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Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft"

Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Vermischung von PR und Journalismus?

Titel: Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft"

Seminararbeit , 2009 , 18 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Christian Bauer (Autor:in)

Soziologie - Politik, Majoritäten, Minoritäten
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

„Vier feindselige Zeitungen sind mehr zu fürchten als tausend Bajonette”, fröstelte es schon dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte im achtzehnten Jahrhundert. Die Angst vor der vierten Gewalt gerade bei Personen und Einrichtungen die von einer positiven Meinung der Öffentlichkeit abhängig sind, häufig aus ökonomischen Gründen, resultiert aus ihrem Ruf. Jean-Jacques Rousseau beschrieb die Presse als vierte Säule des Staates, die die Rolle des Volksvertreters in Demokratien innehaben sollte. Doch woher kommt diese Angst vor dem doch eigentlich Guten?
Der Journalismus gilt weitläufig als neutral und enthüllend. Er recherchiert und deckt auf, was dem Bürger und Verbraucher oft verborgen bleibt- eventuell auch verborgen bleiben sollte.
Gerade deshalb sind investigative Sendungen und Beiträge in Zeitungen, so erfolgreich und ziehen großes Interesse auf sich.
Da Unternehmen, Parteien und Verbände stets darauf bedacht sind, ihre Interessen und ihr Handeln ins rechte Licht zu rücken und es als das non plus ultra zu präsentieren, nehmen sie diese Aufgabe lieber selbst in die Hand. Nicht eigenmächtig zu bestimmen, was das Publikum über sie erfährt, sondern eine unabhängige Zeitung oder Fernsehsendung darüber berichten zu lassen, scheint zu riskant. Angesichts des Berufsethos der Journalisten, eine unabhängige, neutrale und sorgfältig recherchierte Arbeit abzuliefern, scheint diese Angst der Unternehmen berechtigt, denn nicht immer stimmt das, was einem präsentiert wird mit der Wirklichkeit überein. Da eine freie Presse selten Loblieder auf Unternehmen, Politik und Verbände singt, nehmen diese das Heft häufig selbst in die Hand und beauftragen Spezialisten ihre Unternehmensphilosophie ins gewünschte Licht zu rücken- diese Spezialisten entspringen der Riege der Public Relations (im Folgenden auch PR abgekürzt).
Weil jedoch viele Leser einen Artikel für seriöser und glaubwürdiger halten als eine Werbebeilage, versucht die PR ihre Erzeugnisse immer häufiger gezielt als recherchierte Artikel in Zeitungen unter zu bringen. Hierfür bekleidet sie in Zeiten der Medienkrise, die von finanziellen und personellen Engpässen in Redaktionen geprägt ist, die Rolle des perfiden Zulieferers der benötigten Informationen. Das Wissen über die Not im redaktionellen Alltag lässt die geschönten Artikel schneller in Zeitungen gelangen, in denen sie dann für den Leser als normaler Bericht erscheinen. Die Gefahr des Glaubwürdigkeitsverlustes der Zeitungen spielt hier...

Leseprobe


Gliederung

1. Einleitung

2. Journalistischer Alltag

3. Das Wesen der Public Relations

4. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

5. Die widersprüchlichen Strategien der INSM

5.1 Die Komposition der Medien

5.2 Fahrlässige journalistische Prostitution

5.3Die Missionsträger der Initiative

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die zunehmende Vermischung von Public Relations und Journalismus in Deutschland am Beispiel der Arbeitgeber-finanzierten "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) und analysiert, wie diese Verbindung die öffentliche Meinungsbildung sowie die Unabhängigkeit des Journalismus beeinflusst.

  • Strukturelle Medienkrise und der ökonomische Druck auf Redaktionen
  • Methodik der strategischen PR zur Platzierung von Interessen
  • Einflussnahme auf die öffentliche Meinung und politische Debatten
  • Die Rolle von "Multiplikatoren" und Institutionen in der PR
  • Risiken der Symbiose für die journalistische Glaubwürdigkeit

Auszug aus dem Buch

5.2 Fahrlässige journalistische Prostitution

„[...]Wie sieht sie konkret aus, die Soziale Marktwirtschaft, beim Bäcker um die Ecke, beim Rentner, an der Ladenkasse, bei der Tafel? Wie macht sie sich im Alltag bemerkbar? Geht es uns heute besser als unseren Eltern? Und wird es unseren Kindern besser gehen als uns?

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hat drei Journalisten beauftragt, nach den vielen Gesichtern und Geschichten der Sozialen Marktwirtschaft zu suchen.“17 So die Beschreibung der neuesten Aktion der INSM. Sie schickt drei junge Journalisten dreißig Tage durch Deutschland und lässt sie Menschen sämtlicher Couleur über unsere Wirtschaftsordnung befragen. Die Aktion ähnelt in ihrer Art der 2005 von der Bertelsmann Stiftung initiierten und um ein neues Nationalgefühl bemühten Kampagne „ Du bist Deutschland“. Kritische Beobachter, denen das zwischen den Zeilen Lesen nicht abhandengekommen ist, sehen schnell, dass sämtliche Beiträge bei „Deutschland 24/30“ darauf abzielen, den Menschen mehr Eigeninitiative und Eigenverantwortung für ihr Handeln näher zu bringen - „Hilfe zur Selbsthilfe“, ganz im Sinne der INSM. Den Vorwurf, die drei Journalisten würden sich freiwillig für die Ideen der Initiative prostituieren, dementieren sie vehement. Die INSM sei zwar Auftraggeber der „Journalismusreise“, sie habe jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt. Auf einem Informationsblatt, welchem dem Verein LobbyControl zugespielt wurde, ist vermerkt: „Sachverhalte sollten "durchaus auch kritisch" hinterfragt werden. [...] Für diese "kritischen" Nachfragen werden Journalisten gesucht, die "der sozialen Marktwirtschaft gegenüber positiv eingestellt und einem unternehmernahen Auftraggeber gegenüber aufgeschlossen sind. [...] Die Aktion sei eine "ehrliche Art und Weise, das Thema 'Soziale Marktwirtschaft' wieder in die Köpfe der Leute zu bringen"18 In wie weit die Neutralität der Journalisten und der Berichterstattung unter diesen Bedingungen eingeschränkt ist bleibt zu vermuten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtet die historische Rolle der Presse als vierte Gewalt und thematisiert die zunehmende Einflussnahme von PR-Spezialisten auf den Journalismus.

2. Journalistischer Alltag: Analysiert den ökonomischen Druck auf Redaktionen, der zu einer anfälligeren Haltung gegenüber PR-Zulieferungen führt.

3. Das Wesen der Public Relations: Definiert PR als interessengeleiteten Prozess der Meinungsbildung, der im Kontrast zum neutralen Journalismus steht.

4. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft: Zeichnet die Entstehung der INSM als neokonservative Lobby-Initiative nach, die das wirtschaftliche Klima in Deutschland beeinflussen will.

5. Die widersprüchlichen Strategien der INSM: Untersucht spezifische Lobby-Strategien wie Medienpartnerschaften, Kampagnenarbeit und die Nutzung von Multiplikatoren.

5.1 Die Komposition der Medien: Beschreibt die strategische Zusammenarbeit mit führenden Medienhäusern zur Platzierung von INSM-Studien.

5.2 Fahrlässige journalistische Prostitution: Dokumentiert das Beispiel der Aktion "Deutschland 24/30" und kritisiert die Instrumentalisierung von Journalisten.

5.3Die Missionsträger der Initiative: Erläutert die gezielte Einbindung von Experten und Wissenschaftlern, um der Ideologie der INSM eine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit zu verleihen.

6. Fazit: Fasst zusammen, dass die INSM erfolgreich die öffentliche Debatte beeinflusst, warnt jedoch vor der schleichenden Aushöhlung des investigativen Journalismus.

Schlüsselwörter

Public Relations, Journalismus, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, INSM, Lobbyismus, Medienkrise, Meinungsbildung, Sozialstaat, Wirtschaftsordnung, Öffentlichkeitsarbeit, Glaubwürdigkeit, LobbyControl, Interessenvertretung, Medienresonanz, Medienethik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die kritische Schnittstelle zwischen PR-Aktivitäten und dem Journalismus in Deutschland und zeigt auf, wie Lobby-Organisationen die redaktionelle Berichterstattung beeinflussen.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?

Im Zentrum stehen der ökonomische Druck auf moderne Redaktionen, die Instrumentalisierung von Journalisten durch PR-Aktionen und die Verbreitung neokonservativer Positionen unter dem Deckmantel der Sozialen Marktwirtschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt, inwiefern die Vermischung von PR und Journalismus die öffentliche Meinung beeinflusst und welche Risiken für die journalistische Neutralität bestehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Analyse, die auf bestehenden Studien, Berichten von Interessenverbänden (wie LobbyControl) und medienkritischen Analysen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Strategien der INSM, von der gezielten Medienkooperation über die Instrumentalisierung von "Journalismusreisen" bis hin zum Einsatz von Wissenschaftlern als "Missionsträgern".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Public Relations, Lobbyismus, Medienethik, INSM und die Erosion journalistischer Unabhängigkeit durch ökonomische Zwänge.

Wie infiltriert die INSM laut der Arbeit den Bildungsbereich?

Die INSM bietet über Portale wie "wirtschaftundschule.de" Lehrmaterialien an, die ideologisch gefärbt sind und gezielt die neokonservative Perspektive an Schüler vermitteln sollen.

Warum wird die Zusammenarbeit zwischen PR und Journalismus als "gefährlich" eingestuft?

Da Journalisten aufgrund von Zeitnot und Ressourcenmangel PR-Material oft unreflektiert übernehmen, verliert das Publikum die nötige Distanz und damit das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Presse.

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Details

Titel
Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft"
Untertitel
Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Vermischung von PR und Journalismus?
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,3
Autor
Christian Bauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V149981
ISBN (eBook)
9783640667338
ISBN (Buch)
9783640667840
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft Beeinflussung Meinung Vermischung Journalismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christian Bauer (Autor:in), 2009, Die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149981
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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