In der Pädagogik sind viele Begriffe nicht eindeutig definiert. Es gibt verschiedene Auffassungen zu ihnen. Zudem werden sie teilweise wissenschaftlich und alltagssprachlich verwendet.
Auch Sozialpädagogik ist ein unklarer und unterschiedlich verwendeter Begriff. Sozialpädagogik existiert als Disziplin, so wie als Berufsfeld. Viele Bücher beschäftigen sich mit
dem Wort Sozialpädagogik. Es gibt viele unterschiedliche Theorien und Erklärungsversuche. Dadurch hat die Sozialpädagogik noch nicht ihre disziplinäre Identität gefunden. Wenn die
Schwierigkeiten der Sozialpädagogik mit dem Begriff beginnen, ist es wichtig die Entwicklung des Begriffs genauer zu untersuchen. Und genau dies soll u. a. mit dieser Arbeit getan werden. Mein Thema lautet daher: zum Begriff der Sozialpädagogik.
Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich genauer auf den Begriff Sozialpädagogik eingehen. Dabei werde ich erstens auf die Wortbedeutung von Sozialpädagogik anhand einer Analyse
der Wortzusammensetzung von sozial und Pädagogik eingehen. Zweitens werde ich die Wortbedeutung von Sozialpädagogik unter geschichtlichem Aspekt betrachten. Drittens wird der Begriff Sozialpädagogik in der Gegenwart betrachtet. Viertens soll ein Fazit zum Begriff Sozialpädagogik gezogen werden. Im zweiten Teil werde ich dann auf Sozialpädagogik und ihre Abgrenzung zu anderen Wissenschaften eingehen. Erstens soll das Verhältnis von Sozialpädagogik und Allgemeiner Pädagogik betrachtet werden und zweitens das Verhältnis von Sozialpädagogik und Sozialer
Arbeit. Drittens soll ein Fazit zur Abgrenzung von Sozialpädagogik zu anderen Wissenschaften gezogen werden.
Und im dritten und letzten Teil folgt meine Schlussbetrachtung zum Begriff Sozialpädagogik.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Begriff Sozialpädagogik
1.1 Wortbedeutung durch Analyse der Wortzusammensetzung
1.2 Wortbedeutung unter geschichtlichem Aspekt von Sozialpädagogik
1.3 Begriff Sozialpädagogik heute
1.4 Fazit
2 Sozialpädagogik und eine Abgrenzung zu anderen Wissenschaften
2.1 Sozialpädagogik und Allgemeine Pädagogik
2.2 Sozialpädagogik und Soziale Arbeit
2.3 Fazit
3 Schlussbetrachtung
4 Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den wissenschaftlich und alltagssprachlich unklaren sowie unterschiedlich verwendeten Begriff der Sozialpädagogik zu untersuchen. Die Forschungsfrage widmet sich dabei der notwendigen Klärung der disziplinären Identität und der Abgrenzung zu benachbarten Disziplinen wie der Allgemeinen Pädagogik und der Sozialen Arbeit.
- Historische Herleitung und Begriffsanalyse der Sozialpädagogik
- Verhältnisbestimmung zwischen Sozialpädagogik und Allgemeiner Pädagogik
- Abgrenzung und Differenzierung zwischen Sozialpädagogik und Sozialer Arbeit
- Diskussion der fachlichen und professionellen Identität
- Betrachtung aktueller Herausforderungen und Begriffsverständnisse
Auszug aus dem Buch
1.2 Wortbedeutung unter geschichtlichem Aspekt von Sozialpädagogik
Sozialpädagogik wird namentlich erstmals 1844 von Mager erwähnt und 1850 von Diesterweg. Mager verstand unter Sozialpädagogik „die gesamte Theorie einer in konkreten Gesellschaften vorkommenden Erziehung mitsamt ihrer sich vollziehenden Praxis“. Für Diesterweg war Sozialpädagogik „eine Reaktion auf das Entstehen sozialer Missstände, erzieherischer Notsituationen und gesellschaftspolitischer Spannungen (soziale Frage) zu Beginn des Industriezeitalters“ und der „Versuch ihrer Überwindung durch spezifische pädagogische Maßnahmen und Institutionen“.
Natorp entwickelte dann um die Jahrhundertwende ein Konzept von Sozialpädagogik „im Sinne von Sozialerziehung als Antwort auf die soziale Frage“. Sozialpädagogik stand damit im Gegensatz zur Individualpädagogik und war für Natorp die „Erziehung und Bildung durch Gemeinschaft zur Gemeinschaft“. Seine Auffassung war, dass der Mensch ohne Gemeinschaft „zum Tier herabsinken“ würde. Er sah den Menschen als sehr soziales und politisches Wesen an. Er sah Maßnahmen von außen nur als Nothilfe an. Natorp stand dem Ausbau sozialstaatlicher Sicherungen und sozialer Institutionen kritisch gegenüber. Die Aufgaben waren für ihn von den primären Gemeinschaften zu lösen. Willmann sah 1903 Sozialpädagogik in Verbindung mit der sozialen Frage als allgemeines Leitmotiv an.
In den 20er Jahren entwickelten Nohl und Bäumer einen geisteswissenschaftlichen Ansatz von Sozialpädagogik „als eigenen, subsidiär zu verstehenden Erziehungsbereich neben Familie und Schule“. Es folgte die Zeit der „Weimarer Sozialpädagogik“. Nach Nohl bezeichnet 1929 Sozialpädagogik „alles was Erziehung, aber nicht Schule und nicht Familie ist“. Sozialpädagogik stellt somit einen Ausschnitt von Erziehung dar. Sozialpädagogik bedeutet nach Nohl alle Anstrengungen innerhalb eines bestimmten Bereiches, vor allem in der Jugendhilfe. Diese Auffassung wurde kritisiert. Stahl sah sie z. B. als verengten Sprachgebrauch an, der sich nur auf bestimmte Erziehungsaufgaben beschränkt, die von Staat und Gesellschaft getragen werden und verweist auf Natorp.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung legt die Problematik der Begriffsunsicherheit in der Sozialpädagogik dar und definiert den Aufbau sowie die Zielsetzung der Arbeit.
1 Begriff Sozialpädagogik: Dieses Kapitel analysiert die Wortbedeutung, die historische Entwicklung des Begriffs und das heutige Begriffsverständnis sowie die damit verbundene Identitätsproblematik.
2 Sozialpädagogik und eine Abgrenzung zu anderen Wissenschaften: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der Sozialpädagogik zur Allgemeinen Pädagogik sowie zur Sozialen Arbeit unter Berücksichtigung verschiedener theoretischer Ansätze.
3 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion über die Schwierigkeit, Sozialpädagogik eindeutig zu definieren, und stellt die Perspektiven der weiteren wissenschaftlichen Diskussion dar.
4 Quellenverzeichnis: Das Quellenverzeichnis listet alle für die Arbeit herangezogenen Fachbücher, Lexika und Internetquellen auf.
Schlüsselwörter
Sozialpädagogik, Soziale Arbeit, Pädagogik, Disziplin, Profession, Sozialisationshilfe, Allgemeine Pädagogik, Jugendhilfe, Begriffsgeschichte, Identität, Erziehungswissenschaft, Sozialarbeitswissenschaft, Theorie-Praxis-Verhältnis, Bildungsarbeit, Institutionelle Förderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der begrifflichen Unschärfe der Sozialpädagogik und untersucht die theoretischen sowie praktischen Hintergründe dieser Disziplin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die historische Genese des Begriffs, die disziplinäre Verortung innerhalb der Pädagogik sowie die Abgrenzung und das Verhältnis zur Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine fundierte Auseinandersetzung mit der Begriffsgeschichte und den wissenschaftlichen Definitionen zur Klärung der disziplinären Identität der Sozialpädagogik beizutragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin wählt einen analytischen Ansatz, bei dem verschiedene Fachlexika, Theorien und Ansätze bedeutender Pädagogen vergleichend gegenübergestellt und kritisch diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Begriffsanalyse (einschließlich Wortanalyse und geschichtlicher Aspekte) sowie eine Untersuchung des Verhältnisses zu anderen Wissenschaften wie der Allgemeinen Pädagogik und der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Sozialpädagogik, Soziale Arbeit, disziplinäre Identität, Erziehungswissenschaft und die professionelle Abgrenzung.
Wie bewertet die Autorin die Verwendung der "Schrägstrichvariante" bei Sozialpädagogik und Sozialer Arbeit?
Die Autorin sieht den Schrägstrich auf der Ebene der Profession als verständliche Vermischung der Aufgabenbereiche, fordert jedoch in der Theorie eine klarere Unterscheidung der Disziplinen.
Warum wird im Text der Begriff "Begriffsverwahrlosung" verwendet?
Dieser Begriff wird zitiert, um die aktuelle Situation zu beschreiben, in der es keine Einigkeit mehr darüber gibt, was Sozialpädagogik inhaltlich umfasst oder ausschließt.
- Citation du texte
- Ivonne Schröder (Auteur), 2010, Zum Begriff der Sozialpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149975