Im Grundgesetz unserer Bundesrepublik Deutschland heißt es gleich im ersten Artikel, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.1 Bei der Betrachtung dieses wichtigsten aller Gesetze treten zwei Fragen auf: Was ist Würde? Was ist der Mensch? Ich versuche keineswegs diese Fragen zu beantworten, weise jedoch darauf hin, dass man sie im Hinterkopf haben sollte wenn man versucht zu klären, ob Tiere die gleichen Rechte haben sollten wie Menschen.
Um nun dieses Problem zu untersuchen, muss zunächst geklärt werden, welche Rechte überhaupt relevant sind und was die besonderen Merkmale sind, die den Menschen vom Tier unterscheiden und seine besondere, würdevolle Stellung sowie seine umfangreiche Rechtsausstattung rechtfertigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Stellung des Menschen und die Frage nach den Merkmalen
3. Das Argument der Speziesunterschiedlichkeit
4. Die Leidensfähigkeit als zentrales Kriterium
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die ethische Berechtigung, Tieren den gleichen universellen Anspruch auf ein freies und natürliches Leben wie Menschen zu verwehren, und hinterfragt die hierfür angeführten menschlichen Unterscheidungsmerkmale.
- Vergleich zwischen menschlichen und tierischen Lebensrechten
- Analyse der sogenannten „menschlichen“ Merkmale wie Vernunft und Autonomie
- Kritik an der Speziesdiskriminierung
- Bedeutung der Leidensfähigkeit nach Jeremy Bentham
- Diskussion über das Mensch-Tier-Verhältnis im Kontext des Grundgesetzes
Auszug aus dem Buch
Die Leidensfähigkeit als zentrales Kriterium
Ein weiterer Grund für die Rechtlosigkeit von Tieren ist der fehlende Respekt für die Leidensfähigkeit von allen nicht-menschlichen Lebensformen.
Laut Jeremy Bentham, einem der ersten Befürworter der Tierrechte, geht es bei der Ermittlung der Rechte, die wir Tieren eingestehen sollten deswegen nicht darum, ob sie denken, sprechen oder sich uns mitteilen können, sondern nur darum, ob sie leiden können. In der Fähigkeit zu leiden sieht Bentham eine der wichtigsten Gemeinsamkeiten zwischen Tieren und Menschen.
Obwohl der Mensch die Einsicht hat, dass Tiere leiden können, hält er sie eingepfercht, macht Experimente an ihnen oder mästet und schlachtet sie, um sie dann stückchenweise zu verkaufen und zu verspeisen. Er respektiert ihre Natur und ihr Leiden keineswegs und handelt somit gegen Vernunft und Einsicht, die doch angeblich den Menschen als solchen auszeichnen.
Dieses Verhalten ist unglaublich paradox, denn die Selbstverständlichkeit mit der die Menschen das für sie niedere Leben benutzen und zerstören findet seine Grenze unsinnigerweise an der eigenen Spezies. Der vernunftbegabte und logisch denkende Mensch müsste dieses Verhalten auf jede Form des Lebens anwenden, alles andere wäre sehr unschlüssig.
Davon abgesehen haben Tiere durchaus die Möglichkeit zu kommunizieren, sie können denken und leiden. Und aus diesem Grund müssen sie konsequenterweise genauso behandelt werden wie Menschen. Das heißt entweder müssen die Tierrechte auf das Niveau der Menschenrechte gehoben werden oder die Menschenrechte auf das Niveau der Tierrechte gesenkt werden. Ebenso wie wir den Menschen, (auch den Schwächsten von uns) ein Recht auf ein Leben frei von fremdverschuldeten Schmerzen und Leiden zusichern, müssen wir auch den Tieren dieses Recht gewähren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die ethische Problemstellung ein, ob Tieren aufgrund ihrer Lebensweise ähnliche Rechte wie Menschen zugesprochen werden sollten, und hinterfragt das Konzept der Menschenwürde.
2. Die Stellung des Menschen und die Frage nach den Merkmalen: Dieses Kapitel prüft kritisch, welche angeblich einzigartigen menschlichen Merkmale wie Bewusstsein oder Autonomie tatsächlich eine Sonderstellung rechtfertigen, wenn diese bei manchen Menschen nicht vorhanden sind.
3. Das Argument der Speziesunterschiedlichkeit: Hier wird dargelegt, dass die biologische Unterscheidung zwischen Spezies als Kriterium für die Zuweisung von Lebensrechten moralisch nicht tragbar ist.
4. Die Leidensfähigkeit als zentrales Kriterium: Das Kapitel beleuchtet Jeremy Benthams Ansatz, wonach nicht die Vernunft, sondern die Leidensfähigkeit das entscheidende Bindeglied zwischen Mensch und Tier sein muss.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Der Autor resümiert die Argumentation und regt eine Neudefinition der Würde des Lebendigen an, die über die bloße Spezies Mensch hinausgeht.
Schlüsselwörter
Tierrechte, Menschenwürde, Leidensfähigkeit, Ethik, Speziesismus, Bewusstsein, Rationalität, Autonomie, Diskriminierung, Lebensrecht, Grundgesetz, Tierethik, Moral, Evolution, Schutzbedürftigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Frage, ob Tieren die gleichen grundlegenden Rechte auf Leben und körperliche Unversehrtheit zugesprochen werden sollten wie Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Menschenrechten, der Kritik an anthropozentrischen Weltbildern und der ethischen Bewertung der industriellen Nutzung von Tieren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die moralische Inkonsistenz aufzuzeigen, die entsteht, wenn bestimmte Merkmale als Begründung für Menschenrechte genutzt werden, während Tiere trotz ähnlicher Fähigkeiten rechtlos gestellt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophisch-ethische Argumentationsanalyse, die auf bestehenden moralphilosophischen Positionen aufbaut.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schwächen von Argumenten, die den Menschen über das Tier erheben, und stellt Konzepte wie die Leidensfähigkeit in den Mittelpunkt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Tierrechte, Leidensfähigkeit, Speziesismus, Ethik und der universelle Anspruch auf Leben.
Wie argumentiert der Autor in Bezug auf das Grundgesetz?
Der Autor schlägt vor, den Fokus auf die „Würde des Lebendigen“ auszuweiten, anstatt die unantastbare Würde auf den Menschen zu beschränken.
Warum hält der Autor den aktuellen Umgang mit Tieren für paradox?
Das Verhalten wird als paradox beschrieben, weil der Mensch zwar logisch und vernunftbegabt handelt, jedoch bei Tieren trotz erkennbarer Leidensfähigkeit bewusst gegen diese Vernunft verstößt.
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- Christian Lesch (Author), 2010, Sollten Tiere die gleichen Rechte haben wie Menschen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149759