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Psychosoziale Unterstützung bei familiären Krisensituationen. Falldokumentation aus der offenen Kinder- und Jugendhilfe

Title: Psychosoziale Unterstützung bei familiären Krisensituationen. Falldokumentation aus der offenen Kinder- und Jugendhilfe

Case Study , 2024 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Eine Falldokumentation aus der offenen Kinder- und Jugendhilfe, speziell zum Thema Kindeswohlgefährdung und Krisenintervention. Die Autorin analysiert den Fall und das eigene Handeln anhand von wissenschaftlichen und sozialpädagogischen Kategorien.

Die zu beratende Person war ein 12-jähriger Junge namens Julian (Pseudonym). Julian war seit ca. 2 Monaten Besucher des offenen Kinder- und Jugendtreffs (hier: Treff), in dem ich als Sozialpädagogin tätig war. Der offene Treff bot neben Freizeitangeboten und Hausaufgabenbetreuung feste Beratungszeiten für Eltern (Elterncafé) sowie Einzelberatung für Kinder und Jugendliche nach Bedarf. Er war wochentags geöffnet. Die Räumlichkeiten des Treffs befanden sich in einem sozial schwachen Stadtteil ca. zwei Gehminuten von Julians Zuhause entfernt. Julians jüngerer Bruder (9 Jahre) besuchte ebenfalls den Treff. Mit seiner Familie wohnte Julian in einer Sozialwohnung im achten Stock eines Plattenbaus. Julians Familie bestand aus seiner Mutter, seinem Stiefvater, einer älteren Schwester und fünf jüngeren Halbbrüdern. Seine Mutter und sein Stiefvater waren beide Bürgergeldempfänger. Julians leiblicher Vater war vor einigen Jahren verstorben, er hatte ihn aber noch gut gekannt und pflegte regelmäßigen Kontakt zu seinen Großeltern väterlicherseits. Julian besuchte die sechste Klasse einer Sekundarschule.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Angaben zum Fall (zu beratende Person)

2. Beschreibung des Anlasses und der Problemsituation

3. Situationseinschätzende Maßnahmen

4. Einschätzung des Bedarfs an psychosozialer Unterstützung

5. Verwendete Beratungsmodelle, durchgeführte Verfahren und psychosoziale Maßnahmen

6. Einbeziehung der sozialen Systeme und der Bezugspersonen der zu beratenden Person

7. Umfang, Dauer und Ergebnis der unterstützenden Beratung und psychosozialen Begleitung

8. Vorläufige Auswertung der durchgeführten psychosozialen Beratung und Begleitung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die professionelle Vorgehensweise einer Sozialpädagogin in einer akuten familiären Krisensituation eines 12-jährigen Kindes, wobei der Fokus auf Kindeswohlgefährdung, angemessener Beratung interner und externer Ressourcen sowie der ethischen Abwägung von Interventionsmaßnahmen liegt.

  • Analyse familiärer Belastungsfaktoren und Kindeswohlgefährdung
  • Einsatz klientenzentrierter und lösungsorientierter Beratungsmodelle
  • Kritische Reflexion der professionellen Schutzauftragserfüllung
  • Abwägung von Interventionsnutzen gegen Vertrauensgrundlagen
  • Systemische Einordnung der kindlichen Rolle in Krisen

Auszug aus dem Buch

3. Situationseinschätzende Maßnahmen

Um eine Gefährdeneinschätzung zu ermöglichen, stelle ich Julian zudem einige Fragen. Dabei stand für mich das „Kindeswohl als Maßstab zur Krisenbestimmung“ (Kläsener, 2021, S. 283) im Fokus. Ich musste abschätzen, ob gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung gemäß §8a SGB VIII vorlagen und dementsprechende akute Maßnahmen erfolgen mussten. Des weiteren bezweckten meine Fragen, dass ich die Bedarfe und Möglichkeiten, Julian zu helfen, besser ausloten konnte. Ich fragte Julian u.a. Folgendes: Hat dein Stiefvater deine Mutter schon mal geschlagen oder war anders gewalttätig? Hat dein Stiefvater schon mal eins der Kinder geschlagen oder war anders gewalttätig? Hast du Angst vor deinem Stiefvater oder deiner Mutter? Wie viel Lebensmittel habt ihr noch zu Hause? Wie geht es deinen kleinen Geschwistern? Wie ordnest du die Situation ein? Was erwartest du nachher, wenn du nach Hause gehst?

Zusammenfassend bildeten Julians Antworten folgendes Bild: Julians Mutter war in einem sehr gestressten und schnell reizbaren Zustand, sodass sie Julian direkt „zusammenscheißen“ würde, sollte er sie ansprechen oder bei ihr Hilfe suchen. Den Geschwistern gehe es soweit gut und sie haben noch ein nötiges Minimum an Lebensmitteln zu Hause. „Wir haben aber bald kein Geld mehr.“ Die kleinen Geschwister könnten nicht in die Kita gehen, weil seine Mutter sie nicht bringen könne. Das mache alles noch stressiger. Er selbst könne die Wohnung verlassen und wieder heimkehren, da sein Stiefvater, der sich im Hausflur aufhalte, ihm oder seinen Geschwistern ,,nie etwas tun würde“. Er habe keine Angst vor ihm. Ganz am Ende des Gesprächs gab Julian zu, dass der Stiefvater vor ein paar Jahren schon einmal seine Mutter geschlagen habe. Er habe sich zu Beginn des Gesprächs nicht getraut, dies zu sagen. Abends und nachts, wenn seine Eltern sich stritten, wartete Julian in seinem Zimmer, bis der Streit vorbei war. „Ich würde am liebsten gar nicht nach Hause gehen. Kann ich nicht hier schlafen?“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Angaben zum Fall (zu beratende Person): Vorstellung des 12-jährigen Julian und seines familiären sowie sozialen Umfelds, inklusive der besonderen Belastungen und der Rolle des Kindes innerhalb der Familie.

2. Beschreibung des Anlasses und der Problemsituation: Dokumentation einer akuten häuslichen Krise durch ein Beratungsgespräch, in dem der Junge stressbedingte und verbarrikadierte Lebenszustände schildert.

3. Situationseinschätzende Maßnahmen: Beschreibung des professionellen Vorgehens zur Gefährdeneinschätzung, bei dem die Autorin durch gezielte Nachfragen ein genaueres Bild der familiären Situation und der Kindeswohlgefährdung gewinnt.

4. Einschätzung des Bedarfs an psychosozialer Unterstützung: Analyse des Unterstützungsbedarfs unter Berücksichtigung von Risikofaktoren und der familiendynamischen Stellung des Jungen als vernachlässigtes, aber aktiv Hilfe suchendes Familienmitglied.

5. Verwendete Beratungsmodelle, durchgeführte Verfahren und psychosoziale Maßnahmen: Darlegung der Entscheidung, von einer sofortigen externen Intervention abzusehen, und Fokus auf klientenzentrierte sowie lösungsorientierte Stabilisierungsmethoden.

6. Einbeziehung der sozialen Systeme und der Bezugspersonen der zu beratenden Person: Reflexion über die Möglichkeiten der Einbindung der Eltern und weiterer Akteure sowie die Herausforderungen beim Aufbau einer tragfähigen Arbeitsbeziehung.

7. Umfang, Dauer und Ergebnis der unterstützenden Beratung und psychosozialen Begleitung: Evaluation des Beratungsverlaufs, der eine Stabilisierung des Jungen, aber nur begrenzte Kooperation seitens der Eltern aufzeigte.

8. Vorläufige Auswertung der durchgeführten psychosozialen Beratung und Begleitung: Kritische Reflexion der pädagogischen Entscheidungsprozesse, des Verzichts auf standardisierte Diagnoseinstrumente und der ethischen Dilemmata in der Fallarbeit.

Schlüsselwörter

Kindeswohlgefährdung, Jugendhilfe, psychosoziale Beratung, Klientenzentrierte Gesprächsführung, Fallarbeit, Familiendynamik, Intervention, Kinderschutz, Resilienz, soziale Arbeit, Krisenbewältigung, Beratungsmethodik, Elternarbeit, Kindeswohl, Berufsethik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Fallstudie grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die professionelle Beratung eines 12-jährigen Jungen, der sich in einer akuten familiären Krise befindet, und untersucht die sozialpädagogischen Handlungsoptionen im Kontext des Kinderschutzes.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Einschätzung von Kindeswohlgefährdung, die Anwendung therapeutischer Beratungsansätze in der Kinder- und Jugendhilfe sowie die ethische Abwägung bei Eingriffen in Familiensysteme.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die kritische Analyse des eigenen professionellen Handelns in einer akuten Krisensituation unter Berücksichtigung des Schutzauftrags und der Beziehungssicherung zu einem minderjährigen Klienten.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt den ökosystemischen Ansatz von Bronfenbrenner für die systemische Analyse, sowie klientenzentrierte und lösungsorientierte Beratungsmodelle zur direkten Unterstützung des Jungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil dokumentiert das konkrete Beratungsgespräch, die darauf folgende Gefährdeneinschätzung, die Begründung der Interventionsstrategie und die Evaluation der durchgeführten Maßnahmen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Kindeswohlgefährdung, Jugendhilfe, Fallarbeit, systemische Familiendynamik und professionelle diagnostische Abwägung charakterisiert.

Warum lehnte die Autorin eine sofortige Intervention durch das Jugendamt ab?

Die Autorin befürchtete, dass eine invasive Intervention das Vertrauensverhältnis zum Jungen zerstören und den Zugang zu dieser lebenswichtigen Ressource für das Kind nachhaltig blockieren würde.

Wie bewertet die Autorin ihr eigenes Vorgehen in der Rückschau?

Sie bewertet die Abwägung hinsichtlich der Intervention als angemessen, kritisiert jedoch rückblickend das Nichtverwenden standardisierter Risikoinstrumente sowie die Naivität einiger Versprechungen gegenüber dem Jungen.

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Details

Title
Psychosoziale Unterstützung bei familiären Krisensituationen. Falldokumentation aus der offenen Kinder- und Jugendhilfe
College
University of Applied Sciences North Hesse; Bad Sooden-Allendorf  (Master Psychosoziale Beratung in Sozialer Arbeit)
Course
Psychosoziale Beratung in spezifischen Kontexten
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2024
Pages
19
Catalog Number
V1499421
ISBN (PDF)
9783389062012
ISBN (Book)
9783389062029
Language
German
Tags
Krisenintervention Kinder- und Jugendhilfe Kindeswohl
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2024, Psychosoziale Unterstützung bei familiären Krisensituationen. Falldokumentation aus der offenen Kinder- und Jugendhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1499421
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