Die Wikinger in Irland

Zerstörer einer blühenden Kultur?


Seminararbeit, 2005
17 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wikinger
2.1. Definition des Begriffes „Wikinger“
2.2. Ursachen der Wikingerbewegung

3. Die Wikinger in Irland
3.1. Überfall-, Siedlungs- und Assimilierungsphase
3.2. Brian Boru und die Schlacht von Clontarf 1014
3.3. Auswirkungen der Wikinger in Irland

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Phänomen der Wikinger war in der Mittelalterlichen Geschichte vielfach diskutiert und heftig umstritten. Der Einfall dieser nordeuropäischen Völker galt lange als Epoche ungezügelten Freibeutertums, in welcher die bärtigen Männer aus den Nordländern mit ihren wendigen und schnellen Wikingerbooten nahezu an allen Küsten Europas landeten und sich durch das zivilisierte Europa mordeten und plünderten. Diese stark vereinfachte Sichtweise gilt heute mittlerweile als veraltet und korrekturbedürftig. Vielfach betont die Geschichtswissenschaft die Errungenschaften der Wikingerzeit in den Gebieten des Schiffbaus, des Handwerkes, der Kunst, der Entdeckungsreisen und des Handels. Zwar kann man den kriegerischen Charakter der Wikingereinfälle nicht verleugnen, dennoch muss man betonen, dass die Nordmänner auch bäuerliche Siedler und Kaufleute waren, welche ein ausgedehntes, beinahe europaweites Handelsnetz aufbauten. Der Wikinger Leif Eriksson erreichte gar um die Jahrtausendwende die Ostküste Nordamerikas, also fast 500 Jahre vor dem vermeintlichen Entdecker Christoph Columbus, wenn auch dieser Tatbestand noch ohne historische Folgen blieb.

Doch welchen Einfluss hatte die Wikingerzeit auf das mittelalterliche Irland? Das Frühmittelalter galt als Blütezeit der irischen Kultur im Mittelalter. Durch die Missionierung der Iren um 430 n.Chr. durch den heute als Nationalhelden verehrten Saint Patrick, wurde das Fundament für das Goldene Zeitalter des frühchristlichen Irlands und der keltischen Kirche geschaffen. Es entwickelte sich das irische Mönchtum, Klosterschulen entstanden in denen Bildung und Kultur prosperierten. Von den irischen Klöstern ging eine große Missionsbewegung aus, welche dazu führte, dass überall auf dem europäischen Festland Klöster nach irischem Muster gebildet wurden, so u. a. in Köln, Trier und Fulda.

Mit dem Einfall der Wikinger um 795 n.Chr. scheint diese Entwicklung ein abruptes Ende zu nehmen, eine Phase der Destabilisierung begann. Die heidnischen Wikinger hatten es in Irland gerade auf die Plünderung der Klöster abgesehen, da diese unbewacht und mit wertvollen religiösen Gütern versehen, ein ideales Beuteziel darstellten. Irland war aufgrund seiner zersplitterten politischen Landschaft ein ideales Ziel für die Einfälle der Wikinger, welche keinen einheitlichen Kriegszug der Nordvölker darstellten. Doch beschränkt sich das Auftreten der Wikinger nicht nur auf Plünderung und Frauenraub, vielmehr werden sie durch ihre Siedlungsabsichten um 841 n.Chr. zum integralen Bestandteil des mittelalterlichen Irlands.

In der nachfolgenden Untersuchung soll überprüft werden, welchen Einfluss die Wikinger auf das mittelalterliche Irland hatten. Kann man sie als Zerstörer einer blühenden Kultur deuten oder steuerten sie über kriegerisches Gebaren hinaus, positive Elemente zur Entwicklung Irland bei?

Im ersten Teil der Ausarbeitung soll der Begriff und die Kultur der Wikinger näher umrissen werden, gerade im Bezug auf ihre Herkunft und die Ursache der „Wikingerbewegung“. Danach wird die Zeit der Wikinger im mittelalterlichen Irland skizziert um dann abschließend deren Rolle in der irischen Geschichte zu konkretisieren.

2. Die Wikinger

2.1. Definition des Begriffes „Wikinger“

Der Begriff der Wikinger umfasst jene Nordeuropäer, welche zwischen dem achten und dem elften Jahrhundert als Krieger, Eroberer und Kaufleute nach West-, Mittel- und Südeuropa kamen und sogar in weite Teile des heutigen Russlands vorstießen. Sie entstammen den nordeuropäischen Halbinseln: der Halbinsel Jütland (dem heutigen Dänemark) sowie den ihr vorgelagerten Inseln, sowie der skandinavischen Halbinsel (mit den heutigen Staaten Norwegen, Schweden und Finnland) und den in Küstennähe befindlichen Inseln der Ostsee.1

Die etymologische Herkunft von „Wikinger“ lässt sich einerseits vom altnorwegischen „vik“ (Bucht) ableiten2, was auf die Siedlungsplätze der Wikinger in Meeresnähe hinweist, andrerseits ist nicht ausgeschlossen „[…] dass „Wikinger“ ursprünglich soviel wie „Händler“ bedeutete: Leute die „vics“ (altnorwegisch: Handelsplätze, Anm. d. Verf.) besuchen.“3

2.2. Ursachen der Wikingerbewegung

Bei der Beleuchtung der Ursachen muss klargestellt werden, dass „[das] Hervorbrechen der Wikinger aus ihren Stammländern gegen Ende des 8. und Anfang des 9. Jahrhunderts […] ein historisches Phänomen voller Rätsel [bleibt].“4 Bisher ist keine befriedigende Erklärung für den dramatischen Ausbruch der Wikinger aus Skandinavien gefunden worden. Möglicherweise hat Karl der Große, als er die Friesen eroberte, die einzige Seemacht zerstört, welche die Wikinger davon abgehalten hatte, das Kernland Europas zu überfallen.5

Viele Historiker sind der Meinung, dass der Bevölkerungsfaktor bei der „nordischen Eruption“ (LOGAN) eine bedeutende Rolle gespielt haben muss. Die Sozialstruktur der skandinavischen Länder war vom männlichen Geschlecht dominiert. So lässt sich vermuten, dass zur Männlichkeit, die Zeugung möglichst vieler Kinder sowie ein heroischer Abenteuersinn gehörten, was sich in der Seefahrt und der Entdeckung von Neuland in Übersee äußerte.6

Tatsächlich ist aber die große Schwierigkeit zu erklären wie und warum die skandinavische Bevölkerung so übermäßig anwuchs um all die Flotten und Armeen von denen wir in den Quellen lesen hervorzubringen.7 Vielfach wurde die in der wikingischen Gesellschaft vorhandene Polygamie angeführt, nur sei „[…] die Relation zwischen Vielweiberei und Bevölkerungswachstum an sich nicht dramatisch gewesen“8 und konnte im Endeffekt nur von den wohlhabenden, herrschenden Männern praktiziert werden. Der Historiker Allen MAWER bemerkt dazu folgende Überlegung: “It is quite possible […] that the large number of sons in the ruling families made it necessary for the younger ones to go forth and gain for themselves fresh territories in new lands.”9

Weiterhin kann man als möglichen Faktor die Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung anführen, welche auf das gute Klima Skandinaviens während der Wikingerzeit und die Bearbeitung des Bodens durch den Einsatz und die Entwicklung neuer landwirtschaftlicher Geräte zurückgeht.10 Solche Veränderungen stimulierten das Bevölkerungswachstum und es wäre möglich, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt der Bedarf der wachsenden Bevölkerung nicht mehr durch die vorhandenen Mittel gedeckt werden konnte und somit bliebe als einzige Möglichkeit nur noch die Emigration.11

Zudem können auch das Erwerbsstreben und die damit verbundene Erschließung neuer Märkte als mögliche Gründe für eine verstärkte Aktivität der Wikinger im europäischen Küstenraum angesehen werden, „[…] denn als Kaufleute kannte man die Skandinavier schon [vor ihren Plünderfahrten]“12. Der Behauptung einiger Historiker zufolge brachten skandinavische Kaufleute über Russland riesige Mengen Silber des Abbasidenreiches in das Karolingereich.

[...]


1 Vgl. LOGAN, F. Donald, Die Wikinger in der Geschichte, übers. v. Hans-Christian Oeser, Stuttgart 1987, S.14.

2 Vgl. MAWER, Allen, The Vikings, Cambridge 1913, S.1.

3 JAMES, Edward, Nordeuropa im frühen Mittelalter (400-900) – Die Wikinger, in: Europa im Mittelalter, hg. von George HOLMES, übers. v. Johann George Scheffner, Stuttgart, 1993, S.108.

4 LOGAN, F. Donald, Die Wikinger …, a.a.O., S.22.

5 Vgl. DAVIS, Ralph H. C., A History of Medieval Europe – From Constantine to Saint Louis, London 1957, S.165

6 Hier Zusammenfassend dargelegt nach LOGAN, Donald F., Die Wikinger…, a.a.O., S.23.

7 nach DAVIS, Ralph H., A History…, a.a.O., S.165.

8 LOGAN, Donald F., Die Wikinger…, a.a.O., S.23.

9 MAWER, Allen, The Vikings, Cambridge 1913, S.7.

10 Vgl. LOGAN, Donald F., Die Wikinger…, a.a.O., S.24.

11 Ebd. S.24.

12 JAMES, Edward, Nordeuropa im frühen Mittelalter (400-900) – Die Wikinger, in: Europa im Mittelalter, hg. von George HOLMES, a.a.O., S.108.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Wikinger in Irland
Untertitel
Zerstörer einer blühenden Kultur?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte / Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
Irland im Mittelalter
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V150034
ISBN (eBook)
9783640612024
ISBN (Buch)
9783640612260
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wikinger, Irland, Zerstörer, Kultur
Arbeit zitieren
Christian Knape (Autor), 2005, Die Wikinger in Irland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150034

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Wikinger in Irland


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden