Dieser Sammelband enthält sechs Hausarbeiten.
Im Laufe der Zeit wurden einige Verfahren entwickelt, Rechtschreibkompetenzen von Schülern zu ermitteln. Die erste Arbeit hat zum Ziel, die Chancen und Grenzen testabhängiger und testunabhängiger Verfahren im Hinblick auf Diagnose im Bereich der Orthografie am Beispiel der Hamburger Schreibprobe (HSP) und der Oldenburger Fehleranalyse (OLFA) zu beleuchten.
Die zweite Hausarbeit beschäftigt sich im Hinblick auf die Lese-Rechtschreibstörung (LRS) mit dem Förderprogramm des Marburger Rechtschreibtrainings. Dabei soll vorerst grundlegend auf die Problematik der Lese-Rechtschreibstörung eingegangen werden, bevor vor dem Hintergrund dessen verschiedene Fördermöglichkeiten bzw. Förderprogramme und ihre Wirksamkeit vorgestellt werden.
Die dritte Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie man bei Kindern eine Lese-Rechtschreibschwäche im schulischen Kontext in der Grundschule diagnostizieren und ihr entgegenwirken kann, damit auch sie die Schriftsprache bestmöglich erlernen können und sich in ihrem Alltag gut zurechtfinden.
Im Rahmen der vierten Arbeit wird das Thema „Was passiert beim Schreiben – Die Entwicklung des Schreibprozessmodells von Hayes und Flower im Ablauf der Zeit“ beleuchtet. Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser eine Antwort auf die Forschungsfrage „Inwiefern hat die Kritik am Model von Hayes und Flower die Entwicklung weiterer Schreibprozessmodelle beeinflusst?“ zu geben.
Um zu überprüfen, wie die Relevanz von Rechtschreibdidaktik als ein Schwerpunkt des Deutschunterrichtes einzuschätzen ist und ob es sich eventuell nur noch um eine Randthematik handelt, wird im fünften Text zunächst dargelegt, durch welche Prinzipien und Leitziele sich der Rechtschreibunterricht auszeichnet, also was er leisten muss.
In der sechsten Arbeit soll untersucht werden, ob es tatsächlich sinnvoll ist, sich beim Lehren von Orthographie nur am phonologischen Prinzip zu orientieren. Dazu werden zuerst alle Rechtschreibprinzipien des Deutschen vorgestellt, um einen Überblick zu gewinnen und zu verdeutlichen, dass es neben dem phonologischen eben noch andere ausschlaggebende Prinzipien gibt. Hier ist anzumerken, dass die Strukturierung der Prinzipien stark variiert und fast von Lehrbuch zu Lehrbuch unterschiedlich ist.
Inhaltsverzeichnis des Sammelbands
Prüfung von Rechtschreibkompetenzen. Hamburger Schreibprobe und Oldenburger Fehleranalyse im Vergleich (Hausarbeit, 2017)
1. Einleitung
2. Hamburger Schreibprobe
2.1 Durchführung
2.2 Auswertung
2.3 Chancen und Grenzen der Hamburger Schreibprobe
3. Oldenburger Fehleranalyse
3.1 Durchführung
3.2 Auswertung
3.3 Chancen und Grenzen der OLFA im Vergleich zur HSP
4. Fazit
Marburger Rechtschreibtraining. Grenzen und Potenzial (Seminararbeit, 2016)
1. Einleitung
1.1 Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
2. Mögliche Fördermöglichkeiten bei LRS
3. Das Marburger Rechtschreibtraining
3.1 Ansatz und Wirksamkeit
3.2 Studienlage und Ergebnisse
3.3 Abgrenzung zur Lautgetreuen Lese-Rechtschreibförderung
4. Grenzen und Potenziale des Marburger Rechtschreibtrainings
5. Ausblick und Fazit
Diagnose und Förderung von Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche im schulischen Kontext (Hausarbeit, 2021)
1. Einleitung
2. Lese-Rechtschreibschwäche aus entwicklungspsychologischer Sicht
2.1 Mögliche Symptome einer LRS
2.2 Entwicklungspsychologisches Modell nach Uta Frith
3. Vorläuferfertigkeiten
4. Ursachen
5. Diagnostik
5.1 Diagnostische Möglichkeiten
5.2 Diagnostik der Lesekompetenz
5.3 Diagnostik der Rechtschreibkompetenz
6. Schulische Förderung
6.1 Förderung des Lesens
6.2 Förderung des Rechtschreibens
6.3 Exemplarische Fördermaterialien
7. Prävention
8. Fazit
Was passiert beim Schreiben? Die Entwicklung des Schreibprozessmodells von Hayes und Flower im Ablauf der Zeit (Seminararbeit, 2021)
1. Einleitung
2. Definition von Schreibprozess
3. Das Schreibprozessmodell von Hayes und Flower
3.1 Aufgabenumgebung
3.2 Langzeitgedächtnis
3.3 Planung und Ausführung
4. Anklang und Kritik am Urmodell von Hayes und Flower
4.1 Anklang des Modells
4.2 Kritik am Model von Hayes und Flower
5. Weiterentwicklungen des Modells
5.1 Modell von Hayes (1996)
5.2 Modell von Molitor-Lübbert (1991)
6. Fazit
Die Relevanz der Rechtschreibkompetenz. Rechtschreibdidaktik als Randthematik des Deutschunterrichts (Hausarbeit, 2019)
1. Einleitung
2. Prinzipien des Rechtschreibunterrichts
3. Historische Entwicklung des Stellenwertes von „Schriftlichkeit“
4. Eigene Beobachtungen zur Rechtschreibkompetenz
5. Empirische Ergebnisse zur Rechtschreibkompetenz
5.1 Kompetenz der SchülerInnen
5.2 Kompetenz der LehrerInnen
6. Methoden der Rechtschreibdidaktik
7. Fazit
Lernen der deutschen Rechtschreibung anhand des phonologischen Prinzips (Seminararbeit, 2021)
1. Einleitung
2. Prinzipien der deutschen Rechtschreibung
3. Argumente für eine ausschließliche Orientierung am phonologischen Prinzip
4. Argumente gegen eine ausschließliche Orientierung am phonologischen Prinzip
5. Schluss
Zielsetzung & Forschungsschwerpunkte
Die vorliegende Publikation bietet eine umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Rechtschreibkompetenz, der Diagnose und Förderung bei Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) sowie didaktischen Modellen des Schriftspracherwerbs und Schreibprozesses. Ziel ist es, Lehrkräften methodische Ansätze und theoretisches Fachwissen an die Hand zu geben, um individuelle Lernprozesse zu verstehen und zielgerichtet fördern zu können.
- Vergleich und Bewertung von Diagnoseverfahren wie der Hamburger Schreibprobe (HSP) und der Oldenburger Fehleranalyse (OLFA).
- Analyse von Förderprogrammen wie dem Marburger Rechtschreibtraining im Hinblick auf deren Wirksamkeit und Limitationen.
- Reflexion über die Entwicklung theoretischer Schreibprozessmodelle von Hayes und Flower bis hin zu aktuellen Weiterentwicklungen.
- Untersuchung der Relevanz moderner Rechtschreibdidaktik im Deutschunterricht zwischen phonologischer Orientierung und systemischem Verständnis.
Auszug aus dem Buch
2. Hamburger Schreibprobe
Die HSP ist ein testabhängiges Verfahren zur individuellen Erfassung der grundlegenden Rechtschreibstrategien oder des orthografischen Strukturwissens von Schülern (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 7). Im Fokus liegen nicht die Fehler der Schüler, sondern die bereits erfolgreich angewandten Strategien, die auf vorhandene Kompetenzen schließen lassen (vgl. May/Balhorn u.a.2012: 7).
Als Grundlage für die HSP dient ein Forschungsprojekt von Peter May. Dieses beschäftigt sich mit der Herausbildung orthografischer und textualer Kompetenz im schulischen Kontext (vgl. May/Balhorn 2012: 12). Aus von Schülern geschriebenen Einzelwörtern, Sätzen und Aufsätzen zu verschiedenen Themen wurden insgesamt über 2000 Wörter für die Aufgaben der HSP ausgewählt (vgl. May 2009: 13). Die Einzelwörter und Sätze in der HSP werden von der Lehrperson vorgelesen und sollen von den Schülern geschrieben werden. Die zu schreibenden Begriffe werden durch Illustrationen veranschaulicht. Sie dienen den Kindern als Unterstützung dafür, sich an die ihnen vorgelesenen Wörter zu erinnern. Außerdem gelingt es ihnen mit Hilfe von Illustrationen leichter, die Bedeutungen der zu schreibenden Wörter zu erfassen (vgl. May/Balhorn u.a.2012: 10). Die Wortauswahl ist auf keinen bestimmten Grund- oder Übungswortschatz zurückzuführen. Die mit der HSP erfassten orthografischen Phänomene werden systematisch variiert, um verschiedene Anforderungsniveaus zu gewährleisten (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 18). Nur so stellt die HSP gleichermaßen genügend hohe Anforderungen an sichere und unsichere Schreiber (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 14).
Das Konzept der HSP beruht auf der Annahme, dass es bei der Rekonstruktion der Schreibungen von Sätzen und Wörtern grundlegende Regeln gibt. Diese Regeln entdeckt der Schriftlerner im Schriftspracherwerb und folgt diesen stufenweise. Anhand der bereits angewandten Rechtschreibstrategien orientiert sich die gezielte individuelle Förderung von Schülern (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 12). Durch die weitreichende Differenzierung im unteren Leistungsbereich ist die HSP zur Bestimmung der Förderbedürftigkeit, der sogenannten LRS-Diagnose, einsetzbar (vgl. May/Balhorn u.a. 2012: 10).
Zusammenfassung der Kapitel
Hamburger Schreibprobe: Das Kapitel stellt die Hamburger Schreibprobe als ein testabhängiges Verfahren vor, welches Rechtschreibstrategien erfasst und durch Vergleiche sowie Strategieprofile gezielte Förderung bei LRS-Verdacht ermöglicht.
Oldenburger Fehleranalyse: Dieses Kapitel erläutert die OLFA als qualitativ-entwicklungsorientiertes Analyseverfahren für freie Texte, das besonders bei bereits festgestellten Rechtschreibschwierigkeiten zur individuellen Förderdiagnostik eingesetzt wird.
Das Marburger Rechtschreibtraining: Hier wird das MRT hinsichtlich seines kognitiv ausgerichteten Ansatzes zur Vermittlung von Regelwissen sowie seiner nachgewiesenen Wirksamkeit bei der LRS-Therapie im Einzel- und Gruppensetting untersucht.
Diagnostik: Dieser Teil beleuchtet die medizinischen, psychologischen und pädagogischen Aspekte der Diagnostik von LRS, wobei zwischen Lesestörung, Rechtschreibstörung und Lese-Rechtschreibstörung differenziert wird.
Schulische Förderung: Es werden verschiedene Ansätze der schulpädagogischen Förderung diskutiert, ergänzt durch Empfehlungen für den Einsatz spezifischer Lehrmaterialien und Methoden.
Prävention: In diesem Kapitel wird die Bedeutung der frühzeitigen Erkennung und Förderung von Vorläuferfertigkeiten bereits im Vorschulalter hervorgehoben.
Das Schreibprozessmodell von Hayes und Flower: Es erfolgt eine Darstellung des klassischen Kognitionsmodells zur Textproduktion, das den Schreibvorgang in rekursive Teilprozesse unterteilt und die Basis für die moderne Schreibforschung bildet.
Prinzipien des Rechtschreibunterrichts (in der Hausarbeit von 2019): Dieses Kapitel analysiert die Leitziele des Deutschunterrichts und plädiert für ein Verständnis der deutschen Orthographie als System statt einer bloßen Ansammlung von Ausnahmen.
Methoden der Rechtschreibdidaktik: Kritische Reflexion traditioneller Übungsformen gegenüber innovativen, fachspezifischen Lehrverfahren, die Methodenvielfalt zur Steigerung der Rechtschreibkompetenz fordern.
Prinzipien der deutschen Rechtschreibung (in der Seminararbeit von 2021): Diese Ausführungen erläutern die verschiedenen Schreibprinzipien, wie das phonologische, morphematische und grammatische Prinzip, und deren Zusammenspiel im komplexen deutschen Schriftsystem.
Schlüsselwörter
Rechtschreibkompetenz, Lese-Rechtschreibschwäche, LRS, Hamburger Schreibprobe, Oldenburger Fehleranalyse, Marburger Rechtschreibtraining, Schreibprozessmodell, Schriftspracherwerb, Didaktik, Phonologie, Diagnostik, Leseförderung, Rechtschreibstrategien, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Sammelband grundsätzlich?
Der Sammelband vereint verschiedene wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit den Herausforderungen des Lese- und Rechtschreiberwerbs befassen. Er bietet Einblicke in Diagnoseverfahren, Förderprogramme und grundlegende didaktische Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS), diagnostische Instrumente (wie HSP und OLFA), wissenschaftliche Förderkonzepte (wie das Marburger Rechtschreibtraining) und die kognitiven Prozesse während der Textproduktion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die Arbeiten verfolgen das Ziel, die Möglichkeiten und Grenzen gängiger Diagnose- und Förderkonzepte aufzuzeigen und Strategien zu reflektieren, um Lernenden einen sichereren und verständnisvolleren Umgang mit der deutschen Schriftsprache zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich primär um Literaturstudien und analytische Arbeiten, die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Sprachdidaktik, Psychologie und Förderdiagnostik zusammenführen und kritisch bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Diagnoseinstrumente, die Evaluation von Förderprogrammen, die Darstellung theoretischer Schreibmodelle sowie die methodisch-didaktische Debatte über die Vermittlung von Rechtschreibregeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Rechtschreibkompetenz, LRS, Diagnose, Förderung, Schreibprozess, didaktische Modelle, Phonologie und Schriftspracherwerb gehören zu den zentralen, die Inhalte definierenden Fachbegriffen.
Wie unterscheidet sich die OLFA von der HSP in der Diagnose?
Die HSP ist ein testabhängiges Selektionsinstrument mit hoher Standardisierung, während die OLFA als testunabhängige, qualitative Analyse von freien Texten zur vertieften, entwicklungsorientierten Diagnose nach bereits festgestellten Schwierigkeiten dient.
Inwiefern ist das Marburger Rechtschreibtraining für jüngere Schüler geeignet?
Das Training ist durch seine kindgerechte Gestaltung mit Illustrationen und die Möglichkeiten der selbstständigen Bearbeitung gut für Schüler ab der zweiten Klasse geeignet, erfordert jedoch für optimale Erfolge eine Begleitung durch Lehrkräfte oder Eltern.
Was stellt das "phonologische Prinzip" im Kontext der deutschen Schriftsprache dar?
Es ist das Grundprinzip, welches fordert, Laute durch entsprechende Buchstaben oder Buchstabenkombinationen darzustellen ("Schreiben wie man spricht"); es bildet die Basis, deckt jedoch aufgrund der komplexen Struktur des Deutschen allein nicht das gesamte System ab.
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- GRIN Verlag (Hrsg.) (Herausgeber:in), Kim Eileen Beckmannn (Autor:in), Friederike Jung (Autor:in), 2024, Rechtschreibkompetenzen und die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Prüfung von Rechtschreibkompetenzen, Diagnose und Förderung von Kindern mit LRS und Themen der Rechtschreibdidaktik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1497464