In dieser Bachelorarbeit werden 3 unterschiedliche True-Crime-Serien analysiert. Anhand dieser drei Formate wird versucht herauszufinden, inwiefern diese Formate eher dem Genre einer Dokumentation oder dem Genre des Reality-TV zuzuordnen sind.
Der Hauptteil der vorliegenden Arbeit gliedert sich in einen Theorie- und sowie in einen Analyseteil. Um einen Zugang zu dem Forschungsgegenstand zu vermitteln, bezieht sich der erste Teil des theoretischen Abschnitts zunächst auf die Thematisierung realer Verbrechen in Film- und Fernsehen. Hiermit soll den RezipientInnen dieser Arbeit ein prägnanter Blick auf das zu analysierende Genre ermöglicht werden.
Das darauf folgende Kapitel definiert sowohl das Genre der Dokumentation, als auch das Reality-TV Genre näher. Da beide Genres aufgrund ihres Realitätsbezugs dem Modus des Dokumentarischen angehören, wird zunächst ein Überblick über die Gattung des Dokumentarfilms gegeben. Dadurch soll ein besseres Verständnis der darauf folgenden Inhalte gewährleistet werden. Wie bereits erwähnt, erfolgt anschließend die Definition einer Dokumentation und dementsprechend auch welchen Konventionen sie folgt. Durch einen Blick auf die Entwicklung der Dokumentation, soll bereits eine erste Vorausschau auf die Annäherung beider Genres gegeben werden. Im Anschluss daran wird das Genre Reality-TV definiert. Wie zuvor werden ebenfalls die jeweiligen Konventionen und Merkmale dieses Genres aufgeführt.
Im anschließenden Analyseteil werden beispielhaft drei unterschiedliche True Crime Formate analysiert. Hierfür wurden bewusst drei unterschiedliche Formate ausgewählt, um einen weitumfassenden Blick auf das Genre True Crime zu erhalten. Die Episode Katharina Kleinschmidt der Serie "Ich liebe meinen Mörder" stellt eine deutsche Produktion des Streaming-Dienstes RTL+ dar. Die Serie "Tiger King: Großkatzen und ihre Raubtiere" bietet ein Beispiel für eine amerikanische Produktion des Streaming-Dienstes Netflix. Zuletzt wird eine Folge der Sonderform von "Aktenzeichen XY…ungelöst" analysiert. Dadurch soll auch ein Einblick in den Aufbau eines True Crime Formates ermöglich werden, dass sich bereits seit vielen Jahren auf dem deutschen Fernsehmarkt etabliert hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 (Wahre) Kriminalfälle im Fernsehen
3 Modus des Dokumentarischen
3.1 Gattung des Dokumentarfilms
3.1.1 Realitätsbezug
3.1.2 Authentizität
3.1.3 Nicht-Fiktionalität
3.2 Dokumentation
3.2.1 Doku-Drama
3.2.2 Doku-Soap
3.3 Reality-TV
3.3.1 Realitätsanspruch
3.3.2 Inszenierungsstrategien
3.3.3 Grenzüberschreitung
4 Analyse ausgewählter True Crime Formate
4.1 Methodisches Vorgehen
4.2 Analyse Katharina Kleinschmidt
4.2.1 Inhalt und Repräsentation
4.2.2 Narration und Dramaturgie
4.2.3 Figuren und Akteure
4.2.4 Ergebnissicherung
4.3 Analyse Tiger King: Großkatzen und ihre Raubtiere
4.3.1 Inhalt und Repräsentation
4.3.2 Narration und Dramaturgie
4.3.3 Figuren und Akteure
4.3.4 Ergebnissicherung
4.4 Analyse Aktenzeichen XY...gelöst! vom 30. Juni 2021
4.4.1 Inhalt und Repräsentation
4.4.2 Narration und Dramaturgie
4.4.3 Figuren und Akteure
4.4.4 Ergebnissicherung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht das Genre "True Crime" hinsichtlich seiner Beschaffenheit und prüft die These, dass es sich dabei um ein hybrides Genre zwischen Dokumentation und Reality-TV handelt. Das primäre Ziel ist die Einordnung dieser hybriden Formate durch die Analyse ausgewählter Fallbeispiele.
- Genrehybridität zwischen Dokumentation und Reality-TV
- Strukturelle und inhaltliche Analysen ausgewählter True Crime Formate
- Untersuchung von Inszenierungsstrategien zur Spannungserzeugung
- Rolle von Authentizitätssignalen und Dokumentarischem Charakter
- Narrative Gestaltung und Figurenzeichnung in True Crime Sendungen
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Inszenierungsstrategien
Wie bereits in Kapitel 3.1.3 dargestellt wurde, ist jede mediale Produktion inszeniert. Die Inszenierung in Reality-TV erfolgt durch die Nutzung bestimmter Stilmittel, die sich in Anlehnung an Klaus und Lücke in folgende der fünf Kategorien Personalisierung, Intimisierung, Stereotypisierung, Emotionalisierung und Dramatisierung unterteilen lassen.
In Reality-TV-Formaten werden die ProtagonistInnen als Persönlichkeiten inszeniert, indem insbesondere ausdrucksvolle, einprägsame und interessante Charaktereigenschaften der ProtagonistInnen hervorgehoben werden. Dieser Blick in das private Leben soll das Interesse der RezipientInnen wecken. Durch die Personalisierung wird den ZuschauerInnen eine subjektive Sicht auf die Ereignisse gegeben und zugleich auch die authentische Darstellung verstärkt. Den RezipientInnen wird durch die Darstellung äußerst intimer und privater Informationen der ProtagonistInnen das Gefühl vermittelt, die Beteiligten bei einem persönlichen Lebensabschnitt begleiten zu können. Die ProtagonistInnen werden somit nicht nur als Figuren eines Fernsehformates, sondern vielmehr als Individuen inszeniert.
Zudem lässt sich innerhalb des Genres des Reality-TV häufig eine moralisierende Bewertung hinsichtlich der ProtagonistInnen und ihrer Handlungen wiederfinden. Diese erfolgt beispielsweise durch indirekte Kritik in Form von humorvollen Äußerungen. Eine moralische Wertung kann aber auch ausdrücklich durch Aussagen anderer ProtagonistInnen oder Voice-Over-Kommentaren erfolgen. Auf ästhetisch-visueller Ebene kann solche eine Inszenierung bewusst durch den gezielten Einsatz von hellen und dunklen Lichtverhältnissen verstärkt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas "True Crime" ein, erläutert den aktuellen Boom des Genres und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Hybridität zwischen Dokumentation und Reality-TV.
2 (Wahre) Kriminalfälle im Fernsehen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historischen Vorläufer sowie die heutige Bedeutung und Vielfalt der Darstellung von Kriminalfällen in medialen Unterhaltungsformaten.
3 Modus des Dokumentarischen: Hier werden die theoretischen Grundlagen für die Gattung des Dokumentarfilms sowie die Genres Dokumentation und Reality-TV mit ihren jeweiligen Konventionen definiert.
4 Analyse ausgewählter True Crime Formate: Dieser Hauptteil widmet sich der konkreten Untersuchung dreier Fallbeispiele, um die anfangs aufgestellten Thesen zur Genrehybridität durch die Anwendung von Filmanalysen zu überprüfen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, bestätigt die Einstufung von True Crime als hybrides Genre und ordnet die Erkenntnisse in den aktuellen medienwissenschaftlichen Kontext ein.
Schlüsselwörter
True Crime, Dokumentation, Reality-TV, Genrehybridität, Filmanalyse, Inszenierung, Authentizität, Narration, Dramaturgie, Unterhaltungsfernsehen, Medienwissenschaft, Rezipientenverhalten, Kriminalfälle, Fernsehproduktion, Bildsprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Genre "True Crime" und dessen hybride Struktur, die sich aus Merkmalen der Dokumentation und des Reality-TV zusammensetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die filmische Umsetzung von wahren Verbrechen, die Anwendung von Inszenierungsstrategien wie Personalisierung oder Dramatisierung sowie die Gattungsdefinitionen von Dokumentar- und Reality-Formaten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: "Inwiefern lässt sich True Crime als hybrides Genre zwischen der Dokumentation und dem Reality-TV einordnen?"
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Autorin nutzt eine methodische Filmanalyse nach Lothar Mikos, wobei insbesondere die Kategorien Inhalt und Repräsentation, Narration und Dramaturgie, Figuren und Akteure betrachtet werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definition der Genres sowie einen umfangreichen Analyseteil, der drei konkrete Medientitel (Ich liebe meinen Mörder, Tiger King, Aktenzeichen XY...gelöst!) untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie True Crime, Genrehybridität, Inszenierung, Authentizität, Dramaturgie und die mediale Darstellung realer Kriminalfälle.
Inwiefern unterscheidet sich die Serie "Tiger King" von klassischen Dokumentationen?
Obwohl sie dokumentarische Elemente wie Interviews nutzt, zeichnet sie sich durch eine serielle, hochgradig dramaturgisch aufbereitete Erzählweise aus, die Spannung durch Cliffhanger und eine spezifische Charakterinszenierung erzeugt, was eher für Reality-TV-Formate typisch ist.
Was zeigt die Analyse von "Aktenzeichen XY...gelöst!" im Kontext des Genres?
Die Analyse verdeutlicht, dass selbst ein historisch fundiertes Format wie Aktenzeichen XY durch die Mischung aus Sachinformation und dramaturgisch nachgestellten Szenen (Doku-Drama) eine Dokumentarfilm-Gattung darstellt, die jedoch gleichzeitig Unterhaltungsaspekte bedient.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Rothmann (Autor:in), 2022, True-Crime Serien. Ein hybrides Genre zwischen Dokumentation und Reality-TV?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1498247