„Zweiundfünfzig Jahre alter, rein arischer Arzt, Teilnehmer an der Schlacht bei Tannenberg, der auf dem Lande zu siedeln beabsichtigt, wünscht sich männlichen Nachwuchs durch eine standesamtliche Heirat mit einer gesunden Arierin, jungfräulich, jung, bescheiden, sparsame Hausfrau, gewöhnt an schwere Arbeit, breithüftig, flache Absätze, keine Ohrringe, möglichst ohne Eigentum“. (1)
Diese Anzeige aus den „Münchener Neuesten Nachrichten“ vermittelt prägnant, welches Bild überzeugte Nationalsozialisten von der Frau und ihrer Rolle hatten.
Im Folgenden wird der Versuch unternommen, das Frauenbild des NS-Staates, seine Wandlung im Verlauf des Krieges und die Lage der Mädchen und Frauen während der Zeit des Nationalsozialismus zu beschreiben. Weiter wird versucht, Erklärungen für die Entwicklung dieses Frauenbildes und seine weitgehende Akzeptanz in breiten Bevölkerungsschichten zu finden.
Die besondere Lage der rassisch ausgegrenzten und verfolgten Frauen kann bei den folgenden Ausführungen nicht berücksichtigt werden.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Kurzcharakteristik der NS-Zeit in Deutschland
1.1. Die Zeit von der Machtergreifung am 30.1.1933 bis zur „Gleichschaltung“ aller politischen Kräfte und Organisationen im Juli 1933
1.2. Die Zeit von Mitte 1933 bis zum Ausbruch des 2.Weltkreiges am 01.09.1939
1.3. September 1939 bis zur Ausrufung des „Totalen Krieges“ 1943
1.4. Beginn des „Totalen Krieges“ im Januar 1943 bis Oktober 1944
1.5. Oktober 1944 bis zur bedingungslosen Kapitulation am 8.5.1945
2. Weltanschauliche Grundlagen des NS-Frauenbildes
2.1. Ideologische Begründung der Mutterrolle
2.2. Frauen und Berufstätigkeit
3. Rechtliche Grundlagen der Frauenpolitik
3.1. Das Gesetz zum „Schutze deutschen Blutes und deutscher Ehre“
3.2. Weitere gesetzliche Grundlagen und Rechtsvorschriften die Frauen betreffend
4. Massenorganisationen und ihre Aufgaben zur Propagierung und praktischen Umsetzung des nationalsozialistischen Frauenbildes
4.1. NS – Frauenschaft und Deutsches Frauenwerk
4.2. Der „Bund deutscher Mädel“ (BDM)
4.2.1. Organisationsstufen des „BDM“
4.2.2. Aufgaben und Inhalte der BDM-Arbeit
4.2.3. Methoden der BDM-Arbeit
5. Praktische Lebensumstände von Frauen und Mädchen im 3. Reich
5.1. Eheförderung
5.2. Äußerliches Erscheinungsbild von Frauen und Mädchen
5.3. Arbeitsdienst und Pflichtjahr
5.4. Nationalsozialistische Feiertage
5.5. Frauen in Beruf und Wehrdienst
5.6. Veränderungen des Frauenbildes im Kriegsverlauf
6. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das nationalsozialistische Frauenbild, dessen ideologische Fundamente sowie die praktische Umsetzung und den Wandel dieses Leitbildes während der Jahre 1933 bis 1945. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie und warum dieses Frauenbild in weiten Teilen der Bevölkerung auf Akzeptanz stieß und welche Rolle staatliche Organisationen dabei spielten.
- Ideologische Herleitung der nationalsozialistischen Mutterrolle
- Strukturen und Kontrollmechanismen des "Bund deutscher Mädel" (BDM)
- Rechtliche Grundlagen und die Rolle der Frau in der Rassenpolitik
- Veränderung der Frauenrolle unter dem Druck des "Totalen Krieges"
- Psychologische Aspekte der Akzeptanz des Regimes bei Frauen und Mädchen
Auszug aus dem Buch
4.2.3. Methoden der BDM-Arbeit
Die Forderung an die Mädchen sich „pausenlos zu bewähren“ prägte das ganze Leben, ob beim Marsch oder in der Bastelstube, beim Zeichnen oder Vorsingen, Theaterspielen oder Gedichtaufsagen. Die Besten wurden belobigt, ausgezeichnet und für Führungspositionen vorgeschlagen.
Militärähnlicher Drill war in den BDM – Lagern obligatorisch: täglich wurde Appelle durchgeführt und auf Sauberkeit und peinliche Ordnung wurde großer Wert gelegt.
Über allem stand als Leitmotiv die Negation der eigenen Identität und Persönlichkeit: „Es ist nicht nötig dass du lebst, wohl aber, dass du deine Pflicht gegenüber deinem Volk erfüllst!“ lautete eine der Parolen aus der „Jugenderziehung“ (25)
Wer den körperlichen Anforderungen nicht genügte, galt als „Versager“.
Rücksichts- und gnadenlos wurde mit denen umgegangen, die ihre „Pflicht“ nicht erfüllen konnten oder wollten. Die alltägliche Schikane gegenüber Mädchen, die bei Mutproben aufgegeben hatten, die Diskriminierung von „Nichtariern“ und die vielfältigen Bestrafungsformen bei Desinteresse oder Renitenz in Form von stundenlangem Strafexerzieren und entwürdigender Behandlung waren allgegenwärtig.
Nach den bestehenden Rechtsvorschriften konnten sogar polizeiliche Maßnahmen erfolgen, wenn jemand zu lange oder unentschuldigt dem Dienst fernblieb.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung skizziert anhand einer historischen Zeitungsanzeige das angestrebte Rollenbild der Frau im Nationalsozialismus und führt in die Fragestellung zur Akzeptanz dieses Bildes ein.
1. Kurzcharakteristik der NS-Zeit in Deutschland: Dieses Kapitel beschreibt den totalitären Charakter des NS-Staates und unterteilt die Ära in fünf Phasen, die den Wandel vom Alltagsleben bis zur Kapitulation beleuchten.
2. Weltanschauliche Grundlagen des NS-Frauenbildes: Hier werden die ideologischen Wurzeln, insbesondere Hitlers "Mein Kampf" und die Blut-und-Boden-Ideologie, als Basis für die Reduzierung der Frau auf die Mutterrolle analysiert.
3. Rechtliche Grundlagen der Frauenpolitik: Dieses Kapitel erläutert, wie durch Rassengesetze und spezifische Rechtsvorschriften die Stellung der Frau gesetzlich determiniert und rassistisch instrumentalisiert wurde.
4. Massenorganisationen und ihre Aufgaben zur Propagierung und praktischen Umsetzung des nationalsozialistischen Frauenbildes: Es wird dargestellt, wie die NS-Frauenschaft und vor allem der BDM als Kontroll- und Indoktrinationsinstrumente genutzt wurden.
5. Praktische Lebensumstände von Frauen und Mädchen im 3. Reich: Das Kapitel behandelt die Auswirkungen der Ideologie auf den Alltag, von der Eheförderung bis zur erzwungenen Mobilisierung für den Arbeits- und Wehrdienst im Krieg.
6. Schlussbemerkungen: Die Autorin resümiert die psychologischen Mechanismen, die zur breiten Akzeptanz des rückwärtsgewandten Frauenbildes führten, und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Freiheitsempfinden im BDM und der späteren Unterwerfung.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Frauenbild, Mutterrolle, Bund deutscher Mädel, BDM, Rassenideologie, Totaler Krieg, Indoktrination, Pflichtjahr, NS-Frauenschaft, Lebensborn, NS-Ideologie, Gleichschaltung, Frauenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das nationalsozialistische Frauenbild, seine ideologischen Wurzeln und die Art und Weise, wie Mädchen und Frauen durch das NS-Regime geformt und politisch instrumentalisiert wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die ideologische Begründung der Mutterrolle, die Rolle der Massenorganisationen wie des BDM, die rechtliche Diskriminierung und der kriegsbedingte Wandel der Frauenrolle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung des Frauenbildes im NS-Staat zu beschreiben und zu erklären, warum dieses Bild, trotz seiner konservativen Rückwärtsgewandtheit, auf breite Akzeptanz in der Bevölkerung stieß.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine historische Analyse, die Primärquellen wie "Mein Kampf", Zeitzeugenberichte und zeitgenössische Vorschriften sowie Sekundärliteratur zur NS-Zeit auswertet.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Erziehung der Mädchen durch den BDM, die Auswirkungen des Arbeitsdienstes und wie der Zweite Weltkrieg die propagierte Rolle der "Heimchen am Herd" zwangsweise veränderte.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind NS-Ideologie, Mutterkult, Rassenhygiene, BDM-Strukturen, Indoktrination und der Wandel der Frauenrolle während des totalen Krieges.
Wie wurde das Rollenbild des BDM konkret vermittelt?
Dies geschah durch eine Mischung aus körperlicher Ertüchtigung, Drill, politischer Indoktrination in Gruppenabenden und dem Appell an die Unterordnung der eigenen Identität unter das "Volkswohl".
Warum wird die Akzeptanz des Frauenbildes durch Frauen als "psychologisches Rätsel" bezeichnet?
Die Autorin stellt die Frage, warum Frauen, die den engen bürgerlichen Zwängen entkommen wollten, ein ideologisches System akzeptierten, das sie in ihrer Rolle faktisch noch stärker auf die biologische Funktion der Mutterrolle und den Haushalt reduzierte.
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- Iris Hecker (Autor), 2010, Frauenbild des Nationalsozialismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149806