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Historische Konzeption des Heimatgedankens

Eine Dekonstruktion anhand ausgewählter sächsischer Unterrichts- und Lehrmaterialien

Title: Historische Konzeption des Heimatgedankens

Examination Thesis , 2009 , 81 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Knape (Author)

Didactics - History
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Die „Heimat“ ist für das Individuum der regionale (Nah-)Erfahrungsraum zum Kennenlernen und Verstehen seiner Lebensumwelt. Aufgrund seiner begrifflichen Vielfalt ist er leicht nutz- und konstruierbar. Dies birgt nicht selten politische und gesellschaftliche Implikationen, welche den „kleinen Raum“ ideologisch anfällig erscheinen lassen.
Die vorliegende Staatsexamensarbeit will dekonstruieren, wie sich die geschichtliche Konzeption des Heimatgedankens in Schule und Unterricht niederschlägt. Dies erfolgt vorwiegend anhand sächsischer Schul- und Lesebücher. Einbezogen sind desweiteren ausgewählte Quellen zur besseren Darstellung der staatlichen Vorgaben in Aufzeichnungen, Weisungen und Lehrplänen. Auch soll ein Rückgriff auf zeitaktuelle geschichtliche Publikationen zum objektiveren Verständnis politischer, wirtschaftlicher und sozialer Entwicklungen beitragen, deren Behandlung unerlässlich für eine möglichst mehrperspektivische Untersuchung des Heimatbegriffes ist. Die Arbeit unterteilt sich hierbei in fünf historische Untersuchungsabschnitte. Innerhalb dieses vor allem qualitativen Querschnitts soll untersucht werden, wie der Heimatbegriff im jeweiligen historischen Kontext dargestellt, konstruiert und instrumentalisiert wird. Im Zuge dieser Analyse sollen auch vorgegebene Wertvorstellungen miteinander verglichen werden.
Aufgrund der Kompaktheit der Darstellung erhebt die Ausarbeitung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Schulbuchsammlung selbst ist nicht lückenlos. Einige Bereiche sind aufgrund der gefundenen Unterrichtspublikationen leicht über- bzw. unterrepräsentiert und können daher nur einen kleinen Ausschnitt der historischen Wirklichkeit im Bezug auf die Gesamtfragestellung wiedergeben. Der analytische Vergleich soll trotzdessen am Ende in abstrahierter Form erfolgen. Abschließend werden dann die Möglichkeiten einer zeitgemäßen Verwendung des Heimatbegriffes in Schule und Unterricht knapp erörtert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vom Königreich zum Nationalstaat – Sachsen von 1800-1871

2.1. Zwischen Agrarromantik und Fortschrittsglaube

2.2. Der Verlust politischer Autonomie

2.3. Im Spannungsfeld von Landesbewusstsein und Nationalbildung

3. Lernziel: Untertan - Sachsen im Kaiserreich

4. Die Wiederentdeckung der Heimat - Der Freistaat in der Weimarer Republik

5. „Blut und Boden“ – Sachsen als faschistischer Gau

6. Das sozialistische Vaterland – Die sächsischen Bezirke in der DDR

7. Schematische Auswertung der Untersuchung

8. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit dekonstruiert, wie sich die geschichtliche Konzeption des Heimatgedankens in sächsischen Schul- und Lesebüchern sowie im Unterricht niederschlägt und für politische sowie soziale Zwecke instrumentalisiert wurde.

  • Historische Entwicklung des Heimatbegriffs in Sachsen
  • Instrumentalisierung von Heimat im Kontext staatlicher Macht
  • Vergleich von Identitätskonstruktionen in verschiedenen Epochen
  • Rolle von Schule und Bildung bei der Formung kollektiver Identität
  • Wechselwirkung zwischen lokaler Identität und nationaler Ideologie

Auszug aus dem Buch

2. Vom Königreich zum Nationalstaat – Sachsen von 1800-1871

Das Königreich Sachsen sieht sich um 1800 mit inneren und äußeren Veränderungen konfrontiert, welche in ihrer Konsequenz den traditionalen Heimatbegriff grundlegend verändern sollten. Die von nationalen und liberalen Ideen getragenen Befreiungskriege gegen Napoleon, die zu einem nicht unwesentlichen Teil auf sächsischem Territorium gefochten wurden und in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ihren Höhepunkt erreichten, propagierten die „geeinte Heimat“ für alle in den einzelnen König- und Fürstentümern zersplittert lebenden Deutschen. Auch wenn die europäischen Mächte auf dem Wiener Kongress 1815 die vorrevolutionären – kleinstaatlichen und undemokratischen - Verhältnisse unter dem Schlagwort der Restauration wiederherstellten, waren die Hoffnungen auf einen deutschen Nationalstaat langfristig nicht zu zerstreuen.

Sachsen selbst gehörte jedoch zu den großen Verlierern des Krieges. Bis zuletzt an der Seite Napoleons stehend, musste es 58 % seines Territoriums und dadurch auch 42 % seiner Einwohner an Preußen abtreten. Politisch an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt, spotteten bereits demokratisch gesinnte Zeitgenossen über die „gekrönte Amtshauptmannschaft“ (vgl. DELAU 2003, 63). Sachsen tritt wenig später dem Deutschen Bund, einer losen Föderation der deutschen Einzelstaaten bei.

Der zweite Faktor, der tiefgreifende Umwälzungen im sächsischen Staatsgebilde auslösen sollte, war die im ausgehenden 18. Jahrhundert einsetzende „industrielle Revolution“. Darunter versteht man im Allgemeinen [...] jenen Komplex wirtschaftlicher Veränderungen, mit denen sich eine vorindustrielle, traditionelle Wirtschaftsgesellschaft, die durch niedrige Produktivität und Stagnation gekennzeichnet ist, in eine sich entwickelnde Industriewirtschaft verwandelt, in der die Produktion je Einwohner und der Lebensstandard relativ hoch sind und wirtschaftliches Wachstum anhält (DEANE 1969, 1).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Heimatbegriffs als Medium für politische und soziale Wertevermittlung in der Schule ein.

2. Vom Königreich zum Nationalstaat – Sachsen von 1800-1871: Das Kapitel beleuchtet den sächsischen Wandel unter dem Einfluss der industriellen Revolution und politischer Umbrüche im 19. Jahrhundert.

3. Lernziel: Untertan - Sachsen im Kaiserreich: Hier wird untersucht, wie die Schule im Kaiserreich versuchte, Identität zwischen Regionalbewusstsein und kaiserlicher Loyalität zu steuern.

4. Die Wiederentdeckung der Heimat - Der Freistaat in der Weimarer Republik: Das Kapitel analysiert die Suche nach einer neuen nationalen und regionalen Identität nach dem Zusammenbruch der Monarchie.

5. „Blut und Boden“ – Sachsen als faschistischer Gau: Diese Sektion behandelt die radikale ideologische Umgestaltung des Heimatbegriffs unter nationalsozialistischer Herrschaft.

6. Das sozialistische Vaterland – Die sächsischen Bezirke in der DDR: Das Kapitel beschreibt, wie die DDR Heimat als sozialistisches Identitätsmerkmal definierte und für ihre Ideologie nutzte.

7. Schematische Auswertung der Untersuchung: Dieses Kapitel fasst die Erkenntnisse über die Instrumentalisierung des Heimatbegriffs in einer Typologie zusammen.

8. Ausblick: Der Ausblick reflektiert die Relevanz regionaler Identität in der heutigen Informationsgesellschaft und modernen Demokratie.

Schlüsselwörter

Heimat, Sachsen, Nationalstaat, Schulbuchanalyse, Identitätskonstruktion, Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, DDR, Indoktrination, Heimatkunde, Patriotismus, Gesellschaft, politische Bildung, Herrschaftslegitimation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das Konzept „Heimat“ in sächsischen Schulbüchern von 1800 bis in die DDR-Zeit konstruiert und für politische Zwecke instrumentalisiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die historische Entwicklung Sachsens, die Rolle der schulischen Erziehung bei der Identitätsbildung sowie die politische Vereinnahmung regionaler Bindungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die dekonstruktive Analyse des Heimatbegriffs als Instrument staatlicher Identitätspolitik in verschiedenen Epochen darzulegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich primär um eine qualitative Querschnittsanalyse von Schul- und Unterrichtspublikationen, ergänzt durch die Auswertung zeitgenössischer Quellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert chronologisch die sächsische Geschichte von der Agrarromantik über das Kaiserreich und den Nationalsozialismus bis hin zur DDR und deren jeweils spezifische Heimatkonstruktionen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind Identitätskonstruktion, Instrumentalisierung, Nationalbildung, Bildungsauftrag und Heimatkunde.

Wie unterscheidet sich der Heimatbegriff der DDR vom Nationalsozialismus?

Während der Nationalsozialismus Heimat völkisch-rassisch und antimodernistisch definierte, betonte die DDR den sozialistischen Fortschritt und die Bindung an den Arbeiter- und Bauernstaat.

Welche Rolle spielt der "kleine Raum" in der Argumentation des Autors?

Der „kleine Raum“ fungiert als Fluchtpunkt oder Mikroebene, die in Krisenzeiten genutzt wurde, um ein Gefühl der Geborgenheit und Ordnung zu suggerieren, losgelöst von übergeordneten politischen Realitäten.

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Details

Title
Historische Konzeption des Heimatgedankens
Subtitle
Eine Dekonstruktion anhand ausgewählter sächsischer Unterrichts- und Lehrmaterialien
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte / Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte)
Grade
1,0
Author
Christian Knape (Author)
Publication Year
2009
Pages
81
Catalog Number
V150024
ISBN (eBook)
9783640610815
ISBN (Book)
9783640611195
Language
German
Tags
Heimat Heimatgeschichte Heimat in Sachsen Eduard Spranger Carl Schmitt Heimat im Schulbuch Heimat im Unterricht Heimatvergleich Blut und Boden Ideologisierung der Heimat dynastische Landesgeschichte Heimatkunde und Sachunterricht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Knape (Author), 2009, Historische Konzeption des Heimatgedankens , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150024
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