrollierbar ist.
In seiner reinsten Form wurde dieses Führungsverhalten im Marsch und beim „Chargieren“, dem drillmäßigen Feuerkampf zur Zeit der Lineartaktik angewandt, das Kommando war häufig reduziert auf ein Trommelsignal.
Führen im Gefecht kann bedeuten: Führen durch Befehl, also durch Anweisung mit freiem Wortlaut, aber gerichtet auf exakte Koordinierung von Bewegungen und Feuer.
Wie beim Führen durch Kommando liegt die Verantwortung beim Befehlenden, für Eigeninitiative ist wenig Raum, Ziel und Weg zum Ziel werden dem Ausführenden befohlen. Dieses Verfahren ist unumgänglich, solange Linien gehalten werden müssen, seine hohe Zeit liegt im Stellungskrieg des Ersten Weltkrieges.
Führen im Gefecht kann bedeuten: Führen durch Auftrag. In diesem Fall wird ein Ziel benannt, die Mittel zu seiner Erreichung zugewiesen, der Weg zum Verwirklichen jedoch dem Ausführenden überlassen.
Diese Verfahren verlangt weitgehende Freiheit von Rücksichtnahmen auf Nachbarn, es wird am ehesten bei Handstreichen und im Angriff angewandt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Definition der unterschiedlichen Führungskonzepte wie Kommando, Befehl und Auftrag sowie ihre historische Einordnung.
I. Vorläufer taktischer Vorschriften: Analyse der Ursprünge von Delegationspraktiken in Preußen und Österreich im 18. Jahrhundert.
II. Probleme der Generalstabschefs: Untersuchung der begrenzten Befugnisse von Generalstabschefs und des Konflikts zwischen Leitung von oben und selbständigem Handeln.
III. Neue Vorschriften: Entwicklung von Führungsleitsätzen im späten 19. Jahrhundert, die den Spielraum des Truppenführers definierten.
IV. Einheitliches Denken: Darstellung der unter Schlieffen forcierten Standardisierung, die das "einheitliche Denken" in den Vordergrund rückte.
V. Perfektionierte und zentralisierte Führung: Analyse der Auswirkungen moderner Kommunikationstechnik auf die Zentralisierung der Gefechtsführung im Ersten Weltkrieg.
VI. Neuer Begriff: »Auftragstaktik«: Die begriffliche Etablierung der Auftragstaktik durch Seeckt und ihre theoretische Verankerung nach 1919.
VII. »Verteidigung« in der T.F. 1933: Untersuchung der spezifischen Auslegung von Verteidigung und Rückzugsmöglichkeiten in der Truppenführungsvorschrift von 1933.
VIII. Kriegsgeschichtliche Beispiel aus dem Russlandfeldzug: Kritische Betrachtung der "Haltebefehle" Hitlers und deren Einfluss auf die operative Freiheit der Armeeführer.
IX. Wieder zentralisierte Befehlstaktik: Analyse des Rückfalls von der Auftragstaktik in zentralisierte Befehlsstrukturen unter modernen technischen Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Auftragstaktik, Befehlstaktik, Generalstab, Truppenführung, Eigeninitiative, Operationsführung, Militärgeschichte, Selbständigkeit, Führungskonzeption, Preußische Armee, Stellungskrieg, Fernmeldewesen, Haltebefehl, Einsatzführung, Militärische Tradition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung und den Wandel des militärischen Führungskonzepts der Auftragstaktik innerhalb der deutschen Militärgeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst den historischen Vergleich von Befehl und Auftrag, den Einfluss technischer Kommunikationsmittel auf die Führung sowie die Rolle von militärischer Ausbildung und Korpsgeist.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Ideal der delegierten Entscheidungsfreiheit (Auftragstaktik) über die Jahrhunderte hinweg durch Zentralisierungsbestrebungen und technische Entwicklungen unter Druck geraten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Führungsvorschriften, Kriegstagebüchern, Denkschriften und militärwissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den Ursprüngen im 18. Jahrhundert über die Ära Moltkes und Schlieffens bis hin zu den Krisen des Zweiten Weltkriegs und der modernen Entwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Auftragstaktik, Selbständigkeit, Generalstab, Befehlsgewalt, Operationsführung und militärische Tradition.
Warum spielt die Schlacht von Cannae für die Schlieffen-Analyse eine Rolle?
Schlieffen nutzte die Geschichte der Schlacht von Cannae als theoretisches Musterbeispiel für eine Vernichtungsschlacht, was jedoch zu einer oft problematischen Simplifizierung operativer Abläufe führte.
Wie veränderte die moderne Kommunikationstechnik die Auftragstaktik?
Durch immer präzisere Fernmeldemittel wurden die zentralen Stäbe in die Lage versetzt, bis in operative Details einzugreifen, was der ursprünglichen Idee der dezentralen Führung entgegenwirkte.
Was besagt die "Weihnachtsdenkschrift" von 1915 im Kontext von Verdun?
Die Denkschrift zeigt auf, wie durch intransparente Zielsetzungen der Obersten Heeresleitung die operative Freiheit der nachgeordneten Armeechefs eingeschränkt wurde.
Warum spricht der Autor von der "Verflüchtigung des Geistigen" in der Führung?
Damit ist der Verlust der freien, eigenverantwortlichen Entschlussfindung durch eine zunehmende Technisierung und Reglementierung im Stellungskrieg gemeint.
- Quote paper
- Stefan Erminger (Author), 2010, Auftragstaktik - Eine militärische Führungskonzeption in der Entwicklung deutscher Militärgeschichte vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149698