In dieser Arbeit werden Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt, die sich positiv auf das Familiensystem auswirken können. Ein wichtiger Faktor ist die Resilienzförderung der Eltern als Widerstandskraft in Krisen und Belastungssituationen. Anhand eines Fallbeispiels wird ein Beratungsgespräch in mehreren Sitzungen aufgezeigt. Autismus-Spektrum-Störungen sind neurologische Entwicklungsstörungen, die bereits im frühkindlichen Alter diagnostiziert werden. Die Diagnostik und Therapie von Autismus betroffenen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sowie deren Angehörigen erweist sich als langwierigen Prozess. Autismus folgt keiner kategorischen Diagnose mehr. Es geht vielmehr um eine (mehr-) dimensionaler Diagnose, die meist in komorbide Störungen, wie beispielsweise Depression, Angststörung oder Psychose auftreten. Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die das soziale Verhalten, die Kommunikation und die Interaktion beeinflusst. In einer Familie kann die Diagnose „Autismus“ eine Vielzahl an Herausforderungen und Veränderungen mit sich bringen. Es gilt die Stärken und Ressourcen zu ermitteln und spezialisierte Betreuung, Therapie und Anpassungen auszuarbeiten. Gleichzeitig bietet die gemeinsame Bewältigung der Herausforderungen die Möglichkeit engere familiäre Bindungen zu entwickeln und auszubauen.
Inhaltsverzeichnis
1. Setting und Zielgruppe
2. Grundlagen der systemischen Familienberatung
3. Ablauf des systemischen (Familien-) Beratungsgesprächs
4. Grenzen der systemischen Therapie im Bereich Autismus
5. Evaluation und Methoden der Qualitätssicherung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Anwendungsmöglichkeiten der systemischen (Familien-) Beratung für Eltern von Kindern und Jugendlichen im Autismus-Spektrum. Das primäre Ziel besteht darin, durch ressourcenorientierte Beratung die Resilienz der Eltern zu stärken, um sie in ihrer Widerstandskraft innerhalb belastender familiärer Krisensituationen zu unterstützen.
- Systemische Ansätze in der Arbeit mit betroffenen Familien
- Stärkung der elterlichen Resilienz und Bewältigungskompetenzen
- Strukturierung und Ablauf eines systemischen Beratungssettings
- Methoden der Ressourcenanalyse und Qualitätssicherung
- Herausforderungen der systemischen Therapie bei Autismus-Diagnosen
Auszug aus dem Buch
3. Ablauf des systemischen (Familien-) Beratungsgesprächs
1. Vorklärung/Erstgespräch
Familie *Schmitt* sucht nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ihres Sohnes Leon, die systemische Familienberatung auf. Nach der Terminvergabe, stimmten beide einem Erstgespräch zu. Das Erstgespräch dient allein dem Kennenlernen und des Anliegens. Die Eltern bringen zum Gespräch Arztberichte, die Schuleingangsuntersuchung und weitere Unterlagen zum besseren Verständnis über die familiäre und gesundheitliche Situation mit. Leon leidet unter dem Asberger-Syndrom und einer mittlerweile diagnostizierte Depression und Angstsymptomatik. Ein neuer Lebensabschnitt steht für die Familie an, da Leon im kommenden Herbst das Gymnasium besuchen soll. Mit Rücksprache der Schule wollen Lehrer: innenschaft, Schulsozialarbeit, Leons behandelnder Arzt und die Eltern professionell Zusammenarbeiten, um den Übergang so einfach wie möglich zu gestalten. Beide sind kommunikative, empathische und sehr aufgeschlossene Personen. Die Mutter von Leon weint im Gespräch, da sie Angst hat, sich selbst, ihre Partnerschaft oder den Bezug zu ihrem Kind zu verlieren und die Herausforderungen nicht mehr bewältigen zu können.
2. Systemische Landkarte
Zunächst werden Akteur: innen gesammelt, die für die Themen relevant sein können (Abbildung 1). Die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteur: innen erweist sich als hilfreich und professionell. Zum Förderung der Familie werden weitere Beteiligte in den Fall eingebunden. In dem Erstgespräch werden drei Themenfelder genannt. Zum einen der Schulwechsel, als neuer Lebensabschnitt, die familiäre Belastung und die Angst sich selbst, die Partnerschaft oder den Bezug zu Leon zu verlieren. Aufgrund der angesprochenen mangelnden Widerstandskraft bringt die Beraterin einen Resilienz Fragebogen zum Ausfüllen mit. Beide Eltern füllen diesen aus, der für die nächsten Gespräche berücksichtigt wird (vgl. DGPG, 2013-2024, Anhang: Abbildung 3). Die Hausaufgabe für beide ist: Beschreiben Sie sich in drei Worten und erläutern Sie ihre Stärken im Umgang mit Leon.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Setting und Zielgruppe: Dieses Kapitel erläutert die Rahmenbedingungen und die Zielgruppe der Beratungsstelle, die sich speziell an Eltern autistischer Kinder im Umfeld eines Therapiezentrums richtet.
2. Grundlagen der systemischen Familienberatung: Hier werden der theoretische Hintergrund des systemischen Ansatzes im Kontext der Familientherapie und deren historische Entwicklung dargestellt.
3. Ablauf des systemischen (Familien-) Beratungsgesprächs: Dieses Kapitel beschreibt anhand eines Praxisbeispiels den konkreten Beratungsprozess von der Vorklärung bis zum Abschluss.
4. Grenzen der systemischen Therapie im Bereich Autismus: Der Abschnitt beleuchtet die Potenziale und die Herausforderungen bei der Anwendung systemischer Methoden im Umgang mit autismusbedingten Belastungen.
5. Evaluation und Methoden der Qualitätssicherung: Hier wird erläutert, wie durch Fallbesprechungen und Monitoring-Instrumente die Beratungsqualität langfristig sichergestellt wird.
Schlüsselwörter
Systemische Beratung, Autismus-Spektrum, Familienresilienz, Elternberatung, Ressourcenaktivierung, Resilienzförderung, Familiensystem, Kindliche Entwicklung, Asperger-Syndrom, Psychosoziale Unterstützung, Qualitätssicherung, Familien-Stresstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit der Anwendung systemischer Beratungsmethoden für Eltern, die Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen erziehen, mit dem Fokus auf die psychische Entlastung und Stärkung der Familien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Aspekte sind der Aufbau einer systemischen Beratung, die Identifikation von Familienressourcen, die Bewältigung von Krisensituationen sowie die Vernetzung mit verschiedenen Akteuren im Umfeld des Kindes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Förderung der elterlichen Resilienz durch einen strukturierten, ressourcenorientierten Beratungsansatz, um langfristig die Stabilität des Familiensystems zu erhalten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Eingesetzt wird ein systemischer Beratungsansatz, der auf dem Mehr-Personen-System-Ansatz beruht und durch eine methodisch geleitete Praxis, wie etwa mittels Resilienzfragebögen, ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Phasen eines Beratungsgesprächs: Vorklärung, Erstellung systemischer Landkarten, Zielformulierung, Ressourcenanalyse und Maßnahmenplanung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen systemische Beratung, Autismus-Spektrum, Familienresilienz, Ressourcenaktivierung und Qualitätssicherung.
Welche Bedeutung spielt das "Mehr-Augen-Prinzip" in der Arbeit?
Es dient der Qualitätssicherung durch regelmäßige, fachübergreifende Teamsitzungen, in denen der Beratungsprozess kritisch reflektiert wird.
Warum wird im Kontext von Autismus besonders die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren hervorgehoben?
Aufgrund der Komplexität des Störungsbildes und der vielfältigen Anforderungen benötigt die Familie Unterstützung durch ein Netzwerk, bestehend aus Medizinern, Therapeuten und schulischen Einrichtungen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2024, Systemische Beratung für Eltern von Kindern und Jugendlichen im Autismus-Spektrum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1499397