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Hells Angels und der Zerfall des Gewaltmonopols

Wie die Rockergruppe dem Staat den Kampf ansagt

Title: Hells Angels und der Zerfall des Gewaltmonopols

Term Paper , 2010 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dipl. Verwaltungswirt (FH) Hendrik Thurnes (Author)

Politics - Topic: Peace and Conflict, Security
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Die Betonung von Respekt, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Freiheit und unter anderem das Verbot von harten Drogen kennzeichnen die Selbstdarstellung des berüchtigten Motorradclubs der Hells Angels. Weltweit bekannt geworden ist der Verein jedoch nicht durch die vorbildliche Tugendhaftigkeit seiner Mitglieder, sondern vielmehr aufgrund regelmäßiger Gewaltexzesse innerhalb der Rockerszene, sowie der Unterstellung in kriminelle Aktivitäten wie Zuhälterei, Raub, Schutzgelderpressung, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel verstrickt zu sein. Auch in Deutschland geriet der gewaltsame, scheinbar eskalierende Konflikt zwischen Hells Angels und dem konkurrierenden Rockerclub Bandidos jüngst zunehmend in den Blickpunkt von Medien und Polizeibehörden. Gerade der Übertritt von 70 Mitgliedern der Bandidos in die Reihen der Hells Angels Ende Januar 2010 wird von den Sicherheitsbehörden als Beginn einer neuen Stufe der Gewalt und einem verstärkten Kampf um die Vorherrschaft im Rotlichtmilieu, Drogen- und Waffenhandel, sowie Schutzgeldgewerbe angesehen.
Folgt man der medialen Berichterstattung, ergibt sich das Bild einer Rockerszene, die abgekoppelt und unbeeindruckt vom staatlichen Rechtssystem nach eigenen Regeln operiert und diese Regeln niedrigschwellig mit Gewalt durchsetzt. Wohlwissend um massenmediale Eigenlogiken und die daraus resultierende Überspitzung der Thematik im gesellschaftlichen Diskurs scheint es vor diesem Hintergrund und der erfolgreichen Abschottung der Hells Angels gegenüber polizeilicher Aufklärung dennoch grotesk, von einem staatlichen Monopol physischer Gewaltsamkeit zu sprechen. Kernfrage dieser Arbeit wird es daher sein, ob die kriminellen Aktivitäten der Hells Angels tatsächlich das staatliche Gewaltmonopol in Deutschland untergraben und so zu seiner Erosion beitragen.
Selbstverständlich kann in diesem Kontext ein Übertreten gesetzlicher Grenzen oder speziell Erscheinungsformen organisierter, krimineller Gewalt nicht gleich das Ende des staatlichen Gewaltmonopols bedeuten. Vielmehr rückt nicht die bloße Anwendung von physischer Gewaltsamkeit, sondern ihre Legitimität ins Zentrum der Analyse, denn nur, falls sich die Gewalt der Hells Angels in gewissen Grenzen inter-subjektiv rechtfertigen ließe und damit Unterstützung aus Teilen der Bevölkerung zu erwarten wäre, ließe sich auch eine Konkurrenz für das staatliche Monopol legitimer Gewalt begründen.

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Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. GESELLSCHAFTSTHEORETISCHE GRUNDLEGUNGEN

2.1 MACHTKÄMPFE

2.2 GEWALT UND LEGITIMITÄT

3. ENTSTEHUNG UND KRISE DES GEWALTMONOPOLS

3.1 ENTSTEHUNG MODERNER STAATLICHKEIT

3.2 KRISE DES GEWALTMONOPOLS

4. HELLS ANGELS UND DIE GEWALT

4.1 ENTSTEHUNG UND GESCHICHTE

4.2 SOZIOLOGIE DER HELLS ANGELS

5. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die kriminellen Aktivitäten der Hells Angels das staatliche Gewaltmonopol in Deutschland untergraben und zu dessen Erosion beitragen, indem sie die Rockergruppe als nicht-staatlichen Gewaltakteur analysiert.

  • Gesellschaftstheoretische Fundierung von Macht und Gewalt
  • Historische Entstehung und aktuelle Krise des staatlichen Gewaltmonopols
  • Soziologische Analyse der Organisationsstruktur der Hells Angels
  • Zusammenhang zwischen privatisierter Sicherheit und Gewaltmärkten

Auszug aus dem Buch

3.2 Krise des Gewaltmonopols

Die Idee dieses Modells moderner Staatlichkeit hat sich zwar global verallgemeinert, doch ihre Umsetzung ist in weiten Teilen der Welt arg defizitär (Schlichte 2005: 297). Zudem befindet sich auch die moderne europäische Staatlichkeit in einem Wandlungsprozess, der unter anderem das staatliche Gewaltmonopol nicht unangetastet lässt.

Die Form des Gewaltmonopols, wie es soeben dargestellt wurde, weicht laut Trotha zusehends einer oligopolistisch-proaktiven Ordnung. Oligopolistisch, da sie einhergeht mit einem starken Anwachsen privater Sicherheitsdienste, sowie deren Übernahme vormals polizeilicher Aufgaben. Proaktiv, da eine allgemeine Bevölkerungskontrolle zusehends die General- und Spezialpräventivfunktionen des Strafrechts ablöst und sich der Anfangsverdacht mehr und mehr ins Vorfeld der möglicherweise stattfindenden Tat verlagert (Trotha 1995a: 153).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung legt das Thema dar, thematisiert die mediale Wahrnehmung der Hells Angels und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Erosion des staatlichen Gewaltmonopols.

2. GESELLSCHAFTSTHEORETISCHE GRUNDLEGUNGEN: Dieses Kapitel erläutert Machtkämpfe als zentralen Bestandteil sozialer Ordnung sowie die notwendige Abgrenzung von Gewalt und Legitimität.

3. ENTSTEHUNG UND KRISE DES GEWALTMONOPOLS: Hier wird der historische Prozess der Staatsbildung und die gegenwärtige Transformation hin zu einer Privatisierung der Sicherheitsbereitstellung und Gewaltmärkten analysiert.

4. HELLS ANGELS UND DIE GEWALT: Dieser Hauptteil widmet sich der Geschichte, Rekrutierung, Finanzierung und den inter-organisatorischen Konflikten der Rockergruppe.

5. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die Hells Angels staatsähnliche Charakteristiken aufweisen und durch ihre Aktivitäten zur Erosion des staatlichen Gewaltmonopols beitragen.

Schlüsselwörter

Gewaltmonopol, Hells Angels, Machtkämpfe, Legitimierung, Organisierte Kriminalität, Gewaltmärkte, Staatlichkeit, Privatisierung, Sicherheitsgewerbe, Rockerszene, Sozialkapital, Herrschaft, Transformation, Gewalt, Habitus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Hells Angels als nicht-staatlicher Akteur und deren Auswirkung auf das staatliche Gewaltmonopol in Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die soziologische Theorie von Macht und Gewalt, die historische Entwicklung des modernen Staates und die aktuelle Transformation hin zu privaten Sicherheitsstrukturen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist zu prüfen, ob die kriminellen Aktivitäten der Rockergruppe tatsächlich zu einer Erosion der staatlichen Monopolstellung physischer Gewaltsamkeit führen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Untersuchung, die auf politikwissenschaftlicher und soziologischer Literatur basiert und durch Medienberichte sowie Berichte von Sicherheitsbehörden ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Aufbau der Hells Angels, ihre Finanzierungsmodelle, die Mitgliederstruktur und die gewaltsamen Konflikte mit konkurrierenden Gruppierungen detailliert untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Gewaltmonopol, Macht, Legitimität, Privatisierung von Sicherheit und Organisierte Kriminalität.

Welche Rolle spielt die Privatisierung laut der Arbeit?

Die Privatisierung von Sicherheit durch private Dienste und kriminelle Akteure wie die Hells Angels wird als Symptom für den Rückzug des Staates und die Entstehung von Gewaltmärkten gedeutet.

Wie reagieren die Hells Angels auf polizeilichen Druck?

Die Organisation reagiert durch Professionalisierung, den Einsatz hochdekorierter Anwälte, PR-Strategien und eine gezielte räumliche Expansion, um sich der behördlichen Kontrolle zu entziehen.

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Details

Title
Hells Angels und der Zerfall des Gewaltmonopols
Subtitle
Wie die Rockergruppe dem Staat den Kampf ansagt
College
University of Hamburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Gewaltphänomene jenseits des Krieges - Die Politische Ökonomie nicht-staatlicher Gewaltakteure
Grade
1,3
Author
Dipl. Verwaltungswirt (FH) Hendrik Thurnes (Author)
Publication Year
2010
Pages
23
Catalog Number
V149827
ISBN (eBook)
9783640608621
ISBN (Book)
9783640609062
Language
German
Tags
Hells Angels Gewaltmonopol Zerfall Rocker Politische Ökonomie Gewalt Gewaltakteur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Verwaltungswirt (FH) Hendrik Thurnes (Author), 2010, Hells Angels und der Zerfall des Gewaltmonopols, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149827
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