In dieser Arbeit soll anhand von Beispielen der "Kinder- und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm verdeutlicht werden, wie diese Zweigliederung in aktive und passive Bäume zustande kommt, und was damit genau gemeint ist. Ebenso soll ein Vergleich dieser beiden Bäume gezogen werden. Dabei geht es um die Frage, was genau der Unterschied zwischen den passiven und den aktiven Bäumen ist und an welchen Merkmalen dies erkennbar wird.
Zu Beginn werden aber zunächst einmal Fakten über die Brüder Grimm und ihr familiäres Umfeld genannt. Darüber hinaus wird darauf eingegangen, was unter den Kinderund Hausmärchen zu verstehen ist. Was man dabei ebenso betrachten sollte, ist, was die beiden Brüder überhaupt dahingebracht hat, die Märchen aufzuschreiben. Auch dies findet in diesem Unterkapitel seinen Platz. Danach wird sich die Baummotivik in den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm angeschaut und welche spezifischen Merkmale in allen Märchen, egal ob aktive, oder passive Bäume, vorzufinden sind.
Anschließend wird explizit das Augenmerk zunächst auf die passiven Bäume in den "Kinder- und Hausmärchen" der
Brüder Grimm gelegt. Dies wird anhand von zwei Beispielen beispielhaft erläutert. Diese beiden Märchen, welche hier genannt werden, sind zum einen "Der goldene Vogel" und zum anderen "Die wahre Braut". Genau dasselbe wird sich erneut hinsichtlich der aktiven Bäume in den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm angeschaut. Beispielhaft hierfür stehen die Märchen "Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein" sowie "Die Alte im Wald".
Anschließend werden repetierend die passiven und aktiven Bäume in ihren Merkmalen verglichen, wie auch die Unterschiede zwischen beiden bewusst gemacht. Am Ende dieser Arbeit findet sich ein Fazit wieder, welches zusammenfassend festhalten soll, was die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit sind und was die Unterteilung in aktive und passive Bäume für eine Relevanz hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
3. Zur Baummotivik in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
4. Passive Bäume in ausgewählten Kinder- und Hausmärchen
4.1. Der goldene Vogel
4.2. Die wahre Braut
5. Aktive Bäume in ausgewählten Kinder- und Hausmärchen
5.1. Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein
5.2. Die Alte im Wald
6. Passive und aktive Bäume im Vergleich
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Baummotiv in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm mit dem Ziel, eine systematische Zweigliederung in „passive“ und „aktive“ Bäume herauszuarbeiten und deren jeweilige Funktion für den Handlungsverlauf und die Protagonisten zu analysieren.
- Grundlagen zur Baummotivik in der Literatur und Mythologie
- Differenzierung zwischen passiven und aktiven Baumrollen
- Analyse von Fallbeispielen (u.a. "Der goldene Vogel", "Die wahre Braut")
- Untersuchung der aktiven, handelnden Bäume ("Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein", "Die Alte im Wald")
- Vergleichende Betrachtung der Symbolik von Bäumen als Liebes- oder Handlungsträger
Auszug aus dem Buch
5.1. Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein
Das Märchen Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein handelt von einem Mädchen, welches von seiner Stiefmutter benachteiligt wird, da es „nicht anders aussah als andere Menschenkinder“ (Brüder Grimm 1857, KHM 130). Daraufhin bekommt dieses Mädchen Hilfe von einer älteren weisen Frau. Sie verzaubert die Ziege des Mädchens so, dass sie durch einen bestimmten Spruch verschiedenstes zu Essen herzaubern konnte. Nachdem aber die Mutter des Kindes die Ziege töten ließ, lässt die ältere Dame aus den Innereien der Ziege einen Baum wachsen. Dieser Baum, aus den Innereien der Ziege, wuchs zu einem schönen Baum heran. Er hatte silberne Blätter und trug Früchte aus Gold (vgl. ebd.). Wie man schon erahnen kann, gelingt es nur Zweiäuglein die Früchte von diesem besonderen Baum zu pflücken. Als eines Tages ein junger Ritter vorbeikam, pflückt Zweiäuglein ihm eine goldene Frucht dieses besagten Baumes ab. Daraufhin erlöst der Ritter Zweiäuglein auf ihren Wunsch von ihrer Familie. Er nimmt sie schließlich zu seiner Frau (vgl. ebd.).
In diesem Märchen ist der Baum ein Apfelbaum. Wie man aus der Zusammenfassung des Märchens schon erkennen kann, hat dieser Baum eine helfende Funktion. Er bringt nämlich Zweiäuglein und den Ritter bewusst zueinander. Darüber hinaus erfährt das junge Mädchen auch von der älteren Frau Hilfe. Diese Frau kann man sich als die eine ‚Jenseitige‘ vorstellen: „Das deutsche Märchen lässt den Jenseitigen gerne als alten Mann oder alte Frau dem Helden in den Weg treten“ (Lüthi 1985, S. 21). Diese Personen, welche aus dem Jenseits kommen, spenden der Heldin oder dem Helden des Märchens zumeist zauberische Gaben. (vgl. ebd., S. 9). In diesem Märchen wäre dies zunächst die Ziege gewesen, welche Zweiäuglein von der älteren Dame erhalten hatte. Nachdem ihre Mutter die Ziege umgebracht hatte, erhielt sie einen wunderschönen Apfelbaum, welcher eine sehr bedeutsame und zentrale Rolle in der Liebesgeschichte von Zweiäuglein und dem Prinzen einnahm.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Baummotivik und Erläuterung der Forschungsfrage zur Zweigliederung in aktive und passive Bäume.
2. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Biografischer Abriss zu Jacob und Wilhelm Grimm sowie Einordnung der Entstehungsgeschichte und Bedeutung ihrer Märchensammlung.
3. Zur Baummotivik in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Theoretische Grundlagen zur symbolischen Bedeutung des Baumes in Märchen und Kulturgeschichte.
4. Passive Bäume in ausgewählten Kinder- und Hausmärchen: Analyse von Bäumen, die zwar als Ort oder Symbol dienen, aber nicht aktiv in das Handlungsgeschehen eingreifen.
5. Aktive Bäume in ausgewählten Kinder- und Hausmärchen: Betrachtung von Bäumen, die als handelnde Akteure oder Wunderwesen die Geschichte vorantreiben.
6. Passive und aktive Bäume im Vergleich: Synthese und Gegenüberstellung der gewonnenen Erkenntnisse zur unterschiedlichen Rolle der Baumtypen.
7. Fazit: Zusammenfassende Reflexion zur Relevanz der Baummotivik für das Märchengenre und die Symbolik von Gut und Böse.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Baummotivik, aktive Bäume, passive Bäume, Märchenanalyse, Symbolik, Literaturwissenschaft, Volkssage, Mythologie, Bäume im Märchen, Motivgeschichte, Apfelbaum, Linde, Erzählstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Rollen, die Bäume in den Märchen der Brüder Grimm einnehmen, und kategorisiert diese in aktive und passive Instanzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Baumsymbolik, die Märchenforschung nach Max Lüthi sowie die Unterscheidung zwischen Hintergrundmotiven und handlungstragenden Wunderbäumen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Unterschied zwischen Bäumen, die lediglich als Kulisse dienen, und solchen, die aktiv in das Schicksal der Helden eingreifen, anhand von Beispielen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und den Vergleich ausgewählter Primärtexte der Kinder- und Hausmärchen mit literaturwissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von "passiven" Bäumen (z.B. in "Der goldene Vogel") und "aktiven" Bäumen (z.B. in "Die Alte im Wald"), gefolgt von einem direkten Vergleich dieser Typen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Baummotivik, Brüder Grimm, Symbolik, aktive und passive Bäume sowie Märchenstruktur geprägt.
Warum wird die Linde in "Die wahre Braut" als passiver Baum eingestuft?
Obwohl die Linde als Ort der gegenseitigen Liebesversprechen eine wichtige symbolische Rolle einnimmt, greift sie nicht eigenständig oder aktiv in den Lauf der Handlung ein.
Wie unterscheiden sich aktive Bäume in ihrer Funktion von passiven Bäumen?
Aktive Bäume handeln als eigenständige Akteure, verändern ihre Gestalt oder bieten den Helden unmittelbare, rettende Hilfe, während passive Bäume meist nur als Kulisse oder statisches Symbol fungieren.
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- Anonym (Autor:in), 2023, Die Baummotivik in ausgewählten Märchen aus Gebrüder Grimms "Kinder- und Hausmärchen". Unterschied zwischen passiven und aktiven Bäumen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1497326