Seit jeher werden wirtschaftliche und volkswirtschaftliche Aktivitäten von un-günstigen Witterungsbedingungen beeinflusst. Bis in die jüngste Vergangenheit wurden wetterbedingte Auswirkungen noch als unvermeidbare Rahmenbedingungen hingenommen.
Dann tauchten in den USA Ende der 90er-Jahre mit Wetterderivaten neue, innovative Finanzinstrumente auf, mit deren Hilfe sich nachteilige Wetterentwicklungen absichern lassen. Wetterderivate basieren auf Daten wie Temperaturen, Niederschlagsmengen, Sonnenstunden oder Windgeschwindig-keiten. Seit ihrem Aufkommen sind die Instrumente stetig weiterentwickelt worden und auch ihr Einsatzspektrum hat sich kontinuierlich vergrößert. Bislang erfuhr der Markt eine anhaltende Belebung, so dass die Teilnehmerzahl fortwährend größer wurde. Nach wie vor ist in der Weiterentwicklung der Finanzinstrumente und im Wachstum des Marktes eine nachhaltige Dynamik zu spüren.
Die Arbeit gibt einen breiten Überblick über die Struktur, aktuelle Einsatzbereiche und das Marktgeschehen von Wetterderivaten. Sie schildert nicht nur den Status Quo, sondern beschreibt auch eine neue, bis vor kurzem noch unbekannte Einsatzmöglichkeit von Wetterderivaten, bei der sogar ein ganzer Staat aus humanitären Gesichtspunkten gegen nachteilige Wetterentwicklungen abgesichert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wetterrisiko und Wetterexposure
3. Das Finanzinstrument Wetterderivat
3.1 Definition und Begriffsabgrenzung
3.2 Parameter und Funktionsweise von Wetterderivaten
3.2.1 Basisobjekte
3.2.2 Weitere Kontraktparameter
3.2.3 Mögliche Derivatearten und ihre Funktionsweise
3.2.3.1 Wetteroptionen
3.2.3.2 Wetterswaps und Wetterfutures
3.2.3.3 Exotische Konstrukte
4. Einsatzmöglichkeiten von Wetterderivaten in der Praxis
4.1 Wetterderivate im Risikomanagement
4.2 Wetterderivate im Portfoliomanagement
4.3 Wetterderivate als Marketinginstrument
5. Der Markt für Wetterderivate
5.1 Entstehung und Entwicklung
5.2 Marktteilnehmer
5.2.1 Betroffene Branchen
5.2.2 Weitere Marktakteure
5.3 Der Wetterderivatehandel an der Chicago Mercantile Exchange
6. Praxisbeispiel – Der Wetterderivatekontrakt der Weltbank mit dem Staat Malawi
6.1 Zielsetzung und Rolle der Weltbank beim Wetterderivatehandel
6.2 Volkswirtschaftlicher Hintergrund Malawis
6.3 Entwicklung und Funktionsweise des Wetterderivats
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Wesen, die Einsatzbereiche und den Markt von Wetterderivaten als innovative Finanzinstrumente zur Absicherung wetterbedingter Risiken. Dabei wird analysiert, wie diese Instrumente für Unternehmen, Anleger und sogar ganze Staaten nutzbar gemacht werden können, um negative wirtschaftliche Auswirkungen durch Wetterschwankungen zu minimieren.
- Struktur und Funktionsweise von Wetterderivaten (Basisobjekte, Indizes, Parameter)
- Einsatzmöglichkeiten in Risikomanagement, Portfoliomanagement und Marketing
- Analyse der Marktentwicklung und der relevanten Marktteilnehmer
- Praxisstudie des Wetterderivatekontrakts der Weltbank mit dem Staat Malawi als humanitäres Risikomanagementinstrument
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition und Begriffsabgrenzung
Gemäß Hull verkörpert ein Derivat ein Finanzinstrument, dessen Wert wiederum vom Wert anderer grundlegender Variablen abhängt.13 Der Wert eines Aktienderivates richtet sich nach dem Kurswert einer Aktie. Die Wertentwicklung eines Rohstoffderivates hängt wiederum von der Preisentwicklung des zugrunde liegenden Rohstoffassets ab. Analog richten sich Wetterderivate in ihrem Wert nach der Entwicklung eines bestimmten Wetterparameters. Sie unterscheiden sich von den herkömmlich gehandelten Derivaten in der Form, dass ihr zugrunde liegendes Basisobjekt (auch Underlying genannt), kein physisch vorhandenes, bepreisbares und lieferbares Objekt darstellt.14 Anstatt der Lieferung des Basisobjekts erfolgt eine Ausgleichszahlung (Payoff), die von der Entwicklung eines oder mehrerer Wetterparameter bestimmt wird.15 Wetterderivate werden entweder individuell Over-the-Counter (OTC) oder standardisiert an der Börse Chicago Mercantile Exchange (nachfolgend CME genannt) gehandelt.16
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung der Absicherung gegen wetterbedingte Risiken und definiert das Ziel der Arbeit, einen umfassenden Überblick über Strukturen und Einsatzmöglichkeiten von Wetterderivaten zu geben.
2. Wetterrisiko und Wetterexposure: Dieses Kapitel erläutert, wie Unternehmen ihr individuelles Wetterexposure identifizieren und quantifizieren können, da dies die Basis für eine zielgerichtete Absicherung mittels Wetterderivaten darstellt.
3. Das Finanzinstrument Wetterderivat: Hier erfolgt eine detaillierte Erläuterung der Struktur von Wetterderivaten, einschließlich Definitionen, Basisobjekten (wie Temperaturindizes), sowie der Funktionsweise verschiedener Derivatearten wie Optionen und Swaps.
4. Einsatzmöglichkeiten von Wetterderivaten in der Praxis: Das Kapitel beschreibt den praktischen Nutzen von Wetterderivaten in den Bereichen Risikomanagement, Portfoliomanagement sowie als kreatives Marketinginstrument für Unternehmen.
5. Der Markt für Wetterderivate: Es wird die Entstehung und Entwicklung des Marktes nachgezeichnet, die wichtigsten Marktakteure analysiert und die zentrale Rolle der Chicago Mercantile Exchange als Handelsplattform herausgestellt.
6. Praxisbeispiel – Der Wetterderivatekontrakt der Weltbank mit dem Staat Malawi: Dieses Kapitel dient als Fallstudie, die zeigt, wie Wetterderivate durch die Vermittlung der Weltbank genutzt werden können, um den Staat Malawi gegen die wirtschaftlichen Folgen von Dürreperioden abzusichern.
7. Fazit und Ausblick: Abschließend wird der aktuelle Status des Wetterderivatemarktes bewertet und eine positive Prognose hinsichtlich einer weiteren Standardisierung und steigenden Marktliquidität abgegeben.
Schlüsselwörter
Wetterderivate, Wetterrisiko, Wetterexposure, Basisobjekt, Temperaturindex, Degree-Day, Risikomanagement, Marktliquidität, Weltbank, Malawi, Wetteroptionen, Wetterswaps, Wetterfutures, Chicago Mercantile Exchange, Absicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Analyse über die Struktur, die Anwendungsgebiete und das Marktgeschehen von Wetterderivaten als moderne Finanzinstrumente.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die mathematisch-technische Konstruktion von Wetterderivaten, deren Einsatz in der betriebswirtschaftlichen Praxis sowie die empirische Entwicklung des globalen Marktes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen breiten Überblick über die Funktionsweise und den Nutzen von Wetterderivaten zu vermitteln und anhand eines Praxisbeispiels innovative Anwendungsmöglichkeiten für humanitäre Zwecke aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Auswertung von Marktstudien sowie eine detaillierte Fallstudienanalyse zum Wetterderivatekontrakt der Weltbank.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Wetterexposures, die Definition und Klassifizierung von Derivatearten, den Einsatz in verschiedenen Branchen sowie eine umfassende Marktanalyse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wetterderivate, Risikoabsicherung, Basisobjekte (wie HDD/CDD), Marktteilnehmer, Wetterexposure und das Anwendungsbeispiel Malawi.
Warum ist das Beispiel Malawi für die Forschung so besonders?
Es illustriert erstmalig die Anwendung von Wetterderivaten im Risikomanagement für einen ganzen Staat, um humanitäre Krisen infolge von Dürre abzufedern.
Welche Rolle spielt die Weltbank bei diesem speziellen Kontrakt?
Die Weltbank agiert als bonitätsstarker Vermittler, der das Wetterrisiko des Staates Malawi aufnimmt und an den kommerziellen Versicherungsmarkt (Dealer) weiterleitet.
- Quote paper
- Franz Wamser (Author), 2009, Wetterderivate: Struktur, Einsatzmöglichkeiten und Markt , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150023