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Ist der Dativ dem Genitiv sein Tod?

Eine linguistische Beurteilung populärer Sprachkritik am Beispiel Bastian Sick

Title: Ist der Dativ dem Genitiv sein Tod?

Seminar Paper , 2010 , 19 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christian Reimann (Author)

Speech Science / Linguistics
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Sprachliche Themen, Fragen und Probleme sind auch hierzulande brandaktuell. Nicht nur aufgrund der Orthographiereform sind daher sprachliche Verwirrungen und Fragen nach sprachlicher Korrektheit keine Seltenheit mehr. Sie manifestieren sich in Äußerungen wie: „Heißt es: wegen Dir oder Deinetwegen?“. Zudem die Klagen über den grässlichen Einfluss der englischen Sprache auf die einstige Sprache der großen Dichter und Denker.
Die Beliebtheit und Allgegenwärtigkeit von Fragen zu derartigen sprachlichen Zweifelsfällen zeigt sich nicht zuletzt an dem immensen Erfolg populärer Sprachkritiker, wie Wolf Schneider und der Kolumnist Bastian Sick. Üblicherweise lautet die „Diagnose“ populärer Sprachkritiker über die „krankhaften Symptome“ des aktuellen deutschen Sprachgebrauchs wie folgt: Sprachverfall, Sprachverwässerung, Sprachverlotterung oder Sprachniedergang.
Doch wie plausibel ist der Topos vom Sprachverfall? Wann kann von sprachlicher Richtigkeit gesprochen werden? Ist es ferner möglich, diese sprachlichen Entwicklungstendenzen zu bewerten – und wenn ja: wie?
Eine interessante Frage ist es daher, welche Position die Sprachwissenschaft zu diesen Fragen bzw. zu den Thesen populärer Sprachkritiker einnimmt. Aus diesem Grund ist es das Ziel dieser Arbeit, der folgenden Fragestellung nachzugehen: Wie ist die populäre Sprachkritik aus sprachwissenschaftlicher Perspektive zu beurteilen und welche Gründe sprechen in diesem Zusammenhang für eine grundsätzliche Auseinandersetzung der Sprachwissenschaft mit Sprachkritik?
Zur Beantwortung dieser Frage orientiert sich die Arbeit an der folgenden Struktur: Zunächst stehen ausgewählte Beispiele der Kolumnen Bastian Sicks im Mittelpunkt des Interesses. Daher wird in 2.1 zuerst eine kurze Darstellung der Person und des öffentlichen Status des populären Sprachkritikers erfolgen, um anschließend anhand einiger Beispiele der Kolumnen Sicks eine linguistische Einschätzung der populär-sprachkritischen Methodik und Analyse zu demonstrieren.
Unter Berücksichtigung der im zweiten Kapitel erarbeiteten Ergebnisse wird dritten Kapitel das Verhältnis zwischen Sprachkritik und Sprachwissenschaft genauer diskutiert. Zu diesem Zweck wird unter 3.1 ein kurzer Überblick darüber gegeben, welches Verhältnis seit Begründung der modernen Linguistik zwischen Sprachwissenschaft und Sprachkritik besteht, mit dem Ziel, daran anknüpfend wesentliche Gründe zu nennen, die für eine sprachkritische Auseinandersetzung von linguistischer Seite sprechen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Linguistische Beurteilung populärer Sprachkritik am Beispiel Bastian Sick

2.1 Bastian Sick – Entertainer oder Sprachexperte?

2.2 Linguistische Beurteilung der Sick‘schen Methodik

3 Zum Verhältnis von Sprachwissenschaft und Sprachkritik

3.1 Sprachwissenschaft vs. Sprachkritik

3.2 Gründe für eine linguistisch-begründete Sprachkritik

4 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht populäre Sprachkritik am Beispiel von Bastian Sick aus einer sprachwissenschaftlichen Perspektive. Ziel ist es, die methodischen Schwachstellen populärer Sprachkritik aufzuzeigen und zu begründen, warum eine stärkere Auseinandersetzung der Sprachwissenschaft mit diesem Feld notwendig ist.

  • Methodische Kritik an populär-sprachkritischen Analysen
  • Gegenüberstellung von Sprachwissenschaft und Sprachkritik
  • Diskussion von Sprachwandel versus Sprachverfall
  • Rolle der Sprachwissenschaft in der Öffentlichkeit
  • Interdisziplinäre Reflexion über Sprachnormen und Sprachkompetenz

Auszug aus dem Buch

2.2 Linguistische Beurteilung der Sick‘schen Methodik

Bastian Sicks Sprachkolumnen stellen ein geradezu paradigmatisches Beispiel populärer Sprachkritik dar, da sie typisch methodische Merkmale derselben enthalten. Dieser Abschnitt wird am Beispiel der Kolumnen Bastian Sicks insgesamt fünf dieser charakteristischen Merkmale populär-sprachkritischer Analysen erarbeiten und aus sprachwissenschaftlicher Sichtweise beurteilen.

Das erste Merkmal betrifft die dogmatische begriffliche Trennung zwischen Hochsprache und Dialekt: Zwei häufig angeführte Beispiele populärer Sprachkritik zur Bekräftigung ihrer Sprachverfalls-Ideologie betreffen u.a. das aktuelle syntaktische Phänomen der „[…] Verwendung der Präposition wegen mit dem Dativ.“ In diesem Zusammenhang führt Sick das überregional erfolgreiche Lied Wegen dir der bayerischen Schlagersängerin Nicole aus den 1980er Jahren als beispielhaften Beitrag zur Entstehung der Wegen-Dativ-Verwendung an und stellt diesem die Platte Deinetwegen des seiner Meinung nach hochdeutschen Sängers Udo Jürgens als richtige sprachliche Form gegenüber. Während Sick dabei Nicoles sprachlichen Fehler aufgrund der vermeintlichen Verfassung des Textes im bayerischen Dialekt für einigermaßen verzeihbar hält, betrachtet er die zunehmende Veröffentlichung hochdeutscher Lieder in den 1990er Jahren, welche wegen dir im Titel enthielten, als unverzeihbaren Beitrag zur „Verflachung“ der Hochsprache. Diese Auffassung vermittelt ein verzerrtes Bild des alltäglichen Sprachgebrauchs. Sick verkennt die Tatsache, dass Hochdeutsch als standardsprachliche Norm ein bloßes idealisiertes Konstrukt darstellt, welches nur von den wenigsten in allen Lebenssituationen gesprochen wird. Den empirischen Normalfall bilden hingegen regionale und gruppenbezogene sprachliche Prägungen. Im Übrigen sind die Texte Nicoles entgegen Sicks Darstellung nicht im bayerischen Dialekt verfasst, sondern in einem Regiolekt, einem regional geprägten Hochdeutsch. Des Weiteren formuliert Sick bezüglich des Wegen-Dativs an keiner Stelle ein Kriterium für Sprachrichtigkeit bzw. Sprachverflachung. Merkwürdigerweise betrachtet er sogar an anderer Stelle die heutige Verwendung des Genitivs nach der Präposition trotz, welche früher mit dem Dativ gebraucht wurde, als ein Beispiel des Sprachwandels.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Sprachverfall und stellt die Forschungsfrage nach der wissenschaftlichen Beurteilung populärer Sprachkritik.

2 Linguistische Beurteilung populärer Sprachkritik am Beispiel Bastian Sick: Dieses Kapitel analysiert Bastian Sicks Arbeit und zeigt methodische Mängel wie die Vernachlässigung der Pragmatik und eine starre Trennung von Sprachstufen auf.

3 Zum Verhältnis von Sprachwissenschaft und Sprachkritik: Das Kapitel diskutiert das Spannungsfeld zwischen deskriptiver Linguistik und normativer Sprachkritik und fordert eine engere Kooperation.

4 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer linguistisch fundierten Sprachberatung für die Öffentlichkeit.

Schlüsselwörter

Sprachkritik, Sprachwissenschaft, Bastian Sick, Sprachverfall, Sprachwandel, Sprachnormen, Linguistik, Sprachkompetenz, Deutschunterricht, Sprachrichtigkeit, Mediengeschichte, Anglizismen, Pragmatik, Diachronie, Synchronie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit setzt sich kritisch mit der populären Sprachkritik auseinander, wobei die Kolumnen von Bastian Sick als zentrales Fallbeispiel dienen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen Sprachwandel, den Unterschied zwischen Hochsprache und Dialekt, das Verhältnis von gesprochener zu geschriebener Sprache sowie die linguistische Einordnung von Sprachrichtigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die wissenschaftliche Beurteilung der populären Sprachkritik und die Erarbeitung von Argumenten für eine stärkere Einbindung linguistischer Expertise in öffentliche Sprachdebatten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse, um methodische Schwachstellen, wie die Vermischung von Synchronie und Diachronie sowie die Ausblendung pragmatischer Aspekte, in Sicks Argumentation nachzuweisen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert methodische Merkmale der Sprachkritik bei Bastian Sick und diskutiert das grundlegende Spannungsverhältnis zwischen Sprachwissenschaft und Sprachkritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachkritik, Sprachwissenschaft, Sprachverfall, Sprachwandel und linguistische Sprachkompetenz charakterisiert.

Warum wird Bastian Sicks Sprachkritik als unzureichend bewertet?

Die Arbeit kritisiert, dass Sick Sprache in ein starres Richtig-Falsch-Schema presst und linguistische Grundunterscheidungen, wie jene zwischen Semantik und Pragmatik, ignoriert.

Welche Rolle spielt die Linguistik laut der Arbeit zukünftig?

Die Linguistik sollte den Kontakt zur Öffentlichkeit über Bildung und Medien suchen, um Sprachreflexion auf ein wissenschaftlich fundiertes Niveau zu heben.

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Details

Title
Ist der Dativ dem Genitiv sein Tod?
Subtitle
Eine linguistische Beurteilung populärer Sprachkritik am Beispiel Bastian Sick
College
RWTH Aachen University
Grade
1,7
Author
Christian Reimann (Author)
Publication Year
2010
Pages
19
Catalog Number
V149998
ISBN (eBook)
9783640627448
ISBN (Book)
9783640627684
Language
German
Tags
Sprachkritik populäre Sprachkritik linguistische Sprachkritik Bastian Sick Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Reimann (Author), 2010, Ist der Dativ dem Genitiv sein Tod?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149998
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