In der ersten Zwischenperiode, 2100 v. Chr., waren die hohen Funktionäre des Königreiches zu lokalen Oberhäuptern avanciert, und hatten eine hoch organisierte Feudalherrschaft mit Erbrecht eingerichtet. Gleich den Pharaonen, hielten sie einen luxuriösen Hofstaat, samt Handwerkern, Priestern und Ärzten.
In dieser Zeit entwickelten sich in den Provinzen Nekropolen dieser neuen Aristokratie, mit dekorierten und beschrifteten Mastaben und Felsengräber. Diese neue Elite ließ sich in einfachen Holzsärgen bestatten, und die Grabkammern boten nicht mehr so viel Platz, um Grabtexte, wie Pyramidentexte, an den Wänden anzubringen. Daher ging man zur Sitte über, die Holzsärge selbst zu beschriften, an den Aussen-, und vor allem an den Innenseiten.
Zu diesen Texten gehörten, nebst den Pyramidentexten, welche im alten Reich ausschliesslich den Königen vorbehalten waren, auch komplett neue Textformen.
Die neuen Nekropolen lagen hauptsächlich bei Heliopolis, der alten Hauptstadt Memphis (Sakkarah, Dahschur), El-Lischt und Herakleopolis, Assiut, Beni Hassan, el-Bershk, Theben, bei Kôm el-Hisn bis Assuan, beim ersten Katarakt.
Die Texte stammten aus der ersten Zwischenzeit um 2160 v. Chr., und erhielten sich bis zur 13. Dynastie um 1700 v. Chr., was der Zeit des „Mittleren Reiches“ entsprach. Die bedeutendste Entwicklung erfolgte in der 12. Dynastie. Einige der Texte entstammten dem Ende des alten Reiches, Papyri von unbekannter Herkunft, die heute für die Forschung von speziellem Interesse sind, da sie massgeblich den Schreibern und Malern der Sarkophage als Vorlage dienten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Die Särge
III. Inhaber der Särge
IV. Die Texte, Textstruktur, Textaufbau
V. Textinhalte
VI. Textgestaltung
VII. Versuch einer Textstruktur nach Barguet
1. Teil: Einleitende Texte
2. Teil: Die Bestimmung, das Los des Toten
3. Teil: Die Gefahren der anderen Welt und ihre Ausweichmöglichkeiten
4. Teil: Andere Texte
5. Teil: Das Buch der zwei Wege
6. Teil: Das Buch der zwei Wege (2. Textteil)
VIII. Rituelle Sprechhandlungen
IX. Schlussbetrachtung
X. Sprüche
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den altägyptischen Sargtexten aus dem Mittleren Reich. Das primäre Ziel ist es, die inhaltliche Struktur, die Funktion der Texte auf den Särgen sowie deren Bedeutung für das Jenseitsverständnis der ägyptischen Elite dieser Zeit zu analysieren und die komplexe Verbindung zwischen Schrift, Bild und Magie zu verdeutlichen.
- Historischer Kontext der Sargtexte im Mittleren Reich
- Funktion und Symbolik des Sarges als kosmischer Raum
- Analyse der Textinhalte und ihre Bedeutung für die Auferstehung
- Strukturierung der Jenseitsvorstellungen nach Paul Barguet
- Performative Wirkung ritueller Sprechhandlungen
Auszug aus dem Buch
II. Särge
Die Definition eines Sarges ist klar, es handelt sich um eine einfach gezimmerte Holzkiste mit Deckel. Weniger definiert sind Sarkophage. Im Allgemeinen bestehen diese aus einem steinernen Sarkophag und/oder einem anthropomorph gestaltetem hölzernen Sarkophag.
Wir haben es hier mit Särgen zu tun, und dies mit recht bescheidenen Massen (ca. Höhe: 52 cm [o/Deckel] x Länge: 2 m x Breite: 48 cm).
Die Texte wurden vorwiegend im Innern des Sarges aufgemalt, in hieratischer Schrift.
Der Sarg stellte für den Ägypter ein Haus dar, ein Kosmos, in dem der verstorbene in Mitten zahlreicher bildlich festgehaltener Grabbeigaben, Symbolen, Sprüchen, Geschichten ein neues Leben leben sollte. Dieses Haus war das Abbild der Welt, in welcher der Verstorbene gelebt hatte, respektiv in welcher er gemäss dem Bestattungsritual Auferstehen sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die ägyptischen Jenseitsbücher und erläutert den sozialen Kontext der Entstehung der Sargtexte innerhalb der neuen Aristokratie des Mittleren Reiches.
II. Die Särge: Dieses Kapitel beschreibt den Sarg als physisches Objekt, seine Konstruktion und seine Bedeutung als symbolischen Kosmos und Lebensraum für den Verstorbenen.
III. Inhaber der Särge: Hier wird die Elite analysiert, für die diese Särge gefertigt wurden, sowie deren Zugang zu Bildung und den darin enthaltenen magischen Schutzformen.
IV. Die Texte, Textstruktur, Textaufbau: Das Kapitel behandelt die Natur der Sprüche, die Schwierigkeiten der orthographischen Überlieferung und die Entwicklung der Jenseitskonzeption im Vergleich zu den Pyramidentexten.
V. Textinhalte: Es wird die inhaltliche Vielfalt der Texte dargelegt, die von Hymnen über Beschwörungen bis hin zu Wunschformeln reicht und den Triumph des Lebens über den Tod thematisiert.
VI. Textgestaltung: Dieser Abschnitt widmet sich den technischen Aspekten der Inschriften, wie der Verwendung von hieratischer Schrift, Farben und der Bedeutung von Rubren für die Textstruktur.
VII. Versuch einer Textstruktur nach Barguet: Das Kapitel unterteilt die Sargtexte basierend auf Paul Barguets systematischer Einordnung in thematische Abschnitte, von Einleitungstexten bis hin zum "Buch der zwei Wege".
VIII. Rituelle Sprechhandlungen: Hier wird die performative Kraft der Texte erläutert, nach der das bloße Aussprechen oder Lesen die beschriebenen Handlungen im Jenseits unmittelbar wirksam macht.
IX. Schlussbetrachtung: Ein kurzes Fazit fasst die Bedeutung der Sargtexte für das spirituelle Verständnis der Ägypter zusammen und weist auf ihre Rolle als Vorläufer des Totenbuches hin.
X. Sprüche: Dieses Kapitel bietet ein exemplarisches Textbeispiel, nämlich Spruch 764, um die inhaltliche und stilistische Beschaffenheit der Sargtexte zu veranschaulichen.
Schlüsselwörter
Sargtexte, Mittleres Reich, Ägyptologie, Jenseitsvorstellung, Grabbeigaben, Magie, Auferstehung, Osiris, Hieratisch, Ba-Seele, Zwei-Wege-Buch, Totenbuch, Bestattungsritual, Opferlisten, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Sargtexte des Mittleren Reiches als zentrale Grabliteratur, die Einblick in die spirituellen Konzepte und Jenseitserwartungen der damaligen Elite gibt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Aufbau der Särge, die inhaltliche Kategorisierung der Texte, die soziale Identität der Verstorbenen und die magisch-rituelle Funktion der Schriften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Erschließung der Textstruktur nach Barguet sowie das Verständnis der Performanz dieser Texte im Kontext der ägyptischen Bestattungsrituale.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Fachliteratur und der religionsgeschichtlichen Interpretation ägyptologischer Primärquellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die physische und inhaltliche Beschreibung der Särge, die Analyse der Schreibweise, die thematische Strukturierung nach Barguet und die Erläuterung ritueller Sprechhandlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sargtexte, Mittleres Reich, Jenseitsreise, Magie, Hieratische Schrift und Auferstehung charakterisieren.
Was ist die Bedeutung des "Buches der zwei Wege"?
Es handelt sich um eine Art Jenseitsführer, der dem Toten den Weg durch ein topographisch gegliedertes Jenseits beschreibt, um schließlich das Licht des Horus zu erreichen.
Warum ist die "performative Wirkung" der Texte wichtig?
Die Ägypter glaubten, dass das geschriebene und gesprochene Wort Wirklichkeitscharakter besaß; somit sicherte die Inschrift dem Toten dauerhaft die beschriebenen Vorteile, Gaben und den Schutz vor Gefahren.
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- Dominique Oppler (Author), 2010, Ägyptische Sargtexte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150004