"Global Cities" – eine Einführung und die Global Cities London und Paris im Vergleich mit Berlin


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
30 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Global City .„

3. Die Entwicklung der Global City-Forschung „

4. Wichtige Forscher auf dem Gebiet der Global Cities „
4.1. John Friedmanns sieben Weltstadthypothesen „
4.2 Die Global-City-These von Saskia Sassen „
4.3 Die Arbeiten der GaWC „

5. Berlin im Vergleich mit London und Paris - ist Deutschlands „ Hauptstadt bald auch “Global City"?

6. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung „

Literaturverzeichnis „

1. Einleitung

Die Globalisierung ist ein Thema, das wie kaum ein anderes in den letzten Jahren große Beachtung findet. Dazu gehört auch die Stadtgeographie und mit ihr die Global Cities: ein neuer Typ von Stadt mit transkontinentalem Wirkungs- und Handelsradius. In diesen Städten scheint sich alles zu ballen - die Finanzzentren, Unternehmen, Me­dien und die politischen Schaltstellen. In der Forschung scheint heute bereits eine allgemeine Einigung zu der Bedeutung der Global Cities vorzuliegen und dennoch gibt es sehr unterschiedliche Studien.

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst eine Einführung in die Thematik der Global Cities gegeben. Um in die Materie einzusteigen, ist erstmal eine Konkretisierung des Begriffs der Global City mit Entstehung und Bedeutung im zweiten Kapitel sinnvoll. Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Entwicklung der Global City-Forschung. Konrad Ol- bricht beobachtete bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts Weltstädte und Peter Hall forschte seit 1966 auf dem Gebiet der globalen Städteentwicklung. In den 80er Jahren traten Friedmann und Wolf, Feagin und Smith verstärkt in Erschei­nung. Friedmann und Wolf entwickelten 1982 eine Global-City-Zusammenstellung anhand von sieben Merkmalen. 1986 erarbeitet Friedmann die sieben Weltstadthypo­thesen mit einer vierstufigen Hierarchie von World Cities. Feagin und Smith began­nen ab 1987 eine Hierarchisierung der Kommandozentralen. Saskia Sassen benennt 1996 drei Punkte für Global Cities. Die Arbeiten der Forschergruppe GaWC (Globali­zation and World Cities) werden erläutert, da diese Forschergruppe mit Sitz in Groß­britannien sich seit einigen Jahren ausschließlich mit dem Thema der Global Cities auseinandersetzt. Professor Peter Taylor, Direktor der GaWC, entwickelte den me­thodischen Ansatz für die vergleichende Metropolenforschung und geht von einem „Weltstadtnetzwerk" aus, das auf den Organisationsstrukturen transnationaler Dienstleistungsfirmen basiert. Das Netzwerkmodell der GaWC basiert auf der Fest­stellung, dass es die Dienstleistungsunternehmen sind, die interurbane transnationa­le Verflechtungen auf- und ausbauen, und nicht die Städte allein.

Kapitel 4, unterteilt in drei Unterkapitel, durchleuchtet die Forschungen von Fried­mann, Sassen und die Arbeiten der GaWC detailliert.

Im Anschluss daran werden im Kapitel 5 Berlin, London und Paris genauer betrach­tet. Da diese Arbeit im Rahmen des Studiengangs European Studies verfasst worden ist, erscheint es relevanter und interessanter sich mit europäischen Städten zu be­schäftigen. Bei den drei europäischen Städten geht es um die Frage, weshalb London und Paris als Global Cities bezeichnet werden und Berlin nicht bzw. noch nicht als Global City gilt. Berlin hat sich zum Ziel gesetzt bis 2015 eine relevante Stellung in­nerhalb des Kreises der Global Cities einzunehmen, doch bisher scheint sich dieses Vorhaben nicht verwirklichen zulassen. In welcher Situation sich die Stadt Berlin momentan befindet und welche Gründe es für den Status einer „Nicht-Global City“ gibt, wird sich im Kapitel 5 und im Endkapitel dieser Arbeit zeigen.

London ist die unangefochtene Global City auf dem europäischen Kontinent. Im Ver­gleichskapitel 5 werden die wichtigsten Faktoren, welche die Stadt London kenn­zeichnen, dargelegt. Paris gilt gleich hinter London in Europa als bedeutende Global City, auch wenn darüber in der Literatur nicht immer Einigkeit herrscht. Während Saskia Sassen bereits 1991 in der postindustriellen Metropole eine Weltstadt ersten Ranges sah, führten für John Friedmann New York, Tokio und London die Spitze der Global Cities allein an. Dennoch ist Paris mittlerweile ein internationales Handelszen­trum mit weitreichender Bedeutung.

Mit einer Zusammenfassung und Schlussbetrachtung schließt Kapitel 6 diese Arbeit ab. Die Literaturbasis für diese Arbeit ist die Geographische Rundschau von April 2004. Das Heft bietet spannende Aufsätze zum Thema Global Cities.

2. Der Begriff Global City

Der Begriff „global“ wird synonym für „weltweit“ verwendet. „City“ steht für die „In­nenstadt“ oder das „Geschäftsviertel einer Großstadt“. Somit lässt sich ableiten, dass Global Cities von weltweiter Bedeutung sind und sich in ihnen die Geschäfte konzen­trieren, bzw. die ökonomischen und finanziellen Entscheidungen getroffen werden, welche sich auf den Rest der Welt auswirken.

Verschiedene Umschreibungen für Global Cities lassen sich zahlreich finden, bei­spielsweise „World City“ von Hall 1966, „International City“ von Abbott 1997 oder „Globalizing City“ von Marcuse/ van Kempen 2000 (Vgl.: Gerhard 2004, S. 5).

Bevor sich der Begriff der Global City international etablierte, vornehmlich durch Saskia Sassen im Jahre 1984, war die Weltstadt bereits seit der Antike ein Begriff. Pa­trick Geddes soll als Erster im wissenschaftlichen Sinn im Jahre 1915 bestimmte Städ­te, in denen sich für die Weltwirtschaft bedeutende Geschäfte konzentrierten, als World Cities bezeichnet haben (Vgl.: von Petz/ Schmals 1992, S. 1). Bis heute werden die Begriffe World Cities (Weltstädte) und Global Cities synonym verwendet.

3. Die Entwicklung der Global City-Forschung

Nach Geddes, dem Vater des Begriffs World City erscheint 1966 Peter Hall und erwei­tert die Ansätze von Geddes. Hall gilt als Pionier der Weltstadtforschung. Er beschäf­tigte sich früh mit der neuen Form von globaler Stadtentwicklung und wies auf den Bedeutungsüberschuss einzelner Weltstädte hin (Vgl.: Gerhard 2004, S. 5). Eher im Hintergrund geblieben ist dagegen Konrad Olbricht, der 1933 feststellte:

„Als Weltstädte können wir solche Metropolen ansehen, die in der Politik und Weltwirt­schaft eine überragende Rolle spielen und deren Börsen maßgebend für die Währung von Ländern sind, deren Währungsschwankungen die gesamte Weltwirtschaft recht empfind­lich schädigen. Solche Städte sind New York, London, Paris und Berlin. Sie sind die führen­den Städte der vier Länder, auf welche (ohne Kolonien) im Jahre 1929 43 Prozent des Welthandels entfielen!" (Bronger 2004, S. 145)

Als weitere Weltstädte benennt Olbricht Chicago, Tokio und Shanghai. Auf Grundlage der Erkenntnis, dass die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Strömungen nicht alle globalen Zentren mit gleicher Intensität betreffen, wurden früh Unterschie­de zwischen den Global Cities erkannt. Die Herausbildung von Hierarchien unter den Global Cities war lange eines der Hauptziele der Wissenschaftler und bleibt es bis heute. Trotz vieler methodischer Unterschiede bilden die Städtehierarchien von John Friedmann den Beginn für viele ähnlich folgende Darstellungen.

1882 entwickelten Friedmann und Wolf eine Global-City-Zusammenstellung anhand von sieben Merkmalen:

- Sitz von Hauptquartieren transnationaler Unternehmen
- bedeutendes Finanzzentrum
- Zentrum eines schnell wachsenden Sektors unternehmensorientierter Dienst­leistungen
- Sitz internationaler Institutionen
- bedeutender Knotenpunkt von Transport- und Verkehrslinien
- Zentrum industrieller Produktionsstädten
- Städte mit einer bedeutenden Einwohnerzahl

1986 nahm Friedmann dann eine vierstufige Hierarchie von World Cities vor. Weitere Ausführungen zu Friedmanns Forschungen sind dem Kapitel 4.1 zu entnehmen. Feagin und Smith haben ab 1987 eine Hierarchisierung der Kommandozentralen, un­terteilt nach:

- Kommandozentren mit Weltgeltung
- Städte mit .spezialisierter' Kommandofunktion
- Konzernbereichs-Führungsstädte
- auf die Produktion von bestimmten Gütern spezialisierte Städte und
- politische Führungsstädte erstellt.

Sassen führt 1996 drei Punkte für Global Cities auf. Zum einen benennt sie Global Ci­ties als Steuerungszentralen innerhalb der Organisation der Weltwirtschaft, als zwei­ter Punkt sollen sie Standorte und Marktplätze für führende Wirtschaftszweige sein und als dritten Punkt wesentliche Produktionsstandorte dieser Gewerbezweige, auch die Innovation von Produkten. Zu der Arbeit von Sassen gibt Kapitel 4.2 weitere Aus­künfte.

Bronger bemängelt insgesamt ein Defizit in der empirisch belegbaren Global-City- Forschung - vor allem im Hinblick auf einen fehlenden Konsens bei der Definition des Begriffs Global City und bei der Unklarheit welche Indikatoren die richtigen sind, um die globale Bedeutung einer Stadt empirisch zu messen Dennoch besteht eine Über­einstimmung in der Forschung, dass New York, Tokio, London und Paris, die Global Cities von heute sind (Vgl.: Bronger 2004, S. 145 f.).

4. Wichtige Forscher auf dem Gebiet der Global Cities

4.1 John Friedmanns sieben Weltstadthypothesen

Die sieben Weltstadthypothesen (Vgl. Tabelle 1), die John Friedmann 1986 entwickel­te, gelten bis heute als eine wesentliche Grundlage der Global City Forschung.

Tabelle 1: Die sieben Weltstadthypothesen - Quelle: Friedmann 2008

1. The form and extent of a city's integration with the world economy, and the func­tion assigned to the city in the new spatial division of labour, will be decisive for any structural changes within it.

2. Key cities throughout the world are used by global capital as „basing points" in the spatial organization and articulation of production and markets. These key cities or basing points may be termed „world cities".

3. The driving force of world city growth is found in a small number of rapidly ex­panding

sectors: corporate headquarters, international finance, global transport and communications, and high level business services (production services).

4. World cities are major sites for the concentration and accumulation of international capital.

5. World cities are points of destination for large numbers of both domestic and/ or international migrants.

6. World city formation brings into focus the major contradictions of industrial capi­talism, in particular, class and spatial polarization.

7. World city growth generates social costs at rates that tend to exceed the fiscal capacity of the State.

Auf der Grundlage dieser sieben Hypothesen unterscheidet Friedmann zwischen den Weltstädten mit drei signifikanten Merkmalen: Alle primary world cities außer Sao Paulo und Singapur befinden sich in sogenannten Core countries[1]. Die europäischen Städte sind schwierig zu klassifizieren, da sie relativ klein sind und oft spezielle Funk­tionen einnehmen. Die Liste von secondary cities ist eher auf etwas hindeutend als definitiv. Secondary cities in core countries sind oftmals kleiner und spezialisierter als primary cities während sie in den semi-peripheral countries meistens Hauptstädte sind. Ihre relative internationale Relevanz lässt sich anhand der Kraft und Vitalität der nationalen Wirtschaft, die diese Städte artikulieren, messen (Vgl.: Simon 1995, S. 13 f./ 320).

[...]


[1] Diese Core Countries beinhalten 19 so genannte industrielle Marktwirtschaften. Gegenübergestellt sind die Semi-peripheral countries, welche ein signifikantes Maß an Industrialisierung haben und ein Wirtschaftssystem, das vor allem auf dem Devisenmarkt beruht.

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Details

Titel
"Global Cities" – eine Einführung und die Global Cities London und Paris im Vergleich mit Berlin
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Globalizing Cities - Städte im Globalisierungsprozess
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
30
Katalognummer
V149749
ISBN (eBook)
9783640607297
ISBN (Buch)
9783640607518
Dateigröße
1069 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Global, Cities, Einführung, London, Paris, Vergleich, Berlin
Arbeit zitieren
Elisa Minossi (Autor), 2010, "Global Cities" – eine Einführung und die Global Cities London und Paris im Vergleich mit Berlin , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149749

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